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Gesammelte Werke Band 13 | |
|---|---|
| Autor*in | Josef Stalin |
| Verfasst in | Juli 1930 - Januar 1934 |
| Verlag | Verlag Roter Morgen |
| Veröffentlicht | 1971 Hamburg |
| http://ciml.250x.com/archive/stalin/german/stalinwerke_13.pdf | |
Vorwort
Der dreizehnte Band der Werke J. W. Stalins enthält die Schriften, die von Juli 1930 bis Januar 1934 geschrieben worden sind.
In dieser Periode erringt die bolschewistische Partei in Durchführung der Politik der voll entfalteten Offensive des Sozialismus an der ganzen Front welthistorische Erfolge bei der sozialistischen Umgestaltung des Landes. Die Sowjetunion wurde zu einer starken Industriemacht, zu einem Land des kollektiven, mechanisierten landwirtschaftlichen Großbetriebs.
Im „Schlusswort zum politischen Rechenschaftsbericht des ZK an den XVI. Parteitag der KPdSU(B)“ entlarvt J. W. Stalin das doppelzünglerische Verhalten der Führer der Rechtsopportunisten. J. W. Stalin charakterisierte die Erfolge des sozialistischen Aufbaus und stellte fest, dass die UdSSR in die Periode des Sozialismus eingetreten ist. Er kritisierte die antimarxistische, antileninistische Theorie von dem Absterben der Nationalsprachen und ihrer Verschmelzung zu einer gemeinsamen Sprache im Rahmen eines Staates in der Periode des Sieges des Sozialismus in einem Lande und begründete die programmatische These, dass die Nationalsprachen erst nach dem Sieg des Sozialismus im Weltmaßstab zu einer gemeinsamen Sprache verschmelzen werden.
In den Reden „Über die Aufgaben der Wirtschaftler“ und „Neue Verhältnisse - neue Aufgaben des wirtschaftlichen Aufbaus“ begründet J. W. Stalin die historische Notwendigkeit eines schnellen Tempos der sozialistischen Industrialisierung, zeigt er die entscheidende Bedeutung der Technik in der Periode der Rekonstruktion aller Zweige der Volkswirtschaft und stellt die Losung auf: „Die Bolschewiki müssen die Technik meistern“. J. W. Stalin legt die neuen Entwicklungsbedingungen der sozialistischen Industrie dar und umreißt die neuen Methoden der Leitung des wirtschaftlichen Aufbaus.
In dem Bericht „Die Ergebnisse des ersten Fünfjahrplans“ auf dem vereinigten Plenum des ZK und der ZKK der KPdSU(B) zeigt J. W. Stalin, dass die Erfüllung des ersten Fünfjahrplans in vier Jahren von größter internationaler Bedeutung ist. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans, die in einer Periode erzielt wurden, da das ganze kapitalistische System von der Weltwirtschaftskrise erschüttert wurde, zeigten die unbestreitbaren Vorzüge des sowjetischen, sozialistischen Systems gegenüber dem überlebten kapitalistischen Wirtschaftssystem.
Auf die Hauptfaktoren, die den Sieg des Fünfjahrplans gesichert haben, eingehend, hebt J.W. Stalin vor allem die Aktivität und die Hingabe, den Enthusiasmus und die Initiative der Millionenmassen der Arbeiter und Kollektivbauern hervor, die gemeinsam mit den Ingenieuren und Technikern eine kolossale Energie bei der Entfaltung des sozialistischen Wettbewerbs und der Stoßbrigadenbewegung entwickelt haben.
Bei der Festlegung der Hauptaufgaben der Partei, im Zusammenhang mit den Ergebnissen des Fünfjahrplans, weist J. W. Stalin auf die besondere Wichtigkeit des Schutzes des gesellschaftlichen sozialistischen Eigentums vor Gaunern und Dieben und auf die Notwendigkeit der allseitigen Festigung der Diktatur des Proletariats hin.
Den Fragen der Festigung der Kollektivwirtschaftsordnung und den Aufgaben der Parteiarbeit auf dem Lande sind die Rede „über die Arbeit auf dem Lande“ und die „Rede auf dem ersten Unionskongress der Stoßarbeiter der Kollektivwirtschaften“ gewidmet. J. W. Stalin legt die neue Taktik der maskierten Klassenfeinde im Dorf bloß und fordert die Parteiorganisationen zur Verstärkung der Wachsamkeit auf. J. W. Stalin zieht die Bilanz des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus und gibt die Losung aus: die Kollektivwirtschaften bolschewistisch und die Kollektivbauern wohlhabend machen.
J. W. Stalins Schriften: Brief an die Redaktion der Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“ - „Über einige Fragen der Geschichte des Bolschewismus“ und „Antwort an Olechnowitsch und Aristow“ sind äußerst wichtigen Problemen der Geschichte des Bolschewismus gewidmet. J. W. Stalin entlarvt die trotzkistischen und verschiedene andere Verfälscher der Geschichte unserer Partei und ruft dazu auf, das Studium der Parteigeschichte in wissenschaftliche, bolschewistische Bahnen zu lenken; er hebt hervor, dass der Leninismus im schonungslosen Kampf gegen den Opportunismus aller Schattierungen entstand, wuchs und erstarkte. J. W. Stalin charakterisiert den Trotzkismus als Vortrupp der konterrevolutionären Bourgeoisie.
In dem Brief an Demjan Bjedny weist J. W. Stalin darauf hin, dass einige feuilletonistische Gedichte Demjan Bjednys von antipatriotischen Tendenzen durchdrungen sind und eine offenkundige Abkehr vom Leninismus darstellen. J. W. Stalin hebt hervor, dass die russische Arbeiterklasse der Menschheit große Vorbilder des Kampfes für Freiheit und Sozialismus gegeben hat. Das erfüllt die Herzen der russischen Arbeiter mit dem Gefühl revolutionären Nationalstolzes, das fähig ist, Berge zu versetzen, fähig ist, Wunder zu vollbringen. J. W. Stalin ruft die sowjetischen Schriftsteller auf, sich auf die Höhe der Aufgaben von Sängern des fortgeschrittensten Proletariats zu erheben.
In der „Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig“ beleuchtet J. W. Stalin theoretisch die Frage der Rolle der Persönlichkeit und der Volksmassen in der Geschichte. In den Antworten auf die Fragen Emil Ludwigs erklärte J. W. Stalin, dass die Aufgabe, der er sein Leben widmet, darin besteht, den Aufstieg der Arbeiterklasse zu fördern, den sozialistischen Staat zu festigen. Jede Festigung des sozialistischen Staates trägt zur Stärkung der gesamten internationalen Arbeiterklasse bei.
In einer Reihe von Unterredungen mit ausländischen Politikern charakterisiert J. W. Stalin die Außenpolitik des Sowjetstaates als konsequente Friedenspolitik, begründet er die Möglichkeit des friedlichen Nebeneinanderbestehens der UdSSR und der kapitalistischen Länder und der Herstellung sachlicher Beziehungen zwischen ihnen.
In dem „Rechenschaftsbericht an den XVII. Parteitag über die Arbeit des ZK der KPdSU(B)“ zieht J. W. Stalin die Bilanz der großen Siege des Sozialismus in der UdSSR, hebt er die grundlegenden Umgestaltungen hervor, die in der Periode nach dem XVI. Parteitag im Lande vor sich gegangen sind, sowie die Erfolge in allen Zweigen der sozialistischen Volkswirtschaft und Kultur, die von dem vollen Triumph der Generallinie der Partei zeugen. J. W. Stalin betont, dass die ‘Partei ihre Erfolge der Tatsache verdankt, dass sie sich in ihrer Arbeit von der unbesiegbaren Lehre von Marx, Engels und Lenin leiten läßt. J. W. Stalin umreißt das Programm der weiteren Arbeit der Partei auf dem Gebiet der Industrie, der Landwirtschaft und der anderen Zweige der Volkswirtschaft, auf dem Gebiet der Kultur und der Wissenschaft. J. W. Stalin stellt die Aufgabe, die organisatorische Leitung auf das Niveau der politischen Leitung zu heben, die ideologische Arbeit der Partei und den Kampf gegen die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen zu verstärken.
J. W. Stalin analysiert den Verlauf der Weltwirtschaftskrise, deren Basis die allgemeine Krise des Kapitalismus bildet, und zeigt, dass unter den Bedingungen der allgemeinen Krise des kapitalistischen Systems der Kapitalismus eine Depression besonderer Art erlebt, die nicht zu einem neuen Aufschwung und Aufblühen der Industrie führt. J. W. Stalin charakterisiert die Verschärfung der politischen Lage innerhalb der kapitalistischen Länder und der Beziehungen zwischen diesen Ländern, sowie die Vorbereitung eines neuen Weltkrieges durch die Imperialisten.
J. W. Stalin entlarvt die Pläne der Kriegsbrandstifter und weist mit wissenschaftlich begründeter Voraussicht der weiteren Entwicklung der Ereignisse darauf hin, dass ein Krieg gegen die Sowjetunion der für die Imperialisten gefährlichste Krieg sein werde, dass die Völker der UdSSR auf Tod und Leben für die Errungenschaften der Revolution kämpfen werden, dass der Krieg zu einer völligen Niederlage der Angreifer, zur Revolution in einer Reihe von Ländern in Europa und Asien und zur Zerschmetterung der Bourgeois- und Gutsbesitzerregierungen dieser Länder führen werde. J. W. Stalin charakterisiert die Außenpolitik der UdSSR als Politik der Erhaltung des Friedens. J. W. Stalin weist auf die Notwendigkeit hin, die Verteidigungskraft des Sowjetlandes zu stärken, um zu seinem Schutz gegen einen Überfall der imperialistischen Staaten bereit zu sein.
Zum ersten Mal veröffentlicht werden im dreizehnten Band: die Briefe J. W. Stalins an Genossen Schatunowski, Genossen Tsch-e, Demjan Bjedny, Genossen Ettschin, Genossen I. N. Bashanow; J. W. Stalins Antworten auf Fragen von Ralph W. Barnes und die Antwort auf einen Brief des Herrn Barnes sowie die Unterredung mit Oberst Robins.
Marx-Engels-Lenin-Stalin-Institut beim ZK der KPdSU
1930
Schlusswort zum politischen Rechenschaftsbericht des ZK an den XVI. Parteitag der KPdSU (B)
Seite 1 - 14
2. Juli 1930
„Prawda“ Nr. 181, 3. Juli 1930.
Genossen!
Nach der Diskussion zum Rechenschaftsbericht des ZK, nach all dem, was sich auf unserem Parteitag im Zusammenhang mit dem Auftreten der ehemaligen Führer der Rechtsopposition ereignet hat, bleibt mir in meinem Schlusswort wenig zu sagen übrig.
Ich sagte in meinem Bericht, dass der XVI. Parteitag einer der wenigen Parteitage in der Geschichte unserer Partei ist, auf dem es keine irgendwie formell organisierte Opposition gibt, die ihre eigene Linie hätte und sie der Linie der Partei entgegenstellen könnte. Das hat sich, wie Sie sehen, denn auch tatsächlich bestätigt. Auf unserem Parteitag, auf dem XVI. Parteitag, gab es nicht nur keine formell organisierte Opposition, es fanden sich nicht einmal eine kleine Gruppe oder auch nur einzelne Genossen, die sich für berechtigt gehalten hätten, hier auf der Tribüne zu erscheinen und die Parteilinie für falsch zu erklären.
Es ist klar, dass die Linie unserer Partei die einzig richtige Linie ist, und zwar erweist sich ihre Richtigkeit als so offenkundig und unbestreitbar, dass sogar die ehemaligen Führer der Rechtsopposition es für notwendig hielten, in ihren Reden ohne Schwanken die Richtigkeit der gesamten Politik der Partei zu betonen.
Selbstverständlich ist es nach alledem nicht notwendig, sich über die Richtigkeit der Leitsätze zu verbreiten, die im Rechenschaftsbericht entwickelt worden sind. Das ist nicht nötig, da die Linie der Partei angesichts ihrer offenkundigen Richtigkeit einer weiteren Verteidigung auf diesem Parteitag nicht bedarf. Wenn ich nun trotzdem auf das Schlusswort nicht verzichtet habe, so deswegen, weil ich es doch nicht für überflüssig halte, kurz auf einige schriftliche Anfragen von Genossen zu antworten, die beim Präsidium des Parteitags eingereicht worden sind, und dann ein paar Worte zu den Reden der ehemaligen Führer der Rechtsopposition zu sagen.
Ein großer Teil dieser Anfragen behandelt gewisse zweitrangige Fragen: Weshalb in den Rechenschaftsberichten die Pferdezucht nicht erwähnt wurde - ob sie nicht im Schlusswort erwähnt werden könnte (Heiterkeit); weshalb in den Rechenschaftsberichten der Wohnungsbau nicht erwähnt wurde - ob darüber nicht im Schlusswort etwas gesagt werden könnte; weshalb in den Rechenschaftsberichten nichts über die Elektrifizierung der Landwirtschaft gesagt wurde - ob sich darüber nicht im Schlusswort etwas sagen ließe. Und so weiter in diesem Sinn.
Ich muss allen diesen Genossen erwidern, dass ich in meinem Bericht nicht alle volkswirtschaftlichen Fragen berühren konnte. Und nicht nur nicht konnte, sondern auch nicht durfte, denn ich habe nicht das Recht, den Referaten der Genossen Kujbyschew und Jakowlew vorzugreifen, die Ihnen über die konkreten Probleme der Industrie und der Landwirtschaft zu berichten haben. In der Tat, wenn im Rechenschaftsbericht des ZK alle Fragen behandelt worden wären, worüber sollten dann die Referenten in ihren Berichten über die Industrie, die Landwirtschaft usw. sprechen? (Zurufe: „Sehr richtig!“)
Speziell zu der Anfrage über die Elektrifizierung der Landwirtschaft muss ich bemerken, dass dieser Fragesteller sich einige Unrichtigkeiten zuschulden kommen läßt. Er versichert, wir stünden schon „unmittelbar vor“ der Elektrifizierung der Landwirtschaft, das Volkskommissariat für Landwirtschaft aber hemme die Entwicklung dieser Sache, Lenin habe darüber anders gedacht usw. Alles das stimmt nicht, Genossen. Man kann nicht sagen, dass wir „unmittelbar vor“ der Elektrifizierung der Landwirtschaft stehen. Wenn wir wirklich unmittelbar vor der Elektrifizierung der Landwirtschaft stünden, dann hätten wir jetzt schon vielleicht 10 bis 15 Rayons mit elektrifiziertem Landwirtschaftsbetrieb. Sie wissen aber sehr gut, dass wir vorläufig nichts dergleichen haben. Alles, was sich heute über die Elektrifizierung der Landwirtschaft sagen läßt, ist dies, dass die Elektrifizierung sich bei uns im Stadium der experimentellen Entwicklung befindet. So betrachtete auch Lenin die Sache, als er die auf Elektrifizierung der Landwirtschaft abzielenden Versuche förderte. Manche Genossen glauben, die Traktoren wären bereits überlebt, und die Zeit sei gekommen, von den Traktoren zur Elektrifizierung der Landwirtschaft überzugehen. Das ist selbstverständlich Phantasterei. Solche Genossen müssen zurechtgewiesen werden, was das Volkskommissariat für Landwirtschaft auch tut. Also kann die Unzufriedenheit des Fragestellers mit dem Volkskommissariat für Landwirtschaft nicht als begründet betrachtet werden.
Die zweite Gruppe von Anfragen betrifft die nationale Frage. In einer dieser Anfragen, die ich für die interessanteste halte, wird ein Vergleich gezogen zwischen der Behandlung des Problems der Nationalsprachen in meinem Bericht an den XVI. Parteitag und der Behandlung der Frage in meinem Vortrag an der Universität der Völker des Ostens im Jahre 1925,[1] und zwar wird behauptet, hier bestehe eine gewisse Unklarheit, die behoben werden müsse. „Sie haben sich damals“, so heißt es in der Anfrage, „gegen die Theorie (Kautskys) vom Absterben der Nationalsprachen und von der Schaffung einer einzigen, gemeinsamen Sprache in der Periode des Sozialismus (in einem Lande) gewandt, heute aber; in Ihrem Bericht an den XVI. Parteitag, erklären Sie, die Kommunisten seien Anhänger der Verschmelzung der nationalen Kulturen und der nationalen Sprachen zu einer gemeinsamen Kultur mit einer gemeinsamen Sprache (in der Periode des Sieges des Sozialismus im Weltmaßstab) - besteht hier nicht eine Unklarheit?“
Ich glaube, dass hier weder eine Unklarheit noch irgendein Widerspruch besteht. In meinem Vortrag von 1925 wandte ich mich gegen die national-chauvinistische Theorie Kautskys, nach welcher ein Sieg der proletarischen Revolution Mitte des vorigen Jahrhunderts in einem vereinigten österreichisch-deutschen Staat zum Aufgehen der Nationen in einer einheitlichen deutschen Nation mit einer deutschen Einheitssprache und zur Germanisierung der Tschechen hätte führen müssen. Ich lehnte diese Theorie als eine antimarxistische, antileninistische Theorie ab und berief mich dabei auf die Tatsachen aus dem Leben unseres Landes nach dem Siege des Sozialismus in der UdSSR, die diese Theorie widerlegen. Diese Theorie lehne ich, wie aus meinem Rechenschaftsbericht an diesen unseren XVI. Parteitag zu ersehen ist, auch heute ab. Ich lehne sie ab, weil die Theorie des Aufgehens aller Nationen, sagen wir der UdSSR, in einer einheitlichen großrussischen Nation mit einer großrussischen Einheitssprache eine national-chauvinistische Theorie, eine antileninistische Theorie ist, die einer Grundthese des Leninismus widerspricht, nämlich der These, dass die nationalen Unterschiede in der nächsten Periode nicht verschwinden können, dass sie noch lange Zeit sogar nach dem Siege der proletarischen Revolution im Weltmaßstab bestehen bleiben müssen.
Was eine entferntere Perspektive der nationalen Kulturen und nationalen Sprachen anbetrifft, so vertrat ich immer und vertrete auch weiter die Leninsche Ansicht, dass in der Periode des Sieges des Sozialismus im Weltmaßstab, wenn der Sozialismus bereits erstarkt sein und sich im Leben eingebürgert haben wird, die Nationalsprachen unweigerlich zu einer gemeinsamen Sprache verschmelzen müssen, die natürlich weder das Großrussische noch das Deutsche, sondern etwas Neues sein wird. Das habe ich ebenfalls unzweideutig in meinem Bericht an den XVI. Parteitag erklärt.
Wo ist denn da eine Unklarheit, und was bedarf hier eigentlich der Klärung?
Offensichtlich sind sich die Fragesteller mindestens über zwei Dinge nicht ganz klar geworden.
Vor allem sind sie sich nicht über die Tatsache klar geworden, dass wir in der UdSSR bereits in die Periode des Sozialismus eingetreten sind, wobei die Nationen, obgleich wir in diese Periode eingetreten sind, nicht etwa absterben, sondern im Gegenteil, sich entwickeln und aufblühen. In der Tat, sind wir bereits in die Periode des Sozialismus eingetreten? Unsere Periode wird gewöhnlich als Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus bezeichnet. Als Übergangsperiode wurde sie 1918 bezeichnet, als Lenin in seinem berühmten Artikel „Über ‚linke’ Kindereien und über Kleinbürgerlichkeit“[2] das erste Mal diese Periode mit ihren fünf Wirtschaftsformen charakterisierte. Sie wird auch gegenwärtig, im Jahre 1930, Übergangsperiode genannt, wo einige dieser Wirtschaftsformen als veraltete Formen bereits im Untergehen begriffen sind, während eine dieser Wirtschaftsformen, und zwar die neue Wirtschaftsform, in Industrie und Landwirtschaft mit beispielloser Geschwindigkeit wächst und sich entfaltet. Darf man sagen, dass diese beiden Übergangsperioden identisch sind, dass sie sich nicht von Grund aus voneinander unterscheiden? Natürlich nicht.
Was hatten wir 1918 in der Volkswirtschaft? Eine zerstörte Industrie und die berüchtigten Feuerzeuge, keine Kollektiv- und Sowjetwirtschaften als Massenerscheinung, ein Wachsen der „neuen“ Bourgeoisie in der Stadt und des Kulakentums auf dem Lande.
Was haben wir heute? Eine wiederhergestellte und in Rekonstruktion begriffene sozialistische Industrie, ein entwickeltes System von Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften, deren Frühjahrsaussaat allein mehr als 40 Prozent der gesamten Frühjahrsaussaatfläche der UdSSR umfasst, eine sterbende „neue“ Bourgeoisie in der Stadt, ein sterbendes Kulakentum auf dem Lande.
Damals eine Übergangsperiode und heute eine Übergangsperiode. Und doch sind sie voneinander grundlegend, sind sie himmelweit verschieden. Und doch kann niemand abstreiten, dass wir unmittelbar vor der Liquidierung der letzten ernst zu nehmenden kapitalistischen Klasse, der Klasse der Kulaken, stehen. Es ist klar, dass wir die Übergangsperiode im alten Sinne des Wortes bereits hinter uns haben und dass wir in die Periode des direkten und voll entfalteten sozialistischen Aufbaus an der ganzen Front eingetreten sind. Es ist klar, dass wir bereits in die Periode des Sozialismus eingetreten sind, denn der sozialistische Sektor hält jetzt alle wirtschaftlichen Hebel der gesamten Volkswirtschaft in seinen Händen, obwohl es noch weit ist bis zur Vollendung der sozialistischen Gesellschaft und bis zur Beseitigung der Klassenunterschiede. Und dennoch, dessen ungeachtet sterben die Nationalsprachen keineswegs ab und verschmelzen nicht zu einer gemeinsamen Sprache, ganz im Gegenteil, die nationalen Kulturen und die nationalen Sprachen entwickeln sich und blühen auf. Ist es nicht klar, dass die Theorie des Absterbens der Nationalsprachen und ihrer Verschmelzung zu einer gemeinsamen Sprache im Rahmen eines Staates in der Periode des entfalteten sozialistischen Aufbaus, in der Periode des Sozialismus in einem Lande, eine falsche, antimarxistische, antileninistische Theorie ist?
Die Fragesteller sind sich zweitens nicht darüber klar geworden, dass die Frage des Absterbens der Nationalsprachen und ihrer Verschmelzung zu einer gemeinsamen Sprache keine innerstaatliche Frage, keine Frage des Sieges des Sozialismus in einem Lande ist, sondern eine internationale Frage, eine Frage des Sieges des Sozialismus im internationalen Maßstab. Die Fragesteller haben nicht begriffen, dass man den Sieg des Sozialismus in einem Lande nicht mit dem Sieg des Sozialismus im internationalen Maßstab verwechseln darf. Nicht umsonst sagte Lenin, dass die nationalen Unterschiede noch lange Zeit sogar nach dem Siege der Diktatur des Proletariats im internationalen Maßstab bestehen bleiben werden.
Außerdem muss noch ein Umstand berücksichtigt werden, der eine Reihe von Nationen der UdSSR betrifft. Es gibt eine Ukraine innerhalb der UdSSR. Es gibt aber noch eine andere Ukraine im Gefüge anderer Staaten. Es gibt ein Bjelorußland innerhalb der UdSSR. Es gibt aber noch ein anderes Bjelorußland im Gefüge anderer Staaten. Glauben Sie denn, die Frage der ukrainischen und der bjelorussischen Sprache könnte ohne Berücksichtigung dieser eigenartigen Bedingungen gelöst werden?
Nehmen Sie weiter die Nationen der UdSSR, die an ihrer südlichen Grenze zu Hause sind - von Aserbaidsban bis nach Kasachstan und der Burjat-Mongolei. Sie alle befinden sich in derselben Lage wie die Ukraine und Bjelorußland. Selbstverständlich müssen auch hier die eigen-artigen Entwicklungsbedingungen dieser Nationen in Betracht gezogen werden.
Ist es nicht klar, dass alle diese und ähnliche Fragen, die mit dem Problem der nationalen Kulturen und der nationalen Sprachen zusammenhängen, nicht im Rahmen eines Staates, im Rahmen der UdSSR, gelöst werden können?
So, Genossen, ist es um die nationale Frage im Allgemeinen und um die vorhin erwähnte Anfrage zur nationalen Frage im Besonderen bestellt.
Es sei mir gestattet, jetzt zu den Reden der ehemaligen Führer der Rechtsopposition überzugehen.
Was fordert der Parteitag von den ehemaligen Führern der Rechtsopposition? Vielleicht Reuebekenntnisse, Selbstgeißelungen? Natürlich nicht! Niemals wird unsere Partei, wird unser Parteitag es sich einfallen lassen, von Parteimitgliedern irgendetwas zu fordern, was sie erniedrigen könnte. Der Parteitag fordert von den ehemaligen Führern der Rechtsopposition drei Dinge:
Erstens sollen sie sich Rechenschaft darüber geben, dass zwischen der Parteilinie und der Linie, die sie verteidigt haben, ein Abgrund klafft, dass die Linie, die sie verteidigt haben, objektiv nicht zum Sieg des Sozialismus, sondern zum Sieg des Kapitalismus führt (Zurufe: „Sehr richtig!“);
zweitens sollen sie diese Linie als antileninistisch brandmarken und offen und ehrlich von ihr abrücken (Zurufe: „Sehr richtig!“);
drittens sollen sie Schulter an Schulter mit uns einen entschiedenen Kampf gegen alle und jedwede Rechtsabweichler führen. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Stürmischer Beifall.)
Das ist es, was der Parteitag von den ehemaligen Führern der Rechtsopposition fordert.
Enthalten diese Forderungen irgendetwas, was sie als Leute, die Bolschewiki bleiben wollen, erniedrigen könnte?
Es ist klar, dass es hierin nichts Erniedrigendes gibt noch geben kann. Jeder Bolschewik, jeder Revolutionär, jedes sich selbst achtende Parteimitglied wird verstehen, dass man in den Augen der Partei nur steigen und gewinnen kann, wenn man klare und unbestreitbare Tatsachen offen und ehrlich anerkennt.
Das ist es, weshalb ich glaube, dass die Redereien Tomskis, man wolle ihn in die Wüste Gobi schicken und ihn zwingen, wilden Honig und Heuschrecken zu essen, alberne Späße aus einer Provinzposse sind, die nichts zu tun haben mit der Frage der Würde eines Revolutionärs. (Heiterkeit, Beifall.)
Man könnte fragen, warum denn der Parteitag den ehemaligen Führern der Rechtsopposition diese Forderungen von neuem stellt.
Ist es denn nicht Tatsache, dass diese Forderungen ihnen vom ZK-Plenum[Anmerkung 2] im November 1929 schon einmal gestellt wurden? Ist es denn nicht Tatsache, dass sie, die ehemaligen Führer der Rechtsopposition, damals auf diese Forderungen eingingen, sich von ihrer Linie lossagten, deren Fehlerhaftigkeit bekannten, die Richtigkeit der Parteilinie anerkannten und versprachen, zusammen mit der Partei die Rechtsabweichung bekämpfen zu wollen? Ja, das alles ist Tatsache. Worum handelt es sich also? Es handelt sich darum, dass sie ihr Versprechen nicht gehalten haben, dass sie die von ihnen vor sieben Monaten übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllt haben und nicht erfüllen. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Uglanow hatte vollständig Recht, als er in seiner Rede erklärte, dass sie nicht gehalten haben, wozu sie sich auf dem Novemberplenum des ZK verpflichtet hatten.
Hier liegt der Ursprung des Misstrauens, dem sie jetzt auf diesem Parteitag begegnen.
Das ist der Grund, weshalb ihnen der Parteitag seine Forderungen von neuem stellt.
Rykow, Tomski und Uglanow haben sich hier beklagt, dass ihnen der Parteitag mit Misstrauen entgegentritt. Aber wer ist denn daran schuld? Sie selbst sind daran schuld. Wer seine Verpflichtungen nicht erfüllt, kann kein Vertrauen erwarten.
Hatten die ehemaligen Führer der Rechtsopposition die Möglichkeit, hatten sie Gelegenheit, ihr Versprechen zu erfüllen und einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen? Gewiss, die hatten sie. Was haben sie aber im Laufe von sieben Monaten getan, um diese Möglichkeiten und Gelegenheiten auszunutzen? Nichts!
Vor kurzem war Rykow auf der Uraler Parteikonferenz.[Anmerkung 3] Er hatte also die günstigste Gelegenheit, seine Fehler gutzumachen. Was geschah aber? Anstatt offen und entschieden mit seinen Schwankungen Schluss zu machen, begann er „Finten“ zu machen und zu manövrieren. Es ist klar, dass die Uraler Konferenz nicht umhinkonnte, ihm eine Abfuhr zu erteilen.
Vergleichen Sie jetzt Rykows Rede auf der Uraler Konferenz mit seiner Rede auf dem XVI. Parteitag. Zwischen ihnen klafft ein Abgrund. Dort zieht er mit „Finten“ und Manövern gegen die Uraler Konferenz zu Felde. Hier versucht er, laut und vernehmlich seine Fehler zu bekennen, versucht, mit der Rechtsopposition zu brechen, und verspricht, die Partei im Kampf gegen Abweichungen zu unterstützen. Woher diese Wandlung, wie ist sie zu erklären? Sie erklärt sich offenbar dadurch, dass sich in der Partei für die ehemaligen Führer der Rechtsopposition eine bedrohliche Lage ergeben hat. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Parteitag den bestimmten Eindruck gewonnen hat: Solange man diese Leute nicht unter Druck setzt, ist bei ihnen nichts zu erreichen. (Allgemeine Heiterkeit, lang anhaltender Beifall.)
Hatte Uglanow die Möglichkeit, sein auf dem Novemberplenum des ZK gegebenes Versprechen zu erfüllen? Ja, die hatte er. Ich meine die Versammlung von Parteilosen im „Moselektrik“-Werk, wo er unlängst gesprochen hat. Was geschah aber? Anstatt so aufzutreten, wie es sich für einen Bolschewik gehört, begann er dort die Parteilinie zu verunglimpfen. Es ist klar, dass er dafür von der Betriebszelle die nötige Abfuhr erhielt.
Vergleichen Sie jetzt diese Rede mit seiner Erklärung, die heute in der „Prawda“ abgedruckt ist. Zwischen ihnen klafft ein Abgrund. Wodurch ist diese Wandlung zu erklären? Durch dieselbe bedrohliche Lage, in die sich die ehemaligen Führer der Rechtsopposition versetzt sahen. Was ist daran verwunderlich, wenn der Parteitag daraus die bestimmte Lehre zog: Wenn man diese Leute nicht unter Druck setzt, ist bei ihnen nichts zu erreichen. (Allgemeine Heiterkeit, Beifall.)
Oder zum Beispiel Tomski. Unlängst war er in Tiflis auf der Transkaukasischen Konferenz.[Anmerkung 4] Er hatte also Gelegenheit, seine Sünden wieder gut zumachen. Was aber geschah? In seiner dortigen Rede kam er auf Sowjetwirtschaften, Kollektivwirtschaften, Genossenschaften, Kulturrevolution und alle möglichen derartigen Dinge zu sprechen, nur über die Hauptsache, das heißt über sein opportunistisches Treiben im Zentralrat der Gewerkschaften, sagte er kein Wort. Das nennt sich Erfüllung von Verpflichtungen vor der Partei! Er wollte die Partei überlisten, begriff jedoch nicht, dass Millionen Augen auf jeden von uns blicken und dass man hier niemand überlisten kann.
Vergleichen Sie jetzt seine Rede in Tiflis mit seiner Rede hier auf diesem Parteitag, wo er grade und offen seine opportunistischen Fehler bei der Leitung des Zentralrats der Gewerkschaften zugab. Zwischen ihnen klafft ein Abgrund. Wodurch erklärt sich dieser Unterschied? Durch dieselbe bedrohliche Lage, in die sich die ehemaligen Führer der Rechtsopposition versetzt sahen. Wen kann es wundernehmen, dass der Parteitag versucht hat, diese Genossen gehörig unter Druck zu setzen, um sie zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen anzuhalten? (Beifall, allgemeine Heiterkeit im ganzen Saal.)
Hier liegt die Quelle des Misstrauens, das der Parteitag diesen Genossen immer noch entgegenbringt.
Wodurch ist dieses mehr als seltsame Verhalten der ehemaligen Führer der Rechtsopposition zu erklären?
Wodurch ist die Tatsache zu erklären, dass sie in der verflossenen Periode kein einziges Mal versucht haben, ihre Verpflichtungen freiwillig, ohne einen Druck von außen, zu erfüllen?
Das ist mindestens durch zwei Umstände zu erklären.
Erstens dadurch, dass sie, von der Richtigkeit der Parteilinie noch nicht vollständig überzeugt, heimlich eine gewisse Fraktionsarbeit fortsetzten, sich zeitweilig ruhig verhielten und auf eine günstige Gelegenheit lauerten, um von neuem offen gegen die Partei aufzutreten. Wenn sie zu ihren Fraktionsversammlungen zusammenkamen und Parteifragen diskutierten, kalkulierten sie gewöhnlich so: Warten wir das Frühjahr ab, vielleicht erleidet die Partei bei der Aussaat eine Schlappe - dann werden wir gehörig dreinschlagen. Aber der Frühling brachte ihnen keine Gewinnpunkte, da die Aussaat günstig verlief. Dann kalkulierten sie wieder: Warten wir den Herbst ab, vielleicht erleidet die Partei bei der Getreidebeschaffung eine Schlappe - dann werden wir auf das ZK einschlagen. Aber auch der Herbst brachte ihnen eine Enttäuschung, und sie hatten wieder das Nachsehen. Und da Frühling und Herbst sich jedes Jahr wiederholen, so blieben die ehemaligen Führer der Rechtsopposition weiter auf der Lauer liegen und hofften abwechselnd mal auf den Frühling, mal auf den Herbst. (Allgemeines Lachen im Saal.)
Selbstverständlich konnten sie, da sie eine Jahreszeit nach der anderen dasaßen und auf einen günstigen Augenblick lauerten, um über die Partei herzufallen, ihre Verpflichtungen nicht einhalten.
Schließlich die zweite Ursache. Sie, diese zweite Ursache, besteht darin, dass die ehemaligen Führer der Rechtsopposition unser bolschewistisches Entwicklungstempo nicht verstehen, an dieses Tempo nicht glauben und überhaupt sich gegen alles verschließen, was über den Rahmen der allmählichen Entwicklung, über den Rahmen des Selbstlaufs hinausgeht. Mehr noch, unser bolschewistisches Tempo, unsere neuen Entwicklungswege, die mit der Rekonstruktionsperiode zusammenhängen, die Verschärfung des Klassenkampfes und die Auswirkungen dieser Verschärfung rufen bei ihnen Unruhe und Konfusion hervor, flößen ihnen Angst und Schrecken ein. Es ist daher verständlich, dass sie alles von sich fernhalten, was mit den schärfsten Losungen unserer Partei zusammenhängt.
Sie leiden an derselben Krankheit, an der Tschechows bekannter Held Bjelikow litt, ein Griechischlehrer, der „Mann im Futteral“. Erinnern Sie sich der Erzählung Tschechows „Der Mann im Futteral“? Dieser Held ging bekanntlich stets in Galoschen, im wattierten Mantel, mit einem Regenschirm, bei heißem und bei kaltem Wetter. „Gestatten Sie, wozu brauchen Sie Galoschen und einen wattierten Mantel im Juli, bei solcher Flitze?“ fragte man Bjelikow. „Für alle Fälle“, antwortete Bjelikow, „es kann doch etwas passieren: vielleicht tritt plötzlich Frost ein, was dann?“ (Allgemeine Heiterkeit, Beifall.) Er fürchtete wie die Pest alles Neue, alles, was außerhalb des gewohnten grauen Spießerlebens lag. Es wurde eine neue Speisehalle eröffnet - Bjelikow war schon besorgt: „Es kann ja ganz gut sein, eine Speisehalle zu haben, aber schauen Sie, dass nur nichts passiert.“ Man organisierte einen Theaterzirkel, eröffnete einen Lesesaal - Bjelikow war wieder in Unruhe: „Ein Theaterzirkel, ein neuer Lesesaal, wozu das? Schauen Sie, dass da nichts passiert.“ (Allgemeine Heiterkeit.)
Dasselbe muss man von den ehemaligen Führern der Rechtsopposition sagen. Erinnern Sie sich der Geschichte mit der Unterstellung der technischen Hochschulen unter die Volkskommissariate für Wirtschaft? Wir wollten alles in allem zwei technische Hochschulen dem Obersten Volkswirtschaftsrat unterstellen. Man sollte meinen, eine geringfügige Sache. Aber bei den Rechtsabweichlern begegneten wir erbittertem Widerstand. „Zwei technische Hochschulen dem Obersten Volkswirtschaftsrat unterstellen? Wozu das? Ist es nicht besser, abzuwarten? Schaut, dass bei dieser Geschichte nichts passiert.“ Jetzt aber sind alle unsere technischen Hochschulen den Volkskommissariaten für Wirtschaft unterstellt. Und nichts ist passiert!
Oder zum Beispiel die Frage der außerordentlichen Maßnahmen gegen die Kulaken. Erinnern Sie sich, welchen hysterischen Auftritt uns die Führer der Rechtsopposition bei dieser Gelegenheit bereiteten? „Außerordentliche Maßnahmen gegen die Kulaken? Wozu das? Ist es nicht besser, eine liberale Politik gegenüber den Kulaken zu betreiben? Schaut, dass bei dieser Geschichte nichts passiert.“ Und jetzt führen wir die Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse durch, eine Politik, im Vergleich mit der die außerordentlichen Maßnahmen gegen das Kulakentum eine Bagatelle sind. Und nichts ist passiert!
Oder zum Beispiel die Frage der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften. „Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften? Wozu das? Haben wir es so eilig? Schaut, dass mit diesen Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften nichts passiert.“
Und so weiter und dergleichen mehr.
Diese Angst vor dem Neuen, dieses Unvermögen, an neue Fragen auf neue Art heranzutreten, diese Unruhe, „dass nur nichts passiert“, diese Charakterzüge des Mannes im Futteral hindern die ehemaligen Führer der Rechtsopposition daran, wirklich mit der Partei eins zu werden.
Besonders lächerliche Formen nehmen diese Charakterzüge des Mannes im Futteral bei ihnen an, wenn Schwierigkeiten eintreten, wenn das kleinste Gewitterwölkchen am Horizont aufzieht. Wir stoßen irgendwo auf eine Schwierigkeit, auf ein Hindernis - schon sind sie in Unruhe, dass nur nichts passiert! Irgendwo raschelt eine Küchenschabe, die noch nicht richtig aus ihrer Ritze heraus ist, und schon scheuen sie zurück, geraten in Schrecken und schreien: eine Katastrophe, Untergang der Sowjetmacht! (Allgemeines Lachen.)
Wir beruhigen sie und bemühen uns, sie zu überzeugen, dass hier noch gar keine Gefahr besteht, dass das nichts weiter als eine Küchenschabe ist, vor der man keine Angst zu haben braucht. Vergebliches Bemühen! Sie fahren mit ihrem Geschrei fort: „Wieso eine Küchenschabe? Das ist keine Küchenschabe, das sind tausend rasende Bestien! Das ist keine Küchenschabe, sondern das Verderben, der Untergang der Sowjetmacht...“ Und - „alle Federn des Gouvernements setzen sich in Bewegung“ ... Bucharin schreibt aus diesem Anlass Thesen und schickt sie ans ZK, wobei er behauptet, die Politik des ZK habe das Land an den Abgrund gebracht, die Sowjetmacht werde ganz bestimmt untergehen, wenn nicht sofort, so doch spätestens in einem Monat. Rykow schließt sich den Thesen Bucharins an, macht aber den Vorbehalt, dass es zwischen ihm und Bucharin eine überaus ernste Meinungsverschiedenheit gebe, die darin besteht, dass die Sowjetmacht wohl untergehen werde, aber seiner Meinung nach nicht in einem Monat, sondern in einem Monat und zwei Tagen. (Allgemeine Heiterkeit.) Tomski schließt sich Bucharin und Rykow an, protestiert aber dagegen, dass sie nicht ohne Thesen auskommen konnten, dass sie nicht ohne ein Dokument auskommen konnten, für das man nachher einstehen muss: „Wie oft habe ich euch gesagt - macht, was ihr wollt, aber hinterlasst keine Dokumente, hinterlasst keine Spuren.“ (Homerisches Gelächter im ganzen Saal. Lang anhaltender Beifall.)
Nachher allerdings, nach einem Jahr, wenn jedem Dummkopf klar geworden ist, dass die Küchenschabengefahr nur ein Kinderschreck ist, kommen die Rechtsabweichler allmählich zu sich, fassen Mut und sind sogar bereit, sich zu brüsten, indem sie erklären, sie hätten vor keinerlei Schaben Angst, zumal es sich um eine ganz schwächliche und mickrige Schabe handle. (Heiterkeit, Beifall.) Das aber erst nach einem Jahr. Einstweilen aber hat man sich mit diesen Quertreibern zu plagen...
Das, Genossen, sind die Umstände, die die ehemaligen Führer der Rechtsopposition daran hindern, dem Kern der Parteiführung näher zu kommen und restlos mit ihm eins zu werden.
Wie kann dem abgeholfen werden?
Es gibt dafür nur ein Mittel: Sie müssen endgültig mit ihrer Vergangenheit brechen, sie müssen völlig umrüsten und mit dem ZK unserer Partei eins werden in seinem Kampf für ein bolschewistisches Entwicklungstempo, in seinem Kampf gegen die redete Abweichung.
Andere Mittel gibt es nicht.
Wenn die ehemaligen Führer der Rechtsopposition das tun können - gut. Können sie es nicht, dann mögen sie die Folgen sich selbst zuschreiben. (Lang anhaltender Beifall im ganzen Saal. Ovation. Alle erheben sich und singen die „Internationale“.)
„Prawda“ Nr. 181, 3. Juli 1930.
Brief an Genossen Schatunowski
Seite 15 - 17
August 1930.
Genosse Schatunowski!
An Ihren ersten Brief (über Liebknecht) erinnere ich mich nicht. Den zweiten Brief (über Kritik) habe ich gelesen. Natürlich ist Kritik notwendig und unerlässlich, jedoch unter einer Bedingung: Sie darf nicht fruchtlos sein. Leider kann man von Ihrer Kritik nicht sagen, dass sie fruchtbar wäre. Ich gehe nun auf die einzelnen Punkte Ihrer Kritik ein.
1. Es ist nicht richtig, dass vor der Revolution nur Kulaken Boden kauften. In Wirklichkeit kauften Boden sowohl Kulaken als auch Mittelbauern. Wenn man die Bauernwirtschaften, die Boden gekauft haben, nach sozialen Gruppen gliedert, so zeigt sich, dass auf die Mittelbauern eine größere Anzahl Wirtschaften entfällt als auf die Kulaken; betrachtet man die Sache jedoch unter dem Gesichtswinkel der Menge des gekauften Bodens, so liegt das Übergewicht auf Seiten der Kulaken. In meiner Rede[3] sprach ich natürlich von den Mittelbauern.
2. Die Bemerkung, dass diejenigen, die Torheiten begangen haben, auf die leninistischen Positionen zurückkehren sollen, drückt mit anderen Worten den Gedanken aus, dass sie sich von ihren Fehlern lossagen sollen. Ich denke, das ist klar und einleuchtend. Ihre „kritische“ Bemerkung hierzu ist geradezu ergötzlich.
3. Unrecht haben Sie auch, was die Verwendung von Roggen als Schweinefutter betrifft. Es handelt sich bei mir nicht darum, ob Roggen auch als Schweinefutter geeignet ist. Es handelt sich bei mir hinsichtlich des. Roggens um die Überproduktionskrise.[4] die eine Erweiterung der Anbauflächen für Roggen unvorteilhaft werden läßt und die Kapitalisten (wegen des Preisverhältnisses) veranlasst, den Roggen durch ein besonderes chemisches Verfahren zu verderben, so dass er nur noch zur Schweinemast taugt (derartiger Roggen ist für die menschliche Ernährung untauglich). Wie konnten Sie diese „Kleinigkeit“ übersehen?
4. Noch mehr im Unrecht sind Sie, wenn Sie behaupten, die Fäulnis des Kapitalismus schließe ein Wachstum des Kapitalismus aus. Lesen Sie Iljitschs „Imperialismus“,[5] und Sie werden begreifen, dass die Fäulnis des Kapitalismus in einzelnen Wirtschaftszweigen und Ländern ein ‘Wachstum des Kapitalismus in anderen Wirtschaftszweigen und Ländern nicht ausschließt, sondern voraussetzt. Wie konnten Sie diese „Kleinigkeit“ bei Lenin übersehen? Bitte kritisieren Sie, aber kritisieren Sie vom Leninschen Standpunkt aus, und nur von diesem Standpunkt, wenn Sie wollen, dass Ihre Kritik fruchtbar sei.
5. Sie haben ferner Unrecht, wenn Sie unser Land als ein Land „vom Typ kolonialer Länder“ bezeichnen. Kolonialländer sind im Wesentlichen vorkapitalistische Länder. Unser Land jedoch ist ein nachkapitalistisches Land. Die ersteren haben die Stufe des entwickelten Kapitalismus noch nicht erreicht. Das zweite ist über den entwickelten Kapitalismus hinausgewachsen. Das sind zwei grundsätzlich verschiedene Typen. Wie kann man diese „Kleinigkeit“ außer acht lassen, Genosse Kritiker?
6. Sie wundern sich darüber, dass nach Stalins Auffassung die neuen Wirtschaftskader in technischer Hinsicht erfahrener sein müssen als die alten.[6] Warum eigentlich? Stimmt es etwa nicht, dass sich unsere alten Wirtschaftskader in der Wiederherstellungsperiode herangebildet haben, in der Periode der Ausnutzung der alten Betriebe, die technisch rückständig waren und in denen man daher keine großen technischen Erfahrungen sammeln konnte? Stimmt es etwa nicht, dass die alten Wirtschaftskader in der Rekonstruktionsperiode, wo neue, moderne technische Anlagen in Betrieb genommen werden, völlig umlernen und dabei nicht selten den neuen, technisch geschulteren Kadern Platz machen müssen? Wollen Sie etwa bestreiten, dass die alten Wirtschaftskader, die sich in der Zeit der Ausnutzung und Inbetriebnahme der alten Betriebe herangebildet haben, nicht nur der neuen Technik, sondern auch unserm neuen Tempo oft geradezu hilflos gegenüberstehen?
7. Ich übergehe die übrigen Punkte Ihres Briefes, die geringfügiger und unwesentlicher, wenn auch nicht weniger fehlerhaft sind.
8. Sie sprechen von Ihrer „Ergebenheit“ mir gegenüber. Mag sein, dass Ihnen diese Worte nur zufällig entschlüpft sind. Mag sein... Sollten Ihnen aber diese Worte nicht zufällig entschlüpft sein, so würde ich Ihnen raten, das „Prinzip“ der Ergebenheit gegenüber Personen über Bord zu werfen. Das ist nicht bolschewistische Art. Seien Sie der Arbeiterklasse, ihrer Partei, ihrem Staat ergeben. Das ist notwendig und gut. Aber verwechseln Sie diese Ergebenheit nicht mit der Ergebenheit gegenüber Personen, mit diesem hohlen und unnützen intelligenzlerischen Phrasengeklingel.
Mit kommunistischem Gruß
J. Stalin
August 1930.
Zum ersten Mal veröffentlicht.
Briefe an Genossen Tsch-e
Seite 18 - 20
November 1930 und 7. Dezember 1930.
Genosse Tsch-e!
Ihr Schreiben ist voller Missverständnisse. In meinem Referat auf der XV. Parteikonferenz ist „von der Einheit der Interessen der Industrialisierung (das heißt des Proletariats) und der Interessen der Hauptmassen der werktätigen Bevölkerungsschichten“ die Rede. Dort heißt es, dass unsere Industrialisierungsmethode, das heißt die sozialistische Methode der Industrialisierung, „nicht zur Verelendung der Millionenmassen, sondern zur Verbesserung der materiellen Lage dieser Massen, nicht zur Verschärfung der inneren Widersprüche, sondern zu ihrer Abschwächung und Überwindung führt“.[7] Folglich handelt es sich hier um das Bündnis der Arbeiterklasse mit den Hauptmassen der Werktätigen und vor allem mit den Hauptmassen der Bauernschaft. Folglich handelt es sich um Widersprüche innerhalb des Bündnisses, die sich abschwächen werden und die erfolgreich überwunden werden in dem Maße, wie die Industrialisierung fortschreitet, das heißt in dem Maße, wie Kraft und Einfluss des Proletariats im Lande zunehmen.
Darum handelt es sich in meinem Referat.
Sie aber haben das alles außer acht gelassen und reden von den Widersprüchen zwischen Proletariat und Kulakentum, das heißt von Widersprüchen außerhalb des Bündnisses, die zunehmen und sich verschärfen werden, solange wir das Kulakentum als Klasse nicht liquidieren.
Sie haben also zwei verschiedene Dinge durcheinander gebracht. Sie haben die Widersprüche zwischen dem Proletariat und den Hauptmassen der Werktätigen mit den Widersprüchen zwischen Proletariat und Kulakentum durcheinander gebracht.
Ist das klar? Ich glaube, es ist klar.
Mit kommunistischem Gruß
J. Stalin
November 1930.
7. Dezember 1930.
Genosse Tsch-e!
1. In Ihrem ersten Brief haben Sie mit dem Wort „Widersprüche“ jongliert und die Widersprüche außerhalb des Bündnisses (das heißt die Widersprüche zwischen der proletarischen Diktatur und den kapitalistischen Elementen des Landes) mit den Widersprüchen innerhalb des Bündnisses (das heißt mit den Widersprüchen zwischen dem Proletariat und den Hauptmassen der Bauernschaft) in einen Topf geworfen. Sie hätten sich dieses für einen Marxisten unzulässige Jonglieren ersparen können, wenn Sie sich die Mühe gemacht hätten, die Grundlagen der Auseinandersetzungen der Partei mit den Trotzkisten zu begreifen. Die Trotzkisten behaupteten:
a) Ihr werdet mit den Widersprüchen zwischen der Mittelbauernschaft und der Arbeiterklasse nicht fertig werden, der Mittelbauer und die Arbeiterklasse werden sich unweigerlich miteinander überwerfen, und das Bündnis wird in die Brüche gehen, wenn die siegreiche Weltrevolution nicht zu Hilfe kommt;
b) ihr werdet die kapitalistischen Elemente nicht überwinden, ihr werdet den Sozialismus aus eigener Kraft nicht errichten, und ein Thermidor wird unvermeidlich sein, wenn die siegreiche Weltrevolution nicht zu Hilfe kommt.
In beiden Fragen haben die Trotzkisten bekanntlich eine Niederlage erlitten. Sie aber fühlten sich nicht bemüßigt, sich Klarheit über die Auseinandersetzungen zu verschaffen, die wir mit den Trotzkisten hatten. Daher sah ich mich in meiner Antwort gezwungen, Ihr falsches Spiel mit dem Wert „Widerspruch“ aufzudecken, und erinnerte daran, dass man zwei Reihen ungleichartiger Widersprüche nicht in einen Topf werfen darf.
Wie aber haben Sie darauf geantwortet?
2. Anstatt Ihren Fehler ehrlich einzugestehen, sind Sie der Frage „diplomatisch“ ausgewichen und vom Jonglieren mit dem Wort „Widersprüche“ zum Jonglieren mit den Worten „innere Widersprüche“ übergegangen, wobei Sie die Widersprüche innerhalb des Bündnisses mit den Widersprüchen innerhalb des Landes, mit den Widersprüchen zwischen proletarischer Diktatur und Kapitalismus, in einen Topf geworfen haben. Das heißt, Sie sind „unauffällig“ zu Ihrem Fehler zurückgekehrt, nur haben Sie ihm eine andere Form gegeben. Ich verhehle nicht, dass die Vermengung zweier ungleichartiger Widersprüche und „diplomatisches“ Verkleistern einer Frage ein charakteristisches Merkmal trotzkistisch-sinowjewistischer Denkart ist. Ich hätte nicht gedacht, dass Sie mit dieser Krankheit behaftet sind. Jetzt muss man das wohl annehmen.
Da man nicht weiß, auf was für ein Spiel Sie noch verfallen werden, ich aber mit laufenden Angelegenheiten unheimlich überlastet bin, so dass ich keine Zeit für Spiele habe, gestatten Sie mir, mich von Ihnen zu verabschieden, Genosse Tsch.
J. Stalin
7. Dezember 1930.
Zum ersten Mal veröffentlicht.
An Genossen Demjan Bjedny
Seite 21 - 25
(Auszüge aus einem Brief)
12. Dezember 1930.
Ihren Brief vom 8.XII. habe ich erhalten. Sie brauchen anscheinend meine Antwort. Schön, hier ist sie.
Zunächst über einige Ihrer kleinen und kleinlichen Aussprüche und Andeutungen. Wären sie, diese unschönen „Kleinigkeiten“, ein zufälliges Element, könnte man über sie hinweggehen. Aber es sind ihrer so viele, und sie fließen nur so aus Ihrer Feder, dass sie den Ton Ihres ganzen Briefes bestimmen. Der Ton macht aber bekanntlich die Musik.
Sie werten den Beschluss des ZK als „Schlinge“, als Anzeichen dafür, dass „die Stunde meines (d. h. Ihres) Untergangs geschlagen hat“. Warum, mit welchem Recht? Was soll man von einem Kommunisten sagen, der, anstatt sich in das Wesen eines Beschlusses des ZK zu vertiefen und die eigenen Fehler zu korrigieren, diesen Beschluss als „Schlinge“ hinstellt?...
Dutzende Male hat das ZK Sie gelobt, als es zu loben galt. Dutzende Male hat Sie das ZK (nicht ohne Ihnen manches nachzusehen!) gegen Angriffe einzelner Gruppen und Genossen unserer Partei geschützt. Dutzende Dichter und Schriftsteller hat das ZK zurechtgewiesen, wenn sie diesen oder jenen Fehler machten. Sie haben das alles für normal und verständlich gehalten. Aber jetzt, da das ZK sich genötigt sah, Ihre Fehler einer Kritik zu unterziehen, beginnen Sie plötzlich, zu maulen und von einer „Schlinge“ zu schreien. Mit welchem Recht? Vielleicht hat das ZK nicht das Recht, Ihre Fehler zu kritisieren? Vielleicht ist der Beschluss des ZK für Sie nicht verbindlich? Vielleicht sind Ihre Gedichte über jede Kritik erhaben? Finden Sie nicht, dass Sie von einer gewissen unangenehmen Krankheit angesteckt worden sind, die „Überheblichkeit“ heißt? Mehr Bescheidenheit, Genosse Demjan...
Worin besteht das Wesen Ihrer Fehler? Es besteht darin, dass Sie sich von der Kritik an den Mängeln des Lebens und der Lebensweise in der UdSSR, einer unerlässlichen und notwendigen, von Ihnen anfangs recht treffend und geschickt entwickelten Kritik, über die Maßen hinreißen ließen und dass diese Kritik, eben weil Sie sich von ihr hinreißen ließen, in Ihren Werken in eine Verleumdung der UdSSR, ihrer Vergangenheit und ihrer Gegenwart auszuarten begann. Von dieser Art sind Ihr „Komm vom Ofen herunter“ und Ihr „Ohne Erbarmen“. Von dieser Art ist Ihr „Gelumpe“, das ich heute auf Anraten des Genossen Molotow gelesen habe.
Sie sagen, dass Genosse Molotow das Feuilleton „Komm vom Ofen herunter“ gelobt hat. Wohl möglich. Ich habe dieses Feuilleton vielleicht nicht weniger gelobt als Genosse Molotow, weil es dort (wie auch in anderen Feuilletons) eine Reihe vorzüglicher Stellen gibt, die genau ins Ziel treffen. Aber es gibt dort außerdem einen Löffel voll solchen Teers, der das ganze Bild verdirbt und es in ein einziges „Gelumpe“ verwandelt. Darum geht es, und das ist es, was die Musik in diesen Feuilletons macht.
Urteilen Sie selbst.
Die ganze Welt erkennt jetzt an, dass das Zentrum der revolutionären Bewegung sich aus Westeuropa nach Rußland verlagert hat. Die Revolutionäre aller Länder blicken voller Hoffnung auf die UdSSR als den Hort des Befreiungskampfes der Werktätigen der ganzen Welt und betrachten sie als ihr einziges Vaterland. Der sowjetischen Arbeiterklasse und vor allem der russischen Arbeiterklasse, der Vorhut der sowjetischen Arbeiter, zollen die revolutionären Arbeiter aller Länder einmütig Beifall als ihrem anerkannten Führer, dessen Politik die revolutionärste und aktivste Politik von allem ist, was sich die Proletarier anderer Länder jemals erträumt haben. Die Führer der revolutionären Arbeiter aller Länder studieren begierig die außerordentlich lehrreiche Geschichte der Arbeiterklasse Rußlands, deren Vergangenheit, die Vergangenheit Rußlands, denn sie wissen, dass es außer dem reaktionären Rußland noch ein revolutionäres Rußland gegeben hat, das Rußland der Radischtschew und Tschernyschewski, der Sheljabow und Uljanow, der Chalturin und Alexejew. Alles dies erfüllt (und anders kann es auch nicht sein!) die Herzen der russischen Arbeiter mit dem Gefühl revolutionären Nationalstolzes, das fähig ist, Berge zu versetzen, fähig ist, Wunder zu vollbringen.
Und Sie? Anstatt diesen in der Geschichte der Revolution gewaltigsten Prozess zu begreifen und sich auf die Höhe der Aufgaben eines Sängers des fortgeschrittensten Proletariats zu erheben, stiegen Sie in die Niederung hinab und, nachdem Sie sich zwischen überaus langweiligen Zitaten aus den Werken Karamsins und nicht minder langweiligen Sprüchen aus dem „Domostroi“ (Russische Sammlung von Lebensregeln und Sittenlehren aus dem XVI. Jahrhundert. Der Übers.) verirrt hatten, begannen Sie vor aller Welt zu verkünden, dass Rußland im Vergangenen ein Gefäß des Greuels und der Unsauberkeit gewesen, dass das heutige Rußland ein einziges „Gelumpe“ sei, dass „Faulheit“ und der Drang, „auf dem Ofen zu hocken“, schier ein nationaler Zug der Russen überhaupt sei und folglich auch - der russischen Arbeiter, die, nachdem sie die Oktoberrevolution vollbracht haben, natürlich nicht aufgehört haben, Russen zu sein. Und das heißt bei Ihnen bolschewistische Kritik! Nein, hoch geehrter Genosse Demjan, das ist nicht bolschewistische Kritik, sondern Verleumdung unseres Volkes, Diffamierung der UdSSR, Diffamierung des Proletariats der UdSSR und Diffamierung des russischen Proletariats.
Und danach wollen Sie, dass das ZK schweigt! Wofür halten Sie unser ZK?
Und Sie wollen, dass ich schweige, weil Sie, wie sich herausstellt, für mich eine „biographische Neigung“ hegen! Wie sind Sie doch naiv, und wie wenig kennen Sie die Bolschewiki...
Vielleicht werden Sie als „gebildeter Mensch“ es nicht ablehnen, die folgenden Worte Lenins anzuhören:
„Ist uns großrussischen klassenbewussten Proletariern das Gefühl des nationalen Stolzes fremd? Gewiss nicht! Wir lieben unsere Sprache und unsere Heimat, wir wirken am meisten dafür, dass ihre werktätigen Massen (d. h. neun Zehntel ihrer Bevölkerung) zum bewussten Leben erhoben werden, dass sie Demokraten und Sozialisten werden. Es schmerzt uns am meisten, zu sehen und zu fühlen, welchen Gewalttaten, welcher Unterdrückung, welchem Joch die Zarenschergen, Gutsbesitzer und Kapitalisten unsere schöne Heimat unterwerfen. Wir sind stolz darauf, dass diese Gewalttaten Widerstand in unserer Mitte, im Lager der Großrussen hervorgerufen haben, dass aus diesem Lager Radischtschew, die Dekabristen, die Rasnotschinzen-Revolutionäre der siebziger Jahre hervorgegangen sind, dass die großrussische Arbeiterklasse im Jahre 1905 eine mächtige revolutionäre Massenpartei geschaffen, dass der großrussische Bauer zur selben Zeit Demokrat zu werden und den Popen und den Gutsbesitzer davonzujagen begonnen hat. Wir haben nicht vergessen, dass vor einem halben Jahrhundert der großrussische Demokrat Tschernyschewski, der sein Leben der Sache der Revolution hingab, gesagt hat: ‚Eine erbärmliche Nation, eine Nation von Sklaven, von oben bis unten - alles Sklaven.’ Die offenen und versteckten großrussischen Sklaven (Sklaven im Verhältnis zur Zarenmonarchie) lieben es nicht, an diese Worte erinnert zu werden. Aber nach unserer Meinung waren das Worte wahrer Heimatliebe, einer Liebe, die unter dem Mangel an revolutionärem Geist bei den Massen der großrussischen Bevölkerung litt. Damals gab es diesen revolutionären Geist nicht. Jetzt ist er, obwohl in geringem Maße, doch vorhanden. Wir sind erfüllt vom Gefühl nationalen Stolzes, denn die großrussische Nation hat gleichfalls eine revolutionäre Klasse hervorgebracht, hat gleichfalls bewiesen, dass sie imstande ist, der Menschheit gewaltige Vorbilder des Kampfes für die Freiheit und den Sozialismus zu geben und nicht nur gewaltige Pogrome, Reihen von Galgen, Folterkammern, gewaltige Hungersnöte und gewaltige Kriecherei vor den Popen, den Zaren, den Gutsbesitzern und Kapitalisten zu liefern.“ (Siehe Lenin, „Über den Nationalstolz der Großrussen“.)[8]
So verstand Lenin, der größte Internationalist der Welt, über den Nationalstolz der Großrussen zu sprechen.
Und er sprach so, weil er wusste, dass
„das Interesse des (nicht knechtisch aufgefassten) Nationalstolzes der Großrussen zusammenfällt mit dem sozialistischen Interesse der großrussischen (und aller übrigen) Proletarier“ (siehe ebenda).[9]
Das ist es, das klare und kühne „Programm“ Lenins.
Dieses „Programm“ ist völlig verständlich und natürlich für Revolutionäre, die mit ihrer Arbeiterklasse und ihrem Volk aufs engste verbunden sind.
Es ist unverständlich und nicht natürlich für entartete Menschen vom Typ Lelewitschs, die mit ihrer Arbeiterklasse und ihrem Volk nicht verbunden sind und nicht verbunden sein können.
Ist es möglich, mit diesem revolutionären „Programm“ Lenins jene ungesunde Tendenz zu vereinbaren, die in Ihren letzten Feuilletons vertreten wird?
Leider ist es unmöglich. Es ist unmöglich, weil sie miteinander nichts gemein haben.
Darum geht es, und das ist es, was Sie nicht verstehen wollen.
Sie müssen also den alten, Leninschen Weg einschlagen, trotz alledem.
Darin besteht der Kern der Sache und nicht in den leeren Lamentationen eines in Angst geratenen Intellektuellen, der vor lauter Schreck davon schwätzt, dass man angeblich Demjan „isolieren“ will, dass man Demjan „nicht mehr drucken wird“ und dergleichen mehr.
J. Stalin
12. Dezember 1930.
Zum ersten Mal veröffentlicht.
Über den Antisemitismus
Seite 26
Antwort auf eine Anfrage der Jüdischen Telegrafenagentur aus Amerika
12. Januar 1931.
„Prawda“ Nr. 329, 30. November 1930.
Hiermit beantworte ich Ihre Anfrage.
Der National- und Rassenchauvinismus ist ein Überrest der menschenfeindlichen Sitten aus der Periode des Kannibalismus. Der Antisemitismus als extreme Form des Rassenchauvinismus ist der gefährlichste Überrest des Kannibalismus.
Der Antisemitismus dient den Ausbeutern als Blitzableiter, der die Schläge der Werktätigen vom Kapitalismus ablenken soll. Der Antisemitismus ist eine Gefahr für die Werktätigen, denn er ist ein Irrweg, der sie vom rechten Wege abbringt und sie in den Dschungel führt. Darum sind die Kommunisten als konsequente Internationalisten unversöhnliche und geschworene Feinde des Antisemitismus.
In der UdSSR wird der Antisemitismus als eine der Sowjetordnung zutiefst feindliche Erscheinung vom Gesetz aufs strengste verfolgt. Aktive Antisemiten werden nach den Gesetzen der UdSSR mit dem Tode bestraft.
12. Januar 1931.
Zum ersten Mal veröffentlicht in der
„Prawda“ Nr. 329, 30. November 1930.
1931
Über die Aufgaben der Wirtschaftler
Seite 27 - 38
Rede auf der ersten Unionskonferenz der Funktionäre der sozialistischen Industrie
4. Februar 1931
„Prawda“ Nr. 35, 5. Februar 1931.
Genossen!
Die Arbeit Ihrer Konferenz geht ihrem Ende zu. Sie sind im Begriff, die Resolutionen anzunehmen. Ich zweifle nicht daran, dass sie einstimmig angenommen werden. In diesen Resolutionen - ich kenne sie ein wenig - billigen Sie die Kontrollzahlen der Industrie für das Jahr 1931 und übernehmen Sie die Verpflichtung, sie zu erfüllen.
Das Wort des Bolschewiken ist ein ernstes Wort. Die Bolschewiki sind es gewohnt, gegebene Versprechen zu halten. Was aber heißt die Verpflichtung, die Kontrollzahlen für das Jahr 1931 zu erfüllen? Das heißt, einen allgemeinen Zuwachs der Industrieproduktion in Höhe von45 Prozent zu gewährleisten Das aber ist eine sehr große Aufgabe. Mehr noch. Eine solche Verpflichtung bedeutet, dass Sie nicht nur das Versprechen geben, unseren Fünfjahrplan in vier Jahren zu erfüllen - das ist eine bereits beschlossene Sache, und hierzu bedarf es keiner Resolutionen mehr -, das bedeutet, das Sie das Versprechen geben ihn in den grundlegenden, den ausschlaggebenden Industriezweigen in drei Jahren zu erfüllen.
Es ist gut, dass die Konferenz das Versprechen gibt, den Plan für 1931 zu erfüllen, den Fünfjahrplan in drei Jahren zu erfüllen. Wir sind jedoch durch „bittere Erfahrung“ gewitzigt. Wir wissen, dass Versprechungen nicht immer gehalten werden. Anfang 1930 wurde ebenfalls das Versprechen gegeben, den Jahresplan zu erfüllen. Damals sollte die Produktion unserer Industrie um 31-32 Prozent gesteigert werden. Das Versprechen wurde jedoch nicht vollständig gehalten. Der Zuwachs der Industrieproduktion betrug im Jahre 1930 in Wirklichkeit 25 Prozent. Wir müssen die Frage stellen: Wird sich in diesem Jahr nicht dasselbe wiederholen? Die Leiter, die Funktionäre unserer Industrie geben jetzt das Versprechen, die Industrieproduktion im Jahre 1931 um 45 Prozent zu steigern. Wo ist aber die Garantie, dass das Versprechen gehalten wird?
Was ist erforderlich, um die Kontrollzahlen zu erfüllen, um einen Produktionszuwachs von 45 Prozent zu erzielen, um die Erfüllung des Fünfjahrplans nicht in vier, sondern in den grundlegenden und ausschlaggebenden Produktionszweigen in drei Jahren zu erreichen?
Dazu sind zwei Hauptbedingungen erforderlich“
Erstens, dass reale oder, wie man bei uns sagt, „objektive“ Möglichkeiten hierzu vorhanden sind.
Zweitens, dass der Wunsch und die Fähigkeit vorhanden sind, unsere Betriebe so zu leiten, dass diese Möglichkeiten in die Tat umgesetzt werden.
Hatten wir im vergangenen Jahr die „objektiven“ Möglichkeiten zur vollständigen Erfüllung des Plans? Ja, die hatten wir. Unbestreitbare Tatsachen bezeugen das. Diese Tatsachen bestehen darin, dass die Industrie im März und April des vergangenen Jahres einen Produktionszuwachs von 31 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr aufwies. Warum also, fragt es sich, haben wir den Plan für das ganze Jahr nicht erfüllt? Was stand im Wege? Woran mangelte es? Es mangelte an der Fähigkeit, die vorhandenen Möglichkeiten auszunutzen. Es mangelte an der Fähigkeit, die ‘Werke, Fabriken und Bergwerke richtig zu leiten.
Die erste Bedingung, die „objektiven“ Möglichkeiten zur Erfüllung des Plans, war gegeben. Wir verfügten jedoch nicht in genügendem Maße über die zweite Bedingung: die Fähigkeit, die Produktion zu leiten. Und gerade weil es an der Fähigkeit zur Leitung eines Betriebes mangelte, gerade deshalb wurde der Plan nicht erfüllt. Statt eines Zuwachses von 31 bis 32 Prozent erzielten wir bloß 25 Prozent.
Natürlich sind 25 Prozent Zuwachs eine große Sache. Kein einziges kapitalistisches Land hatte im Jahre 1930 einen Produktionszuwachs zu verzeichnen, noch ist das gegenwärtig der Fall. In allen kapitalistischen Ländern ohne Ausnahme findet ein schroffer Produktionsrückgang statt. Unter solchen Verhältnissen ist ein Zuwachs von 25 Prozent ein großer Schritt vorwärts. Aber wir hätten mehr leisten können. Wir verfügten über alle dazu erforderlichen „objektiven“ Bedingungen.
Welche Garantie besteht nun dafür, dass sich das, was sich im vergangenen Jahr ereignet hat, in diesem Jahr nicht wiederholt, dass der Plan restlos erfüllt wird, dass wir die vorhandenen Möglichkeiten so ausnutzen werden, wie man sie ausnutzen soll, dass Ihr Versprechen nicht zu einem gewissen Teil auf dem Papier bleibt?
In der Geschichte der Staaten, in der Geschichte der Länder, in der Geschichte der Armeen hat es Fälle gegeben, wo alle Möglichkeiten für den Erfolg, für den Sieg vorhanden waren, diese Möglichkeiten aber unausgenutzt blieben, weil die Führer diese Möglichkeiten nicht sahen, sie nicht auszunutzen verstanden, und die Armeen erlitten eine Niederlage.
Haben wir alle Möglichkeiten die notwendig sind, um die Kontrollzahlen für das Jahr 1931zu erfüllen?
Ja, diese Möglichkeiten haben wir.
Worin bestehen diese Möglichkeiten, was ist erforderlich, damit diese 1 Möglichkeiten Wirklichkeit werden?
Vor allem sind dazu in genügender Menge Naturschätze im Lande erforderlich: Eisenerz, Kohle, Erdöl, Getreide, Baumwolle. Besitzen wir sie? Ja, wir besitzen sie in größerer Menge als irgendein anderes Land. Man nehme nur den Ural, der eine Kombination von Bodenschätzen aufweist, wie sie in keinem Lande zu finden ist. Erz, Kohle, Erdöl, Getreide - was gibt es nicht alles im Ural! Wir haben alles in unserem Lande, vielleicht mit Ausnahme von Kautschuk. In ein bis zwei Jahren jedoch werden wir auch Kautschuk zur Verfügung haben. In dieser Beziehung, was die Naturschätze betrifft, sind wir vollkommen sichergestellt. Wir haben ihrer sogar mehr als nötig wäre.
Was ist noch erforderlich?
Erforderlich ist eine solche Staatsmacht, die den Wunsch und die Kraft hat. Diese ungeheuren Naturschätze zum Wohle des Volkes auszunutzen. Haben wir eine solche Staatsmacht? Ja, wir haben sie. Allerdings verläuft unsere Arbeit zur Ausnutzung der Naturschätze nicht immer ohne Reibungen zwischen unseren eigenen Funktionären. Im vergangenen Jahr zum Beispiel hatte die Sowjetmacht einen gewissen Kampf zu führen in der Frage der Bildung einer zweiten Kohlen- und Hüttenbasis, ohne die wir uns nicht weiterentwickeln können. Diese Hindernisse haben wir jedoch schon überwunden. Und diese Basis werden wir bald haben.
Was ist noch erforderlich?
Es ist noch erforderlich, dass diese Staatsmacht die Unterstützung der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern genießt. Genießt unsere Staatsmacht diese Unterstützung? Ja, die genießt sie. In der ganzen Welt werden Sie keine andere Staatsmacht finden, die eine solche Unterstützung der Arbeiter und Bauern genießt wie die Sowjetmacht. Ich werde mich nicht auf Tatsachen berufen wie das Anwachsen des sozialistischen Wettbewerbs, das Anwachsen der Stoßarbeiterbewegung, die Kampagne des Kampfes um die Gegenpläne zum Produktions- und Finanzplan. Alle diese Tatsachen, die anschaulich zeigen, dass die Sowjetmacht von den Millionenmassen unterstützt wird, sind allbekannt.
Was ist noch notwendig, um die Kontrollzahlen für 1931 zu erfüllen und über zu erfüllen?
Notwendig ist weiterhin eine solche Gesellschaftsordnung, die von den unheilbaren Krankheiten des Kapitalismus frei ist und vor dem Kapitalismus ernste Vorzüge voraushat. Krise, Erwerbslosigkeit, Verschwendung, Elend der breiten Massen - das sind die unheilbaren Krankheiten des Kapitalismus. Unsere Gesellschaftsordnung leidet nicht an diesen Krankheiten, weil die Macht in unseren Händen, in den Händen der Arbeiterklasse liegt, weil wir. eine Planwirtschaft betreiben, weil wir planmäßig Mittel anhäufen und sie auf die einzelnen Zweige der Volkswirtschaft richtig, verteilen. Wir sind frei von den unheilbaren Krankheiten des Kapitalismus. Darin unterscheiden wir uns vom Kapitalismus, darin besteht unser entscheidender Vorzug vor dem Kapitalismus.
Sehen Sie sich an, wie die Kapitalisten aus der Wirtschaftskrise herauskommen wollen. Sie senken den Arbeitslohn der Arbeiter aufs äußerste. Sie drücken die Preise für Rohstoffe aufs äußerste hinab. Sie wollen jedoch nicht die Preise für Lebensmittel und Industriewaren des Massenbedarfs auch nur einigermaßen ernstlich herabsetzen. Das bedeutet, dass sie aus der Krise auf Kosten der Hauptmasse der Warenkonsumenten, auf Kosten der Arbeiter, auf Kosten der Bauern, auf Kosten der Werktätigen herauskommen wollen. Die Kapitalisten sägen den Ast ab, auf dem sie sitzen. Und statt eines Auswegs aus der Krise ergibt sich eine Vertiefung der Krise, ergibt sich eine Anhäufung neuer Voraussetzungen, die zu einer neuen, noch heftigeren Krise führen.
Unser Vorzug besteht darin, dass wir keine Überproduktionskrisen kennen, dass wir nicht Millionen Erwerbsloser haben und sie niemals haben werden, dass es bei uns in der Produktion keine Anarchie gibt, denn wir betreiben eine Planwirtschaft. Das ist aber noch nicht alles. Wir sind das Land der konzentriertesten Industrie. Das bedeutet, dass wir unsere Industrie auf der Grundlage der besten Technik aufbauen und infolgedessen eine beispiellose Arbeitsproduktivität, ein beispielloses Akkumulationstempo erzielen können. In der Vergangenheit bestand unsere Schwäche darin, dass diese Industrie auf der zersplitterten und kleinen Bauernwirtschaft basierte. Aber das war einmal. Heute ist es nicht mehr so. Morgen, vielleicht in einem Jahr, werden wir das Land der größten landwirtschaftlichen Betriebe der Welt sein. Die Sowjet- und Kollektivwirtschaften - sie sind Formen des Großbetriebs - lieferten bereits in diesem Jahr die Hälfte unseres gesamten Warengetreides. Das bedeutet aber, dass unsere Gesellschaftsordnung, die Sowjetordnung, uns Möglichkeiten eines raschen Vorwärtsschreitens bietet wie sie sich kein bürgerliches Land auch nur träumen lassen kann.
Was ist noch erforderlich, um mit Siebenmeilenschritten vorwärts zu schreiten?
Erforderlich ist eine Partei, genügend geschlossen und einheitlich, um die Anstrengungen der Besten der Arbeiterklasse auf einen Punkt zu richten, um genügend erfahren, um nicht vor Schwierigkeiten die Segel zu streichen und systematisch eine richtige, revolutionäre, bolschewistische Politik durchzuführen. Haben wir eine solche Partei? Ja, wir haben sie. Ist ihre Politik richtig? Ja, sie ist richtig, denn sie zeitigt ernste Erfolge. Das erkennen heute nicht nur die Freunde, sondern auch die Feinde der Arbeiterklasse an. Sehen Sie sich an, wie die jedermann bekannten „ehrenwerten“ Gentlemen - Fish in Amerika, Churchill in England, Poincare in Frankreich - gegen unsere Partei zetern und toben Weshalb zetern und toben sie? Weil die Politik unserer Partei richtig ist, weil sie Erfolg auf Erfolg bringt.
Das sind, Genossen, all die objektiven Möglichkeiten, die uns die Verwirklichung der Kontrollzahlen für 1931 erleichtern, die uns helfen, den Fünfjahrplan in vier Jahren und in den entscheidenden Produktionszweigen sogar in drei Jahren zu erfüllen.
Somit ist die erste Bedingung für die Planerfüllung - die objektiven Möglichkeiten bei uns vorhanden.
Haben wir die zweite Bedingung - die Fähigkeit, diese Möglichkeiten auszunutzen?
Mit anderen Worten, werden unsere Fabriken, Werke und Gruben richtig geleitet? Ist hier alles in Ordnung?
Leider ist hier nicht alles in Ordnung. Und als Bolschewiki müssen wir das unumwunden und offen aussprechen.
Was heißt die Produktion leiten? Bei uns wird die Frage der Leitung der Betriebe nicht immer bolschewistisch behandelt. Bei uns glaubt man nicht selten, leiten bedeute Papiere, Anordnungen unterzeichnen. Das ist traurig, aber Tatsache. Zuweilen erinnert man sich unwillkürlich der Schtschedrinschen Pompadoure. (Pompadour - Typus eines bornierten und starrsinnigen Provinzgewaltigen aus dem Werk des berühmten russischen Satirikers Saltykow-Schtschedrin „Die Pompadoure und ihre Damen“. Der Übers.) Sie erinnern sich, wie Frau Pompadour den jungen Pompadour belehrt: Zerbrich dir nicht den Kopf über die Wissenschaft, vertiefe dich nicht in die Dinge, mögen sich andere damit befassen, das ist nicht deine Sache - deine Sache ist es, Papiere zu unterzeichnen Zu unserer Schande muss man gestehen, dass es auch unter uns Bolschewiki nichtwenig Leute gibt, deren Leitung in der Unterzeichnung von Papieren, besteht. Sich jedoch in die Dinge vertiefen, die Technik meistern, zum wirklichen Meister ihres Fachs werden - in dieser Hinsicht ist bei ihnen nichts zu merken.
Wie konnte es geschehen, dass wir Bolschewiki, die wir drei Revolutionen hinter uns haben, die wir siegreich aus einem schweren Bürgerkrieg hervorgegangen sind, die gewaltige Aufgabe der Schaffung einer modernen Industrie gelöst und die Bauernschaft auf den Weg des Sozialismus gebracht haben - wie konnte es geschehen, dass wir bei der Leitung der Produktion in Papierchen versacken?
Die Ursache liegt darin, dass es leichter ist, ein Panier zu unterschreiben, als die Produktion zu leiten. Viele Wirtschaftler haben nun diese Richtung des geringsten Widerstands eingeschlagen. Auch uns, die Zentrale, trifft hier die Schuld. Etwa vor zehn Jahren wurde die Losung ausgegeben: „Da die Kommunisten mit der Produktionstechnik noch nicht richtig vertraut sind, da sie die Verwaltung der Wirtschaft erst noch erlernen müssen, so sollen die alten Techniker und Ingenieure, die Spezialisten, die Produktion leiten; ihr Kommunisten aber mischt euch nicht in die Technik der Arbeit ein, sondern studiert die Technik, ohne euch einzumischen, studiert die Wissenschaft der Verwaltung der Produktion ohne Rast und Ruh, um dann zusammen mit den uns ergebenen Spezialisten zu wirklichen Leitern der Produktion zu werden, zu wirklichen Meistern eures Fachs.“ So lautete die Losung. Was geschah aber in Wirklichkeit? Der zweite Teil dieser Formel wurde über Bord geworfen, denn lernen ist schwerer als Papiere unterschreiben, der erste Teil der Formel aber wurde verflacht, indem die Nichteinmischung als Verzicht auf das Studium der Produktionstechnik ausgelegt wurde. Es kam ein Unsinn, ein schädlicher und gefährlicher Unsinn heraus, und je rascher wir uns von ihm befreien, desto besser.
Das Leben selbst signalisierte uns wiederholt, dass auf diesem Gebiet nicht alles in Ordnung ist. Die Schachty-Affäre[Anmerkung 6] war das erste ernste Signal. Die Schachty-Affäre zeigte, dass es bei den Parteiorganisationen und Gewerkschaften an revolutionärer Wachsamkeit mangelte. Sie zeigte, dass unsere Wirtschaftler in technischer Hinsicht unerhört zurückgeblieben sind, dass manche alten Ingenieure und Techniker, da sie unkontrolliert arbeiten, leicht auf die Bahn der Schädlingsarbeit abgleiten, um so mehr, als sie von den Feinden im Ausland ununterbrochen .mit „Angeboten“ bedrängt werden.
Das zweite Signal war der Prozess gegen die „Industriepartei“.[Anmerkung 7]
Natürlich liegt dem Schädlingswesen der Klassenkampf zugrunde. Natürlich setzt der Klassenfeind der sozialistischen Offensive wütenden Widerstand entgegen. Das allein genügt aber nicht, um eine so üppige Entfaltung des Schädlingswesens zu erklären.
Wie konnte es geschehen, dass das Schädlingswesen ein so großes Ausmaß angenommen hatte? Wer ist schuld daran? Wir sind schuld daran. Hätten wir die Leitung der Wirtschaft anders organisiert, wären wir viel früher zum Studium der Technik, zur Meisterung der Technik übergegangen, hätten, hätten wir häufiger und mit Sachkenntnis in die Leitung der Wirtschaft eingegriffen, dann wäre es den Schädlingen nicht gelungen, soviel Schaden anzurichten.
Wir selbst müssen zu Spezialisten, zu Meistern unseres Fachs werden, wir müssen uns dem technischen Wissen zuwenden - diesen Weg hat uns das praktische Leben gewiesen. Aber weder das erste Signal noch selbst das zweite Signal genügte, um die notwendige Wendung herbeizuführen. Es ist Zeit, es ist längst Zeit, dass wir uns der Technik zuwenden. Es ist Zeit, dass wir die alte Losung, die überholte Losung von der Nichteinmischung in die Technik, über Bord werfen und dass wir selbst Spezialisten, Sachkundige, selbst vollauf Meister der Wirtschaft werden.
Häufig wird die Frage gestellt: Weshalb gibt es bei uns keine persönliche Leitung? Wir haben sie nicht und werden sie nicht haben solange wir die Technik nicht gemeistert haben. Solange es unter uns, unter den Bolschewiki, nicht genügend Leute gibt, die mit den Fragen der Technik, der Wirtschaft und der Finanzen gründlich vertraut sind, werden wir keine wirkliche persönliche Leitung haben. Sie können soviel Resolutionen schreiben, wie Sie wollen, Sie können die feierlichsten Versicherungen abgeben, wenn Sie aber die Technik, die Wirtschaft, das Finanzwesen eines Werkes, einer Fabrik, einer Grube nicht gemeistert haben, wird alles unnütz sein, wird es keine persönliche Leitung geben.
Die Aufgabe besteht also darin, dass wir selbst die Technik meistern, selbst meister des Fachs werden. Nur darin liegt die Gewähr, dass unsere Pläne vollständig erfüllt werden und die persönliche Leistung verwirklicht wird.
Es ist dies natürlich keine leichte Aufgabe, aber sie ist durchaus zu bewältigen. Wissenschaftliche Kenntnisse, technische Erfahrungen, Wissen - all dies kann man erwerben. Heute hat man sie nicht, morgen wird man sie haben. Die Hauptsache ist hier das leidenschaftliche Verlangen nach der Meisterung der Technik, nach der Meisterung der Wissenschaft von Produktion. Bei leidenschaftlichem Verlangen kann man alles erreichen, alles überwinden.
Zuweilen wird die Frage gestellt, ob man nicht das Tempo etwas verlangsamen, die Bewegung zurückhalten könnte. Nein, das kann man nicht, Genossen! Das Tempo darf nicht herabgesetzt werden! Im Gegenteil es muss nach Kräften und Möglichkeiten gesteigert werden. Das fordern von uns unsere Verpflichtungen gegenüber den Arbeitern und Bauern der UdSSR. Das fordern von uns unsere Verpflichtungen gegenüber der Arbeiterklasse der ganzen Welt.
Das Tempo verlangsamen, das bedeutet zurückbleiben. Und Rückständige werden geschlagen. Wir aber wollen nicht die Geschlagenen sein. Nein, das wollen wir nicht! Die Geschichte des alten Rußlands bestand unter anderem darin, dass es wegen seiner Rückständigkeit fortwährend geschlagen wurde. Es wurde geschlagen von den mongolischen Khans. Es wurde geschlagen von den türkischen Begs. Es wurde geschlagen von den schwedischen Feudalen. Es wurde geschlagen von den polnisch-litauischen Pans. Es wurde geschlagen von den englisch-französischen Kapitalisten. Es wurde geschlagen von den japanischen Baronen. Es wurde von allen geschlagen wegen seiner Rückständigkeit. Wegen seiner militärischen Rückständigkeit, seiner kulturellen Rückständigkeit, seiner staatlichen Rückständigkeit, seiner industriellen Rückständigkeit, seiner landwirtschaftlichen Rückständigkeit. Es wurde geschlagen, weil das einträglich war und ungestraft blieb. Erinnern Sie sich der Worte des vorrevolutionären Dichters: „Du bist armselig und reich, mächtig und ohnmächtig zugleich, Mütterchen Rußland.“[10] Diese Worte des alten Dichters haben sich diese Herrschaften gut gemerkt. Sie schlugen zu und sprachen dabei: „Du bist reich“ - also kann man sich auf deine Kosten bereichern. Sie schlugen zu und sprachen dabei: „Du bist armselig, ohnmächtig“ - also kann man dich ungestraft schlagen und plündern. Das ist nun einmal das Gesetz der Ausbeuter - die Rückständigen und Schwachen werden geschlagen. Das ist das Wolfsgesetz des Kapitalismus. Du bist rückständig, du bist schwach - also bist du im Unrecht, also kann man dich schlagen und unterjochen. Du bist mächtig - also hast du Recht, also muss man sich vor dir hüten.
Das ist der Grund, warum wir nicht länger zurückbleiben dürfen.
In der Vergangenheit hatten wir kein Vaterland und konnten keins haben. Jetzt aber, da wir den Kapitalismus gestürzt haben und die Macht uns, dem Volke, gehört, haben wir ein Vaterland und werden seine Unabhängigkeit verteidigen. Wollen Sie, dass unser sozialistisches Vaterland geschlagen wird und seine Unabhängigkeit verliert? Wemm Sie das nicht wollen, dann müssen Sie in kürzester Frist seine Rückständigkeit beseitigen und ein wirkliches bolschewistisches Tempo im Aufbau seiner sozialistischen Wirtschaft entwickeln. Andere Wege gibt es nicht. Darum sagte Lenin am Vorabend des Oktober: „Entweder Tod oder die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder einholen und überholen.“
Wir sind hinter den fortgeschrittenen Ländern um 50 bis 100 Jahre zurückgeblieben. Wir müssen diese Distanz in zehn Jahren durchlaufen. Entweder bringen wir das zuwege, oder wir werden zermalmt.
Dies zuwege zu bringen, gebieten uns die Verpflichtungen, die wir gegenüber den Arbeitern und Bauern der UdSSR haben.
Wir haben aber noch andere, ernstere und wichtigere Verpflichtungen. Das sind die Verpflichtungen gegenüber dem Weltproletariat. Sie fallen mit den Verpflichtungen der ersten Art zusammen. Wir stellen sie jedoch höher. Die Arbeiterklasse der UdSSR ist ein Teil der internationalen Arbeiterklasse. Wir haben nicht nur durch die Anstrengungen der Arbeiterklasse der UdSSR, sondern auch dank der Unterstützung der internationalen Arbeiterklasse gesiegt. Ohne diese Unterstützung hätte man uns längst zerfleischt. Man sagt, dass unser Land die Stoßbrigade des Proletariats aller Länder ist. Das ist gut gesagt. Dadurch werden uns jedoch die allerernstesten Verpflichtungen auferlegt. Weshalb unterstützt uns das internationale Proletariat, wodurch haben wir diese Unterstützung verdient? Dadurch, dass wir uns als erste in den Kampf gegen den Kapitalismus gestürzt, als erste eine Arbeitermacht errichtet, als erste den Sozialismus aufzubauen begonnen haben. Dadurch, dass wir ein Werk vollbringen, das im Falle des Erfolges die ganze Welt umwälzen und die gesamte Arbeiterklasse befreien wird. Was ist aber für den Erfolg erforderlich? Die Überwindung unserer Rückständigkeit, die Entfaltung eines hohen, bolschewistischen Aufbautempos. Wir müssen so vorwärts schreiten, dass die Arbeiterklasse der ganzen Welt, auf uns blickend, sagen kann: Hier ist sie, meine Vorhut, hier ist sie meine Stossbrigade, hier ist sie, meine Arbeitermacht, hier ist es, mein Vaterland – sie machen ihr Werk, unser Werk, gut, unterstützen wir sie gegen die Kapitalisten und entfachen wir die Sache der Weltrevolution. Müssen wir die Hoffnungen der internationalen Arbeiterklasse rechtfertigen, müssen wir unsere Verpflichtungen ihr gegenüber erfüllen? Ja, das müssen wir, wenn wir uns nicht mit größter Schmach und Schande bedecken wollen.
Das sind unsere Verpflichtungen, die inneren und die internationalen. Sie sehen, dass diese Verpflichtungen uns ein bolschewistisches Entwicklungstempo vorschreiben.
Ich sage nicht, dass in Bezug auf die Leitung der Wirtschaft bei uns in den letzten Jahren nichts geleistet wurde. Es ist gewiss etwas geleistet worden, und sogar sehr viel. Wir haben die Industrieproduktion im Vergleich zur Vorkriegszeit verdoppelt. Wir haben eine Landwirtschaft geschaffen, die die größten Betriebe der Welt hat. Wir hätten aber noch mehr leisten können, wenn wir uns in dieser Zeit bemüht hätten, die Produktion, ihre Technik, ihre finanzielle und ökonomische Seite wirklich zu meistern.
In höchstens zehn Jahren müssen wir jene Distanz durchlaufen, um die, wir hinter den fortgeschrittenen Ländern des Kapitalismus zurück sind. Hierzu besitzen wir alle „objektiven“ Möglichkeiten. Es fehlt bloß an der Fähigkeit, diese Möglichkeiten gehörig auszunutzen. Das hängt aber von uns ab. Nur von uns! Es ist Zeit, dass wir lernen, diese Möglichkeiten auszunutzen. Es ist Zeit, mit dem faulen Standpunkt der Nichteinmischung in die Produktion Schluss zu machen. Es ist Zeit, sich eine andere, eine neue, der jetzigen Periode entsprechende Einstellung zu eigen zu machen: sich in alles einzumischen. Bist du Direktor eines Betriebes - so mische dich in alle Dinge, dringe in alle Einzelheiten ein, lasse dir nichts entgehen, lerne und noch einmal lerne. Die Bolschewiki müssen die Technik meistern. Es ist Zeit, dass die Bolschewiki selbst zu Spezialisten werden. Die Technik entscheidet in der Rekonstruktionsperiode alles. Und ein Wirtschaftler, der die Technik nicht studieren will, der die Technik nicht meistern will, der ist eine Witzfigur, aber kein Wirtschaftler.
Man sagt, es sei schwer, die Technik zu meistern. Falsch! Es gibt keine Festungen, die die Bolschewiki nicht nehmen könnten. Wir haben eine Reihe schwierigster Aufgaben bewältigt. Wir haben den Kapitalismus gestürzt. Wir haben die Macht erobert. Wir haben eine sozialistische Großindustrie aufgebaut. Wir haben den Mittelbauern auf den Weg des Sozialismus gebracht. Das Wichtigste vom Standpunkt des Aufbaus haben wir bereits geleistet. Nur noch wenig ist uns zu tun übrig geblieben: die Technik erlernen, die Wissenschaft meistern. Und wenn wir das geleistet haben werden, dann werden wir ein Tempo einschlagen, von dem wir heute nicht einmal zu träumen wagen.
Und wir werden es leisten, wenn wir es nur wirklich wollen!
„Prawda“ Nr. 35, 5. Februar 1931.
Brief an Genossen Ettschin
Seite 39 - 40
27. Februar 1931.
Genosse Ettschin!
Ihre Broschüre konnte ich nicht durchlesen (keine Zeit!), aber Ihre vier Fragen kann ich kurz beantworten.
1. Über die „innerparteilichen Gegensätze“. Seit Engels ist die These, dass die Entwicklung der proletarischen Parteien durch Überwindung der innerparteilichen Gegensätze vor sich geht, zu einem Axiom geworden. Ausdruck dieser Gegensätze sind offene oder verborgene Meinungsverschiedenheiten. Mit Ossowski hat das nichts zu tun, denn Ossowski betrachtete zum Beispiel unsere Partei fälschlicherweise als Block zweier antagonistischer Klassen, als Vertreterin dieser Klassen, während unsere Partei (wie auch die anderen Sektionen der Komintern) in Wirklichkeit die Vertreterin einer Klasse, nämlich der Arbeiterklasse, ist. Und bei uns ist doch die Rede von kommunistischen Parteien, die eine Klasse (die proletarische Klasse) vertreten.
2. Über den Leninismus. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der Leninismus die äußerste linke (ohne Anführungszeichen) Strömung in der internationalen Arbeiterbewegung ist. In der Arbeiterbewegung gibt es alle möglichen Strömungen, von einer feudal-monarchistischen (nach Art des „Bundes des russischen Volkes“) und offen kapitalistischen (nach Art der Kadetten) bis zu einer verkappt bürgerlichen (Sozialdemokraten, insbesondere „linke“ Sozialdemokraten, Anarchisten, Anarchosyndikalisten) und ultralinks-“kommunistischen“. Unter ihnen ist der Leninismus die äußerste linke und die einzige konsequent revolutionäre Strömung.
3. Über die Wurzeln der „linken“ und der rechten Abweichung. Die Wurzel ist bei beiden die gleiche in dem Sinne, dass sie den Druck uns fremder Klassen widerspiegeln. Die Formen und Mittel des Kampfes gegen die Partei sind verschieden entsprechend der Verschiedenheit der sozialen Zwischenschichten, die sie, das heißt die Abweichungen, vertreten.
4. Über den Kampf an zwei Fronten. Hier gibt es nichts zu erläutern. Ich begreife nicht, warum Genosse Kantor mit Ihnen nicht einverstanden ist.
Mit kommunistischem Gruß
J. Stalin
27. Februar 1931.
Zum ersten Mal veröffentlicht.
Begrüßungsschreiben an die Arbeiter der Erdöltruste von Aserbaidschan und Grosny
Seite 41
Ich beglückwünsche die Arbeiter, Techniker und das Verwaltungspersonal der Erdöltruste von Aserbaidschan und Grosny zur Erfüllung des Fünfjahrplans in zweieinhalb Jahren. Ich gratuliere Ihnen zum Sieg, Genossen!
Es leben die Arbeiter der UdSSR, die die Ketten des Kapitalismus zerschlagen haben und Herren ihres Landes geworden sind!
Es lebe die Sowjetmacht! Es lebe die Partei der Bolschewiki!
J. Stalin
31. März 1931.
„Prawda“ Nr. 90, 1. April 1931.
An den "Elektrosawod"
Seite 42
Flammenden Gruß den Arbeitern, Technikern und dem Verwaltungspersonal des „Elektrosawod“, die den Fünfjahrplan in zweieinhalb Jahren erfüllt haben.
Vorwärts, zu neuen Siegen!
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 92, 3. April 1931
Magnitogorsk. An den Magnitogorsker Großbau
Seite 43
Ich beglückwünsche die Arbeiter und das leitende Personal von Magnitogorsk zu ihrem ersten bedeutsamen Sieg.[Anmerkung 8]
Vorwärts, Genossen, zu neuen Siegen!
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 136, 19. Mai 1931.
An den Vorsitzenden der Verwaltung der Traktorenzentrale An alle Maschinen- und Traktorenstationen
Seite 44 - 45
Brüderlichen Gruß den Arbeitern und Arbeiterinnen, Technikern und Spezialisten sowie dem gesamten leitenden Personal der Maschinen- und Traktorenstationen anlässlich der vorfristigen Erfüllung des Aussaatplans für eine Fläche von 18 Millionen Hektar.
Ich beglückwünsche Sie zu Ihrem Sieg, Genossen!
Im vorigen Jahr wurden von den Maschinen- und Traktorenstationen rund 2 Millionen Hektar kollektivwirtschaftlicher Felder besät. In diesem Jahr sind es über 18 Millionen Hektar. Im vorigen Jahr arbeiteten die Maschinen- und Traktorenstationen für 2347 Kollektivwirtschaften. In diesem Jahr arbeiten sie für 46514 Kollektivwirtschaften. Das ist der Weg, den die Bauernwirtschaften unseres Landes zurückgelegt haben: vom Hakenpflug zum Traktor. Mögen alle wissen, dass die Arbeiterklasse der Sowjetunion das Werk der technischen Neuausrüstung ihres Verbündeten, der werktätigen Bauernschaft, unentwegt und siegesgewiss voranbringt.
Wir wollen hoffen, dass die Maschinen- und Traktorenstationen sich mit den erzielten Resultaten nicht zufrieden geben, sondern den festgesetzten (und bereits erfüllten) Aussaatplan für eine Fläche von 18 Millionen Hektar durch einen Gegenplan für eine Fläche bis zu 20 Millionen Hektar erweitern werden.
Wir wollen hoffen, dass die Maschinen- und Traktorenstationen es dabei nicht bewenden lassen, sondern siegesgewiss an die Bewältigung der vor ihnen stehenden neuen Aufgaben gehen werden, nämlich rund 5 Millionen Hektar Brachland umpflügen, die Erntekampagne erfolgreich durchführen, auf rund 15 Millionen Hektar die Herbstfurche ziehen, die mit Wintergetreide zu bestellende Fläche auf 8 Millionen Hektar erweitern, ein neues Tausend Maschinen- und Traktorenstationen organisieren und so die Voraussetzungen schaffen, damit im nächsten Jahr die überwiegende Mehrheit der Kollektivwirtschaften von den Maschinen- und Traktorenstationen erfasst werden kann.
Mögen alle wissen, dass die Sowjetunion sich aus einem Land der kleinbäuerlichen Wirtschaft mit rückständiger landwirtschaftlicher Technik in ein Land der kollektiven Großwirtschaft mit moderner landwirtschaftlicher Technik verwandelt.
Vorwärts, Genossen, zu neuen Siegen!
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 145, 28. Mai 1931.
An den Vorsitzenden der Verwaltung des Getreidetrusts. An alle Getreidesowjetwirtschaften
Seite 46
Der führenden Kraft unserer neuen sowjetischen Landwirtschaft, dem sozialistischen Bannerträger der modernen Technik und moderner Organisationsmethoden in der Landwirtschaft - dem System der Getreidesowjetwirtschaften, deren Arbeitern und Arbeiterinnen, Technikern und Spezialisten, deren Leitern und Instrukteuren - brüderlichen Gruß!
Geben Sie sich nicht zufrieden mit der Erfüllung des Aussaatplanes - Sie können und müssen den Plan übererfüllen, denn Sie besitzen alle dazu nötigen Voraussetzungen.
Helfen Sie den zurückbleibenden Getreidesowjetwirtschaften in Sibirien und besonders im Fernen Osten, mit den anderen Schritt zu halten, erweisen Sie den Kollektivwirtschaften alle nur mögliche Unterstützung, bringen Sie die Arbeiten zur Vorbereitung der Ernte in Schwung, dieser wichtigsten vor den Getreidesowjetwirtschaften stehenden Aufgabe, erringen Sie neue Erfolge.
Vorwärts, zu neuen Siegen!
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 147, 30. Mai 1931.
Neue Verhältnisse - Neue Aufgaben des wirtschaftlichen Aufbaus
Seite 47 - 72
Rede auf der Beratung der Wirtschaftler
23. Juni 1931
„Prawda“ Nr. 183, 5. Juli 1931
Genossen!
Aus den Materialien der Beratung ist ersichtlich, dass unsere Industrie vom Standpunkt der Planerfüllung ein ziemlich buntes Bild darstellt. Es gibt Industriezweige, die in den verflossenen fünf Monaten einen Produktionszuwachs von 40-50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aufweisen. Es gibt Industriezweige, deren Zuwachs nicht mehr als 20 bis 30 Prozent beträgt. Es gibt schließlich einzelne Industriezweige, die einen ganz minimalen Zuwachs von nicht mehr als 6-10 Prozent, ja sogar noch weniger aufweisen. Zu diesen gehören die Kohlen- und die Eisenhüttenindustrie. Ein buntes Bild, wie Sie sehen.
Wodurch ist diese Buntheit zu erklären? Wo liegt die Ursache für das Zurückbleiben mancher Industriezweige? Wo liegt die Ursache dafür, dass der Zuwachs in manchen Industriezweigen nur 20-25 Prozent beträgt, während die Kohlen- und die Eisenhüttenindustrie einen noch geringeren Zuwachs aufzuweisen haben und hinter den anderen Industriezweigen einher hinken?
Die Ursache liegt darin, dass sich in letzter Zeit die Entwicklungsbedingungen der Industrie von Grund aus geändert haben, dass neue Verhältnisse entstanden sind, die neue Methoden der Leitung erheischen, manche unserer Wirtschaftler jedoch, anstatt die Arbeitsmethoden zu ändern, immer noch fortfahren, in alter Weise zu arbeiten. Es handelt sich also darum, dass die neuen Entwicklungsbedingungen der Industrie erheischen, auf neue Art und Weise zu arbeiten, manche unserer Wirtschaftler begreifen dies jedoch nicht und sehen nicht, dass man jetzt auf neue Art leiten muss.
Das ist die Ursache für das Zurückbleiben mancher Zweige unserer Industrie.
Was sind das für neue Entwicklungsbedingungen unserer Industrie? Woher stammen sie?
Dieser neuen Bedingungen gibt es zumindest sechs.
Betrachten wir diese Bedingungen.
I. Die Arbeitskraft
Vor allem handelt es sich darum, die Betriebe mit Arbeitskraft zu versorgen. Früher gingen die Arbeiter gewöhnlich von selbst in die Werke, in die Fabriken - die Sache ging also gewissermaßen im Selbstlauf vonstatten. Sie konnte aber im Selbstlauf vonstatten gehen, weil es Arbeitslosigkeit gab, weil es eine Differenzierung im Dorfe gab, weil es Elend und Furcht vor dem Hunger gab, die die Leute aus dem Dorf in die Stadt trieben. Erinnern Sie sich der Formel „Landflucht des Bauern“? Was zwang den Bauern, aus dem Dorf in die Stadt zu flüchten? Die Furcht vor dem Hunger, die Arbeitslosigkeit, der Umstand, dass das Dorf für ihn eine Stiefmutter war und dass er bereit war, das Dorf zu verlassen und selbst dem Teufel in die Fänge zu laufen, nur um irgendeine Arbeit zu bekommen.
So oder fast so lagen die Dinge bei uns noch vor kurzer Zeit.
Kann man sagen, dass wir jetzt genau dasselbe Bild vor uns haben? Nein, das kann man nicht sagen. Im Gegenteil, die Verhältnisse haben sich jetzt von Grund aus geändert. Und eben weil die Verhältnisse sich geändert haben, gibt es bei uns keinen Selbstlauf im Angebot von Arbeitskraft mehr.
Was hat sich eigentlich in dieser Zeit geändert? Erstens haben wir die Arbeitslosigkeit beseitigt, haben somit den Faktor vernichtet, der auf den „Arbeitsmarkt“ drückte. Zweitens haben wir die Differenzierung im Dorf an der Wurzel untergraben, haben somit das Massenelend überwunden, das den Bauern aus dem Dorf in die Stadt trieb. Schließlich haben wir das Dorf mit Zehntausenden von Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen versehen, haben den Kulaken geschlagen, Kollektivwirtschaften organisiert und den Bauern die Möglichkeit gegeben, menschenwürdig zu leben und zu arbeiten. Jetzt kann man das Dorf nicht mehr die Stiefmutter des Bauern nennen. Und gerade weil man es nicht mehr Stiefmutter nennen kann, hat der Bauer begonnen, sich im Dorfe sesshaft zu machen, und es gibt bei uns nunmehr weder eine „Landflucht des Bauern“ noch einen Selbstlauf in dem Angebot von Arbeitskraft.
Sie sehen, dass wir jetzt völlig neue Verhältnisse und neue Bedingungen in der Versorgung der Betriebe mit Arbeitskraft haben.
Was folgt nun daraus?
Daraus folgt erstens, dass man nicht mehr darauf rechnen darf, dass die Arbeitskraft von selbst kommen würde. Man muss also von der „Politik“ des Selbstlaufs zur Politik der organisierten Anwerbung von Arbeitern für die Industrie übergehen. Dazu gibt es aber nur einen Weg, den Weg von Verträgen der Wirtschaftsorganisationen mit den Kollektivwirtschaften und Kollektivbauern. Sie wissen, dass manche Wirtschaftsorganisationen und Kollektivwirtschaften diesen Weg schon beschritten haben, wobei die Erfahrung gezeigt hat, dass die Praxis der Verträge sowohl für die Kollektivwirtschaften als auch für die Industriebetriebe bedeutende Erfolge zeitigt.
Daraus folgt zweitens, dass man sofort zur Mechanisierung der schwersten Arbeitsprozesse übergehen und diese Mechanisierung in vollem Umfange entwickeln muss (Forstwirtschaft, Bauwesen, Kohlenbergbau, Verladearbeiten, Transport, Eisenhüttenindustrie usw.). Das bedeutet natürlich nicht, dass die manuelle Arbeit etwa vernachlässigt werden solle. Im Gegenteil, die manuelle Arbeit wird in der Produktion noch lange eine überaus bedeutsame Rolle spielen. Es bedeutet aber, dass die Mechanisierung der Arbeitsprozesse der für uns neue und entscheidende Faktor ist, ohne den wir weder unser Tempo aufrechterhalten noch den neuen Maßstäben der Produktion gerecht werden können.
Wir haben noch recht viele Wirtschaftler, die weder an die Mechanisierung noch an die Verträge mit den Kollektivwirtschaften „glauben“. Es sind dies dieselben Wirtschaftler, die die neuen Verhältnisse nicht verstehen, die nicht gewillt sind, auf neue Art zu arbeiten, und die „guten alten Zeiten“ herbeisehnen, als die Arbeitskräfte „von selbst“ in die Betriebe „strömten“. Es erübrigt sich zu sagen, dass solche Wirtschaftler himmelweit entfernt sind von der Lösung jener neuen Aufgaben des Wirtschaftsaufbaus, die uns durch die neuen Verhältnisse gestellt werden. Sie meinen offensichtlich, dass die Schwierigkeiten mit der Arbeitskraft eine zufällige Erscheinung seien, dass der Mangel an Arbeitskraft von selbst, sozusagen im Selbstlauf, verschwinden werde. Das ist ein Irrtum, Genossen. Die Schwierigkeiten mit der Arbeitskraft können nicht von selbst verschwinden. Sie können nur als Ergebnis unserer eigenen Anstrengungen verschwinden.
Also: Die Arbeitskraft in organisierter 'Weise, durch Verträge mit den Kollektivwirtschaften anwerben, die Arbeit mechanisieren - das ist die Aufgabe.
So steht es um die erste neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie. Gehen wir zur zweiten Bedingung über.
II. Der Arbeitslohn
Ich habe eben über die organisierte Anwerbung von Arbeitern für unsere Betriebe gesprochen. Mit der Anwerbung von Arbeitern ist aber noch nicht alles getan. Um unsere Betriebe mit Arbeitskräften zu versorgen, muss erreicht werden, dass in den Betrieben ein fester Stamm von Arbeitern geschaffen wird und dass die Betriebe über eine mehr oder weniger stabile Belegschaft verfügen. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass man ohne eine stabile Belegschaft, die sich die Technik der Produktion mehr oder weniger zu eigen gemacht hat und mit den neuen mechanischen Einrichtungen vertraut geworden ist, nicht vorwärts schreiten und die Produktionspläne nicht erfüllen kann. Andernfalls müsste man die Arbeiter jedes Mal neu anlernen und die Hälfte der Zeit für ihre Anlernung verwenden, anstatt sie für die Produktion auszunutzen. Wie sieht es aber jetzt in Wirklichkeit bei uns aus? Kann man behaupten, dass die Belegschaften in unseren Betrieben mehr oder weniger stabil sind? Nein, leider kann man das nicht behaupten. Im Gegenteil, wir haben in den Betrieben noch immer die so genannte Fluktuation der Arbeitskraft. Mehr noch - nicht nur, dass die Fluktuation der Arbeitskraft in einer Reihe von Betrieben nicht verschwindet, sondern im Gegenteil, sie wächst und wird stärker. Jedenfalls werden Sie wenige Betriebe finden, wo die Belegschaft im Laufe eines halben Jahres oder sogar eines Vierteljahres nicht mindestens zu 30-40 Prozent wechselte.
Früher, in der Periode der Wiederherstellung der Industrie, als unsere technische Ausrüstung nicht kompliziert und der Maßstab der Produktion nicht groß war, konnte man die so genannte Fluktuation der Arbeitskraft noch irgendwie „dulden“. Jetzt ist das eine andere Sache. Jetzt haben sich die Verhältnisse von Grund aus geändert. Jetzt, in der Periode der voll entfalteten Rekonstruktion, da der Maßstab der Produktion riesig und die technische Ausrüstung äußerst kompliziert geworden ist, ist die Fluktuation der Arbeitskraft zu einer Geißel der Produktion geworden, die unsere Betriebe desorganisiert. Jetzt die Fluktuation der Arbeitskraft „dulden“ bedeutet unsere Industrie zersetzen, die Erfüllung der Produktionspläne und die Verbesserung der Qualität der Erzeugnisse unmöglich machen.
Wo liegt die Ursache für die Fluktuation der Arbeitskraft?
In der falschen Organisierung des Arbeitslohns, in dem falschen Tarifsystem, in der „linkslerischen“ Gleichmacherei auf dem Gebiet des Arbeitslohns. In einer Reihe unserer Betriebe sind die Tarifsätze so festgesetzt, dass der Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit, zwischen schwerer und leichter Arbeit fast verschwindet. Die Gleichmacherei führt dazu, dass der unqualifizierte Arbeiter kein Interesse daran hat, sich zum qualifizierten Arbeiter fortzubilden, und somit keine Perspektive hat vorwärts zu kommen, sich daher im Betrieb als „Sommerfrischler“ fühlt, der nur zeitweilig arbeitet, um „etwas Geld zu verdienen“ und dann anderweitig „sein Glück zu versuchen“. Die Gleichmacherei führt dazu, dass der qualifizierte Arbeiter gezwungen ist, von Betrieb zu Betrieb zu wandern, bis er schließlich einen Betrieb findet, wo man die qualifizierte Arbeit gebührend zu schätzen weiß.
Daher die „allgemeine“ Wanderung aus einem Betrieb in den andern, die Fluktuation der Arbeitskraft.
Um dieses Übel abzustellen, muss man die Gleichmacherei abschaffen und das alte Tarifsystem zerschlagen. Um dieses Übel abzustellen, muss man ein Tarifsystem schaffen, das dem Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit, zwischen schwerer und leichter Arbeit Rechnung trägt. Es darf nicht geduldet werden, dass ein Walzstraßenarbeiter in der Eisenhüttenindustrie denselben Lohn erhält wie ein Aufräumer. Es darf nicht geduldet werden, dass ein Lokomotivführer denselben Lohn erhält wie ein Schreiber. Marx und Lenin sagen, dass der Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit sogar im Sozialismus bestehen wird, sogar nach Aufhebung der Klassen, dass dieser Unterschied erst im Kommunismus verschwinden muss, dass daher auch im Sozialismus der „Arbeitslohn“ nach der Leistung und nicht nach den Bedürfnissen bemessen werden muss. Unsere Gleichmacher unter den Wirtschaftlern und Gewerkschaftlern sind aber damit nicht einverstanden und glauben, dass dieser Unterschied in unserem Sowjetsystem bereits verschwunden sei. Wer hat Recht: Marx und Lenin oder die Gleichmacher? Es ist wohl anzunehmen, dass Marx und Lenin Recht haben. Daraus folgt aber, dass derjenige, der heute das Tarifsystem auf den „Prinzipien“ der Gleichmacherei aufbaut, ohne den Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit zu berücksichtigen, mit dem Marxismus, mit dem Leninismus bricht.
In jedem Industriezweig, in jedem Betrieb, in jeder Abteilung gibt es führende Gruppen von mehr oder weniger qualifizierten Arbeitern, die man in erster Linie und hauptsächlich dem Betrieb dauernd erhalten muss, wenn wir wirklich einen festen Stamm von Arbeitern in den Betrieben haben wollen. Diese führenden Arbeitergruppen bilden den Grundstock der Produktion. Sie dem Betrieb, der Abteilung dauernd zu erhalten, bedeutet, dem Betrieb die gesamte Belegschaft zu erhalten und die Fluktuation der Arbeitskraft an der Wurzel zu untergraben. Wie können sie aber dem Betrieb erhalten bleiben? Sie können nur erhalten bleiben, wenn man sie aufrücken läßt, wenn man ihren Arbeitslohn erhöht, wenn man die Entlohnung so organisiert, dass sie der Qualifikation des Arbeiters gerecht wird.
Was heißt aber, sie aufrücken lassen und ihren Arbeitslohn erhöhen, wie wirkt sich das auf die unqualifizierten Arbeiter aus? Das heißt, von allem anderen abgesehen, den unqualifizierten Arbeitern eine Perspektive eröffnen und ihnen einen Ansporn zum Vorwärtskommen, zum Aufrücken in die Kategorie der qualifizierten Arbeiter geben. Sie wissen selbst, dass wir jetzt Hunderttausende und Millionen qualifizierter Arbeiter brauchen. Um aber Kader qualifizierter Arbeiter zu bekommen, muss man den unqualifizierten Arbeitern einen Ansporn und die Aussicht auf ein Vorwärtskommen, auf ein Aufrücken geben. Und je kühner wir diesen Weg beschreiten werden, desto besser, denn darin liegt das Hauptmittel zur Beseitigung der Fluktuation der Arbeitskraft. Hier sparen wollen heißt ein Verbrechen begehen, heißt gegen die Interessen unserer sozialistischen Industrie handeln.
Das ist aber nicht alles.
Um die Arbeiter dem Betrieb dauernd zu erhalten, ist außerdem eine weitere Verbesserung der Versorgung und der Wohnverhältnisse der Arbeiter notwendig. Es kann nicht geleugnet werden, dass auf dem Gebiet des Wohnungsbaus und der Versorgung der Arbeiter in den letzten Jahren nicht wenig geleistet worden ist. Doch genügt das Geleistete durchaus nicht, um die rasch wachsenden Bedürfnisse der Arbeiter zu befriedigen. Man darf sich nicht darauf berufen, dass es früher weniger Wohnungen gab als jetzt und dass man sich infolgedessen mit den erzielten Ergebnissen zufrieden geben könne. Man darf sich auch nicht darauf berufen, dass die Versorgung der Arbeiter früher weit schlechter war als jetzt und dass man sich infolgedessen mit der bestehenden Lage abfinden könne. Nur verrottete und durch und durch muffige Leute können sich mit Hinweisen auf die Vergangenheit trösten. Man darf nicht von der Vergangenheit, sondern muss von den wachsenden Bedürfnissen der Arbeiter in der Gegenwart ausgehen. Man muss verstehen, dass die Lebensbedingungen der Arbeiter sich bei uns von Grund aus geändert haben. Der Arbeiter ist heute nicht mehr derselbe, der er früher war. Der heutige Arbeiter, unser Sowjetarbeiter, will alle seine materiellen und kulturellen Bedürfnisse befriedigt sehen, sowohl hinsichtlich der Ernährung als auch der Wohnverhältnisse, sowohl hinsichtlich der kulturellen als auch aller anderen Bedürfnisse. Er hat ein Recht darauf, und wir sind verpflichtet, ihm diese Lebensbedingungen zu gewährleisten. Gewiss, er leidet bei uns nicht unter Arbeitslosigkeit, er ist frei vom Joch des Kapitalismus, er ist nicht mehr Sklave, sondern Herr seines Werkes. Das genügt aber nicht. Er fordert die Befriedigung aller seiner materiellen und kulturellen Bedürfnisse, und wir sind verpflichtet, diese seine Forderung zu erfüllen. Vergessen Sie nicht, dass wir selber heute bestimmte Anforderungen an den Arbeiter stellen - wir fordern von ihm Arbeitsdisziplin, angespannte Arbeit, Wettbewerb, Stoßarbeit. Vergessen Sie nicht, dass die ungeheure Mehrheit der Arbeiter diese Forderungen der Sowjetmacht mit großer Begeisterung aufgenommen hat und sie heroisch erfüllt. Wundern Sie sich daher nicht, wenn die Arbeiter, die die Forderungen der Sowjetmacht erfüllen, ihrerseits von ihr die Erfüllung ihrer Verpflichtungen zur weiteren Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiter fordern werden.
Also: Die Fluktuation der Arbeitskraft beseitigen, die Gleichmacherei ausmerzen, den Arbeitslohn richtig organisieren, die Lebensverhältnisse der Arbeiter verbessern - das ist die Aufgabe.
So steht es um die zweite neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie.
Gehen wir zur dritten Bedingung über.
III. Die Arbeitsorganisation
Vorhin sprach ich von der Notwendigkeit, die Fluktuation der Arbeitskraft zu beseitigen, den Betrieben die Belegschaft dauernd zu erhalten. Mit der Erhaltung der Belegschaft erschöpft sich jedoch die Sache noch nicht. Es genügt nicht, die Fluktuation zu beseitigen. Man muss außerdem für die Arbeiter Arbeitsbedingungen schaffen, die es ihnen ermöglichen, rationell zu arbeiten, die Produktivität zu steigern, die Qualität der Erzeugnisse zu verbessern. Man muss also die Arbeit in den Betrieben so organisieren, dass die Produktivität von Monat zu Monat, von Vierteljahr zu Vierteljahr steigt.
Kann man sagen, dass die bestehende Arbeitsorganisation, wie wir sie jetzt in unseren Betrieben haben, den heutigen Anforderungen der Produktion gerecht wird? Leider kann man das nicht sagen. Jedenfalls gibt es bei uns immer noch eine Reihe von Betrieben, in denen die Arbeitsorganisation außerordentlich schlecht ist, in denen es statt Ordnung und Koordination in der Arbeit Unordnung und Durcheinander gibt, in denen statt Verantwortung für die Arbeit völlige Verantwortungslosigkeit herrscht und die persönliche Verantwortlichkeit fehlt.
Was bedeutet das: Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit? Das bedeutet, dass jede Verantwortlichkeit für die aufgetragene Arbeit, für die Maschinen, für die Werkbänke, für die Werkzeuge fehlt. Es ist klar, dass bei dem Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit keine Rede sein kann von einer einigermaßen bedeutenden Steigerung der Arbeitsproduktivität, von einer Verbesserung der Qualität der Erzeugnisse, von einer sorgsamen Behandlung der Maschinen, der Werkbänke und Werkzeuge. Sie wissen, wohin das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit auf den Eisenbahnen geführt hat. Zu denselben Ergebnissen führt es auch in der Industrie. Wir haben mit dem Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit im Eisenbahnverkehr Schluss gemacht und dadurch seine Leistung verbessert. Wir müssen in der Industrie dasselbe tun, um ihre Leistung auf eine höhere Stufe zu heben.
Früher konnte man noch irgendwie mit jener unrichtigen Arbeitsorganisation „auskommen“, die sich mit dem Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit überhaupt und der fehlenden Verantwortung jedes einzelnen für die gegebene konkrete Arbeit sehr wohl verträgt. Heute ist das anders. Heute sind die Verhältnisse ganz anders geartet. Bei den heutigen Riesenausmaßen der Produktion und dem Bestehen von Riesenbetrieben ist das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit für die Industrie eine Geißel, die alle unsere Produktions- und Organisationserrungenschaften in den Betrieben gefährdet.
Wie konnte sich eine solche Erscheinung wie das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit bei uns in einer Reihe von Betrieben einnisten? Sie kam in den Betrieben auf als eine unbegründete Begleiterscheinung der ununterbrochenen Arbeitswoche. (Ununterbrochene Arbeitswoche - Organisation der Arbeitszeit, bei der in den Betrieben und Institutionen jeden Tag gearbeitet wird und die Arbeiter und Angestellten abwechselnd auf je 5 Arbeitstage einen Ruhetag erhalten. Der Übers.) Es wäre falsch zu sagen, die ununterbrochene Arbeitswoche ziehe unbedingt das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit in der Produktion nach sich. Bei richtiger Arbeitsorganisation, wenn die Verantwortung jedes einzelnen für eine bestimmte Arbeit festgelegt ist, wenn bestimmte Gruppen von Arbeitern den Maschinen und Werkbänken zugeteilt sind, wenn der Schichtwechsel richtig organisiert ist und Qualität und Qualifikation der Schichten die gleichen sind - unter solchen Bedingungen führt die ununterbrochene Arbeitswoche zu einer gewaltigen Steigerung der Arbeitsproduktivität, zur Verbesserung der Qualität der Arbeit, zur Ausmerzung der Verantwortungslosigkeit. So steht es zum Beispiel auf den Eisenbahnen, wo jetzt die ununterbrochene Arbeitswoche, aber auch die persönliche Verantwortlichkeit besteht. Kann man sagen, dass wir in den Industriebetrieben in Bezug auf die ununterbrochene Arbeitswoche ein ebenso günstiges Bild haben? Leider kann man das nicht sagen. Die Sache ist die, dass man in einer Reihe unserer Betriebe übereilt zur ununterbrochenen Arbeitswoche übergegangen ist, ohne die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen, ohne den Schichtwechsel so organisiert zu haben, dass Qualität und Qualifikation der Schichten mehr oder weniger gleichwertig sind, ohne die Verantwortlichkeit jedes einzelnen für eine bestimmte konkrete Arbeit festgelegt zu haben. Das aber hat dazu geführt, dass die dem Selbstlauf überlassene ununterbrochene Arbeitswoche die persönliche Verantwortlichkeit ausschaltete. Als Resultat haben wir in einer Reihe von Betrieben die ununterbrochene Arbeitswoche auf dein Papier, in Worten, und ein nicht papiernes, sondern reales Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit. Das Ergebnis war, dass es an Verantwortungsgefühl für die Arbeit mangelte, sdas die Maschinen nachlässig behandelt, die Werkbänke massenhaft beschädigt wurden und dass der Ansporn zur Hebung der Arbeitsproduktivität fehlte. Nicht umsonst sagen die Arbeiter: „Wir würden die Arbeitsproduktivität heben und die Arbeit verbessern, aber wer wird unsere Arbeit bewerten, wenn niemand für irgend etwas die Verantwortung trägt?“
Daraus folgt, dass so manche unserer Genossen sich hier und da mit der Einführung der ununterbrochenen Arbeitswoche übereilt und in ihrer Übereilung die ununterbrochene Arbeitswoche entstellt haben, was zum Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit führte.
Um diesem Zustand ein Ende zu machen und die Verantwortungslosigkeit auszumerzen, gibt es zwei Auswege. Entweder muss man, wie das auf den Eisenbahnen geschehen ist, die ununterbrochene Arbeitswoche unter solchen Bedingungen durchführen, dass sie kein Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit zur Folge hat, oder man muss dort, wo jetzt für einen solchen Versuch keine günstigen Bedingungen bestehen, die bloß auf dem Papier stehende ununterbrochene Arbeitswoche aufgeben, vorübergehend zur Sechstagewoche übergehen mit einem Tage Betriebsunterbrechung, wie man das unlängst in den Stalingrader Traktorenwerken getan hat, und die Voraussetzungen schaffen, um vielleicht später, falls notwendig, zu einer wirklichen, nicht nur auf dem Papier stehenden ununterbrochenen Arbeitswoche, zu einer mit persönlicher Verantwortlichkeit verbundenen ununterbrochenen Arbeitswoche zurückzukehren.
Andere Auswege gibt es nicht.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass unsere Wirtschaftler dies alles ziemlich gut begreifen. Sie schweigen aber. Warum? Offenbar, weil sie die Wahrheit fürchten. Seit wann aber fürchten Bolschewiki die Wahrheit? Stimmt es etwa nicht, dass in einer Reihe von Betrieben die ununterbrochene Arbeitswoche das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit mit sich gebracht hat, dass die ununterbrochene Arbeitswoche auf diese Weise bis zum äußersten entstellt worden ist? Es fragt sich, wem nützt eine solche ununterbrochene Arbeitswoche? Wer wird behaupten wollen, dass die Interessen der Beibehaltung dieser papiernen und entstellten ununterbrochenen Arbeitswoche über den Interessen der richtigen Arbeitsorganisation stehen, über den Interessen der Förderung der Arbeitsproduktivität, über den Interessen der wirklichen ununterbrochenen Arbeitswoche, über den Interessen unserer sozialistischen Industrie? Ist es nicht klar, dass wir, je früher wir die papierne ununterbrochene Arbeitswoche begraben, desto schneller eine richtige Arbeitsorganisation erreichen werden?
Manche Genossen sind der Ansicht, man könne der Verantwortungslosigkeit durch Beschwörungen, durch großspurige Reden ein Ende bereiten. Ich kenne jedenfalls eine Reihe von Wirtschaftlern, die sich in ihrem Kampf gegen die fehlende persönliche Verantwortlichkeit darauf beschränken, diesen Zustand in Versammlungen immer wieder zu verdammen, offenbar in der Meinung, dass er nach solchen Reden von selbst, sozusagen im Selbstlauf, verschwinden müsse. Sie irren sich sehr, wenn sie glauben, man könne die Verantwortungslosigkeit durch Reden und Beschwörungen aus der Praxis verbannen. Nein, Genossen, von selbst wird dieser Zustand nie verschwinden. Nur wir allein können und müssen mit ihm Schluss machen, denn wir allesamt stehen an der Macht, und wir allesamt sind verantwortlich für alles, auch für das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit. Ich meine, es wäre weit besser, wenn unsere Wirtschaftsleiter, statt sich in Reden und Beschwörungen zu ergehen, ein, zwei Monate, sagen wir, in einem Bergwerk oder in einer Fabrik zubrächten, alle Einzelheiten und „Kleinigkeiten“ der Arbeitsorganisation studierten, der Verantwortungslosigkeit dort wirklich ein Ende bereiteten und dann die Erfahrungen des betreffenden Betriebs auf die übrigen übertrügen. Das wäre weit besser. Das wäre ein wirklicher Kampf gegen das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit, ein Kampf für die richtige, bolschewistische Arbeitsorganisation, ein Kampf für richtige Kräfteverteilung im Betrieb.
Also: Beseitigung des Zustands fehlender persönlicher Verantwortlichkeit, Verbesserung der Arbeitsorganisation, richtige Kräfteverteilung im Betrieb - das ist die Aufgabe.
So steht es um die dritte neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie.
Gehen wir zur vierten Bedingung über.
IV. Die Frage der technischen Intelligenz der Arbeiterklasse
Auch was die führenden Kader der Industrie im Allgemeinen und die Ingenieure und Techniker im Besonderen betrifft, haben sich die Verhältnisse gewandelt.
Früher lagen die Dinge bei uns so, dass die ukrainische Kohlen- und Hüttenbasis die Hauptquelle unserer gesamten Industrie war. Die Ukraine versorgte alle unsere Industriebezirke mit Metall, sowohl den Süden als auch Moskau und Leningrad. Sie versorgte unsere wichtigsten Betriebe in der UdSSR mit Kohle. Ich sehe hier vom Ural ab, da der Ural in dieser Hinsicht im Vergleich zum Donezbecken sehr wenig ins Gewicht fiel. Dementsprechend hatten wir drei Hauptzentren für die Heranbildung führender Kader der Industrie: den Süden, den Moskauer und den Lenin-grader Bezirk. Es ist klar, dass wir bei dieser Lage der Dinge mit jener Mindestzahl an Ingenieuren und Technikern, über die unser Land damals verfügen konnte, schlecht und recht auskommen konnten.
So war es noch vor kurzem.
Jetzt aber haben wir ganz andere Verhältnisse. Jetzt ist es, denke ich, klar, dass wir, wenn das gegenwärtige Entwicklungstempo und die gewaltigen Produktionsausmaße beibehalten werden, nicht mehr mit der ukrainischen Kohlen- und Hüttenbasis allein auskommen können. Sie wissen, dass uns die ukrainische Kohle und das ukrainische Metall nicht mehr genügen, obwohl ihre Produktion im Steigen begriffen ist. Sie wissen, dass wir darum gezwungen sind, eine neue Kohlen- und Hüttenbasis im Osten zu schaffen, das Ural-Kusnezker Industriegebiet. Sie wissen, dass wir an der Schaffung dieser Basis nicht ohne Erfolg arbeiten. Das ist aber zuwenig. Wir müssen darüber hinaus eine Hüttenindustrie in Sibirien selbst schaffen, um dessen wachsende Bedürfnisse zu befriedigen. Und wir sind bereits dabei, sie zu schaffen. Wir müssen außerdem eine neue Basis der Buntmetallindustrie in Kasachstan und in Turkestan schaffen. Wir müssen schließlich einen großzügigen Eisenbahnbau entwickeln. Das gebieten die Interessen der UdSSR als Ganzes - die Interessen der Randrepubliken ebenso wie die Interessen des Zentrums.
Daraus folgt aber, dass wir nicht mehr mit jener Mindestzahl an Ingenieuren, Technikern und Leitern der Industrie auskommen können, mit der wir früher auskamen. Daraus folgt, dass die alten Zentren für die Heranbildung von Ingenieuren und Technikern nicht mehr genügen, dass ein ganzes Netz von neuen Zentren geschaffen werden muss: im Ural, in Sibirien, in Mittelasien. Wir müssen jetzt drei- bis fünfmal mehr Ingenieure, Techniker und Leiter der Industrie heranbilden, wenn wir wirklich das Programm der sozialistischen Industrialisierung der UdSSR verwirklichen wollen.
Doch brauchen wir nicht beliebige Leiter, Ingenieure und Techniker. Wir brauchen solche Leiter, Ingenieure und Techniker, die fähig sind, die Politik der Arbeiterklasse unseres Landes zu begreifen, die fähig sind, sich diese Politik zu eigen zu machen, und die bereit sind, sie gewissenhaft zu verwirklichen. Was bedeutet das aber? Das bedeutet, dass unser Land in eine Entwicklungsphase eingetreten ist, in der sich die Arbeiter-klasse ihre eigene technische Intelligenz schaffen muss, die fähig ist, die Interessen der Arbeiterklasse in der Produktion als die Interessen der herrschenden Klasse zu vertreten.
Keine herrschende Klasse ist je ohne ihre eigene Intelligenz ausgekommen. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die Arbeiterklasse der UdSSR ebenfalls nicht ohne ihre eigene technische Intelligenz auskommen kann.
Die Sowjetmacht hat diesem Umstand Rechnung getragen und hat die Tore der Hochschulen aller Zweige der Volkswirtschaft für die Angehörigen der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft geöffnet. Sie wissen, dass Zehntausende junger Arbeiter und Bauern jetzt an den Hochschulen lernen. Waren früher, unter dem Kapitalismus, die Hochschulen das Monopol der Herrensöhnchen, so bildet dort heute, unter der Sowjetordnung, die Arbeiter- und Bauernjugend den ausschlaggebenden Faktor. Es steht außer Zweifel, dass wir aus unseren Lehranstalten bald Tausende neuer Techniker und Ingenieure, neuer Leiter unserer Industrie erhalten werden.
Das ist aber nur die eine Seite der Sache. Die andere Seite der Sache besteht darin, dass die technische Intelligenz der Arbeiterklasse sich nicht nur aus Absolventen der Hochschulen zusammensetzen, sondern sich auch aus Praktikern unserer Betriebe rekrutieren wird, aus qualifizierten Arbeitern, aus den kulturellen Kräften der Arbeiterklasse in den Werken, Fabriken, Bergwerken. Die Initiatoren des Wettbewerbs, die Führer der Stoßbrigaden, die praktischen Inspiratoren des Arbeitsaufschwungs, die Organisatoren der Arbeit an diesem oder jenem Abschnitt des Aufbaus - das ist die neue Schicht der Arbeiterklasse, die zusammen mit den Genossen, die die Hochschule absolviert haben, den Kern der Intelligenz der Arbeiterklasse, den Kern der leitenden Kader unserer Industrie bilden soll. Die Aufgabe besteht darin, diese Genossen, die von „unten“ kommen und Initiative besitzen, nicht an die Wand zu drücken, sondern sie kühner auf leitende Posten zu stellen, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre organisatorischen Fähigkeiten zu entfalten, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Kenntnisse zu vervollständigen, und für sie die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen, ohne die Ausgaben für diesen Zweck zu scheuen.
Unter diesen Genossen gibt es nicht wenig Parteilose. Das kann aber kein Hindernis dafür sein, sie entschlossener auf leitende Posten zu stellen. Im Gegenteil, gerade diese parteilosen Genossen müssen mit besonderer Aufmerksamkeit umgeben, müssen auf leitende Posten gestellt werden, damit sie sich in der Praxis davon überzeugen, dass die Partei fähige und begabte Menschen zu schätzen weiß.
Manche Genossen sind der Meinung, man dürfe auf leitende Posten in den Fabriken und Werken nur Parteigenossen stellen. Aus diesem Grunde schieben sie oft fähige parteilose Genossen, die Initiative besitzen, beiseite und lassen an die erste Stelle Parteimitglieder aufrücken, selbst wenn diese weniger fähig sind und keine Initiative besitzen. Es ist überflüssig zu sagen, dass es nichts Dümmeres und Reaktionäreres gibt als eine solche, mit Verlaub zu sagen, „Politik“. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass man mit einer solchen „Politik“ nur die Partei diskreditieren und die parteilosen Arbeiter von der Partei abstoßen kann. Unsere Politik besteht keineswegs darin, die Partei in eine abgesonderte Kaste zu verwandeln. Unsere Politik besteht darin, zwischen den der Partei angehörenden und den parteilosen Arbeitern eine Atmosphäre „gegenseitigen Vertrauens“, eine Atmosphäre „gegenseitiger Kontrolle“ (Lenin) zu schaffen. Unsere Partei ist in der Arbeiterklasse unter anderem eben deshalb so stark, weil sie diese Politik durchführt.
Also: Erreichen, dass die Arbeiterklasse der 'UdSSR ihre eigene technische Intelligenz habe - das ist die Aufgabe.
So steht es um die vierte neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie.
Gehen wir zur fünften Bedingung über.
V. Anzeichen eines Umschwungs unter der alten technischen Intelligenz
Auch um die Frage des Verhältnisses zu der alten, der bürgerlichen technischen Intelligenz ist es jetzt anders bestellt.
Vor etwa zwei Jahren lagen die Dinge bei uns so, dass der qualifizierteste Teil der alten technischen Intelligenz von der Schädlingskrankheit angesteckt war. Mehr noch, das Schädlingswesen war damals eine Art Mode. Die einen betätigten sich als Schädlinge, die anderen deckten die Schädlinge, die dritten wuschen ihre Hände in Unschuld und wahrten Neutralität, die vierten schwankten zwischen der Sowjetmacht und den Schädlingen. Allerdings arbeitete die Mehrheit der alten technischen Intelligenz mehr oder weniger loyal weiter. Hier aber handelt es sich nicht um die Mehrheit, sondern um den qualifiziertesten Teil der technischen Intelligenz.
Wie entstand die Schädlingsbewegung, wieso entwickelte sie sich? Infolge der Verschärfung des Klassenkampfes innerhalb der UdSSR, infolge der Offensivpolitik der Sowjetmacht gegen die kapitalistischen Elemente in Stadt und Land, infolge des Widerstands dieser Elemente gegen die Politik der Sowjetmacht, infolge der Kompliziertheit der internationalen Lage, infolge der Schwierigkeiten im Aufbau der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Wurde die Tätigkeit der aktiven Gruppen der Schädlinge durch die Interventionspläne der Imperialisten der kapitalistischen Länder und durch die Schwierigkeiten bei der Getreidebeschaffung innerhalb des Landes gefördert, so wurde das Schwanken des anderen Teils der alten technischen Intelligenz nach der Seite der aktiven Schädlinge verstärkt durch das zur Mode gewordene Gerede der trotzkistisch-menschewistischen Schwätzer, dass „aus den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften sowieso nichts werden wird“, dass „die Sowjetmacht sowieso entartet und in Kürze fallen muss“, dass „die Bolschewiki mit ihrer Politik selbst die Intervention begünstigen“ usw. usf. Wenn außerdem sogar manche zur rechten Abweichung gehörenden alten Bolschewiki der „Ansteckung“ nicht widerstanden und in dieser Periode Schwankungen durchmachten, die von der Partei hinwegführten, so braucht man sich nicht zu wundern, dass ein gewisser Teil der alten technischen Intelligenz, der niemals etwas mit dem Bolschewismus zu tun hatte, ebenfalls mit Gottes Hilfe ins Schwanken geriet.
Selbstverständlich konnte die Sowjetmacht bei einer solchen Sachlage nur eine einzige Politik gegenüber der alten technischen Intelligenz verfolgen, die Politik der Zerschmetterung der aktiven Schädlinge, der Differenzierung der Neutralen und der Heranziehung der Loyalen.
So war es vor ein, zwei Jahren.
Kann man sagen, dass die Verhältnisse jetzt genau dieselben sind? Nein, das kann man nicht sagen. Im Gegenteil, jetzt haben sich bei uns ganz andere Verhältnisse herausgebildet. Zunächst sei festgestellt, dass wir die kapitalistischen Elemente in Stadt und Land geschlagen haben und jetzt erfolgreich mit ihnen aufräumen. Selbstverständlich kann das der alten Intelligenz keine Freude bereiten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie immer noch Mitleid für ihre geschlagenen Freunde bekundet. Doch pflegen Anteilnehmende und erst recht Neutrale und Schwankende nicht freiwillig das Los ihrer aktiven Freunde zu teilen, nachdem diese eine schwere und nicht wieder gut zu machende Niederlage erlitten haben.
Ferner haben wir die Schwierigkeiten bei der Getreidebeschaffung überwunden und nicht nur überwunden, sondern führen eine solche Menge Getreide ins Ausland aus wie noch nie, seitdem die Sowjetmacht besteht. Also fällt auch dieses „Argument“ der Schwankenden weg.
Ferner sehen heute selbst Blinde, dass wir an der Front des Aufbaus von Kollektiv- und Sowjetwirtschaften entschieden gesiegt und gewaltige Erfolge errungen haben.
Was also in dem „Arsenal“ der alten Intelligenz das Wichtigste war, das ist zunichte geworden. Was nun die Interventionshoffnungen der bürgerlichen Intelligenz betrifft, so muss festgestellt werden, dass sie sich - wenigstens einstweilen - als auf Sand gebaut erwiesen haben. In der Tat, sechs Jahre hindurch verhieß man ihr die Intervention, und nicht ein einziges Mal versuchte man zu intervenieren. Es ist an der Zeit festzustellen, dass man unsere scharfsichtige bürgerliche Intelligenz einfach an der Nase herumgeführt hat. Ich spreche gar nicht erst davon, dass allein schon das Verhalten der aktiven Schädlinge in dem bekannten Moskauer Prozess die Schädlingsidee diskreditieren musste und auch tatsächlich diskreditiert hat.
Es versteht sich, dass diese neuen Umstände nicht ohne Einfluss auf unsere alte technische Intelligenz bleiben konnten. Die neuen Verhältnisse mussten unter der alten technischen Intelligenz andere Stimmungen hervorrufen und haben sie auch tatsächlich hervorgerufen. Dadurch erklärt sich auch eigentlich die Tatsache, dass wir bei einem gewissen Teil dieser Intelligenz, der früher mit den Schädlingen sympathisierte, bestimmte Anzeichen einer Hinwendung zur Sowjetmacht wahrnehmen. Die Tatsache, dass nicht nur diese Schicht der alten Intelligenz, sondern sogar entschiedene Schädlinge von gestern, ein bedeutender Teil der Schädlinge von gestern in einer Reihe von Werken und Fabriken gemeinsam mit der Arbeiterklasse zu arbeiten beginnt - diese Tatsache zeugt zweifellos davon, dass der Umschwung unter der alten technischen Intelligenz schon begonnen hat. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass es bei uns keine Schädlinge mehr gibt. Nein, das bedeutet es nicht. Schädlinge gibt es und wird es geben, solange wir Klassen haben, solange eine kapitalistische Umwelt besteht. Das bedeutet aber: Wenn einmal ein bedeutender Teil der alten technischen Intelligenz, der früher in dieser oder jener Weise mit den Schädlingen sympathisierte, sich jetzt der Sowjetmacht zugewandt hat, so sind aktive Schädlinge nur in geringer Zahl geblieben, sie sind isoliert und werden sich eine gewisse Zeit lang in tiefe Illegalität zurückziehen müssen.
Daraus folgt aber, dass sich dementsprechend auch unsere Politik gegenüber der alten technischen Intelligenz ändern muss. Drückte sich in der Periode, als das Schädlingswesen auf dem Höhepunkt war, unser Verhalten zu der alten technischen Intelligenz hauptsächlich in der Politik des Zerschlagens aus, so muss heute, in der Periode der Wendung dieser Intelligenz zur Sowjetmacht, unser Verhalten ihr gegenüber hauptsächlich in der Politik ihrer Heranziehung und der Sorge um sie bestehen. Es wäre falsch und undialektisch, wollte man unter den neuen, veränderten Verhältnissen die alte Politik fortsetzen. Es wäre dumm und unvernünftig, heute beinahe in jedem Spezialisten und Ingenieur der alten Schule einen noch nicht ertappten Verbrecher und Schädling zu sehen. „Spezialistenfresserei“ hat bei uns immer als schädliche und schmähliche Erscheinung gegolten und wird auch weiter als solche gelten.
Also: Das Verhalten zu den Ingenieuren und Technikern der alten Schule ändern, sie mit mehr Aufmerksamkeit und Türsorge umgeben, sie kühner zur Arbeit heranziehen - das ist die Aufgabe.
So steht es um die fünfte neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie.
Gehen wir zur letzten Bedingung über.
VI. Über die wirtschaftliche Rechnungsführung
Das Bild wäre unvollständig, würde ich nicht noch eine neue Bedingung berühren. Es handelt sich um die Akkumulationsquellen für die Industrie, für die Volkswirtschaft, um die Beschleunigung des Tempos dieser Akkumulation.
Worin besteht vom Standpunkt der Akkumulation das Neue und Besondere in der Entwicklung unserer Industrie? Darin, dass die alten Akkumulationsquellen für die weitere Entfaltung der Industrie bereits unzulänglich werden. Darin, dass also neue Akkumulationsquellen ausfindig gemacht und die alten verstärkt werden müssen, wenn wir das bolschewistische Tempo der Industrialisierung wirklich beibehalten und entwickeln wollen.
Aus der Geschichte der kapitalistischen Länder ist bekannt, dass kein einziger junger Staat, der seine Industrie auf eine höhere Stufe heben wollte, ohne Hilfe von außen, ohne langfristige Kredite oder Anleihen, ausgekommen ist. Davon ausgehend, verweigerten die Kapitalisten der westlichen Länder unserem Lande rundweg Kredite und Anleihen, in der Annahme, dass das Ausbleiben von Krediten und Anleihen die Industrialisierung unseres Landes unfehlbar vereiteln würde. Aber die Kapitalisten haben sich geirrt. Sie haben nicht in Betracht gezogen, dass unser Land, zum Unterschied von den kapitalistischen Ländern, über gewisse besondere Akkumulationsquellen verfügt, die genügen, um die Industrie wiederherzustellen und weiterzuentwickeln. Und in der Tat, wir haben die Industrie, die Landwirtschaft und das Verkehrswesen nicht nur wiederhergestellt, sondern es auch bereits vermocht, das gewaltige Werk der Rekonstruktion der Schwerindustrie, der Landwirtschaft und des Verkehrswesens in die Wege zu leiten. Man begreift, dass wir für diesen Zweck Dutzende Milliarden Rubel aufgewandt haben. Woher wurden diese Milliarden Rubel geschöpft? Aus der Leichtindustrie, aus der Landwirtschaft, aus den Überschüssen des Staatsbudgets. So lagen die Dinge bei uns bis in die letzte Zeit hinein.
Ganz anders liegen die Dinge jetzt. Reichten früher die alten Akkumulationsquellen für die Rekonstruktion der Industrie und des Verkehrswesens aus, so beginnen sie heute bereits offenkundig unzulänglich zu werden. Es handelt sich jetzt nicht darum, die alte Industrie zu rekonstruieren. Es handelt sich um die Schaffung einer neuen, technisch gut ausgerüsteten Industrie im Ural, in Sibirien, in Kasachstan. Es handelt sich um die Schaffung von neuen landwirtschaftlichen Großbetrieben in den Getreide-, Viehzucht- und Rohstoffgebieten der UdSSR. Es handelt sich um die Schaffung eines neuen Eisenbahnnetzes zwischen dem Osten und dem Westen der UdSSR. Es ist klar, dass die alten Akkumulationsquellen für dieses grandiose Werk nicht ausreichen können.
Aber das ist noch nicht alles. Dazu kommt noch der Umstand, dass die Prinzipien der wirtschaftlichen Rechnungsführung infolge von Misswirtschaft in einer ganzen Reihe unserer Betriebe und Wirtschaftsorganisationen völlig untergraben worden sind. Es ist Tatsache, dass man in einer Reihe von Betrieben und Wirtschaftsorganisationen schon längst aufgehört hat, zu berechnen, zu kalkulieren, fundierte Bilanzen der Einnahmen und Ausgaben aufzustellen. Es ist Tatsache, dass in einer Reihe von Betrieben und Wirtschaftsorganisationen die Begriffe „Sparsamkeitsregime“, „Herabsetzung der unproduktiven Ausgaben“, „Rationalisierung der Produktion“ schon längst aus der Mode gekommen sind. Offenbar rechnen sie darauf, dass die Staatsbank „uns sowieso die nötigen Summen geben wird“. Es ist Tatsache, dass in letzter Zeit die Selbstkosten in einer ganzen Reihe von Betrieben zu steigen begonnen haben. Man hat es ihnen zur Aufgabe gemacht, die Selbstkosten um zehn und mehr Prozent zu senken, sie aber erhöhen sie. Was aber heißt das, die Selbstkosten senken? Sie wissen, dass jedes Prozent Senkung der Selbstkosten eine Akkumulation von 150 bis 200 Millionen Rubel innerhalb der Industrie bedeutet. Es ist klar, dass eine Erhöhung der Selbstkosten unter diesen Bedingungen gleichbedeutend ist mit dem Verlust von Hunderten Millionen Rubel für die Industrie und die gesamte Volkswirtschaft.
Aus alledem folgt, dass es nicht mehr möglich ist, sich bloß auf die Leichtindustrie, bloß auf die Akkumulation aus Budgetüberschüssen, bloß auf die Einnahmen aus der Landwirtschaft zu stützen. Die Leichtindustrie ist eine sehr ergiebige Akkumulationsquelle, und sie hat jetzt alle Aussichten auf weitere Entwicklung, doch ist diese Quelle nicht unerschöpflich. Die Landwirtschaft ist eine nicht weniger ergiebige Akkumulationsquelle, doch ist sie jetzt; in der Zeit ihrer Rekonstruktion, selbst auf finanzielle Unterstützung durch den Staat angewiesen. Was die Budgetüberschüsse betrifft, so wissen Sie selbst, dass sie nicht unbegrenzt sein können noch sein dürfen. Was bleibt also übrig? Es bleibt die Schwerindustrie. Man muss also erreichen, dass die Schwerindustrie und vor allem der Maschinenbau ebenfalls Überschüsse erzielen. Man muss also, bei Stärkung und Erweiterung der alten Akkumulationsquellen, erreichen, dass die Schwerindustrie und vor allem der Maschinenbau ebenfalls Überschüsse erzielen.
Darin liegt der Ausweg.
Was aber ist dazu notwendig? Beseitigung der Misswirtschaft, Mobilisierung der inneren Hilfsquellen der Industrie, Einbürgerung und Festigung des Prinzips der wirtschaftlichen Rechnungsführung in allen unseren Betrieben, systematische Senkung der Selbstkosten, Steigerung der Akkumulation innerhalb der Industrie, in allen Industriezweigen ohne Ausnahme.
Das ist der Ausweg.
Also: Das Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsführung einbürgern und festigen, die Akkumulation innerhalb der Industrie verstärken - das ist die Aufgabe.
VII. Auf neue Art arbeiten, auf neue Art leiten
Das, Genossen, sind die neuen Entwicklungsbedingungen unserer Industrie.
Die Bedeutung dieser neuen Bedingungen besteht darin, dass sie für die Industrie neue Verhältnisse schaffen, die neue Methoden der Arbeit, neue Methoden der Leitung erfordern.
Also:
a) Es ergibt sich somit, dass man nicht mehr wie früher auf den Selbstlauf in der Frage der Arbeitskraft rechnen darf. Um der Industrie Arbeitskräfte zu sichern, muss man sie auf organisierte Weise anwerben und die Arbeit mechanisieren. Wer der Meinung ist, man könne bei unserem Arbeitstempo und bei unseren Produktionsausmaßen ohne Mechanisierung auskommen, der glaubt, das Meer mit einem Löffel ausschöpfen zu können.
b) Es ergibt sich weiter, dass man die Fluktuation der Arbeitskraft in der Industrie nicht länger dulden kann. Um dieses Übel loszuwerden, muss man das Lohnsystem auf neue Art organisieren und die Belegschaft in den Betrieben zu einer mehr oder weniger beständigen machen.
c) Es ergibt sich weiter, dass man das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit in der Produktion nicht mehr dulden kann. Um dieses Übel loszuwerden, muss man die Arbeit auf neue Art organisieren, muss man die Kräfte so verteilen, dass jede Arbeitergruppe für ihre Arbeit, für die Maschinen, für die Werkbänke, für die Qualität der Arbeit verantwortlich ist.
d) Es ergibt sich weiter, dass es nicht mehr möglich ist, wie früher, mit jener Mindestzahl von alten Ingenieuren und Technikern auszukommen, die wir vom bürgerlichen Rußland als Erbe übernommen haben. Um das heutige Tempo zu steigern und die heutigen Ausmaße der Produktion zu vergrößern, muss man erreichen, dass die Arbeiterklasse über eine eigene technische Intelligenz verfügt.
e) Es ergibt sich weiter, dass man nicht mehr, wie früher, alle Spezialisten, Ingenieure und Techniker der alten Schule in einen Topf werfen darf. Um der veränderten Lage Rechnung zu tragen, müssen wir unsere Politik ändern und gegenüber den Spezialisten, Ingenieuren und Technikern der alten Schule, die sich entschieden der Arbeiterklasse zuwenden, ein Höchstmaß von Fürsorge an den Tag legen.
f) Es ergibt sich schließlich, dass man nicht mehr, wie früher, mit den alten Akkumulationsquellen auskommen kann. Um die weitere Entfaltung der Industrie und der Landwirtschaft sicherzustellen, muss man erreichen, dass neue Akkumulationsquellen erschlossen werden, dass jegliche Misswirtschaft beseitigt, das Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsführung eingebürgert wird, die Selbstkosten gesenkt werden und die Akkumulation innerhalb der Industrie verstärkt wird.
Das sind die neuen Entwicklungsbedingungen der Industrie, die neue Methoden der Arbeit, neue Methoden 'der Leitung des Wirtschaftsaufbaus erfordern.
Was ist notwendig, um die Leitung auf neue Art zu organisieren?
Dazu ist vor allem notwendig, dass unsere Wirtschaftsleiter die neuen Verhältnisse begreifen, die neuen Entwicklungsbedingungen der Industrie konkret studieren und ihre Arbeit gemäß den Erfordernissen der neuen Verhältnisse umstellen.
Dazu ist weiter notwendig, dass unsere Wirtschaftsleiter die Betriebe nicht „im allgemeinen“, nicht „aus luftiger Höhe“, sondern konkret, sachlich leiten, dass sie an jede Frage nicht vom Standpunkt eines allgemeinen Geredes, sondern streng sachlich herantreten, dass sie sich nicht auf papierne Erledigung oder allgemeine Phrasen und Losungen beschränken, sondern in die Technik der Sache eindringen, die Einzelheiten der Sache erfassen, in „Kleinigkeiten“ eindringen, denn aus „Kleinigkeiten“ wird jetzt Großes geschaffen.
Dazu ist weiter notwendig, dass unsere heutigen schwerfälligen, manchmal 100-200 Betriebe umfassenden Vereinigungen sofort verkleinert und in mehrere Vereinigungen zerlegt werden. Es ist klar, dass der Vorsitzende einer Vereinigung, der mit 100 und mehr Betrieben zu tun hat, diese Betriebe, ihre Produktionsmöglichkeiten, ihre Arbeit nicht richtig kennen kann. Es ist klar, dass er, wenn er die Betriebe nicht kennt, nicht imstande ist, sie zu leiten. Damit also den Vorsitzenden der Vereinigungen die Möglichkeit gegeben wird, die Betriebe richtig kennen zu lernen und zu leiten, muss man sie von der übergroßen Zahl von Betrieben entlasten, muss man die Vereinigungen in mehrere Vereinigungen zerlegen und sie näher an die Betriebe heranbringen.
Dazu ist weiter notwendig, dass unsere Vereinigungen von der Kollegialverwaltung zur persönlichen Verwaltung übergehen. Jetzt liegen die Dinge so, dass in den Kollegien der Vereinigungen 10-15 Personen sitzen, Akten schreiben und diskutieren. So darf nicht weiter verwaltet werden, Genossen. Mit der papiernen „Leitung“ muss Schluss gemacht werden, es gilt, sich auf wirkliche, sachliche, bolschewistische Arbeit umzustellen. An der Spitze der Vereinigung sollen der Vorsitzende der Vereinigung und einige Stellvertreter bleiben. Das wird zur Verwaltung der Vereinigung vollständig genügen. Die übrigen Mitglieder des Kollegiums sollte man lieber nach unten, in die Werke und Fabriken, schicken. Das wäre viel nützlicher sowohl für sie als auch für die Sache.
Dazu ist weiter notwendig, dass die Vorsitzenden der Vereinigungen und ihre Stellvertreter öfter die Betriebe besuchen, länger dort bleiben und arbeiten, besser die Leute in den Betrieben kennen lernen und die an Ort und Stelle Arbeitenden nicht nur belehren, sondern auch von ihnen lernen. Wer glaubt, man könne jetzt vom Büro, vom Kontor aus leiten, fern von den Betrieben, der ist im Irrtum. Um die Werke zu leiten, muss man öfter mit den Leuten in den Betrieben in Fühlung kommen, muss man mit ihnen in lebendigem Kontakt stehen.
Schließlich ein paar Worte über unseren Produktionsplan für 1931. Es gibt im Umkreis der Partei gewisse Spießer, die versichern, dass unser Produktionsprogramm irreal, undurchführbar sei. Es sind dies Leute von der Art der Schtschedrinschen „neunmalweisen Gründlinge“, die stets bereit sind, um sich herum eine „Leere der Denkschwäche“ zu verbreiten. Ist unser Produktionsprogramm real? Ohne Zweifel, ja! Es ist schon deswegen real, weil wir über alle zu seiner Verwirklichung notwendigen Bedingungen verfügen. Es ist schon deswegen real, weil seine Durchführung jetzt ausschließlich von uns selbst abhängt, von unserer Fähigkeit und unserem Willen, unsere überaus reichen Möglichkeiten auszunutzen. Wie wäre sonst die Tatsache zu erklären, dass eine ganze Reihe von Betrieben und Industriezweigen den Plan bereits übererfüllt hat? Folglich können auch die anderen Betriebe und Industriezweige den Plan erfüllen und übererfüllen.
Es wäre töricht zu glauben, der Produktionsplan bestehe in einer Aufzählung von Zahlen und Aufgaben. In Wirklichkeit ist der Produktionsplan die lebendige und praktische Tätigkeit von Millionen Menschen. Die Realität unseres Produktionsplans, das sind die Millionen Werktätigen, die ein neues Leben schaffen. Die Realität unseres Programms, das sind lebendige Menschen, das sind wir alle miteinander, das ist unser Arbeitswille, unsere Bereitschaft, auf neue Art zu arbeiten, unsere Entschlossenheit, den Plan zu erfüllen. Haben wir diese Entschlossenheit? Ja, wir haben sie. Also kann und muss unser Produktionsprogramm verwirklicht werden. (Lang anhaltender Beifall.)
„Prawda“ Nr. 183, 5. Juli 1931
An die Arbeiter, Techniker und das Verwaltungspersonal der "AMO"-Werke
Seite 73
„Prawda“ Nr. 271, 1.Oktober 1931.
Voll tiefer Befriedigung nimmt das ZK der KPdSU(B) Kenntnis von dem Sieg der Arbeiter, Techniker und des Verwaltungspersonals der „AMO“-Werke. Dort, wo die russischen Kapitalisten nur Automobilwerkstätten mit rückständiger Technik, niedriger Arbeitsproduktivität und barbarischen Ausbeutungsmethoden zu errichten vermochten, ist ein mit allen Errungenschaften der modernen Technik ausgestatteter mächtiger Gigant erbaut worden mit einer Produktionskapazität von 25000 Lastkraftwagen. Ihr Sieg ist ein Sieg aller Werktätigen unseres Landes. Das ZK der KPdSU(B) gibt seiner festen Überzeugung Ausdruck, dass Sie nach diesem ersten großen Sieg weitere Siege erringen werden: Meisterung der neuen Technik des Werkes, ständige Erfüllung des Produktionsprogramms, Senkung der Produktionskosten und eine ausgezeichnete Qualität der Erzeugnisse.
Flammenden bolschewistischen Gruß allen Erbauern des ersten Autowerkgiganten in der UdSSR - den Erbauern der „AMO“-Werke.
Sekretär des ZK der KPdSU(B)
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 271, 1.Oktober 1931.
An die Arbeiter, Techniker und das Verwaltungspersonal des Baus der Charkower Traktorenwerke
Seite 74
Mit größter Aufmerksamkeit haben die Werktätigen unseres Landes, die Millionen Kollektivbauern und die Partei den Aufbau der Charkower Traktorenwerke verfolgt. Die Charkower Traktorenwerke sind das stählerne Bollwerk der Kollektivierung der ukrainischen Landwirtschaft, ihre Erbauer sind die Avantgarde, die die Millionen ukrainischer Bauern auf den Weg zum Sozialismus führt. Der Bau der Charkower Traktorenwerke, die sich in die Familie der Traktorenwerke einreihen, wird als Vorbild echt bolschewistischen Tempos in die Geschichte der sozialistischen Industrie unseres Landes eingehen. Das ZK der KPdSU(B) gibt der Überzeugung Ausdruck, dass die Arbeiter, Ingenieure und Techniker unter Ausnutzung der Erfahrungen des Stalingrader Werkes die Schwierigkeiten des jungen Produktionszweiges überwinden und das Kampfprogramm für 1932 erfüllen werden.
Flammenden bolschewistischen Gruß den Erbauern des zweiten Traktorengiganten der UdSSR!
Sekretär des ZK der KPdSU(B)
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 271, 1. Oktober 1931.
An die Zeitung "Technika"
Seite 75
Ich begrüße das Erscheinen der ersten bolschewistischen technischen Zeitung.
Die Zeitung „Technika“ muss für die breiten Massen der Arbeiter, Wirtschaftler, Ingenieure und Techniker zu einer mächtigen Waffe werden, die ihnen hilft, die Technik zu meistern. Die Zeitung „Technika“ muss der Partei helfen, Hunderttausende neuer Techniker und Ingenieure aus den Reihen der Arbeiterklasse, Kämpfer für ein bolschewistisches Tempo, heranzubilden.
Ich wünsche der Zeitung jeglichen Erfolg!
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 280, 10. Oktober 1931.
Über einige Frage der Geschichte des Bolschewismus
Seite 76 - 91
Brief an die Redaktion der Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“
Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“ (Die proletarische Revolution) Nr. 6 (113), 1931.
Werte Genossen!
Ich protestiere entschieden dagegen, dass in der Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“[Anmerkung 12] (Nr. 6, 1930) der parteifeindliche und halbtrotzkistische Artikel von Sluzki „Die Bolschewiki über die deutsche Sozialdemokratie in der Periode ihrer Vorkriegskrise“ als Diskussionsartikel veröffentlicht worden ist.
Sluzki behauptet, Lenin (die Bolschewiki) habe die Gefahr des Zentrismus in der deutschen und überhaupt in der Vorkriegssozialdemokratie unterschätzt, das heißt, er habe die Gefahr des verkappten Opportunismus, die Gefahr des Versöhnlertums gegenüber dem Opportunismus, unterschätzt. Mit anderen Worten, Sluzki stellt die Dinge so hin, als ob Lenin (die Bolschewiki) keinen unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus geführt habe, denn die Unterschätzung des Zentrismus ist im Grunde genommen ein Verzicht auf den voll entfalteten Kampf gegen den Opportunismus. Demnach wäre Lenin in der Vorkriegsperiode noch kein echter Bolschewik gewesen, demnach wäre Lenin erst in der Periode des imperialistischen Krieges oder gar erst bei Ausgang dieses Krieges ein echter Bolschewik geworden.
Das erzählt Sluzki in seinem Artikel. Sie aber lassen sich, anstatt diesen neu gebackenen „Historiker“ als Verleumder und Fälscher zu brandmarken, mit ihm in eine Diskussion ein, stellen ihm eine Tribüne zur Verfügung. Ich kann nicht umhin, dagegen zu protestieren, dass Sluzkis Artikel in Ihrer Zeitschrift als Diskussionsartikel veröffentlicht worden ist, denn man darf die Frage des Bolschewismus Lenins, die Frage, ob Lenin gegen den Zentrismus als bestimmte Spielart des Opportunismus einen prinzipiellen unversöhnlichen Kampf geführt hat oder nicht geführt hat, ob Lenin ein echter Bolschewik war oder es nicht war, nicht zum Gegenstand einer Diskussion machen.
In Ihrer „von der Redaktion“ unterzeichneten Erklärung, die am 20. Oktober an das ZK geschickt wurde, erkennen Sie an, dass die Redaktion einen Fehler begangen hat, indem sie den Artikel Sluzkis als Diskussionsartikel veröffentlichte. Das ist natürlich gut, obwohl die Erklärung der Redaktion mit großer Verspätung erscheint. Sie begehen aber in Ihrer Erklärung einen neuen Fehler, indem Sie verkünden, dass „die Redaktion die weitere Bearbeitung des ganzen Kreises der Probleme, die das gegenseitige Verhältnis der Bolschewiki und der II. Internationale der Vorkriegszeit betreffen, in der ‚Proletarskaja Rewoluzija’ als politisch höchst aktuell und notwendig erachtet“. Das bedeutet, dass Sie beabsichtigen, die Leute von neuem in eine Diskussion hineinzuziehen über Fragen, die Axiome des Bolschewismus sind. Das bedeutet, dass Sie sich neuerlich mit der Absicht tragen, die Frage des Bolschewismus Lenins aus einem Axiom zu einem Problem zu machen, das der „weiteren Bearbeitung“ bedürfe. Warum, aus welchem Grunde?
Jedermann ist bekannt, dass der Leninismus im schonungslosen Kampf gegen den Opportunismus aller Schattierungen, darunter auch gegen den Zentrismus im Westen (Kautsky), gegen den Zentrismus bei uns (Trotzki u. a.), entstand, wuchs und erstarkte. Das können selbst die direkten Feinde des Bolschewismus nicht leugnen. Das ist ein Axiom. Sie aber zerren uns zurück, indem Sie versuchen, ein Axiom zu einem Problem zu machen, das der „weiteren Bearbeitung“ bedürfe. Warum? Aus welchem Grunde? Vielleicht aus Unkenntnis der Geschichte des Bolschewismus? Vielleicht um eines faulen Liberalismus willen, damit die Sluzki und die sonstigen Schüler Trotzkis nicht sagen können, dass man ihnen den Mund verbiete? Ein recht sonderbarer Liberalismus, der praktiziert wird auf Kosten der ureigensten Interessen des Bolschewismus...
Was hält eigentlich die Redaktion in dem Artikel Sluzkis für wert, in einer Diskussion untersucht zu werden?
1. Sluzki behauptet, dass Lenin (die Bolschewiki) keine auf den Bruch, auf die Trennung von den Opportunisten der deutschen Sozialdemokratie, von den Opportunisten der II. Internationale der Vorkriegszeit gerichtete Linie verfolgt habe. Sie wollen über diese trotzkistische These Sluzkis diskutieren. Aber was gibt es hier zu diskutieren? Ist es nicht klar, dass Sluzki einfach Lenin, die Bolschewiki verleumdet? Eine Verleumdung muss man brandmarken, nicht aber zum Gegenstand einer Diskussion machen.
Jeder Bolschewik, der wirklich Bolschewik ist, weiß, dass Lenin schon lange vor dem Kriege, etwa seit 1903-1904, als sich in Rußland die Gruppe der Bolschewiki herausbildete und als sich die Linken in der deutschen Sozialdemokratie zum ersten Mal bemerkbar machten, eine Linie verfolgt hat, die auf den Bruch, auf die Trennung von den Opportunisten sowohl bei uns, in der Sozialdemokratischen Partei Rußlands, wie auch dort, in der II. Internationale, im Besonderen in der deutschen Sozialdemokratie, gerichtet war.
Jeder Bolschewik weiß, dass sich gerade deswegen die Bolschewiki schon damals (1903-1905) in den Reihen der Opportunisten der II. Internationale den ehrenvollen Ruf von „Spaltern“ und „Desorganisatoren“ erwarben. Was konnte aber Lenin, was konnten die Bolschewiki tun, wenn die linken Sozialdemokraten in der II. Internationale, und vor allem in der deutschen Sozialdemokratie, eine schwache und ohnmächtige, organisatorisch nicht zusammengefasste, ideologisch nicht ausgerüstete Gruppe darstellten, die sich fürchtete, das Wort „Bruch“, „Spaltung“ auch nur auszusprechen? Man kann doch nicht fordern, dass Lenin, dass die Bolschewiki von Rußland aus an Stelle der Linken eine Spaltung in den Parteien des Westens hätten vornehmen sollen.
Ich rede schon gar nicht davon, dass organisatorische und ideologische Schwäche nicht nur in der Vorkriegsperiode ein kennzeichnender Zug der linken Sozialdemokraten war. Diesen negativen Zug behielten die Linken bekanntlich auch in der Nachkriegsperiode. Alle kennen die Einschätzung der deutschen linken Sozialdemokraten, die Lenin in seinem bekannten Artikel „Über die Junius-Broschüre“ (Junius - Rosa Luxemburg, Führerin der Linken in der deutschen Sozialdemokratie.) gab, der im Oktober 1916, das heißt mehr als zwei Jahre nach Beginn des Krieges, veröffentlicht wurde und wo Lenin, an einer ganzen Reihe ernstester politischer Fehler der linken Sozialdemokraten in Deutschland Kritik übend, von „der Schwäche aller deutschen Linken, die von allen Seiten von dem niederträchtigen Netz der kautskyanischen Heuchelei, der Pedanterie, des ‚Wohlwollens’ den Opportunisten gegenüber umgarnt sind“, spricht, wo er sagt: „Junius bat sich nicht völlig frei gemacht von denn ‚Milieu’ der deutschen, selbst der linken Sozialdemokraten, die eine Spaltung fürchten und Angst haben, die revolutionären Losungen bis zu Ende auszusprechen.“[11]
Von allen Gruppierungen der II. Internationale waren die russischen Bolschewiki damals die einzige Gruppierung, die auf Grund ihrer organisatorischen Erfahrung und ideologischen Rüstung fähig war, etwas Ernstes im Sinne eines direkten Bruches, einer Trennung von ihren eigenen Opportunisten in ihrer russischen Sozialdemokratie zu unternehmen. Hätten die Sluzki nun versucht, nicht etwa zu beweisen, sondern einfach nur anzunehmen, dass Lenin und die russischen Bolschewiki nicht ihre ganze Kraft eingesetzt hätten, um den Bruch mit den Opportunisten (Plechanow, Martow, Dan) zu organisieren und die Zentristen (Trotzki und die sonstigen Anhänger des Augustblocks) davonzujagen, dann könnte man über den Bolschewismus Lenins, über den Bolschewismus der Bolschewiki streiten. Das ist es ja aber gerade, dass die Sluzki es nicht wagen, zugunsten einer solchen hirnverbrannten Annahme auch nur ein Sterbenswörtchen vorzubringen. Sie wagen es nicht, weil sie wissen, dass die jedermann bekannten Tatsachen der entschiedenen Politik des Bruches mit den Opportunisten aller Schattierungen, die die russischen Bolschewiki durchführten (1904-1912), eine solche Annahme schlagend widerlegen. Sie wagen es nicht, weil sie wissen, dass man sie schon am nächsten Tage an den Pranger stellen würde.
Hier aber die Frage: Konnten die russischen Bolschewiki den Bruch mit ihren Opportunisten und zentristischen Versöhnlern lange vor dem imperialistischen Kriege (1904-1912) durchführen, ohne gleichzeitig eine Linie zu verfolgen, die auf den Bruch, auf die Trennung von den Opportunisten und Zentristen der II. Internationale gerichtet war? Wer kann daran zweifeln, dass die russischen Bolschewiki ihre Politik gegenüber den Opportunisten und Zentristen als ein Vorbild der Politik für die Linken im Westen betrachteten? Wer kann daran zweifeln, dass die russischen Bolschewiki die linken Sozialdemokraten im Westen, insbesondere die Linken in der deutschen Sozialdemokratie, in jeder Weise zum Bruch, zur Trennung von ihren Opportunisten und Zentristen drängten? Es ist nicht die Schuld Lenins und der russischen Bolschewiki, wenn sich die linken Sozialdemokraten im Westen nicht als reif erwiesen, in die Fußtapfen der russischen Bolschewiki zu treten.
2. Sluzki wirft Lenin und den Bolschewiki vor, dass sie die Linken in der deutschen Sozialdemokratie nicht entschieden und rückhaltlos unterstützten, dass sie sie nur mit ernsten Vorbehalten unterstützten, dass Fraktionserwägungen sie gehindert hätten, die Linken restlos zu unterstützen. Gegen diesen großmäuligen und durch und durch verlogenen Vorwurf wollen Sie diskutieren. Was gibt es aber hier eigentlich zu diskutieren? Ist es nicht klar, dass Sluzki hier manövriert und versucht, mit seinem verlogenen Vorwurf gegen Lenin und die Bolschewiki die wirklichen Mängel in der Stellung der Linken in Deutschland zu bemänteln? Ist es nicht klar, dass die Bolschewiki die Linken in Deutschland, die immer wieder zwischen Bolschewismus und Menschewismus schwankten, nicht ohne ernste Vorbehalte, nicht ohne ernste Kritik an ihren Fehlern unterstützen konnten, wenn sie an der Arbeiterklasse und ihrer Revolution nicht Verrat üben wollten? Gaunerische Manöver muss man brandmarken, nicht aber zum Gegenstand einer Diskussion machen.
Ja, die Bolschewiki haben die linken Sozialdemokraten in Deutschland nur unter bestimmten ernsten Vorbehalten unterstützt, indem sie deren halbmenschewistische Fehler kritisierten. Dafür muss man sie jedoch loben, nicht aber ihnen Vorwürfe machen.
Gibt es Leute, die daran zweifeln?
Wenden wir uns den bekanntesten Tatsachen aus der Geschichte zu.
a) Im Jahre 1903 traten ernste Meinungsverschiedenheiten zwischen Bolschewiki und Menschewiki in Rußland in der Frage der Parteimitgliedschaft auf. Mit ihrer Formulierung über die Mitgliedschaft in der Partei wollten die Bolschewiki einen organisatorischen Damm gegen die Überschwemmung der Partei mit nichtproletarischen Elementen errichten. Die Gefahr einer solchen Überschwemmung war damals angesichts des bürgerlich-demokratischen Charakters der russischen Revolution überaus real. Die russischen Menschewiki vertraten den entgegengesetzten Standpunkt, der den nichtproletarischen Elementen die Tore der Partei sperrangelweit öffnete. Angesichts der Wichtigkeit, die die Fragen der russischen Revolution für die internationale revolutionäre Bewegung hatten, beschlossen die westeuropäischen Sozialdemokraten, in die Sache einzugreifen. Auch linke Sozialdemokraten in Deutschland, Parvus und Rosa Luxemburg, die damaligen Führer der Linken, griffen ein. Und was geschah? Beide sprachen sich für die Menschewiki, gegen die Bolschewiki aus. Dabei wurde gegen die Bolschewiki die Anklage des Ultrazentralismus und blanquistischer Tendenzen erhoben. Später wurden diese abgeschmackten und spießerhaften Epitheta von den Menschewiki aufgegriffen und durch die ganze Welt getragen.
b) Im Jahre 1905 kam es zwischen Bolschewiki und Menschewiki in Rußland zu Meinungsverschiedenheiten über den Charakter der russischen Revolution. Die Bolschewiki vertraten die Idee des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft, bei Hegemonie des Proletariats. Die Bolschewiki behaupteten, dass man die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft erstreben müsse, um dann von der bürgerlich-demokratischen Revolution sofort zur sozialistischen Revolution überzugehen, wobei man sich die Unterstützung der Dorfarmut zu sichern habe. Die Menschewiki in Rußland lehnten die Idee der Hegemonie des Proletariats in der bürgerlich-demokratischen Revolution ab, sie zogen der Politik des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft die Politik des Paktierens mit der liberalen Bourgeoisie vor, die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft aber erklärten sie für ein reaktionäres, blanquistisches Schema, das der Entwicklung der bürgerlichen Revolution widerspreche. Wie verhielten sich zu diesen Auseinandersetzungen die Linken in der deutschen Sozialdemokratie, Parvus und Rosa Luxemburg? Sie ersannen ein utopisches und halbmenschewistisches Schema, das der permanenten Revolution (ein Zerrbild des Marxschen Revolutionsschemas), durchdrungen von einer durch und durch menschewistischen Verneinung der Politik des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft, und stellten es dem bolschewistischen Schema der revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft entgegen. Im Weiteren wurde dieses halbmenschewistische Schema der permanenten Revolution von Trotzki (teilweise von Martow) aufgegriffen und zu einem Kampfmittel gegen den Leninismus gemacht.
c) In der Vorkriegsperiode trat in den Parteien der II. Internationale als eine der aktuellsten Fragen die nationale und koloniale Frage in den Vordergrund, die Frage der unterdrückten Nationen und Kolonien, die Frage der Befreiung der unterdrückten Nationen und Kolonien, die Frage der Methoden des Kampfes gegen den Imperialismus, die Frage der Wege zum Sturz des Imperialismus. Im Interesse der Entfaltung der proletarischen Revolution und der Einkreisung des Imperialismus schlugen die Bolschewiki die Politik vor, die Befreiungsbewegung der unterdrückten Nationen und der Kolonien auf der Grundlage der Selbstbestimmung der Nationen zu unterstützen; sie entwickelten das Schema der Einheitsfront zwischen der proletarischen Revolution der fortgeschrittenen Länder und der revolutionären Befreiungsbewegung der Völker der Kolonien und unterdrückten Länder. Die Opportunisten aller Länder, die Sozialchauvinisten und Sozialimperialisten aller Länder fielen im Zusammenhang damit sofort über die Bolschewiki her. Die Bolschewiki wurden wie tolle Hunde gehetzt. Welches war damals die Stellung der linken Sozialdemokraten im Westen? Sie entwickelten eine halbmenschewistische Theorie des Imperialismus, lehnten das Prinzip der Selbstbestimmung der Nationen in seiner marxistischen Auffassung (einschließlich der Lostrennung und der Bildung selbständiger Staaten) ab, wiesen die These von der großen revolutionären Bedeutung der Befreiungsbewegung der Kolonien und unterdrückten Länder zurück, wiesen die These von der Möglichkeit der Einheitsfront zwischen der proletarischen Revolution und der nationalen Befreiungsbewegung zurück und stellten diesen ganzen halbmenschewistischen Mischmasch, der nichts als eine einzige Unterschätzung der nationalen und kolonialen Frage ist, dem marxistischen Schema der Bolschewiki entgegen. Es ist bekannt, dass Trotzki später diesen halbmenschewistischen Mischmasch aufgriff und als Kampfmittel gegen den Leninismus ausnutzte.
Das sind die jedermann bekannten Fehler der linken Sozialdemokraten in Deutschland.
Ich rede schon gar nicht von den anderen Fehlern der deutschen Linken, die in entsprechenden Artikeln von Lenin scharf kritisiert wurden.
Ich rede auch nicht von den Fehlern, die sie bei der Einschätzung der Politik der Bolschewiki in der Periode des Oktoberumsturzes begangen haben.
Wovon zeugen diese Fehler der deutschen Linken aus der Geschichte der Vorkriegsperiode, wenn nicht davon, dass die linken Sozialdemokraten trotz ihrer linken Positionen sich noch nicht von dem menschewistischen Ballast befreit hatten?
Gewiss, die Linken in Deutschland hatten nicht nur ernste Fehler. Sie haben auch große und ernste revolutionäre Taten aufzuweisen. Ich denke dabei an eine ganze Reihe ihrer Verdienste und an ihr revolutionäres Auftreten in Fragen der inneren Politik und im besonderen des Wahlrechtskampfes, in Fragen des parlamentarischen und außerparlamentarischen Kampfes, des Generalstreiks, des Krieges, der Revolution von 1905 in Rußland usw. Eben deswegen rechneten die Bolschewiki mit ihnen als mit Linken und unterstützten sie, drängten sie vorwärts. Dies schafft jedoch nicht die Tatsache aus der Welt und kann sie nicht aus der Welt schaffen, dass die linken Sozialdemokraten in Deutschland zugleich eine ganze Reihe ernstester politischer und theoretischer Fehler aufzuweisen hatten, dass sie sich noch nicht von dem menschewistischen Ballast befreit hatten und daher der ernstesten Kritik von Seiten der Bolschewiki bedurften.
Urteilen Sie jetzt selbst, ob Lenin und die Bolschewiki die linken Sozialdemokraten im Westen ohne ernste Vorbehalte, ohne ernste Kritik an ihren Fehlern unterstützen durften, wenn sie nicht an den Interessen der Arbeiterklasse, an den Interessen der Revolution, am Kommunismus Verrat üben wollten?
Ist es nicht klar, dass Sluzki, der Lenin und den Bolschewiki Vorwürfe macht über das, wofür er ihnen dankbar sein müsste, wenn er Bolschewik wäre, sich selbst restlos als halber Menschewik, als verkappter Trotzkist entlarvt?
Sluzki nimmt an, dass Lenin und die Bolschewiki in ihrer Einschätzung der Linken im Westen von Fraktionserwägungen ausgegangen seien, dass folglich die russischen Bolschewiki die große Sache der internationalen Revolution den Interessen ihrer Fraktion geopfert hätten. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass es nichts Flacheres und Gemeineres geben kann als eine solche Annahme. Es kann nichts Flacheres geben, da selbst die offenkundigsten Flachköpfe unter den Menschewiki einzusehen beginnen, dass die russische Revolution keine Privatangelegenheit der Russen ist, dass sie im Gegenteil die Sache der Arbeiterklasse der ganzen Welt, die Sache der proletarischen Weltrevolution ist. Es kann nichts Gemeineres geben, da selbst die berufsmäßigen Verleumder aus der II. Internationale einzusehen beginnen, dass der konsequente und bis zum letzten revolutionäre Internationalismus der Bolschewiki ein Musterbeispiel des proletarischen Internationalismus für die Arbeiter aller Länder ist.
Ja, die russischen Bolschewiki stellten in den Vordergrund die Hauptfragen der russischen Revolution, wie die Fragen der Partei, der Stellung der Marxisten zur bürgerlich-demokratischen Revolution, des Bündnisses der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, der Hegemonie des Proletariats, des parlamentarischen und außerparlamentarischen Kampfes, des Generalstreiks, des Hinüberwachsens der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische, der Diktatur des Proletariats, des Imperialismus, der Selbstbestimmung der Nationen, der Befreiungsbewegung der unterdrückten Nationen und der Kolonien, der Politik der Unterstützung dieser Bewegung usw. Sie stellten diese Fragen in den Vordergrund als den Prüfstein, an dem sie die revolutionäre Standhaftigkeit der linken Sozialdemokraten im Westen erprobten. Hatten sie ein Recht dazu? Ja, das hatten sie. Sie hatten nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, so zu handeln. Sie hatten die Pflicht, so zu handeln, weil alle diese Fragen gleichzeitig Grundfragen der Weltrevolution waren, deren Aufgaben die Bolschewiki ihre Politik, ihre Taktik unterordneten. Sie hatten die Pflicht, so zu handeln, weil nur an solchen Fragen das revolutionäre Wesen dieser oder jener Gruppierungen der II. Internationale wirklich geprüft werden konnte. Es fragt sich: Worin besteht hier der „Fraktionsgeist“ der russischen Bolschewiki und was hat das mit „fraktionellen“ Erwägungen zu tun?
Lenin schrieb bereits 1902 in seiner Schrift „Was tun?“: „Die Geschichte hat uns jetzt die nächste Aufgabe gestellt, welche die revolutionärste von allen nächsten Aufgaben des Proletariats irgendeines anderen Landes ist“, und „die Verwirklichung dieser Aufgabe, die Zerstörung des mächtigsten Bollwerks nicht nur der europäischen, sondern (wir können jetzt sagen) auch der asiatischen Reaktion, würde das russische Proletariat zur Avantgarde des internationalen revolutionären Proletariats machen.“[12] Seit dem Erscheinen der Schrift „Was tun?“ sind dreißig Jahre vergangen. Niemand wagt zu leugnen, dass die Ereignisse in dieser Periode Lenins Worte glänzend bestätigt haben. Folgt aber nicht daraus, dass die russische Revolution der Knotenpunkt der Weltrevolution war (und bleibt), dass die Grundfragen der russischen Revolution gleichzeitig die Grundfragen der Weltrevolution waren (und weiterhin sind)?
Ist es nicht klar, dass man nur an solchen Grundfragen das revolutionäre Wesen der linken Sozialdemokraten im Westen wirklich prüfen konnte?
Ist es nicht klar, dass Menschen, die diese Fragen als „fraktionelle“ Fragen betrachten, sich selbst restlos als Flachköpfe und Entartete entlarven?
3. Sluzki behauptet, es seien noch nicht genügend offizielle Dokumente gefunden worden, die von einem entschiedenen und unversöhnlichen Kampf Lenins (der Bolschewiki) gegen den Zentrismus zeugen. Mit dieser bürokratischen These operiert er wie mit einem unwiderlegbaren Argument zugunsten der Behauptung, dass also Lenin (die Bolschewiki) die Gefahr des Zentrismus in der II. Internationale unterschätzt habe. Und Sie wollen gegen diesen Gallimathias, gegen diese gaunerische Spitzfindigkeit diskutieren. Was gibt es hier eigentlich zu diskutieren? Ist es nicht ohnehin klar, dass Sluzki bemüht ist, mit dem Gerede über Dokumente die Kläglichkeit und Verlogenheit seiner so genannten Einstellung zu verhüllen?
Sluzki hält die vorhandenen Parteidokumente für ungenügend. Warum, aus welchem Grunde? Genügen denn nicht die jedermann bekannten Dokumente über die II. Internationale ebenso wie die über den innerparteilichen Kampf in der russischen Sozialdemokratie, um mit aller Klarheit die revolutionäre Unversöhnlichkeit Lenins und der Bolschewiki in ihrem Kampf gegen die Opportunisten und Zentristen zu demonstrieren? Kennt Sluzki überhaupt diese Dokumente? Was für Dokumente braucht er noch?
Nehmen wir an, dass außer den schon bekannten Dokumenten ein Haufen anderer Dokumente gefunden wird, sagen wir, Resolutionen der Bolschewiki, die ein übriges Mal von der Notwendigkeit sprechen, dem Zentrismus den Garaus zu machen. Bedeutet dies, dass das Vorhandensein papierner Dokumente allein genügt, um das wahrhaft revolutionäre Wesen und die wirkliche Unversöhnlichkeit der Bolschewiki gegenüber dem Zentrismus zu demonstrieren? Wer, außer hoffnungslosen Bürokraten, kann sich auf papierne Dokumente allein verlassen? Wer, außer Archivratten, begreift nicht, dass Parteien und Führer vor allem auf Grund ihrer Taten geprüft werden müssen und nicht nur auf Grund ihrer Deklarationen? Die Geschichte kennt nicht wenige Sozialisten, die bereitwillig beliebige revolutionäre Resolutionen unterschrieben, um sich lästige Kritiker vom Halse zu schaffen. Das bedeutet aber noch nicht, dass sie diese Resolutionen in die Tat umsetzten. Die Geschichte kennt ferner nicht wenige Sozialisten, die von den Arbeiterparteien der anderen Länder mit größter Heftigkeit die allerrevolutionärsten Aktionen forderten.
Das bedeutet aber noch nicht, dass sie in ihrer eigenen Partei oder im eigenen Lande vor den eigenen Opportunisten, vor der eigenen Bourgeoisie nicht die Segel strichen. Hat uns nicht deswegen Lenin gelehrt, revolutionäre Parteien, Strömungen und Führer nicht auf Grund ihrer Deklarationen und Resolutionen, sondern auf Grund ihrer Taten zu prüfen?
Ist es nicht klar, das Sluzki, wollte er tatsächlich die Unversöhnlichkeit Lenins und der Bolschewiki in ihrer Stellungnahme zum Zentrismus prüfen, zur Grundlage seines Artikels nicht einzelne Dokumente und zwei, drei Privatbriefe hätte nehmen dürfen, sondern dass er die Bolschewiki auf Grund ihrer Taten, ihrer Geschichte, ihrer Handlungen hätte prüfen müssen. Gab es etwa bei uns, in der Sozialdemokratie Rußlands, keine Opportunisten, keine Zentristen? Führten etwa die Bolschewiki keinen entschiedenen und unversöhnlichen Kampf gegen alle diese Strömungen? Waren etwa diese Strömungen nicht sowohl ideologisch als auch organisatorisch mit den Opportunisten und Zentristen im Westen verbunden? Haben etwa die Bolschewiki nicht die Opportunisten und Zentristen so geschlagen, wie sie von keiner linken Gruppe in der ganzen Welt geschlagen worden sind? Wie kann man nach alledem sagen, dass Lenin und die Bolschewiki die Gefahr des Zentrismus unterschätzt hätten? Warum hat Sluzki diese Tatsachen außer acht gelassen, die für die Charakteristik der Bolschewiki von entscheidender Bedeutung sind? Warum hat er nicht die zuverlässigste Methode, Lenin und die Bolschewiki zu prüfen, angewandt, die Methode der Prüfung auf Grund ihrer Taten, auf Grund ihrer Handlungen? Warum hat er die weniger zuverlässige Methode vorgezogen, in zufällig zusammengetragenen Papieren zu wühlen?
Weil die Anwendung der zuverlässigeren Methode, die Bolschewiki zu prüfen, sie auf Grund ihrer Taten zu prüfen, mit einem Schlag die ganze Einstellung Sluzkis über den Haufen geworfen hätte.
Weil die Prüfung der Bolschewiki auf Grund ihrer Taten gezeigt hätte, dass die Bolschewiki die einzige revolutionäre Organisation in der Welt sind, die die Opportunisten und Zentristen restlos geschlagen und aus der Partei hinausgejagt hat.
Weil das Zurückgreifen auf die wirklichen Taten und die wirkliche Geschichte der Bolschewiki gezeigt hätte, dass die Lehrer Sluzkis, die Trotzkisten, die Haupt- und Stammgruppe waren, die in Rußland den Zentrismus züchtete und zu diesem Zweck eine besondere Organisation als Herd des Zentrismus, in Gestalt des Augustblocks, schuf.
Weil die Prüfung der Bolschewiki auf Grund ihrer Taten Sluzki endgültig als einen Fälscher der Geschichte unserer Partei entlarvt hätte, der das zentristische Wesen des Trotzkismus der Vorkriegsperiode dadurch zu bemänteln versucht, dass er Lenin und die Bolschewiki verleumderisch beschuldigt, sie hätten die Gefahr des Zentrismus unterschätzt.
So, Genossen Redakteure, verhält es sich mit Sluzki und seinem Artikel.
Sie sehen, dass die Redaktion einen Fehler begangen hat, als sie eine Diskussion mit einem Fälscher der Geschichte unserer Partei zuließ.
Was konnte die Redaktion auf diesen falschen Weg bringen?
Ich glaube, dass sie auf diesen Weg durch den faulen Liberalismus gebracht wurde, der gegenwärtig unter einem Teil der Bolschewiki eine gewisse Verbreitung gefunden hat. Manche Bolschewiki meinen, der Trotzkismus sei eine Fraktion des Kommunismus, die zwar irrt, nicht wenig Dummheiten macht, mitunter sogar sowjetfeindlich ist, aber immerhin eine Fraktion des Kommunismus sei. Daher ein gewisser Liberalismus gegenüber den Trotzkisten und trotzkistisch denkenden Leuten. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass eine solche Auffassung vom Trotzkismus äußerst falsch und schädlich ist. In Wirklichkeit hat der Trotzkismus schon lange aufgehört, eine Fraktion des Kommunismus zu sein. In Wirklichkeit ist der Trotzkismus ein Vortrupp der konterrevolutionären Bourgeoisie, die den Kampf führt gegen den Kommunismus, gegen die Sowjetmacht, gegen den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR.
Wer hat der konterrevolutionären Bourgeoisie eine geistige, ideologische Waffe gegen den Bolschewismus geliefert in Gestalt der These von der Unmöglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande, in Gestalt der These von der Unvermeidlichkeit der Entartung der Bolschewiki und dergleichen mehr? Diese Waffe hat ihr der Trotzkismus geliefert. Man kann die Tatsache nicht als Zufall betrachten, dass alle sowjetfeindlichen Gruppierungen in der UdSSR bei ihren Versuchen, die Unvermeidlichkeit des Kampfes gegen die Sowjetmacht zu begründen, sich auf die bekannte These des Trotzkismus von der Unmöglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande, von der Unvermeidlichkeit der Entartung der Sowjetmacht, von der Wahrscheinlichkeit der Rückkehr zum Kapitalismus beriefen.
Wer hat der konterrevolutionären Bourgeoisie in der UdSSR eine taktische Waffe geliefert in Form von Versuchen offener Aktionen gegen die Sowjetmacht? Diese Waffe haben ihr die Trotzkisten geliefert, die in Moskau und Leningrad am 7. November 1927 sowjetfeindliche Demonstrationen zu veranstalten versuchten. Es ist eine Tatsache, dass die sowjetfeindlichen trotzkistischen Aktionen der Bourgeoisie den Nacken steiften und die Schädlingsarbeit der bürgerlichen Spezialisten entfesselten.
Wer hat der konterrevolutionären Bourgeoisie eine organisatorische Waffe geliefert in Form von Versuchen, unterirdische sowjetfeindliche Organisationen zu bilden? Diese Waffe haben ihr die Trotzkisten geliefert, die ihre eigene antibolschewistische illegale Gruppe organisierten. Es ist eine Tatsache, dass die unterirdische sowjetfeindliche Arbeit der Trotzkisten die organisatorische Formierung der sowjetfeindlichen Gruppierungen in der UdSSR erleichterte.
Der Trotzkismus ist ein Vortrupp der konterrevolutionären Bourgeoisie.
Deshalb ist der Liberalismus gegenüber dem Trotzkismus, auch wenn dieser geschlagen ist und sich maskiert, eine Torheit, die an ein Verbrechen, an einen Verrat an der Arbeiterklasse grenzt.
Deshalb müssen die Versuche mancher „Literaten“ und „Historiker“, in unsere Literatur maskierten trotzkistischen Plunder einzuschmuggeln, auf die entschiedene Abfuhr der Bolschewiki stoßen.
Deshalb darf man keine literarische Diskussion mit trotzkistischen Schmugglern zulassen.
Mir scheint, dass die „Historiker“ und „Literaten“ von der Art der trotzkistischen Schmuggler ihre Schmugglerarbeit vorläufig in zwei Richtungen zu betreiben bemüht sind.
Erstens bemühen sie sich um den Nachweis, dass Lenin in der Vorkriegsperiode die Gefahr des Zentrismus unterschätzt hätte, wobei es dem unerfahrenen Leser überlassen bleibt zu vermuten, dass folglich Lenin damals noch kein echter Revolutionär gewesen, dass er es erst nach dem Kriege geworden wäre, nachdem er mit Trotzkis Hilfe „umgerüstet“ hätte. Als typischen Vertreter von Schmugglern dieser Art kann man Sluzki betrachten.
Wir haben oben gesehen, dass Sluzki und Konsorten nicht wert sind, dass man sich lange mit ihnen abgibt.
Zweitens bemühen sie sich um den Nachweis, dass Lenin in der Vorkriegsperiode die Notwendigkeit des Hinüberwachsens der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution nicht verstanden hätte, wobei es dem unerfahrenen Leser überlassen bleibt zu vermuten, dass folglich Lenin damals noch kein echter Bolschewik gewesen, dass er die Notwendigkeit eines solchen Hinüberwachsens erst nach dem Kriege begriffen hätte, nachdem er mit Trotzkis Hilfe „umgerüstet“ hätte. Als typischen Vertreter von Schmugglern dieser Art kann man Wolossewitsch, den Verfasser des „Lehrgangs der Geschichte der KPdSU(B)“, betrachten.
Zwar schrieb Lenin bereits 1905: „Von der demokratischen Revolution werden wir sofort, und zwar nach Maßgabe unserer Kraft, der Kraft des klassenbewussten und organisierten Proletariats, den Übergang zur sozialistischen Revolution beginnen. Wir sind für die ununterbrochene Revolution. Wir werden nicht auf halbem Wege stehen bleiben.“[13] Zwar könnte man Tatsachen und Dokumente analoger Art in den Werken von Lenin in großer Menge finden. Aber was kümmern die Wolossewitsch die Tatsachen aus dem Leben und Wirken Lenins? Die Wolossewitsch schreiben, um, nachdem sie sich bolschewistisch maskiert haben, ihre antileninistische Schmuggelware durchzubringen, über die Bolschewiki Lügen zu verbreiten und die Geschichte der bolschewistischen Partei zu falschen.
Sie sehen, die Wolossewitsch und die Sluzki sind einander wert.
Das sind so die „Wege und Kreuzwege“ der trotzkistischen Schmuggler.
Sie verstehen selbst, dass es nicht Sache der Redaktion der „Proletarskaja Rewoluzija“ ist, die Schmugglertätigkeit solcher „Historiker“ zu erleichtern, indem sie ihnen eine Diskussionstribüne zur Verfügung stellt.
Meines Erachtens besteht die Aufgabe der Redaktion darin, die Behandlung der Fragen der Geschichte des Bolschewismus auf die gebührende Höhe zu bringen, das Studium der Geschichte unserer Partei in wissenschaftliche, bolschewistische Bahnen zu lenken, sich mit gesteigerter Aufmerksamkeit gegen die trotzkistischen und alle sonstigen Fälscher der Geschichte unserer Partei zu wenden und ihnen systematisch die Masken herunterzureißen.
Das ist um so notwendiger, als sogar einige unserer Historiker - ich spreche von Historikern ohne Anführungszeichen, von den bolschewistischen Historikern unserer Partei - nicht frei sind von Fehlern, die den Sluzki und Wolossewitsch Wasser auf die Mühle leiten. Hier bildet leider auch Genosse Jaroslawski keine Ausnahme, dessen Bücher über die Geschichte der KPdSU(B) trotz ihrer Vorzüge eine Reihe von Fehlern prinzipiellen und historischen Charakters enthalten.
Mit kommunistischem Gruß
J. Stalin
Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“ (Die proletarische Revolution) Nr. 6 (113), 1931.
Nishni-Nowgorod Autowerke
Seite 92
Flammenden Gruß den Arbeitern, Technikern und dem Verwaltungspersonal des Baus zur erfolgreichen Beendigung der Bauarbeiten.
Wir gratulieren Ihnen zu Ihrem Sieg, Genossen!
Wir wünschen Ihnen weitere Erfolge bei den Montagearbeiten, bei der Ingangsetzung und Inbetriebnahme des Werkgiganten. Wir zweifeln nicht, dass Sie es verstehen werden, alle Schwierigkeiten zu überwinden, und dass Sie Ihre Pflicht gegenüber dem Lande in Ehren erfüllen werden.
J. Stalin, W. Molotow
„Prawda“ Nr. 305, 4. November 1931.
Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig
Seite 93 - 109
13. Dezember 1931
„Bolschewik“ Nr. 8, 30. April 1932.
Ludwig. Ich bin Ihnen überaus dankbar, dass Sie es für möglich befunden haben, mich zu empfangen. Seit mehr als zwanzig Jahren studiere ich das Leben und Wirken hervorragender historischer Persönlichkeiten. Ich glaube, dass ich Menschen gut beurteilen kann, dagegen verstehe ich nichts von sozial-ökonomischen Verhältnissen.
Stalin. Sie sind zu bescheiden.
Ludwig. Nein, es ist wirklich so. Und eben deshalb werde ich Fragen stellen, die Ihnen vielleicht sonderbar erscheinen werden. Heute habe ich hier, im Kreml, einige Reliquien Peters des Großen gesehen, und die erste Frage, die ich Ihnen stellen möchte, ist folgende: Lassen Sie eine Parallele zwischen Ihnen und Peter dem Großen gelten? Halten Sie sich für einen Fortführer des Werks Peters des Großen?
Stalin. Nein, keineswegs. Geschichtliche Parallelen sind stets gewagt. Diese Parallele ist unsinnig.
Ludwig. Peter der Große hat aber doch sehr viel für die Entwicklung seines Landes getan und sich bemüht, die westliche Kultur nach Rußland zu verpflanzen.
Stalin. Ja, gewiss, Peter der Große hat viel für den Aufstieg der Klasse der Gutsbesitzer und für die Entwicklung der aufkommenden Klasse der Kaufleute getan. Peter hat sehr viel für die Schaffung eines Nationalstaats der Gutsbesitzer und der Kaufleute und für dessen Festigung getan. Man muss aber auch sagen, dass der Aufstieg der Klasse der Gutsbesitzer, die Unterstützung der aufkommenden Klasse der Kaufleute und die Festigung des Nationalstaats dieser Klassen auf Kosten der leibeigenen Bauernschaft erfolgte, die auf das ärgste ausgebeutet wurde.
Was mich betrifft, so bin ich nur ein Schüler Lenins, und das Ziel meines Lebens ist es, ein würdiger Schüler Lenins zu sein.
Die Aufgabe, der ich mein Leben widme, besteht darin, den Aufstieg einer anderen Klasse zu fördern, nämlich der Arbeiterklasse. Diese Aufgabe besteht nicht in der Festigung irgendeines „National“staates, sondern in der Festigung des sozialistischen, und folglich eines internationalen, Staates, wobei jede Festigung dieses Staates zur Stärkung der gesamten internationalen Arbeiterklasse beiträgt. Wäre nicht ein jeder Schritt in meiner Arbeit, die dem Aufstieg der Arbeiterklasse und der Festigung des sozialistischen Staates dieser Klasse gilt, darauf gerichtet, die Lage der Arbeiterklasse zu festigen und zu verbessern, so würde ich mein Leben als zwecklos ansehen.
Sie sehen, dass Ihre Parallele nicht angebracht ist.
Was Lenin und Peter den Großen betrifft, so war letzterer nur ein Tropfen im Meer, Lenin dagegen ein ganzer Ozean.
Ludwig. Der Marxismus verneint die hervorragende Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte. Sehen Sie keinen Widerspruch zwischen der materialistischen Geschichtsauffassung und der Tatsache, dass Sie trotzdem die hervorragende Rolle geschichtlicher Persönlichkeiten anerkennen?
Stalin. Nein, hier besteht kein Widerspruch. Der Marxismus verneint keineswegs die Rolle hervorragender Persönlichkeiten oder die Tatsache, dass die Menschen die Geschichte machen. Sie können bei Marx im „Elend der Philosophie“[14] und in seinen anderen Werken Ausführungen darüber finden, dass eben Menschen die Geschichte machen. Allerdings machen die Menschen die Geschichte nicht so, wie es ihnen die Phantasie eingibt, nicht so, wie es ihnen gerade einfällt. Jede neue Generation findet bestimmte Verhältnisse vor, die bereits in fertiger Gestalt vorhanden waren, als diese Generation zur Welt kam. Und große Männer sind nur insoweit von Bedeutung, als sie es vermögen, diese Verhältnisse richtig zu verstehen und zu erkennen, wie sie zu ändern sind. Wenn sie diese Verhältnisse nicht verstehen und sie so verändern wollen, wie es ihnen ihre Phantasie eingibt, so geraten sie, diese Leute, in die Lage Don Quichottes. Somit lehrt gerade Marx, dass man die Menschen keinesfalls den Verhältnissen entgegenstellen darf. Eben die Menschen machen die Geschichte, aber nur insofern, als sie die Verhältnisse richtig verstehen, die sie in fertiger Gestalt vorfinden, und nur insofern, als sie verstehen, wie diese Verhältnisse zu ändern sind. So wenigstens verstehen wir russischen Bolschewiki Marx. Und wir haben Marx einige Jahrzehnte lang studiert.
Ludwig. Vor dreißig Jahren, als ich die Universität besuchte, haben zahlreiche deutsche Professoren, die sich für Anhänger der materialistischen Geschichtsauffassung hielten, uns eingeredet, der Marxismus verneine die Rolle der Helden, die Rolle heroischer Persönlichkeiten in der Geschichte.
Stalin. Das waren Vulgarisatoren des Marxismus. Der Marxismus hat nie die Rolle der Helden verneint. Im Gegenteil, er erkennt diese Rolle als bedeutend an, allerdings mit den Vorbehalten, die ich eben erwähnt habe.
Ludwig. Um den Tisch, an dem wir sitzen, stehen 16 Stühle. Im Ausland weiß man einerseits, dass die UdSSR ein Land ist, in dem alles kollegial entschieden werden soll, anderseits aber weiß man, dass alles durch eine einzelne Person entschieden wird. Wer entscheidet denn nun?
Stalin. Nein, eine einzelne Person darf nicht entscheiden. Entscheidungen einer einzelnen Person sind immer oder fast immer einseitige Entscheidungen. In jedem Kollegium, in jedem Kollektiv gibt es Menschen, mit deren Meinung man rechnen muss. In jedem Kollegium, in jedem Kollektiv gibt es Menschen, die auch falsche Meinungen zum Ausdruck bringen können. Auf Grund der Erfahrungen von drei Revolutionen wissen wir, dass unter hundert Entscheidungen, die von einzelnen Personen getroffen und nicht kollektiv überprüft und berichtigt wurden, annähernd neunzig Entscheidungen einseitig sind.
Unser führendes Organ, das Zentralkomitee unserer Partei, das alle unsere Sowjet- und Parteiorganisationen leitet, besteht aus etwa siebzig Mitgliedern. Unter diesen siebzig Mitgliedern des ZK befinden sich unsere besten Industriefachleute, unsere besten Genossenschaftler, unsere besten Versorgungsfachleute, unsere besten Militärfachleute, unsere besten Propagandisten, unsere besten Agitatoren, die besten Kenner unserer Sowjetwirtschaften, die besten Kenner unserer Kollektivwirtschaften, die besten Kenner der individuellen Bauernwirtschaft, unsere besten Kenner der Nationen der Sowjetunion und der nationalen Politik. In diesem Areopag ist die Weisheit unserer Partei konzentriert. Jeder hat die Möglichkeit, die Meinung, den Vorschlag eines einzelnen zu berichtigen. Jeder hat die Möglichkeit, seine Erfahrungen beizusteuern. Wäre dem nicht so, würden die Entscheidungen von einzelnen Personen getroffen, dann gäbe es in unserer Arbeit die ernstesten Fehler. Da jedoch jeder die Möglichkeit hat, die Fehler einzelner Personen zu berichtigen, und da wir solche Berichtigungen berücksichtigen, gelangen wir zu mehr oder weniger richtigen Beschlüssen.
Ludwig. Sie können auf Jahrzehnte illegaler Arbeit zurückblicken. Sie haben illegal Waffen, Literatur usw. transportieren müssen. Glauben Sie nicht, dass die Feinde der Sowjetmacht sich Ihre Erfahrungen zunutze machen und mit denselben Methoden gegen die Sowjetmacht kämpfen könnten?
Stalin. Das ist allerdings durchaus möglich.
Ludwig. Liegt darin nicht die Ursache der Strenge und Schonungslosigkeit Ihrer Regierung im Kampfe gegen ihre Feinde?
Stalin. Nein, die Hauptursache liegt nicht hierin. Man kann einige geschichtliche Beispiele anführen. Als die Bolschewiki zur Macht gelangt waren, ließen sie anfangs gegenüber ihren Feinden Milde walten. Die Menschewiki bestanden weiter legal und gaben eine eigene Zeitung heraus. Die Sozialrevolutionäre bestanden ebenfalls weiter legal und hatten eine eigene Zeitung. Sogar die Kadetten gaben ihre Zeitung weiter heraus. Als General Krasnow seinen konterrevolutionären Marsch auf Leningrad unternahm und uns in die Hände fiel, hätten wir ihn auf Grund der Kriegsverhältnisse zumindest in Gefangenschaft behalten können, mehr noch, wir hätten ihn erschießen müssen. Wir aber haben ihn auf sein „Ehrenwort“ hin freigelassen. Und was war die Folge? Bald stellte sich heraus, dass solche Milde die Festigkeit der Sowjetmacht nur untergräbt.
Wir hatten einen Fehler begangen, als wir gegenüber den Feinden der Arbeiterklasse solche Milde walten ließen. Hätten wir diesen Fehler auch weiterhin gemacht, so hätten wir ein Verbrechen an der Arbeiterklasse begangen, hätten wir an ihren Interessen Verrat geübt. Das wurde auch bald ganz klar ersichtlich. Sehr schnell stellte sich heraus, dass unsere Feinde umso größeren Widerstand leisten, je milder wir mit ihnen verfahren. Bald darauf organisierten die rechten Sozialrevolutionäre, Goz und andere, sowie die rechten Menschewiki in Leningrad eine konterrevolutionäre Aktion der Offiziersschüler, bei deren Unterdrückung viele unserer revolutionären Matrosen ums Leben kamen. Derselbe Krasnow, den wir auf sein „Ehrenwort“ hin freigelassen hatten, organisierte die weißgardistischen Kosaken. Er vereinigte sich mit Mamontow und führte zwei Jahre lang einen bewaffneten Kampf gegen die Sowjetmacht. Bald zeigte sich, dass hinter diesen weißen Generalen Agenten der westlichen kapitalistischen Staaten - Frankreichs, Englands, Amerikas - sowie Japans standen. Wir überzeugten uns davon, welchen Fehler wir begangen hatten, als wir Milde walten ließen. Wir lernten aus der Erfahrung, dass man mit diesen Feinden nur dann fertig werden kann, wenn man ihnen gegenüber eine Politik der schonungslosen Unterdrückung verfolgt.
Ludwig. Mir scheint, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung der Sowjetunion Angst und Furcht vor der Sowjetmacht hat und dass auf diesem Gefühl der Angst in gewissem Maße die Stabilität der Sowjetmacht beruht. Ich möchte gern wissen, wie Ihnen persönlich zumute ist bei dem Gedanken, dass man im Interesse der Festigung der Macht Angst einflößen muss. Sie bedienen sich doch im Umgang mit Ihren Genossen, mit Ihren Freunden ganz anderer Methoden als der, Furcht einzuflößen, der Bevölkerung aber wird Angst eingeflößt.
Stalin. Sie irren. Übrigens ist Ihr Irrtum der Irrtum von vielen. Glauben Sie wirklich, dass es möglich wäre, vierzehn Jahre lang mit der Methode der Einschüchterung und der Einflößung von Furcht die Macht zu behaupten und die Unterstützung der Millionenmassen zu genießen? Nein, das ist unmöglich. Die zaristische Regierung verstand sich am besten aufs Einschüchtern. Sie besaß darin sehr große und alte Erfahrungen. Die europäische, im Besonderen die französische Bourgeoisie half dabei dem Zarismus auf jede mögliche Weise und lehrte ihn, das Volk in Schrecken zu halten. Trotz dieser Erfahrungen, trotz der Hilfe der europäischen Bourgeoisie führte die Einschüchterungspolitik zur Zerschlagung des Zarismus.
Ludwig. Aber die Romanows behaupteten sich doch 300 Jahre lang.
Stalin. Ja, aber wie viel Aufstände und Erhebungen hat es in diesen 300 Jahren gegeben: den Aufstand Stepan Rasins, den Aufstand Jemeljan Pugatschows, den Dekabristenaufstand, die Revolution von 1905, die Februarrevolution vom Jahre 1917, die Oktoberrevolution. Ich sehe ganz davon ab, dass die heutigen Bedingungen des politischen und kulturellen Lebens des Landes sich grundlegend von den Bedingungen der alten Zeit unterscheiden, als Unwissenheit, Kulturlosigkeit, Fügsamkeit und politische Geducktheit der Massen es den damaligen „Herrschern“ ermöglichten, eine mehr oder weniger lange Zeit an der Macht zu bleiben.
Was das Volk, was die Arbeiter und Bauern der UdSSR anbetrifft, so sind sie durchaus nicht so zahm, gefügig und eingeschüchtert, wie Sie sich das vorstellen. In Europa haben viele noch die alten Vorstellungen von den Menschen in der UdSSR und glauben, in Rußland lebten Menschen, die erstens fügsam und zweitens faul seien. Eine solche Vorstellung ist veraltet und grundfalsch. Sie entstand in Europa und stammt aus der Zeit, als die russischen Gutsbesitzer nach Paris reisten, dort das zusammengeraubte Geld durchbrachten und ein Faulenzerleben führten. Das waren tatsächlich willenlose und zu nichts taugliche Menschen. Hiervon leitete man die „russische Faulheit“ ab. Das kann sich aber keineswegs auf die russischen Arbeiter und Bauern beziehen, die die Mittel zum Leben stets durch ihre eigene Arbeit erworben haben und erwerben. Es ist sehr sonderbar, dass man die russischen Bauern und Arbeiter, die in kurzer Zeit drei Revolutionen durchgeführt, den Zarismus und die Bourgeoisie zerschlagen haben und heute siegreich den Sozialismus aufbauen, für fügsam und faul hält.
Sie haben mich soeben gefragt, ob bei uns alles von einem einzelnen entschieden wird. Niemals, unter keinen Umständen würden unsere Arbeiter heutzutage die Macht eines einzelnen dulden. Selbst die größten Autoritäten verlieren jegliche Bedeutung, verwandeln sich in ein Nichts, sobald die Arbeitermassen aufhören, ihnen zu vertrauen, sobald sie den Kontakt mit den Arbeitermassen verlieren. Plechanow genoss außerordentlich große Autorität. Und was geschah? Sobald er in politischer Hinsicht zu hinken begann, vergaßen ihn die Arbeiter, sie wandten sich von ihm ab und vergaßen ihn einfach. Ein anderes Beispiel: Trotzki. Trotzki genoss ebenfalls große Autorität, wenn auch bei weitem nicht die gleiche wie Plechanow. Und was geschah? Sobald er sich von den Arbeitern abwandte, vergaßen sie ihn.
Ludwig. Vergaßen ihn völlig?
Stalin. Zuweilen erinnern sie sich seiner - voll Ingrimm.
Ludwig. Alle voll Ingrimm?
Stalin. Was unsere Arbeiter betrifft, so erinnern sie sich Trotzkis mit Ingrimm, Zorn und Hass.
Es gibt allerdings einen gewissen geringen Teil der Bevölkerung, der die Sowjetmacht tatsächlich fürchtet und gegen sie kämpft. Ich meine die Überreste der sterbenden Klassen, der Klassen, die wir liquidieren, und vor allem einen unbedeutenden Teil der Bauernschaft - das Kulakentum. Hier handelt es sich aber nicht nur um eine Politik der Einschüchterung dieser Gruppen, die wir tatsächlich betreiben. Es ist allgemein bekannt, dass wir Bolschewiki uns hierbei nicht auf eine Einschüchterung beschränken, sondern weiter gehen und auf die Liquidierung dieser bürgerlichen Schicht hinarbeiten.
Nimmt man aber die werktätige Bevölkerung der UdSSR, die Arbeiter und werktätigen Bauern, die nicht weniger als 90 Prozent der Bevölkerung ausmachen, so stehen diese fest hinter der Sowjetmacht, und ihre erdrückende Mehrheit unterstützt aktiv die Sowjetordnung. Sie unterstützen die Sowjetordnung aber deshalb, weil diese Gesellschaftsordnung die Lebensinteressen der Arbeiter und Bauern wahrnimmt.
Das ist die Grundlage für die Festigkeit der Sowjetmacht, und nicht eine Politik der so genannten Einschüchterung.
Ludwig. Ich bin Ihnen sehr dankbar für diese Antwort. Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Ihnen eine Frage steile, die Ihnen sonderbar erscheinen mag. Ihre Biographie enthält Momente sozusagen „räuberischer“ Aktionen. Haben Sie sich für die Persönlichkeit Stepan Rasins interessiert? Wie stellen Sie sich zu ihm, diesem „Räuber aus Idealismus“?
Stalin. Wir Bolschewiki haben uns stets für solche historischen Persönlichkeiten wie Bolotnikow, Rasin, Pugatschow und andere interessiert. Wir sehen in den Aktionen dieser Männer den Ausdruck der elementaren Empörung der unterdrückten Klassen, der elementaren Erhebung der Bauernschaft gegen das feudale Joch. Für uns war das Studium der Geschichte der ersten Versuche solcher Aufstände der Bauernschaft stets von Interesse. Aber von einer Analogie mit den Bolschewiki kann hier natürlich gar keine Rede sein. Einzelne Bauernaufstände können selbst dann, wenn sie nicht so „räuberisch“ und unorganisiert sind wie bei Stepan Rasin, zu keinen ernsten Ergebnissen führen. Bauernaufstände können nur dann Erfolg haben, wenn sie mit Arbeiteraufständen verbunden sind und wenn die Bauernaufstände von den Arbeitern geleitet werden. Nur ein kombinierter, von der Arbeiterklasse geleiteter Aufstand kann zum Ziel führen.
Außerdem darf man, wenn man von Rasin und Pugatschow spricht, nie vergessen, dass sie Zarenanhänger waren: sie traten gegen die Gutsbesitzer auf, waren aber für einen „guten Zaren“. Das war doch ihre Losung.
Wie Sie sehen, ist die Analogie mit den Bolschewiki absolut unangebracht.
Ludwig. Gestatten Sie mir, Ihnen einige Fragen zu Ihrer Biographie zu stellen. Als ich bei Masaryk war, erklärte er mir, dass er sich seit seinem sechsten Lebensjahr zum Sozialismus bekannte. Was führte Sie zum Sozialismus, und wann wurden Sie Sozialist?
Stalin. Ich kann nicht behaupten, dass ich schon seit meinem sechsten Lebensjahr einen Hang zum Sozialismus hatte, nicht einmal seit meinem zehnten oder zwölften Lebensjahr. Der revolutionären Bewegung schloss ich mich im Alter von 15 Jahren an, als ich mit den illegalen Gruppen russischer Marxisten, die damals in Transkaukasien lebten, Verbindung aufgenommen hatte. Diese Gruppen übten großen Einfluss auf mich aus und brachten mir Geschmack an der illegalen marxistischen Literatur bei.
Ludwig. Was trieb Sie in Opposition? Vielleicht schlechte Behandlung seitens Ihrer Eltern?
Stalin. Nein. Meine Eltern waren zwar keine gebildeten Leute, aber sie behandelten mich keineswegs schlecht. Ganz anders war es im griechisch-orthodoxen Priesterseminar, wo ich damals lernte. Aus Protest gegen das schändliche Regime und die jesuitischen Methoden, die im Seminar angewandt wurden, war ich bereit, Revolutionär zu werden, und ich wurde tatsächlich Revolutionär, ein Anhänger des Marxismus, dieser wahrhaft revolutionären Lehre.
Ludwig. Aber erkennen Sie denn die positiven Eigenschaften der Jesuiten nicht an?
Stalin. Ja, sie besitzen Systematik und Beharrlichkeit beim Verfolgen ihrer schlechten Ziele. Ihre Hauptmethode aber ist Spitzelei, Spionage, Ausspürerei, Verhöhnung; was kann daran Positives sein? Zum Beispiel die Spitzelei im Internat: um neun Uhr wird zum Tee geläutet, wir gehen in den Speisesaal; nach Rückkehr in unsere Zimmer aber stellen wir fest, dass während dieser Zeit alle unsere Schubladen durchsucht und durchwühlt worden sind... Was kann daran Positives sein?
Ludwig. Ich beobachte in der Sowjetunion eine außerordentliche Hochachtung für alles Amerikanische, ich möchte sogar sagen, eine Verehrung für alles Amerikanische, das heißt für das Land des Dollars, das konsequentest kapitalistische Land. Diese Gefühle sind auch in Ihrer Arbeiterklasse vorhanden, und sie gelten nicht nur den Traktoren und Automobilen, sondern auch den Amerikanern überhaupt. Womit erklären Sie das?
Stalin. Sie übertreiben. Bei uns gibt es keinerlei besondere Hochachtung für alles Amerikanische. Aber wir achten die amerikanische Sachlichkeit in allem, in der Industrie, in der Technik, in der Literatur, im Leben. Wir vergessen niemals, dass die USA ein kapitalistisches Land sind. Aber unter den Amerikanern gibt es viele geistig und physisch gesunde Menschen, gesund in ihrer ganzen Einstellung zur Arbeit, zur Sache. Eben für diese Sachlichkeit, für diese Einfachheit haben wir Sympathien. Obwohl Amerika ein hoch entwickeltes kapitalistisches Land ist, haben dort die Gepflogenheiten in der Industrie, die Gebräuche in der Produktionspraxis etwas von Demokratismus, was man von den alten europäischen kapitalistischen Ländern nicht sagen kann, wo noch immer der Herrengeist der feudalen Aristokratie lebendig ist.
Ludwig. Sie ahnen gar nicht, wie Recht Sie haben.
Stalin. Wer weiß, vielleicht ahne ich es doch.
Obwohl der Feudalismus als Gesellschaftsordnung in Europa schon längst zerschlagen ist, bestehen dort in der Lebensart und in den Gepflogenheiten weiterhin bedeutende Überreste des Feudalismus. Die feudalen Kreise stellen weiterhin Techniker, Spezialisten, Gelehrte und Schriftsteller, die in die Industrie, Technik, Wissenschaft und Literatur Herrenmanieren hineintragen. Die feudalen Traditionen sind noch nicht restlos beseitigt.
Das kann man von Amerika nicht sagen, das ein Land „freier Kolonisatoren“, ein Land ohne Gutsbesitzer, ohne Aristokraten ist. Daher die derben und verhältnismäßig einfachen amerikanischen Gepflogenheiten in der Produktion. Unsere Wirtschaftler aus den Reihen der Arbeiterklasse, die Amerika besuchten, haben diesen Zug sofort bemerkt. Nicht ohne in gewisser Beziehung angenehm überrascht zu sein, erzählten sie, dass in Amerika im Produktionsprozess der Arbeiter äußerlich nur schwer vom Ingenieur zu unterscheiden ist. Und das gefällt ihnen natürlich. Ganz anders liegen die Dinge in Europa.
Aber wenn schon von unseren Sympathien für irgendeine Nation, oder richtiger für die Mehrheit irgendeiner Nation, die Rede ist, so müssen wir natürlich über unsere Sympathien für die Deutschen sprechen. Zu diesen Sympathien stehen unsere Gefühle für die Amerikaner in keinem Vergleich!
Ludwig. Warum gerade für die deutsche Nation?
Stalin. Allein schon deshalb, weil sie der Welt solche Männer wie Marx und Engels gegeben hat. Es genügt, dies als Tatsache zu konstatieren.
Ludwig. In letzter Zeit machen sich bei einigen deutschen Politikern ernste Befürchtungen bemerkbar, dass die Politik der traditionellen Freundschaft zwischen der UdSSR und Deutschland in den Hintergrund gedrängt werden könnte. Diese Befürchtungen sind im Zusammenhang mit den Verhandlungen der UdSSR mit Polen aufgetreten. Wenn diese Verhandlungen die Anerkennung der gegenwärtigen polnischen Grenzen durch die UdSSR zum Ergebnis hätten, würde das eine schwere Enttäuschung für das gesamte deutsche Volk bedeuten, das bis jetzt der Meinung ist, dass die UdSSR gegen das Versailler System kämpft und nicht die Absicht hat, es anzuerkennen.
Stalin. Ich weiß, dass sich bei einigen deutschen Staatsmännern eine gewisse Unzufriedenheit und die Besorgnis bemerkbar macht, die Sowjetunion könnte in ihren Verhandlungen oder in irgendeinem Vertrag mit Polen einen Schritt tun, der bedeuten würde, dass die Sowjetunion die Besitzungen und die Grenzen Polens sanktioniert und garantiert.
Meiner Ansicht nach beruhen diese Befürchtungen auf einem Irrtum. Wir haben stets unsere Bereitwilligkeit bekundet, mit jedem beliebigen Staat einen Nichtangriffspakt abzuschließen. Mit einer Reihe von Staaten haben wir solche Verträge bereits geschlossen. Wir haben offen unsere Bereitwilligkeit zum Ausdruck gebracht, einen ähnlichen Vertrag auch mit Polen abzuschließen. Wenn wir uns bereit erklären, einen Nichtangriffspakt mit Polen abzuschließen, so tun wir das nicht um einer Phrase willen, sondern um wirklich einen solchen Vertrag zu unterzeichnen. Wir sind, wenn Sie wollen, Politiker besonderer Art. Es gibt Politiker, die heute etwas versprechen oder erklären, tags darauf aber das, was sie erklärt haben, entweder vergessen oder ableugnen, ohne dabei auch nur zu erröten. So können wir nicht handeln. Das, was auswärts geschieht, wird unvermeidlich auch im Innern des Landes bekannt, wird allen Arbeitern und Bauern bekannt. Würden wir das eine sagen und etwas anderes tun, so würden wir unsere Autorität bei den Volksmassen verlieren. In dem Augenblick, als die Polen ihre Bereitwilligkeit zum Ausdruck brachten, mit uns Verhandlungen über einen Nichtangriffspakt zu führen, haben wir dem selbstverständlich zugestimmt und sind in Verhandlungen eingetreten.
Was ist vom Standpunkt der Deutschen das Gefährlichste, was eintreten könnte? Eine Änderung in den Beziehungen zu den Deutschen, eine Verschlechterung der Beziehungen? Dafür liegt aber keinerlei Grund vor. Wir müssen, genauso wie die Polen, in dem Vertrag erklären, dass wir keine Gewalt anwenden, keinen Angriff unternehmen werden, um die Grenzen Polens, der UdSSR zu ändern oder deren Unabhängigkeit zu verletzen. Ebenso wie wir den Polen dies Versprechen geben, geben sie uns das gleiche Versprechen. Ohne den Punkt, dass wir keinen Krieg zu führen beabsichtigen, um die Unabhängigkeit unserer Staaten oder deren Grenzen zu verletzen, ohne einen solchen Punkt ist der Abschluss eines Vertrags unmöglich. Ohne dies kann von einem Vertrag gar keine Rede sein. Das ist das Maximum dessen, was wir tun können.
Ist das eine Anerkennung des Versailler Systems?[Anmerkung 13] Nein. Oder ist das vielleicht eine Garantie für die Grenzen? Nein. Wir waren nie die Garanten Polens und werden es nie werden, ebenso wie Polen nicht der Garant unserer Grenzen war und es auch nicht sein wird. Unsere freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland bleiben dieselben wie bisher. Das ist meine feste Überzeugung.
Somit sind die Befürchtungen, von denen Sie sprechen, völlig unbegründet. Diese Befürchtungen sind auf Grund von Gerüchten entstanden, die von manchen Polen und Franzosen verbreitet wurden. Diese Befürchtungen werden verschwinden, sobald wir den Vertrag, wird er von Polen unterzeichnet, veröffentlichen. Alle werden dann sehen, dass er nichts gegen Deutschland Gerichtetes enthält.
Ludwig. Ich bin Ihnen sehr dankbar für diese Erklärung. Gestatten Sie mir, Ihnen folgende Frage zu stellen: Sie sprechen von der „Gleichmacherei“, wobei diesem Wort eine bestimmte ironische Nuance in Bezug auf die allgemeine Gleichstellung gegeben wird. Dabei ist doch die allgemeine Gleichstellung das sozialistische Ideal.
Stalin. Einen Sozialismus, in dem etwa alle Menschen den gleichen Lohn, die gleiche Portion Fleisch, die gleiche Menge Brot erhalten, die gleichen Kleider tragen, die gleichen Produkte in gleicher Menge erhalten - einen solchen Sozialismus kennt der Marxismus nicht.
Der Marxismus sagt nur das eine: Solange die Klassen nicht endgültig beseitigt sind, solange die Arbeit nicht aus einem Mittel zum Leben zum ersten Lebensbedürfnis der Menschen, zu einer freiwilligen Arbeit für die Gesellschaft geworden ist, werden die Menschen für ihre Arbeit entsprechend ihren Leistungen bezahlt werden. „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung“ - das ist die marxistische Formel des Sozialismus, das heißt die Formel des ersten Stadiums des Kommunismus, des ersten Stadiums der kommunistischen Gesellschaft.
Erst im höheren Stadium des Kommunismus, erst in der höheren Phase des Kommunismus wird jeder seinen Fähigkeiten entsprechend arbeiten und für seine Arbeit entsprechend seinen Bedürfnissen erhalten. „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“
Es ist ganz klar, dass verschiedene Menschen auch im Sozialismus verschiedene Bedürfnisse haben und haben werden. Der Sozialismus hat nie die Verschiedenheit in Bezug auf den Geschmack, auf die Quantität und Qualität der Bedürfnisse geleugnet. Lesen Sie, wie Marx Stirner[15] wegen seiner Tendenzen zur Gleichmacherei kritisierte, lesen Sie die Marxsche Kritik des Gothaer Programms von 1875,[16] lesen Sie die späteren Werke von Marx, Engels, Lenin, und Sie werden sehen, mit welcher Schärfe sie gegen die Gleichmacherei auftreten. Die Quelle der Gleichmacherei ist die individuelle bäuerliche Denkweise, die Auffassung, dass alle Güter gleichmäßig verteilt werden müssten, die Mentalität des primitiven Bauern“kommunismus“. Gleichmacherei hat nichts gemein mit dem marxistischen Sozialismus. Nur Menschen, die den Marxismus nicht kennen, können so primitive Vorstellungen haben, als wollten die russischen Bolschewiki alle Güter auf einen Haufen werfen und sie dann gleichmäßig verteilen. Solche Vorstellungen haben nur Menschen, die nichts mit dem Marxismus gemein haben. So hatten sich Menschen wie die primitiven „Kommunisten“ aus der Zeit Cromwells und der französischen Revolution den Kommunismus vorgestellt. Aber der Marxismus und die russischen Bolschewiki haben mit derartigen, auf Gleichmacherei ausgehenden „Kommunisten“ nichts gemein.
Ludwig. Sie rauchen eine Zigarette. Wo ist Ihre legendäre Pfeife, Herr Stalin? Sie sagten einmal, dass Worte und Legenden vergehen, Taten aber bleiben. Doch glauben Sie mir, es gibt im Ausland Millionen, die manche Ihrer Worte und Taten nicht kennen, von Ihrer legendären Pfeife aber wissen.
Stalin. Ich habe die Pfeife zu Hause liegenlassen.
Ludwig. Ich will Ihnen eine Frage stellen, die Sie vielleicht sehr wundern wird.
Stalin. Wir russischen Bolschewiki haben längst verlernt, uns zu wundern.
Ludwig. Wir in Deutschland ebenfalls.
Stalin. Ja, Sie werden in Deutschland bald aufhören, sich zu wundern.
Ludwig. Meine Frage ist folgende: Sie haben sich wiederholt Risiko und Gefahren ausgesetzt, man hat Sie verfolgt. Sie haben an Kämpfen teilgenommen. Eine Reihe Ihrer besten Freunde sind ums Leben gekommen. Sie sind am Leben geblieben. Womit erklären Sie das? Und glauben Sie an ein Schicksal?
Stalin. Nein, ich glaube nicht daran. Bolschewiki, Marxisten glauben nicht an „Schicksal“. Schon der Begriff „Schicksal“ (Bei Stalin deutsch. Der Übers.) ist ein Vorurteil, ist Unsinn, ist ein Überbleibsel der Mythologie, etwa der Mythologie der alten Griechen, bei denen die Schicksalsgöttin die Geschicke der Menschen lenkte.
Ludwig. So ist also die Tatsache, dass Sie am Leben geblieben sind, ein Zufall?
Stalin. Es gibt innere und äußere Ursachen, deren Gesamtheit dazu geführt hat, dass ich am Leben geblieben bin. Aber ganz unabhängig davon könnte an meiner Stelle ein anderer sein, denn es muss hier jemand sitzen. Das „Schicksal“ ist etwas Ungesetzmäßiges, etwas Mystisches. Ich glaube nicht an Mystik. Selbstverständlich gab es Ursachen dafür, dass die Gefahren an mir vorübergingen. Es hätte aber eine Reihe anderer Zufälle, eine Reihe anderer Ursachen geben können, die zu einem direkt entgegengesetzten Resultat hätten führen können. Das hat nichts mit dem so genannten Schicksal zu tun.
Ludwig. Lenin lebte viele Jahre im Ausland, in der Emigration. Sie waren nur sehr kurze Zeit im Ausland. Halten Sie das für einen Mangel, glauben Sie, dass die Revolutionäre der Revolution mehr Nutzen brachten, die in der ausländischen Emigration lebten und die Möglichkeit hatten, Europa genau zu studieren, dafür aber den unmittelbaren Kontakt mit dem Volk verloren, oder die Revolutionäre, die hier arbeiteten, die Stimmung des Volkes kannten, dafür aber von Europa wenig wussten?
Stalin. Lenin muss man bei diesem Vergleich ausschließen. Nur sehr wenige von denen, die in Rußland blieben, waren so eng mit der russischen Wirklichkeit, mit der Arbeiterbewegung innerhalb des Landes verbunden wie Lenin, obwohl er lange im Ausland lebte. Immer, wenn ich ihn im Ausland besuchte - 1906, 1907, 1912 und 1913,[Anmerkung 14] sah ich bei ihm Stöße von Briefen von Praktikern aus Rußland, und immer wusste Lenin mehr als jene, die in Rußland geblieben waren. Er empfand seinen Aufenthalt im Ausland stets als Last.
In unserer Partei und ihrer Führung gibt es natürlich weit mehr Genossen, die in Rußland blieben und nicht ins Ausland emigrierten, als ehemalige Emigranten, und sie hatten natürlich die Möglichkeit, der Revolution größeren Nutzen zu bringen als die im Ausland lebenden Emigranten. In unserer Partei sind nur noch wenig Emigranten. Auf zwei Millionen Parteimitglieder kommen hundert bis zweihundert. Von siebzig Mitgliedern des ZK waren kaum mehr als drei bis vier in der Emigration.
Was die Kenntnis Europas, das Studium Europas anbetrifft, so hatten selbstverständlich diejenigen, die Europa studieren wollten, mehr Möglichkeiten, dies zu tun, wenn sie in Europa lebten. Und in diesem Sinne haben diejenigen von uns, die nicht längere Zeit im Ausland gelebt haben, einiges versäumt. Aber der Aufenthalt im Ausland ist keineswegs von entscheidender Bedeutung für das Studium der europäischen Wirtschaft, Technik, der Kader der Arbeiterbewegung, jeglicher Literatur, der schönen wie der wissenschaftlichen. Unter sonst gleichen Bedingungen ist es natürlich leichter, Europa zu studieren, wenn man dort gelebt hat. Aber dieses Minus, das bei den Menschen besteht, die nicht in Europa gelebt haben, hat keine große Bedeutung. Im Gegenteil, ich kenne viele Genossen, die zwanzig Jahre im Ausland verbrachten, irgendwo in Charlottenburg oder im Quartier latin lebten, jahrelang in Cafes herumsaßen, Bier tranken und trotzdem nicht imstande waren, Europa kennen zu lernen und zu verstehen.
Ludwig. Glauben Sie nicht, dass die Deutschen als Nation mehr Ordnungsliebe haben als Freiheitsliebe?
Stalin. Einst hatte man in Deutschland tatsächlich große Achtung vor dem Gesetz. Als ich im Jahre 1907 zwei bis drei Monate in Berlin weilte, machten wir russischen Bolschewiki uns öfters über einige deutsche Freunde lustig, weil sie eben diese Achtung vor dem Gesetz hatten. Es war zum Beispiel folgende Anekdote in Umlauf: Als der Berliner sozialdemokratische Vorstand für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Stunde eine Kundgebung ansetzte, zu der die Mitglieder der Organisation aus allen Vororten erscheinen sollten, da konnte eine Gruppe von zweihundert Personen aus einem Vorort, obgleich sie rechtzeitig zur festgesetzten Stunde in der Stadt eingetroffen war, nicht zur Demonstration erscheinen, weil sie zwei Stunden lang auf dem Bahnsteig stand und es nicht wagte, ihn zu verlassen: der Schaffner, der die Fahrkarten am Ausgang abnehmen sollte, war nicht da, und die Genossen konnten daher ihre Karten nicht abgeben. Man erzählte scherzend, dass erst ein russischer Genosse kommen musste, der den Deutschen den einfachen Ausweg aus der Lage zeigte: den Bahnsteig zu verlassen, ohne die Fahrkarten abzugeben...
Gibt es aber jetzt in Deutschland etwas Ähnliches? Hat man etwa jetzt in Deutschland Achtung vor dem Gesetz? Brechen nicht jene selben Nationalsozialisten, die, sollte man meinen, mehr als alle anderen die Hüter der bürgerlichen Gesetzlichkeit sein müssten, diese Gesetze, zerstören sie nicht Arbeiterklubs, morden sie nicht ungestraft Arbeiter?
Ich spreche schon gar nicht von den Arbeitern, die, wie mir scheint, schon längst die Achtung vor der bürgerlichen Gesetzlichkeit verloren haben.
Ja, die Deutschen haben sich in der letzten Zeit sehr geändert.
Ludwig. Unter welchen Bedingungen ist eine endgültige und vollständige Vereinigung der Arbeiterklasse unter Führung einer Partei möglich? Warum ist, wie die Kommunisten sagen, eine solche Vereinigung der Arbeiterklasse erst nach der proletarischen Revolution möglich?
Stalin. Eine solche Vereinigung der Arbeiterklasse um die Kommunistische Partei kann am leichtesten als Ergebnis einer siegreichen proletarischen Revolution verwirklicht werden. Aber zweifellos wird sie im Wesentlichen noch vor der Revolution verwirklicht werden.
Ludwig. Ist Ehrgeiz ein Ansporn oder ein Hemmnis für die Tätigkeit einer großen geschichtlichen Persönlichkeit?
Stalin. Unter verschiedenen Bedingungen ist die Rolle des Ehrgeizes verschieden. Je nach den Bedingungen kann Ehrgeiz ein Ansporn oder ein Hemmnis für die Tätigkeit einer großen geschichtlichen Persönlichkeit sein. Meist ist er ein Hemmnis.
Ludwig. Ist die Oktoberrevolution in irgendeiner Hinsicht die Fortsetzung und Vollendung der großen französischen Revolution?
Stalin. Die Oktoberrevolution ist weder die Fortsetzung noch die Vollendung der großen französischen Revolution. Das Ziel der französischen Revolution war die Liquidierung des Feudalismus zwecks Festigung des Kapitalismus. Das Ziel der Oktoberrevolution hingegen ist die Liquidierung des Kapitalismus zwecks Errichtung des Sozialismus.
„Bolschewik“ Nr. 8, 30. April 1932.
1932
Nishni-Nowgorod. An den Bauleiter und an den Direktor der Molotow-Autowerke
Seite 110
„Prawda“ Nr. 2, 2. Januar 1932.
Gruß den Arbeitern und Arbeiterinnen, der Betriebsleitung, den politischen und technischen Leitern des Werks zur Beendigung der Bauarbeiten und zur Inbetriebnahme des Autowerkgiganten!
Herzliche Glückwünsche den Stoßarbeitern und Stoßarbeiterinnen, die bei der Errichtung der Autowerke die Hauptlast der Bauarbeiten getragen haben.
Unseren Dank den ausländischen Arbeitern, Technikern und Ingenieuren, die der Arbeiterklasse der Sowjetunion bei der Errichtung, Montage und Inbetriebnahme des Werks geholfen haben!
Ich gratuliere zu Ihrem Sieg, Genossen!
Wir wollen hoffen, dass die Autowerke schnell und restlos der Schwierigkeiten Herr werden, die sich bei der Meisterung des Produktionsprozesses, bei der Inbetriebnahme des Werks, bei der Erfüllung des Produktionsprogramms ergeben.
Wir wollen hoffen, dass die Autowerke imstande sein werden, dem Lande in Kürze Tausende und aber Tausende von Wagen zu liefern, die unsere Volkswirtschaft braucht wie die Luft, wie das Wasser.
Vorwärts, zu neuen Siegen!
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 2, 2. Januar 1932.
Saratow. An den Bauleiter und an den Direktor der Mähdrescherwerke
Seite 111
Gruß den Arbeitern und Arbeiterinnen sowie allen leitenden Mitarbeitern des Werks !
Dem Aktiv des Werks und vor allem den Stoßarbeitern und Stoßarbeiterinnen herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Bauabschluss und zur Inbetriebnahme des Werks!
Genossen! Mähdrescher braucht das Land nicht minder als Traktoren und Automobile. Ich zweifle nicht daran, dass Ihr Kampf um die restlose Erfüllung des Produktionsprogramms von Erfolg gekrönt sein wird.
Vorwärts, zu neuen Siegen!
J. Stalin
4. Januar 1932.
Antwort an Olechnowitsch und Aristow
Seite 112 - 117
15. Januar 1932.
Anlässlich des Briefes an die Redaktion der Zeitschrift
„Proletarskaja Rewoluzija“: „Über einige Fragen der Geschichte des Bolschewismus“
An Genossen Olechnowitsch
Ihren Brief habe ich erhalten. Infolge Arbeitsüberlastung antworte ich mit Verspätung.
Ich kann mich mit Ihnen, Genosse Olechnowitsch, keineswegs einverstanden erklären. Und zwar aus folgenden Gründen:
1. Es ist nicht wahr, dass „der Trotzkismus niemals eine Fraktion des Kommunismus war“. Insofern als die Trotzkisten mit dem Menschewismus - wenn auch nur vorübergehend - organisatorisch gebrochen hatten, mit ihren antibolschewistischen Anschauungen - wenn auch nur vorübergehend - nicht hervortraten, in die KPdSU(B) und in die Komintern aufgenommen worden waren und sich deren Beschlüssen fügten, war der Trotzkismus zweifellos ein Teil, eine Fraktion des Kommunismus.
Der Trotzkismus war eine Fraktion des Kommunismus sowohl im weiten Sinne des Wortes, das heißt als Teil der internationalen kommunistischen Bewegung, der seine gruppenmäßige Besonderheit bewahrte, als auch im engen Sinne des Wortes, das heißt als eine mehr oder minder organisierte Traktion innerhalb der KPdSU(B), die um den Einfluss in der Partei kämpfte. Es wäre lächerlich, die allen bekannten Tatsachen über die Trotzkisten als eine Fraktion in der KPdSU(B) zu leugnen, Tatsachen, die in den Resolutionen der Parteitage und Konferenzen der KPdSU(B) festgehalten sind.
Stimmt es, dass die KPdSU(B) keine Fraktionen duldet und auf deren Legalisierung nicht eingehen kann? Ja, das stimmt, sie duldet sie nicht und kann auf ihre Legalisierung nicht eingehen. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Trotzkisten in der Tat keine Fraktion bildeten. Gerade weil die Trotzkisten in der Tat eine eigene Fraktion bildeten, für deren Legalisierung sie kämpften - gerade deshalb, unter anderem deshalb, wurden sie später aus der Partei hinausgeworfen.
Sie versuchen, Ihre Positionen dadurch zu retten, dass Sie bestrebt sind, den Trotzkismus von den Trotzkisten zu trennen, in der Meinung, dass das, was für den Trotzkismus gilt, nicht für die Trotzkisten gelten könne. Mit anderen Worten, Sie wollen sagen, dass der Trotzkismus niemals eine Fraktion des Kommunismus gewesen sei, Trotzki aber und die Trotzkisten seien eine Fraktion des Kommunismus gewesen. Das ist Scholastik und Selbstbetrug, Genosse Olechnowitsch! Es kann keinen Trotzkismus geben ohne Träger des Trotzkismus, das heißt ohne Trotzkisten, ebenso wie es auch keine Trotzkisten geben kann ohne den Trotzkismus - sei es auch ein verschleierter und verhüllter, aber immerhin Trotzkismus -, andernfalls würden sie aufhören, Trotzkisten zu sein.
Worin bestand der charakteristische Zug der Trotzkisten, als sie eine Fraktion des Kommunismus bildeten? Er bestand darin, dass die Trotzkisten „permanent“ schwankten zwischen dem Bolschewismus und dem Menschewismus, wobei diese Schwankungen bei jeder Wendung der Partei, und der Komintern einen Höhepunkt erreichten und in einen Fraktionskampf gegen die Partei umschlugen. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass die Trotzkisten keine wirklichen Bolschewiki waren, auch wenn sie der Partei angehörten und sich deren Beschlüssen fügten, dass man sie aber auch nicht als wirkliche Menschewiki bezeichnen konnte, obwohl sie oft nach der Seite des Menschewismus hin schwankten. Eben diese Schwankungen bildeten die Grundlage des innerparteilichen Kampfes zwischen Leninisten und Trotzkisten in der Periode, als die Trotzkisten unserer Partei angehörten (1917-1927). Den Schwankungen der Trotzkisten selbst aber lag die Tatsache zugrunde, dass die Trotzkisten, die mit ihren antibolschewistischen Anschauungen zwar nicht hervortraten und so in die Partei gekommen waren, sich von diesen Anschauungen dennoch nicht lossagten, so dass sich diese Anschauungen bei jeder Wendung der Partei und der Komintern besonders nachdrücklich geltend machten.
Sie sind mit einer solchen Erläuterung der Frage des Trotzkismus offenbar nicht einverstanden. Dann müssen Sie aber zu einer von zwei falschen Schlussfolgerungen gelangen. Entweder müssen Sie zu der Schlussfolgerung gelangen, dass Trotzki und die Trotzkisten sich nach ihrem Eintritt in die Partei von ihren Anschauungen völlig losgesagt haben und wirkliche Bolschewiki geworden sind; das aber ist falsch, denn bei einer solchen Annahme wäre der ununterbrochene innerparteiliche Kampf, den die Trotzkisten gegen die Partei führten und der die ganze Periode der Zugehörigkeit der Trotzkisten zu unserer Partei ausfüllt, unbegreiflich und unerklärlich. Oder Sie müssen zu der Schlussfolgerung gelangen, dass der Trotzkismus (die Trotzkisten) „immer eine Fraktion des Menschewismus war“, was ebenfalls falsch ist, denn Lenin und die Leninsche Partei hätten einen grundsätzlichen Fehler begangen, wenn sie Menschewiki, und sei es auch nur für eine Minute, in die Kommunistische Partei aufgenommen hätten.
2. Es ist nicht wahr, dass der Trotzkismus „immer eine Fraktion des Menschewismus, eine der Abarten der bürgerlichen Agentur in der Arbeiterbewegung war“, ebenso wie es auch falsch ist, wenn Sie versuchen, „die Stellung der Partei zum Trotzkismus, als Theorie und Praxis einer bürgerlichen Agentur in der Arbeiterbewegung“, von „der Stellung der Partei zu Trotzki und den Trotzkisten in einem bestimmten historischen Zeitabschnitt“ zu trennen.
Erstens begehen Sie, wie ich bereits gesagt habe, einen Fehler, einen scholastischen Fehler, wenn Sie den Trotzkismus von den Trotzkisten und umgekehrt die Trotzkisten vom Trotzkismus künstlich trennen. Die Geschichte unserer Partei lehrt, dass eine solche Trennung, soweit sie von dem einen oder dem anderen Teil unserer Partei vorgenommen wurde, stets und ausschließlich dem Trotzkismus zum Nutzen gereichte, da sie es ihm erleichterte, bei seinen Ausfällen gegen die Partei die Spuren zu verwischen. Ich kann Ihnen im Vertrauen sagen, dass Sie Trotzki und den trotzkistischen Schmugglern den größten Dienst erweisen, wenn Sie die Methode der künstlichen Trennung der Frage des Trotzkismus von der Frage der Trotzkisten in unsere politische Praxis einführen.
Zweitens haben Sie nach diesem Fehler einen zweiten Fehler begangen, der sich zwangsläufig aus dem ersten ergibt, indem Sie nämlich annehmen, dass die Partei „in einem bestimmten historischen Zeitabschnitt“ Trotzki und die Trotzkisten als wirkliche Bolschewiki betrachtet habe. Eine solche Annahme ist aber völlig falsch und absolut unvereinbar mit den Tatsachen aus der Geschichte des innerparteilichen Kampfes zwischen Trotzkisten und Leninisten. Wie wäre dann der ununterbrochene Kampf zwischen der Partei und den Trotzkisten zu erklären, der während der ganzen Periode der Zugehörigkeit der Trotzkisten zur Partei geführt wurde? Glauben Sie etwa, das sei Zänkerei gewesen und nicht ein prinzipieller Kampf?
Sie sehen, dass Ihre „Berichtigung“ zu meinem „Brief an die Redaktion der ‚Proletarskaja Rewoluzija’“ zu einer Absurdität führt.
In Wirklichkeit war der Trotzkismus eine Fraktion des Menschewismus bis zum Eintritt der Trotzkisten in unsere Partei, er wurde vorübergehend zu einer Fraktion des Kommunismus nach dem Eintritt der Trotzkisten in unsere Partei, er ist von neuem zu einer Fraktion des Menschewismus geworden nach der Vertreibung der Trotzkisten aus unserer Partei. „Der Hund ist zu seinem Auswurf zurückgekehrt.“
Folglich:
a) kann man nicht behaupten, dass die Partei Trotzki und die Trotzkisten „in einem bestimmten historischen Zeitabschnitt“ als wirkliche Bolschewiki betrachtet habe, denn eine solche Annahme widerspricht völlig den Tatsachen aus der Geschichte unserer Partei während der Periode 1917-1927;
b) kann man nicht der Ansicht sein, dass der Trotzkismus (die Trotzkisten) „immer- eine Fraktion des Menschewismus war“, denn eine solche Annahme würde zu der Schlussfolgerung führen, dass unsere Partei in der Periode 1917-1927 eine Partei des Blocks zwischen Bolschewiki und Menschewiki gewesen wäre und nicht eine aus einem Guss geformte bolschewistische Partei, was absolut falsch und unvereinbar ist mit den Grundlagen des Bolschewismus;
c) kann man die Frage des Trotzkismus nicht künstlich von der Frage der Trotzkisten trennen, ohne Gefahr zu laufen, unwillkürlich zu einem Werkzeug der trotzkistischen Machenschaften zu werden.
Was für ein Ausweg bleibt nun? Es bleibt nur das eine übrig: beizupflichten, dass der Trotzkismus „in einem bestimmten historischen Zeitabschnitt“ eine Fraktion des Kommunismus darstellte - eine Fraktion, die zwischen Bolschewismus und Menschewismus schwankte.
J. Stalin
15. Januar 1932.
An Genossen Aristow
25. Januar 1932.
Ihrerseits liegt ein Missverständnis vor, Genosse Aristow.
Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem Artikel „Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten“[17] (1924) und dem „Brief an die Redaktion der ‚Proletarskaja Rewoluzija’“ (1931). Diese zwei Dokumente behandeln verschiedene Seiten der Frage, und das erschien Ihnen als „Widerspruch“. Einen „Widerspruch“ gibt es hier aber nicht.
Im Artikel „Die Oktoberrevolution“ wird davon gesprochen, dass im Jahre 1905 nicht Rosa Luxemburg, sondern Parvus und Trotzki für die Theorie der „permanenten“ Revolution gegen Lenin zu Felde zogen. Das entspricht voll und ganz der historischen Wirklichkeit. Gerade Parvus, der im Jahre 1905 nach Rußland kam und als Redakteur einer speziellen Zeitung tätig war, in der er aktiv die „permanente“ Revolution gegen die Leninsche „Konzeption“ verfocht, gerade Parvus und dann, nach Parvus und zusammen mit ihm, Trotzki - gerade dieses Zweigespann bombardierte damals das Leninsche Revolutionsschema und stellte ihm die Theorie der „permanenten“ Revolution entgegen. Was Rosa Luxemburg anbelangt, so blieb sie damals hinter den Kulissen, hielt sich vom aktiven Kampf gegen Lenin in dieser Frage zurück und zog es offenbar vor, sich zunächst nicht in den Kampf einzumischen.
In der Polemik gegen Radek im Artikel „Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten“ spitzte ich die Frage deshalb auf Parvus zu, weil Radek, als er über das Jahr 1905 und die „permanente“ Revolution sprach, Parvus geflissentlich mit Stillschweigen überging. Und er überging Parvus deshalb mit Stillschweigen, weil Parvus nach 1905 zu einer anrüchigen Figur wurde, Millionär, ein direkter Agent der deutschen Imperialisten wurde, Radek aber die Theorie der „permanenten“ Revolution nicht mit dem anrüchigen Namen Parvus in Verbindung bringen und so die Geschichte umgehen wollte. Nun, ich stellte die historische Wahrheit wieder her, gab Parvus, was ihm gebührt, und durchkreuzte und vereitelte somit Radeks Manöver.
So verhält es sich mit dem Artikel „Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten“.
Was den „Brief an die Redaktion der ‚Proletarskaja Rewoluzija’“ anbelangt, so wird dort bereits von einer anderen Seite der Frage gesprochen, nämlich, dass die Theorie der „permanenten“ Revolution von Rosa Luxemburg und Parvus ersonnen wurde. Und das entspricht gleichfalls der historischen Wirklichkeit. Nicht Trotzki, sondern Rosa Luxemburg und Parvus haben die Theorie der „permanenten“ Revolution ersonnen. Nicht Rosa Luxemburg, sondern Parvus und Trotzki sind im Jahre 1905 für die Theorie der „permanenten“ Revolution gegen Lenin zu Felde gezogen und haben aktiv für sie gekämpft.
Später begann Rosa Luxemburg gleichfalls, aktiv gegen das Leninsche Revolutionsschema zu kämpfen. Das war aber bereits nach 1905.
J. Stalin
25. Januar 1932.
„Bolschewik“ Nr. 16, 30. August 1932.
Magnitogorsk. Magnitogorsker Hüttenwerke
Seite 118
„Prawda“ Nr. 89, 30. März 1932.
Der Telegraf brachte die Nachricht vom Abschluss der Ingangsetzungsperiode und von der Inbetriebnahme des ersten Hochofengiganten in der UdSSR, der täglich über 1000 Tonnen Gusseisen oder, umgerechnet auf Martinroheisen, etwa 1200 Tonnen pro Tag liefert.
Ich beglückwünsche die Arbeiter, Techniker und das Verwaltungspersonal der Magnitogorsker Hüttenwerke zur erfolgreichen Erfüllung des ersten Abschnitts des Werkprogramms!
Ich gratuliere zur Meisterung der Technik dieses ersten Hochofengiganten, der in Europa nicht seinesgleichen hat!
Gruß den Stoßarbeitern und Stoßarbeiterinnen der Magnitogorsker Hüttenwerke, die die Schwierigkeiten bei der Ingangsetzung und Inbetriebnahme des Hochofens unter den schlechten winterlichen Witterungsverhältnissen kämpferisch überwunden haben und bereitwillig die Hauptlast der Arbeit beim Bau des Werks auf sich nehmen!
Ich zweifle nicht daran, dass die Magnitogorsker auch den Hauptabschnitt des Jahresprogramms für 1932 erfolgreich erfüllen, weitere drei Hochöfen, einen Martinofen, eine Walzstraße errichten und so ihre Pflicht gegenüber dem Lande in Ehren erfüllen werden.
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 89, 30. März 1932.
Antwort auf ein Schreiben des Vertreters der Telegrafenagentur "Associated Press" Herrn Richardson
Seite 119
An Herrn Richardson
Lügenmeldungen darüber, dass ich krank sei, werden nicht das erste Mal in der bürgerlichen Presse verbreitet. Es gibt offensichtlich Leute, die daran interessiert sind, dass ich ernstlich und für lange Zeit erkranke, wenn nicht gar daran, dass mir noch etwas Schlimmeres passiere. Vielleicht ist das nicht besonders zartfühlend, aber leider ist es so, dass ich diesen Herrschaften keine Freude bereiten kann. So traurig es auch sein mag, aber gegen Tatsachen kann man nicht angehen: Ich bin völlig gesund. Was Herrn Zondek betrifft, so kann er sich der Gesundheit anderer Genossen widmen, wozu er ja auch in die UdSSR eingeladen wurde.
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 93, 3. April 1932
Über die Bedeutung und die Aufgaben der Beschwerdebüros
Seite 120 - 121
„Prawda“ Nr. 97, 7. April 1932.
Die Arbeit der Beschwerdebüros[Anmerkung 16] hat eine gewaltige Bedeutung für den Kampf um die Beseitigung der Mängel in unserem Partei- und Sowjet-, in unserem Wirtschafts- und Gewerkschaftsapparat sowie im Apparat des Kommunistischen Jugendverbands, sie ist von gewaltiger Bedeutung für die Verbesserung unseres Verwaltungsapparats.
Lenin sagte, dass wir ohne den Apparat längst zugrunde gegangen wären, ohne einen systematischen beharrlichen Kampf für die Verbesserung des Apparats aber ganz bestimmt zugrunde geben würden. Das bedeutet, dass der entschiedene und systematische Kampf gegen Trägheit, Bürokratismus, gegen den Amtsschimmel in unseren Apparaten eine wesentliche Aufgabe der Partei, der Arbeiterklasse und aller Werktätigen unseres Landes ist.
Die gewaltige Bedeutung der Beschwerdebüros besteht darin, dass sie eins der wichtigsten Mittel sind, um das Vermächtnis Lenins hinsichtlich des Kampfes für die Verbesserung des Apparats in die Tat umzusetzen.
Die Beschwerdebüros haben in dieser Hinsicht unbestreitbar bedeutende Errungenschaften zu verzeichnen: Die Aufgabe besteht darin, die erzielten Resultate zu verankern und entscheidende Erfolge auf diesem Gebiet zu erringen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Beschwerdebüros, wenn sie alle aktiven Schichten der Arbeiter und Kollektivbauern um sich scharen und sie zur Verwaltung des Staates heranziehen, wenn sie hellhörig auf die Stimme der Werktätigen, der Parteimitglieder ebenso wie der Parteilosen lauschen, diese entscheidenden Erfolge erzielen werden.
Wir wollen hoffen, dass die Woche zur Überprüfung der Arbeit der Beschwerdebüros ihnen ein Ansporn sein wird, die Arbeit der Beschwerdebüros weiter zu entfalten, weiter den Weg zu gehen, den uns unser Lehrer Lenin gewiesen hat.
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 97, 7. April 1932.
Antworten auf Fragen von Ralph W. Barnes
Seite 122 - 124
3. Mai 1932
1. Frage. In bestimmten Kreisen Amerikas wird gegenwärtig lebhaft über die Möglichkeit diskutiert, einen inoffiziellen amerikanischen Handelsvertreter in Begleitung eines Stabes von Spezialisten nach Moskau zu entsenden, um auf die Herstellung engerer Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR hinzuwirken. Wie würde sich die Sowjetregierung zu einem solchen Vorschlag verhalten?
Stalin. Die UdSSR empfängt überhaupt gern Handelsvertreter und Spezialisten aus anderen Ländern, aus Ländern, die mit ihr normale Beziehungen unterhalten. Was die USA anbetrifft, so würde sich die Sowjetregierung, glaube ich, positiv zu einem derartigen Vorhaben verhalten.
2. Frage. Vorausgesetzt, dass bestimmte, jenseits des Atlantischen Ozeans bestehende Hindernisse beseitigt würden, die einer Ausdehnung des sowjetisch-amerikanischen Handels im Wege stehen, wie groß könnte dann ungefähr der Umfang der Aufträge sein, die die UdSSR in Amerika unterbringen könnte?
Stalin. Es ist schwer, im Voraus eine Zahl zu nennen, will man nicht Gefahr laufen, einen Fehler zu begehen. Auf jeden Fall bieten die wachsenden Bedürfnisse der UdSSR und die gewaltigen Industriekapazitäten der USA alle Voraussetzungen dafür, dass der Umfang der Aufträge sich vervielfacht.
3. Frage. In gewissen verantwortlichen Kreisen Amerikas besteht der ganz bestimmte Eindruck, dass das Reagieren der sowjetischen und der amerikanischen Regierung auf die fernöstlichen Ereignisse im Laufe der letzten sieben Monate eine offensichtliche Ähnlichkeit erkennen läßt und dass überhaupt infolgedessen die Differenzen zwischen der Politik der Sowjets und Amerikas jetzt geringer sind als bisher.
Was ist Ihre Meinung hierüber?
Stalin. Es ist mir unmöglich, etwas Bestimmtes zu sagen, da das Wesen der fernöstlichen Politik der USA leider sehr schwer zu erkennen ist. Was die Sowjetunion anbetrifft, so betreibt sie eine konsequente Politik der Erhaltung des Friedens sowohl mit Japan als auch mit der Mandschurei und mit China überhaupt und wird weiter an dieser Politik festhalten.
4. Frage. Zwischen Ihrem und meinem Land bestehen große Unterschiede, es gibt aber auch eine offensichtliche Ähnlichkeit. Beide Länder erstrecken sich über ein gewaltiges Territorium, auf dem es keine solchen Hindernisse für den Handel wie Zollschranken gibt. Engstirnige Traditionen stören die wirtschaftliche Tätigkeit in der UdSSR und in den USA natürlich weniger als bei anderen Großmächten. Der Industrialisierungsprozess in der UdSSR ist dem in den Vereinigten Staaten ähnlicher als in anderen, westeuropäischen Ländern. In der vorigen Frage wies ich bereits darauf hin, dass die Politik Moskaus und Washingtons in einigen Fällen nicht so weit auseinander geht, wie man es erwarten könnte. Schließlich hegen das amerikanische und das sowjetische Volk, trotz aller offensichtlichen Unterschiede, zweifellos eine tiefe Sympathie füreinander. Müsste es angesichts dieser Tatsachen nicht möglich sein, beide Völker davon zu überzeugen, dass es zwischen den beiden Ländern niemals und unter keinen Umständen zu einem bewaffneten Zusammenstoß kommen darf?
Stalin. Es ist nichts leichter, als die Völker beider Länder von der Schädlichkeit und Frevelhaftigkeit einer gegenseitigen Ausrottung zu überzeugen. Aber leider werden die Fragen von Krieg und Frieden nicht immer von den Völkern entschieden. Ich zweifle nicht daran, dass die Volksmassen der USA in den Jahren 1918-1919 keinen Krieg mit den Völkern der UdSSR wollten. Das hinderte jedoch die Regierung der USA nicht (gemeinsam mit Japan, England und Frankreich), die UdSSR im Jahre 1918 zu überfallen und die militärische Intervention gegen die UdSSR bis zum Jahre 1919 fortzusetzen. Was die UdSSR betrifft, so braucht wohl kaum noch bewiesen zu werden, dass die Völker der UdSSR ebenso wie die Regierung der UdSSR wollen, dass „es zwischen den beiden Ländern niemals und unter keinen Umständen zu einem bewaffneten Zusammenstoß“ kommen kann.
5. Frage. In Amerika wurden einander widersprechende Nachrichten über den tatsächlichen Charakter des zweiten Fünfjahrplans verbreitet. Stimmt es, dass in der Periode vom 1. Januar 1933 bis Ende 1937 die tagtäglichen Bedürfnisse der sowjetischen Bevölkerung in größerem Umfang als bisher befriedigt werden sollen? Mit anderen Worten, wird tatsächlich in größerem Ausmaß als bisher die Leichtindustrie entwickelt werden?
Stalin. Ja, die Leichtindustrie wird in viel größerem Ausmaß als bisher entwickelt werden.
Zum ersten Mal veröffentlicht.
Kusnezk. Kusnezker Hüttenwerke
Seite 125
„Prawda“ Nr. 142, 21. Mai 1932.
Gruß den Stoßarbeitern und Stoßarbeiterinnen, dem technischen Personal sowie der gesamten Betriebsleitung der Kusnezker Werke, die einen hohen Schmelzertrag von Roheisen am Hochofen Nr. 1 erzielt und bei der Meisterung der neuen Technik ein bolschewistisches Tempo an den Tag gelegt haben.
Ich bin überzeugt, dass das Kollektiv der Kusnezker Hüttenwerke die errungenen Erfolge erweitert, am Hochofen Nr.2 nicht geringere Erfolge erzielt, in den nächsten Monaten die Martinöfen und die Walzstraße in Betrieb nimmt, und in diesem Jahr den dritten und vierten Hochofen errichtet und in Betrieb setzt.
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 142, 21. Mai 1932.
Begrüssungsschreiben an die VII. Unionskonferenz des Leninschen Kommunistischen Jugendverbands der Sowjetunion
Seite 126
8. Juli 1932.
„Prawda“, Nr. 188, 9. Juli 1932.
Gruß den Kämpfern des Leninschen Kommunistischen Jugendverbands, den Delegierten der VII. Unionskonferenz!
Ich wünsche Euch Erfolg bei der kommunistischen Erziehung und bei der Organisierung der Millionenmassen der Arbeiter- und Bauernjugend!
Haltet das Banner des Leninschen Internationalismus hoch, kämpft für Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern, stärkt die Verteidigung unseres Landes gegen einen kapitalistischen Überfall, sprengt die alte Welt der Knechtung und Ausbeutung, baut und festigt die neue Welt der befreiten Arbeit und des Kommunismus, lernt in Eurer ganzen Arbeit den machtvollen revolutionären Schwung mit der beharrlichen Sachlichkeit bolschewistischer Baumeister verbinden, seid würdige Söhne und Töchter unserer Mutter - der Kommunistischen Partei der Sowjetunion!
Es lebe die Generation der Jungkommunisten!
J. Stalin
8. Juli 1932.
„Prawda“, Nr. 188, 9. Juli 1932.
Begrüssungsschreiben an Maxim Gorki
Seite 127
Lieber Alexej Maximowitsch!
Von ganzem Herzen grüße ich Sie und drücke Ihnen fest die Hand. Ich wünsche Ihnen noch viele Jahre Leben und Arbeit zur Freude aller Werktätigen, zum Schrecken der Feinde der Arbeiterklasse.
J. Stalin
„Prawda“ Nr.266, 25. September 1932.
Den Erbauern der Dnjepr-Kraftwerke
Seite 128
Leider kann ich Ihre Bitte, zur Inbetriebnahme der Dnjepr-Kraftwerke zu kommen, nicht erfüllen, da mir die Arbeit nicht erlaubt, Moskau zu verlassen.
Flammenden Gruß und herzliche Glückwünsche dem Kollektiv der Arbeiter und dem leitenden Personal des Dnjepr-Kraftwerkbaus zur erfolgreichen Vollendung des großen historischen Bauwerks.
Den Stoßarbeitern des Dnjepr-Kraftwerkbaus, den ruhmreichen Helden des sozialistischen Aufbaus, drücke ich fest die Hand.
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 281, 10. Oktober 1932.
Begrüßungsschreiben an Leningrad
Seite 129
„Prawda“ Nr. 309, 7. November 1932.
Gruß dem bolschewistischen Leningrad - der Wiege der Sowjetmacht - zum fünfzehnten Jahrestag der Geburt der Sowjetmacht!
Es leben die Arbeiter Leningrads, die als erste das Banner des Oktoberaufstands gegen den Kapitalismus erhoben, die Macht der Kapitalisten zerschlagen und die Macht der Arbeiter und Bauern - die Diktatur des Proletariats - errichtet haben!
Vorwärts, zu neuen Siegen, Genossen Leningrader!
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 309, 7. November 1932.
Brief an die Redaktion der "Prawda"
Seite 130
Herzlichen Dank den Organisationen, Institutionen, Genossen und einzelnen Personen, die anlässlich des Hinscheidens meines treuen Freundes und Gefährten, Nadeshda Sergejewna Allilujewa-Stalina, ihr Beileid zum Ausdruck gebracht haben.
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 318, 18. November 1932.
Herr Campbell schneidet auf
Seite 131 - 140
23. November 1932.
In Amerika erschien kürzlich in englischer Sprache ein Buch unter dem Titel „Rußland - Markt oder Bedrohung?“, geschrieben von einem bekannten Landwirtschaftsfachmann, Herrn Campbell, der die UdSSR besucht hatte. In diesem Buch schildert Herr Campbell unter anderem ein „Interview“ mit Stalin, das im Januar 1929 in Moskau stattgefunden hat. Dieses „Interview“ ist deshalb bemerkenswert, weil in ihm jeder Satz eine Lüge oder eine auf Sensation berechnete Fälschung enthält, die für das Buch und seinen Verfasser Reklame machen sollen.
Zur Entlarvung dieser Lügen halte ich es für nicht überflüssig, einige Worte zu sagen.
Herr Campbell phantasiert ganz offensichtlich, wenn er behauptet, dass die Unterredung mit Stalin, die um ein Uhr mittags begann, „bis lange nach Anbruch der Nacht, bis zum Morgengrauen gedauert hat“. In Wirklichkeit hat die Unterredung nicht länger als zwei Stunden gedauert. Herr Campbell hat eine wahrhaft amerikanische Phantasie.
Herr Campbell schneidet auf, wenn er behauptet, dass Stalin „mit beiden Händen die meine ergriff und sagte: Wir können Freunde werden“. In Wirklichkeit ist nichts dergleichen geschehen und konnte auch nicht geschehen. Herr Campbell muss wissen, dass Stalin solche „Freunde“ wie Campbell nicht braucht.
Herr Campbell schneidet wiederum auf, wenn er behauptet, ich hätte, als ich ihm die Niederschrift der Unterredung zuschickte, folgende Worte hinzugefügt: „Heben Sie sich diese Aufzeichnungen auf, sie werden einmal ein wichtiges historisches Dokument werden.“ In Wirklichkeit hat der Dolmetscher Jarozki die Niederschrift Herrn Campbell ohne jeglichen Zusatz zugeschickt. Der Wunsch, mit dem Namen Stalins zu spekulieren, führt Herrn Campbell offensichtlich auf Abwege.
Herr Campbell schneidet ein übriges Mal auf, wenn er Stalin die Worte unterschiebt, dass „man zur Zeit Trotzkis wirklich bemüht war, den Kommunismus in der ganzen Welt zu verbreiten, dass dies der Hauptgrund war, der zum Bruch zwischen Trotzki und ihm (das heißt Stalin) geführt hat, dass Trotzki an den Weltkommunismus glaubte, während er, Stalin, seine Tätigkeit auf das eigene Land beschränken wollte“. An diese ungereimte Lügengeschichte, die die Tatsachen völlig auf den Kopf stellt, können nur Überläufer glauben, die im Lager der Kautsky und Wels gelandet sind. In Wirklichkeit stand die Unterredung mit Campbell in keinerlei Beziehung zur Frage Trotzki, und der Name Trotzkis wurde während der Unterredung überhaupt nicht erwähnt.
Und so weiter in der gleichen Weise...
Herr Campbell erwähnt in seinem Buch die Niederschrift der Unterredung mit Stalin, aber er hielt es nicht für notwendig, sie in seinem Buch zu veröffentlichen. Weshalb? Nicht vielleicht deshalb, weil die Veröffentlichung der Niederschrift den Plan des Herrn Campbell durchkreuzen und seine auf Sensation berechneten Lügengeschichten über das „Interview“ mit Stalin entlarven würde, die bei den amerikanischen Spießern Reklame für das Buch Campbells machen sollen?
Ich glaube, die beste Strafe für Herrn Campbell, der so faustdick lügt, dürfte sein, wenn man den Wortlaut der Niederschrift der Unterredung zwischen Herrn Campbell und Stalin veröffentlicht. Das dürfte das wirksamste Mittel sein, um die Lügen zu entlarven und die Tatsachen wiederherzustellen.
J. Stalin
23. November 1932.
Niederschrift der Unterredung mit Herrn Campbell
28. Januar 1929
Nachdem einige einleitende Wort gewechselt worden waren, erklärte Herr Campbell, warum er den Wunsch gehabt habe, Genossen Stalin zu besuchen; er wies darauf hin, dass er, obwohl er als Privatperson in der UdSSR weile, vor seiner Abreise aus den USA mit Coolidge sowie mit dem neu gewählten Präsidenten Hoover gesprochen und zu seiner Reise nach Rußland ihre völlige Zustimmung erhalten habe. Sein hiesiger Aufenthalt habe ihm die erstaunliche Aktivität der Nation vor Augen geführt, die für die ganze Welt ein Rätsel sei. Besonders hätten ihm die Pläne des Aufbaus der Landwirtschaft gefallen. Es sei ihm bekannt, dass es über Rußland viele falsche Vorstellungen gebe, aber er selbst sei beispielsweise im Kreml gewesen und habe gesehen, welche Arbeit auf dem Gebiet des Denkmalschutzes und überhaupt für die Hebung des kulturellen Lebensniveaus geleistet wird. Besonders überrascht sei er über die Sorge, die den Arbeitern und Arbeiterinnen zuteil wird. Als ein interessantes Zusammentreffen erscheine ihm die Tatsache, dass er vor seiner Abreise aus den USA zum Präsidenten eingeladen worden sei und eine Begegnung mit dem Sohn und der Frau von Coolidge gehabt habe, während er gestern beim Präsidenten der UdSSR, Kalinin, zu Gast gewesen sei, der auf ihn einen gewaltigen Eindruck gemacht habe.
Genosse Stalin. Was die Pläne des landwirtschaftlichen und industriellen Aufbaus sowie unsere Sorge um die Entwicklung des kulturellen Lebens betrifft, so stehen wir noch ganz am Anfang unserer Arbeit. Auf dem Gebiet des Aufbaus der Industrie haben wir noch sehr wenig getan. Noch weniger wurde auf dem Gebiet der Realisierung der Pläne zur Umgestaltung der Landwirtschaft getan. Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Land außerordentlich rückständig war und dass diese Rückständigkeit bis zum heutigen Tag ein großes Hindernis darstellt.
Der Unterschied zwischen den früheren und den heutigen Politikern in Rußland besteht unter anderem darin, dass die alten Politiker diese Rückständigkeit als eine positive Eigenschaft des Landes betrachteten und darin eine „nationale Besonderheit“, den „Nationalstolz“ erblickten, während die neuen Menschen, die Sowjetmenschen, gegen sie, gegen diese Rückständigkeit, kämpfen als gegen ein Übel, das man ausmerzen muss. Darin liegt das Unterpfand unseres Erfolges.
Wir wissen, dass wir nicht frei von Fehlern sind. Aber wir fürchten die Kritik nicht, wir fürchten uns nicht, den Schwierigkeiten direkt ins Gesicht zu sehen und unsere Fehler anzuerkennen. Eine richtige Kritik nehmen wir an und begrüßen sie. Wir verfolgen die Entwicklung in den USA, denn dieses Land ist ein in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht hoch stehendes Land. Wir wünschten, dass die Wissenschaftler und Techniker in Amerika auf dem Gebiet der Technik unsere Lehrmeister und wir ihre Schüler wären.
Eine jede Periode in der nationalen Entwicklung hat ihr eigenes Pathos. In Rußland haben wir jetzt ein Pathos des Aufbaus. Das ist jetzt der bei uns vorherrschende Wesenszug. Daraus erklärt sich der jetzt bei uns vor sich gehende stürmische Aufbau. Das erinnert an die Periode nach dem Bürgerkrieg[Anmerkung 19] in den USA. Das bietet eine Grundlage und Möglichkeit für eine Zusammenarbeit mit den USA auf technisch-industriellem Gebiet sowie auf dem Gebiet des Handels. Ich weiß nicht, was noch getan werden müsste, um einen Kontakt mit der amerikanischen Industrie herzustellen. Können Sie nicht erklären, was einer solchen Annäherung jetzt im Wege steht, wenn feststeht, dass ein solcher Kontakt sowohl für die UdSSR als auch für die USA von Vorteil wäre?
Herr Campbell. Ich bin davon überzeugt, dass zwischen den USA und Rußland eine auffallende Ähnlichkeit besteht hinsichtlich ihrer Größe, ihrer Ressourcen und ihrer Unabhängigkeit. Der Hinweis des Herrn Stalin auf die Periode des Bürgerkriegs ist richtig. Nach dem Bürgerkrieg war eine außerordentliche Entwicklung zu verzeichnen. Das Volk in den USA interessiert sich für Rußland. Ich bin davon überzeugt, dass Rußland ein so gewaltiges Land ist, dass es zwangsläufig einen gewaltigen Faktor in den internationalen Beziehungen darstellt. Die Männer, die an der Spitze der russischen Regierung stehen, verfügen über die größten Möglichkeiten, um große Taten zu vollbringen. Notwendig hierzu ist einzig und allein - sich eine klare Urteilskraft zu bewahren und immer gerecht zu sein.
Ich bin mir darüber im Klaren, wie vorteilhaft normale geschäftliche Verbindungen sind, und ich unterhalte enge Beziehungen zur Regierung, obgleich ich eine Privatperson bin. Ich spreche als Privatperson. Wenn man mich schon einmal fragt, was einem Kontakt zwischen den USA und Rußland im Wege steht, so will ich ganz offen und mutig antworten, mit der gebührenden Achtung vor Herrn Stalin, ohne verletzend zu sein. Herr Stalin ist ein Mann, der sehr objektiv urteilt, und das erlaubt mir, um des Wohles beider Länder willen wie ein Mann zum anderen und ganz vertraulich zu reden. Wenn wir die offizielle Anerkennung hätten, dann würde es einen jeden hierher drängen, um auf der Grundlage von Kredit oder auf anderen Grundlagen Geschäfte zu tätigen, so, wie überall Geschäfte getätigt werden. Der Grund, weshalb sich die amerikanischen Firmen nicht dazu entschließen können, Geschäfte zu tätigen und einen langfristigen Kredit zu gewähren, liegt darin, dass Ihre Regierung durch unsere Washingtoner Regierung nicht anerkannt worden ist.
Der Hauptgrund hierfür ist jedoch nicht einfach der Misserfolg in der Frage der Anerkennung. Der Hauptgrund, glauben wir (und das wird er wohl auch sein), ist der, dass die Vertreter Ihrer Regierung in unserem Lande dauernd versuchen, Unzufriedenheit zu stiften und die Ideen der Sowjetmacht zu verbreiten.
Wir haben in unserem Lande die so genannte „Monroedoktrin“, die besagt, dass wir uns nicht in die Angelegenheiten irgendeines Landes der Welt einmischen wollen, dass wir uns ausschließlich mit unseren eigenen Angelegenheiten beschäftigen. Darum wollen wir nicht, dass sich irgendein Land, welches es auch sei - England, Frankreich, Deutschland, Rußland oder ein anderes -, in unsere persönlichen Angelegenheiten einmischt.
Rußland ist ein so riesiges Land, dass es alles, was sein ganzes Volk beschließt, selbständig verwirklichen kann. Rußland hat eigene Ressourcen jeder Art und, obwohl das mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, können die Russen ihre Ressourcen letzten Endes selbständig erschließen.
Es ist für uns ein angenehmes Gefühl, zu wissen, dass wir für das russische Volk in vieler Hinsicht ein Ideal sind, und ich denke, wir können ihm sehr nützlich sein, insbesondere, was die Zeitersparnis betrifft. Da wir viele wirtschaftliche Probleme gelöst haben und unsere Methoden von vielen Ländern, abgesehen von Rußland, übernommen werden, bedeuten derartige Unternehmungen, wie der Aufbau von Sowjetwirtschaften, eine Verstärkung der Handelsbeziehungen, und den Handelsbeziehungen wird schließlich auch die diplomatische Anerkennung auf irgendeiner gerechten Grundlage folgen. Der einzige Weg für die Nationen sowohl wie für einzelne Personen ist, sich offen, ohne verletzend zu sein, auszusprechen, und dann wird sehr schnell die Zeit für irgendwelche Übereinkünfte kommen. Je gebildeter wir werden, um so mehr überzeugen wir uns davon, dass wir mit Vernunft mehr erreichen können als mit anderen Mitteln. Große Völker können verschiedener Meinung sein, ohne dass sich die gegenseitigen Beziehungen zuspitzen, und große Männer gelangen in wichtigen Fragen zu einer Einigung. Sie beenden die Verhandlungen gewöhnlich mit einem bestimmten Elbereinkommen, indem sie einander entgegenkommen bis etwa zur Mitte des Weges - wie weit ihre Standpunkte, von denen sie ausgingen, anfangs auch voneinander entfernt gewesen sein mochten.
Genosse Stalin. Ich verstehe, dass die diplomatische Anerkennung den USA im gegenwärtigen Augenblick Schwierigkeiten bereitet. Die Vertreter der Sowjetregierung wurden in der Presse Amerikas so viel und so oft geschmäht, dass eine jähe Wendung schwierig ist. Ich persönlich halte die diplomatische Anerkennung im gegenwärtigen Augenblick nicht für entscheidend. Wichtig ist die Entwicklung von Handelsbeziehungen auf der Grundlage beiderseitiger Vorteile. Die Handelsbeziehungen bedürfen der Normalisierung, und wenn eine bestimmte juridische Basis hierfür geschaffen sein wird, so wäre das der erste und wichtigste Schritt auf dem Wege zur diplomatischen Anerkennung. Die Frage der diplomatischen Anerkennung wird sich von selbst lösen, sobald beide Seiten erkennen, dass diplomatische Beziehungen von Vorteil sind. Die wichtigste Grundlage sind die Handelsbeziehungen und ihre Normalisierung, die zur Schaffung bestimmter Rechtsnormen führt.
Gewiss, die Bodenschätze unseres Landes sind reich und mannigfaltig. Sie sind mannigfaltiger und reicher, als das offiziell bekannt ist, und unsere Forschungsexpeditionen finden ständig neue Ressourcen in unserem weiten Lande. Aber das ist nur die eine Seite unserer Möglichkeiten. Die andere Seite besteht darin, dass unsere Bauern und Arbeiter jetzt von dem früheren Joch der Gutsbesitzer und Kapitalisten befreit sind. Die Gutsbesitzer und Kapitalisten haben früher unproduktiv vergeudet, was heute im Lande verbleibt und die Kaufkraft innerhalb des Landes erhöht. Die Nachfrage steigt derart, dass unsere Industrie trotz ihrer raschen Entwicklung hinter der Nachfrage zurückbleibt. Die Nachfrage ist gewaltig, sowohl was den persönlichen Bedarf als auch was den Bedarf der Produktion anbetrifft. Das ist die zweite Seite unserer unbegrenzten Möglichkeiten.
Sowohl das eine als auch das andere bietet eine ernstliche Grundlage, um sowohl mit den USA als auch mit anderen entwickelten Ländern auf dem Gebiet des Handels und der Industrie Kontakt herzustellen.
Um die Frage, welcher Staat für diese Ressourcen und Möglichkeiten unseres Landes Kräfte aufwenden wird, um diese Frage führen die Staaten untereinander einen komplizierten Kampf. Leider halten sich die USA von diesem Kampf noch immer fern.
Die Deutschen schreien allerorts, dass die Lage der Sowjetmacht nicht stabil sei und dass man den sowjetischen Wirtschaftsorganisationen deshalb keine ernsthaften Kredite eröffnen dürfe. Gleichzeitig versuchen sie, die Handelsbeziehungen mit der UdSSR zu ihrem Monopol zu machen, indem sie der UdSSR Kredite eröffnen.
Eine Gruppe englischer Geschäftsleute führt bekanntlich ebenfalls eine wütende antisowjetische Kampagne. Zur gleichen Zeit unternimmt die gleiche Gruppe sowie die Gruppe McKenna den Versuch, Kredite für die UdSSR zu organisieren. Aus der Presse ist bereits bekannt, dass im Februar eine Delegation englischer Industrieller und Bankiers in die UdSSR kommen wird. Sie beabsichtigen, der Sowjetregierung ein umfassendes Projekt für Handelsbeziehungen und eine Anleihe vorzuschlagen.
Wie ist dieser Widerspruch in der Haltung der deutschen und englischen Geschäftsleute zu erklären? Er erklärt sich daraus, dass sie die Handelsbeziehungen mit der UdSSR zu einem Monopol in ihren Händen machen wollen, indem sie die USA abschrecken und beiseite schieben.
Indes ist für mich klar, dass die USA mehr Voraussetzungen haben, ausgedehnte geschäftliche Verbindungen mit der UdSSR anzuknüpfen, als irgendein anderes Land. Und das nicht nur darum, weil die USA an Technik und Kapitalien reich sind, sondern auch darum, weil unsere Wirtschaftler in keinem Land so herzlich und gastfreundlich aufgenommen werden wie in den USA.
Was die Propaganda betrifft, so muss ich ganz kategorisch erklären, dass kein Vertreter der Sowjetregierung das Recht hat, sich in die inneren Angelegenheiten des Landes, in dem er sich aufhält, einzumischen, weder direkt noch indirekt. In dieser Beziehung wurden unserem gesamten Angestelltenpersonal in den sowjetischen Institutionen in den USA die striktesten und strengsten Anweisungen gegeben. Ich bin davon überzeugt, dass Bron und seine Mitarbeiter nicht das geringste mit Propaganda, gleich welcher Art, zu tun haben. Hätte irgendeiner unserer Angestellten gegen die strikten Direktiven hinsichtlich der Nichteinmischung verstoßen, so wäre er sofort abberufen und bestraft worden. Wir können natürlich nicht die Verantwortung tragen für die Handlungen unbekannter und uns nicht unterstehender Personen. Aber wir können die Verantwortung übernehmen und ein Maximum von Garantien geben in Bezug auf die Nichteinmischung der Personen, die in unseren Institutionen im Auslande arbeiten.
Herr Campbell. Kann ich das Herrn Hoover mitteilen?
Genosse Stalin. Natürlich.
Herr Campbell. Wir wissen nicht, wer die Leute sind, die Unzufriedenheit stiften. Aber sie sind da. Die Polizei spürt sie und ihre Literatur auf. Ich kenne Bron, und ich bin davon überzeugt, dass er ein ehrlicher, aufrichtiger Herr ist, der ehrlich seines Amtes waltet. Aber irgendjemand ist da.
Genosse Stalin. Es ist möglich, dass in den USA von den Mitgliedern der amerikanischen Kommunistischen Partei Propaganda für die Sowjets betrieben wird. Aber diese Partei ist in den USA legal, sie beteiligt sich legal an den Präsidentschaftswahlen, stellt ihre eigenen Präsidentschaftskandidaten auf, und es ist völlig klar, dass wir uns auch in diesem Falle nicht in Ihre inneren Angelegenheiten einmischen können.
Herr Campbell. Ich habe keine weiteren Fragen. Übrigens, doch. Wenn ich in die USA zurückkehre, werden mich die Geschäftsleute fragen, ob man mit der UdSSR ohne Gefahr Geschäfte tätigen kann. Besonders die Maschinenbaugesellschaften werden sich für die Frage interessieren, welche Möglichkeiten für die Gewährung langfristiger Kredite bestehen. Kann ich eine positive Antwort geben? Kann ich Auskunft erhalten über die Maßnahmen, die von der Sowjetregierung gegenwärtig getroffen werden, um eine Garantie für Kreditabkommen zu schaffen, gibt es für diesen Zweck eine spezielle Steuer oder eine andere bestimmte Quelle?
Genosse Stalin. Ich wollte mein Land nicht loben. Da aber die Frage nun einmal gestellt worden ist, muss ich folgendes sagen. Es hat keinen einzigen Fall gegeben, da die Sowjetregierung oder die sowjetischen Wirtschaftsinstitutionen die Zahlungen für Kredite, gleich ob kurz- oder langfristige, nicht korrekt und fristgemäß geleistet hätten. Man könnte in Deutschland Erkundigungen darüber einziehen, wie wir die Zahlungen an die Deutschen für den 300-Millionen-Kredit leisten. Woher nehmen wir die Mittel für diese Zahlungen? Herr Campbell weiß, dass Geld nicht vom Himmel fällt. Unsere Landwirtschaft, Industrie, unser Handel, Holz, Erdöl, Gold, Platin usw. - das ist die Quelle für die Zahlungen. Das ist auch die Garantie für die Zahlungen. Ich will nicht, dass Herr Campbell mir aufs Wort glaubt. Er kann meine Behauptungen ja in Deutschland überprüfen. Er wird feststellen, dass es nicht ein einziges Mal eine Verzögerung in den Zahlungen gegeben hat, obwohl wir bisweilen tatsächlich so unerhörte Zinsen wie 15-20 Prozent zahlen mussten.
Was aber spezielle Garantien anbelangt, so bin ich der Meinung, dass es sich in Bezug auf die UdSSR erübrigt, ernsthaft darüber zu sprechen.
Herr Campbell. Natürlich, das erübrigt sich.
Genosse Stalin. Vielleicht wäre es nicht überflüssig, wenn ich Sie, streng vertraulich, von der Anleihe - nicht Kredit, sondern Anleihe - in Kenntnis setzte, die uns eine Gruppe englischer Bankiers, die Gruppe Balfour, Kingsley, angeboten hat.
Herr Campbell. Kann ich das Hoover mitteilen?
Genosse Stalin. Natürlich, jedoch nicht in der Presse veröffentlichen. Diese Gruppe von Bankiers schlägt folgendes vor:
Unsere Schulden an England berechnen sie mit zirka 400 Millionen Pfund Sterling.
Sie schlagen vor, diese Schulden auf 25 Prozent zu konsolidieren. Das heißt, statt 400 Millionen Pfund Sterling - 100 Millionen Pfund Sterling.
Gleichzeitig bieten sie uns eine Anleihe von 100 Millionen Pfund Sterling an.
Demnach werden sich unsere Schulden auf 200 Millionen Pfund Sterling belaufen, wobei die Zahlungen im Verlauf von einigen Jahrzehnten in Raten zu entrichten sind. Als Gegenleistung sollen wir dem britischen Maschinenbau den Vorzug geben. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Aufträge nur an England vergeben dürfen, aber wir sollen ihm den Vorzug geben.
Herr Campbell. Bedankt sich für das Interview und sagt, Genosse Stalin habe auf ihn den Eindruck eines gerechten, gut informierten, offenen Menschen gemacht. Er habe sich sehr gefreut, Gelegenheit gehabt zu haben, mit Genossen Stalin zu sprechen, und halte dieses Interview für historisch.
Genosse Stalin. Dankt Herrn Campbell für die Unterhaltung.
„Bolschewik“ Nr. 22, 30. November 1932.
Zum fünfzehnten Jahrestag der OGPU
Seite 141
Gruß den Mitarbeitern und Kämpfern der OGPU, die ehrlich und tapfer ihre Pflicht gegenüber der Arbeiterklasse und der Bauernschaft der Sowjetunion erfüllen!
Ich wünsche ihnen Erfolg bei dem komplizierten Werk der Ausrottung der Feinde der Diktatur des Proletariats!
Es lebe die OGPU, das gezückte Schwert der Arbeiterklasse!
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 350, 20. Dezember 1932.
1933
Vereinigtes Plenum des ZK und der ZKK der KPdSU(B)
Seite 143 - 209
7.-12. Januar 1933
Prawda“ Nr. 10 und 17, 10. und 17. Januar 1933.
- Die Ergebnisse des ersten Fünfjahrplans
- Die internationale Bedeutung des Fünfjahrplans
- Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans und der Weg zu ihrer Verwirklichung
- Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Industrie
- Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft
- Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern
- Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land
- Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet des Kampfes gegen die Überreste feindlicher Klassen
- Allgemeine Schlussfolgerungen
- Über die Arbeit auf dem Lande
Die Ergebnisse des ersten Fünfjahrplans
Bericht am 7. Januar 1933
I. Die internationale Bedeutung des Fünfjahrplans
Genossen!
Als der Fünfjahrplan das Licht der Welt erblickte, nahm man wohl kaum an, dass er von gewaltiger internationaler Bedeutung sein könnte. Im Gegenteil, viele glaubten, der Fünfjahrplan sei eine Sonderangelegenheit der Sowjetunion, eine wichtige und ernste, aber immerhin eine nationale Sonderangelegenheit der Sowjetunion.
Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass die internationale Bedeutung des Fünfjahrplans unermesslich ist. Die Geschichte hat gezeigt, dass der Fünfjahrplan keine Sonderangelegenheit der Sowjetunion ist, sondern eine Angelegenheit des gesamten internationalen Proletariats.
Schon lange bevor der Fünfjahrplan das Licht der Welt erblickte, in der Periode, als wir den Kampf gegen die Interventen zu Ende führten und uns anschickten, den Weg des wirtschaftlichen Aufbaus zu betreten, schon zu jener Zeit sagte Lenin, dass unser wirtschaftlicher Aufbau von großer internationaler Bedeutung sei, dass jeder Schritt vorwärts, den die Sowjetmacht auf dem Wege des wirtschaftlichen Aufbaus mache, in den allerverschiedensten Schichten der kapitalistischen Länder starken Widerhall finde und die Menschen in zwei Lager spalte - in das Lager der Anhänger der proletarischen Revolution und in das Lager ihrer Gegner.
Lenin sagte damals:
„Jetzt wirken wir auf die internationale Revolution hauptsächlich durch unsere Wirtschaftspolitik ein. Auf die Russische Sowjetrepublik sind die Augen aller gerichtet, aller Werktätigen in allen Ländern der Welt ohne jede Ausnahme und ohne jede Übertreibung. Das ist erreicht... Der Kampf ist im Weltmaßstab auf dieses Gebiet übertragen. Lösen wir diese Aufgabe, dann haben wir im internationalen Maßstab bestimmt und endgültig gewonnen. Deshalb erlangen die Fragen des wirtschaftlichen Aufbaus für uns eine ganz außerordentliche Bedeutung. An dieser Front müssen wir durch eine langsame, allmähliche - rasch geht es nicht -, aber stetige Steigerung und Vorwärtsbewegung den Sieg davontragen.“ (Siehe Bd. XXVI, S. 410/411, russ.[18])
Das wurde zu einer Zeit gesagt, als wir den Krieg gegen die Interventen zu Ende führten, als wir vom militärischen Kampf gegen den Kapitalismus zum Kampf an der Wirtschaftsfront, zur Periode des wirtschaftlichen Aufbaus übergingen.
Seitdem sind viele Jahre verflossen, und jeder Schritt der Sowjetmacht auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Aufbaus, jedes Jahr, jedes Vierteljahr hat die Richtigkeit dieser Worte des Genossen Lenin glänzend bestätigt.
Aber die glänzendste Bestätigung für die Richtigkeit der Worte Lenins ist der Fünfjahrplan unseres Aufbaus, die Entstehung dieses Plans, seine Entwicklung, seine Verwirklichung. Und in der Tat, offenbar hat kein einziger Schritt auf dem Wege des wirtschaftlichen Aufbaus in unserem Lande in den allerverschiedensten Schichten der kapitalistischen Länder Europas, Amerikas, Asiens einen solchen Widerhall gefunden wie die Frage des Fünfjahrplans, seiner Entwicklung, seiner Verwirklichung.
In der ersten Zeit wurde der Fünfjahrplan von der Bourgeoisie und ihrer Presse mit Spott. und Hohn aufgenommen. „Eine Phantasterei“, „ein Fieberwahn“,. „eine Utopie“, so tauften sie damals unseren Fünfjahrplan.
Nachher, als sich herauszustellen begann, dass die Verwirklichung des Fünfjahrplans reale Resultate zeitigt, fingen sie an, Sturm zu läuten, und behaupteten, der Fünfjahrplan bedrohe die Existenz der kapitalistischen Länder, seine Verwirklichung werde zur Überschwemmung der europäischen Märkte mit Waren, zu verstärktem Dumping und zur Vergrößerung der Arbeitslosigkeit führen.
Dann, als auch dieser gegen die Sowjetmacht angewandte Trick nicht die erhofften Resultate zeitigte, setzte eine Serie von Reisen aller möglichen Vertreter der verschiedensten Firmen, Presseorgane, Vereinigungen usw. nach der UdSSR ein, die mit eigenen Augen sehen wollten, was eigentlich in der UdSSR vorgeht. Ich spreche hier nicht von den Arbeiterdelegationen, die von Anfang an, gleich als der Fünfjahrplan veröffentlicht wurde, ihre Begeisterung für dieses Beginnen und für die Erfolge der Sowjetmacht zum Ausdruck brachten und ihre Bereitschaft zur Unterstützung der Arbeiterklasse der UdSSR bekundeten.
Seit dieser Zeit begann denn auch die Spaltung in der so genannten öffentlichen Meinung, in der bürgerlichen Presse, in den bürgerlichen Vereinigungen aller Art usw. Die einen behaupteten, dass der Fünfjahrplan vollständig gescheitert sei und dass die Bolschewiki am Rande des Abgrunds stünden. Die anderen versicherten im Gegenteil, wenn auch die Bolschewiki schlechte Leute seien, so gehe es bei ihnen mit dem Fünfjahrplan dennoch vorwärts, und sie würden allem Anschein nach ihr Ziel erreichen.
Es wird vielleicht nicht überflüssig sein, wenn ich Äußerungen verschiedener Organe der bürgerlichen Presse anführe.
Nehmen wir zum Beispiel die amerikanische Zeitung „The New York Times“.[Anmerkung 20] Ende November 1932 schrieb diese Zeitung:
„Der Fünfjahrplan der Industrie, der sich das Ziel gesetzt hat, das Gefühl für Proportion herauszufordern, und der seinem Ziel ‚ohne Rücksicht auf die Unkosten’ zustrebt, wie sich Moskau so häufig mit Stolz gerühmt hat, ist in Wirklichkeit kein Plan. Er ist eine Spekulation.“
Demnach wäre der Fünfjahrplan nicht einmal ein Plan, sondern eine leere Spekulation.
Weiter eine Äußerung der englischen bürgerlichen Zeitung „The Daily Telegraph“[Anmerkung 21] von Ende November 1932:
„Betrachten wir den Plan als Prüfstein für die ‚Planwirtschaft’, so müssen wir sagen, dass er vollständig gescheitert ist.“
Eine Äußerung der Zeitung „The New York Times“ im November 1932:
„Die Kollektivierung ist schmählich zusammengebrochen. Sie hat Rußland an den Rand der Hungersnot gebracht.“
Die Äußerung einer bürgerlichen Zeitung in Polen, der „Gazeta Polska“,[Anmerkung 22] vom Sommer 1932:
„Die Lage scheint zu zeigen, dass die Regierung der Sowjets mit ihrer Politik der Kollektivierung des Dorfes in eine Sackgasse geraten ist.“
Eine Äußerung der englischen bürgerlichen Zeitung „The Financial Times“[Anmerkung 23] vom November 1932:
„Stalin und seine Partei stehen infolge ihrer Politik vor dem Bankrott des Fünfjahrplansystems und dem Scheitern aller Aufgaben, die der Fünfjahrplan erfüllen sollte.“
Eine Äußerung der italienischen Zeitschrift „Politica“:[Anmerkung 24]
„Es wäre absurd anzunehmen, dass vier Jahre Arbeit eines 160-Millionen-Volkes, vier Jahre übermenschlicher wirtschaftlicher und politischer Anstrengungen eines Regimes von solcher Stärke wie das bolschewistische nichts geschaffen hätten. Im Gegenteil, sie haben viel geschaffen... Und trotzdem ist die Katastrophe da, sie ist eine jedermann offensichtliche Tatsache. Davon haben sich Freunde und Feinde, Bolschewiki und Antibolschewisten, die Oppositionellen von rechts und von links überzeugt.“
Schließlich noch die Äußerung der amerikanischen bürgerlichen Zeitschrift „Current History“:[Anmerkung 25]
„Ein Überblick über die heutigen Zustände in Rußland führt also zu der Schlussfolgerung, dass das Fünfjahrprogramm hinsichtlich der angekündigten Ziele und noch gründlicher hinsichtlich seiner grundlegenden sozialen Prinzipien gescheitert ist.“
So lauten die Äußerungen eines Teils der bürgerlichen Presse.
Es lohnt sich wohl kaum, die Verfasser dieser Ausführungen einer Kritik zu unterziehen. Ich glaube, dass es sich nicht lohnt. Es lohnt sich nicht, da diese „Starrköpfe“ zu jenem fossilen Menschenschlag des Mittelalters gehören, für den Tatsachen keine Bedeutung haben, und wie immer unser Fünfjahrplan verwirklicht werden mag - sie werden dennoch bei ihren Behauptungen bleiben.
Nehmen wir jetzt die Äußerungen anderer Presseorgane, ebenfalls aus dem bürgerlichen Lager.
Zunächst eine Äußerung der bekannten französischen bürgerlichen Zeitung „Le Temps“[Anmerkung 26] vom Januar 1932:
„Die UdSSR hat die erste Runde gewonnen, sie führt die Industrialisierung ohne Hilfe des ausländischen Kapitals durch.“
Eine Äußerung derselben Zeitung „Le Temps“ vom Sommer 1932:
„Der Kommunismus wird mit einem Sprung die Rekonstruktionsperiode durchmessen haben, die die kapitalistische Gesellschaftsordnung nur mit langsamen Schritten zu bewältigen gestattet... Was uns in Frankreich, wo der Grundbesitz unendlich zersplittert ist, besonders im Wege steht, ist die Unmöglichkeit, die Landwirtschaft zu mechanisieren. Die Sowjets lösen dieses Problem durch Industrialisierung der Landwirtschaft... Im Wettbewerb mit uns haben die Bolschewiki die Partie gewonnen.“
Eine Äußerung der englischen bürgerlichen Zeitschrift „The Round Table“:[Anmerkung 27]
„Die Errungenschaften des Fünfjahrplans sind eine erstaunliche Erscheinung. Die Traktorenwerke in Charkow und Stalingrad, das Automobilwerk AMO in Moskau, das Automobilwerk in Nishni-Nowgorod, das Dnjepr-Wasserkraftwerk, die gewaltigen Stahlgießereien in Magnitogorsk und Kusnezk, ein ganzes Netz von Maschinenbauwerken und chemischen Werken im Ural, der zu einem Sowjet-Ruhrgebiet wird - all diese und noch andere industrielle Errungenschaften im ganzen Lande zeugen davon, dass die Sowjetindustrie trotz aller Schwierigkeiten wie eine gut begossene Pflanze wächst und erstarkt... Der Fünfjahrplan hat die Grundlagen für die künftige Entwicklung geschaffen und hat die Macht der UdSSR außerordentlich gesteigert.“
Eine Äußerung der englischen bürgerlichen Zeitung „The Financial Times“:
„Die Erfolge im Maschinenbau stehen außer Zweifel. Die Lobpreisung dieser Erfolge in der Presse und in Reden ist durchaus nicht unbegründet. Man darf nicht vergessen, dass Rußland früher nur ganz einfache Maschinen und Geräte produziert hat. Die absolute Zahl der eingeführten Maschinen und Instrumente nimmt zwar auch jetzt noch zu; aber der Anteil der importierten Maschinen, im Vergleich mit den Maschinen, die in der UdSSR selbst hergestellt werden, wird immer geringer. Die UdSSR produziert jetzt alle für ihre Hütten- und Elektroindustrie nötigen Maschineneinrichtungen. Sie hat es fertig gebracht, eine eigene Automobilindustrie zu schaffen. Sie hat die Produktion von Geräten und Instrumenten aufgenommen, und zwar auf der ganzen Stufenleiter von den kleinsten Präzisionsinstrumenten bis zu den schwersten Pressen. Was die landwirtschaftlichen Maschinen betrifft, so ist die UdSSR nicht mehr von der Einfuhr aus dem Auslande abhängig. Zugleich trifft die Sowjetregierung Maßnahmen, damit die Verzögerungen in der Produktion von Kohle und Eisen der Erfüllung des Fünfjahrplans in vier Jahren nicht im Wege stehen. Es besteht kein Zweifel, dass die neu aufgebauten gewaltigen Betriebe eine bedeutende Steigerung der Produktion der Schwerindustrie sichern.“
Eine Äußerung der österreichischen bürgerlichen Zeitung „Neue Freie Presse“[Anmerkung 28] zu Beginn des Jahres 1932:
„Mag man den Bolschewismus verfluchen, aber man muss ihn kennen... Der Fünfjahrplan ist eine neue Größe, die in jede Wirtschaftsberechnung eingestellt werden muss.“
Eine Äußerung des englischen Kapitalisten Gibson Jarvie, des Vorsitzenden der Bankfirma „United Dominions Trust“, vom Oktober 1932:
„Ich möchte erklären, dass ich nicht Kommunist und nicht Bolschewik bin. Ich bin ausgesprochener Kapitalist und Individualist... Rußland schreitet vorwärts, während allzu viele von unseren Betrieben stilliegen und ungefähr drei Millionen Menschen unseres Volkes verzweifelt Arbeit suchen. Der Fünfjahrplan ist ins Lächerliche gezogen worden, und man hat sein Scheitern prophezeit. Aber man kann es als außer jedem Zweifel stehend betrachten, dass unter den Bedingungen des Fünfjahrplans mehr geleistet worden ist als vorgesehen war... In allen Industriestädten, die ich besucht habe, erstehen neue, nach einem bestimmten Plan aufgebaute Viertel mit breiten Straßen, grünen Boulevards und Parkanlagen, mit ganz modernen Häusern, Schulen, Krankenhäusern, Arbeiterklubs und den obligaten Kinderkrippen und Kindergärten, wo man für die Kinder der arbeitenden Mütter sorgt... Man versuche nicht, die russischen Pläne zu unterschätzen, und gebe sich nicht dem irrigen Glauben hin, dass die Sowjetregierung scheitern könne... Das heutige Rußland ist ein Land mit Seele und mit einem Ideal. Rußland ist ein Land von erstaunlicher Aktivität. Ich bin überzeugt, dass die Bestrebungen Rußlands gesund sind... Das Wichtigste ist vielleicht, dass die gesamte Jugend und die Arbeiter Rußlands etwas haben, was in den kapitalistischen Ländern heute leider fehlt, nämlich die Hoffnung.“
Eine Äußerung der amerikanischen bürgerlichen Zeitschrift „The Nation“[Anmerkung 29] vom November 1932:
„In den vier Jahren des Fünfjahrplans sind wahrlich erstaunliche Erfolge erzielt worden. Die Sowjetunion arbeitete mit einer Intensität, wie sie sonst nur in Kriegszeiten üblich ist, an der Erfüllung der schöpferischen Aufgabe, die Grundlagen für ein neues Leben zu schaffen. Das Bild des Landes ändert sich buchstäblich bis zur Unkenntlichkeit... Das gilt von Moskau mit seinen Hunderten von neu asphaltierten Straßen und Plätzen, mit seinen neuen Häusern, neuen Vororten und dem Ring neuer Fabriken in den Vorstädten. Das gilt ebenso von weniger bedeutenden Städten. In Steppen und Wüsten sind neue Städte erstanden, und zwar nicht nur einige, sondern mindestens 50 mit einer Bevölkerungszahl von 50000 bis 250000 Menschen. Sie alle sind in den letzten vier Jahren erstanden, in jeder von ihnen finden wir einen neuen Betrieb oder eine Reihe von Betrieben, die zur Verarbeitung der Naturschätze erbaut wurden. Hunderte von neuen Überlandkraftwerken und eine ganze Reihe von Giganten wie das Dnjepr-Kraftwerk setzen allmählich Lenins Formel in die Tat um: ‚Sozialismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung’... Die Sowjetunion hat jetzt die Massenproduktion einer unendlichen Zahl von Gegenständen in Angriff genommen, die Rußland vorher nie erzeugt hat: Traktoren, Mähdrescher, Qualitätsstahl, synthetischer Kautschuk, Kugellager, mächtige Dieselmotoren, 50000-Kilowatt-Turbinen, Telefonanlagen, elektrische Maschinen für den Bergbau, Flugzeuge, Automobile, Fahrräder und einige Hundert neuer Maschinentypen... Zum ersten Mal in der Geschichte werden in Rußland Aluminium, Magnesit, Apatite, Jod, Pottasche und viele andere wertvolle Produkte gewonnen. Nicht die Kuppeln und Kreuze der Kirchen sind nunmehr Wegweiser auf dem flachen Lande in der Sowjetunion, sondern Getreideelevatoren und Silotürme. Die Kollektivwirtschaften bauen Häuser, Stallungen und richten Schweinefarmen ein. Die Elektrizität dringt in das Dorf ein, das vom Radio und von der Presse erobert worden ist. Die Arbeiter lernen an den modernsten Maschinen arbeiten. Bauernburschen bauen und bedienen landwirtschaftliche Maschinen, die größer und komplizierter sind, als sie Amerika jemals gesehen hat. Rußland beginnt ‚in Maschinen zu denken’. Rußland geht rasch vom Zeitalter des Holzes zum Zeitalter des Eisens, des Stahls, des Betons, der Motoren über.“
Eine Äußerung der „links“-reformistischen Zeitschrift „Forward“[Anmerkung 30] in England vom September 1932:
„Die gewaltige Bauarbeit, die in der UdSSR geleistet wird, springt in die Augen. Neue Fabriken, neue Schulen, neue Kinotheater, neue Klubs, neue Großbauten - überall Neubauten. Viele sind schon fertig, andere stecken noch im Baugerüst. Es ist schwer, dem englischen Leser genau begreiflich zu machen, was in den letzten zwei Jahren geleistet worden ist und was weiter geleistet wird. Man muss es sehen, um es zu glauben. Unsere eigenen Errungenschaften während der Kriegszeit sind eine Bagatelle im Vergleich mit dem, was in der UdSSR geleistet wird. Die Amerikaner gestehen, dass es selbst zur Zeit der ungestümen Bautätigkeit in den Weststaaten nichts gegeben hat, was der gegenwärtigen fieberhaften Schöpfertätigkeit in der UdSSR gliche. In den letzten zwei Jahren sind so viele Veränderungen in der UdSSR vor sich gegangen, dass man es aufgibt, sich vorzustellen, was in diesem Lande nach zehn Jahren sein wird... Man schlage sich also die phantastischen Greuelgeschichten der englischen Zeitungen, die so hartnäckig unsinnige Lügen über die UdSSR verbreiten, aus dem Kopf. Man schlage sich auch alle halben Wahrheiten und auf Unverständnis beruhenden Eindrücke aus dem Kopf, deren Urheber dilettantenhafte Intellektuelle sind, die durch die Brille der Mittelklasse herablassend auf die UdSSR schauen, ohne die geringste Ahnung davon zu haben, was dort vorgeht... Die UdSSR baut eine neue Gesellschaft auf einer gesunden Grundlage auf. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man ein Risiko eingehen, muss man mit Enthusiasmus arbeiten, mit einer Energie, wie sie die Welt bisher noch nicht gekannt hat, muss man mit ungeheuren Schwierigkeiten kämpfen, die unvermeidlich sind, wenn man den Sozialismus in einem gewaltigen, von der übrigen Welt isolierten Lande errichten will. Als ich aber zum zweiten Mal in zwei Jahren das Land besuchte, da sah ich, dass es den Weg des sicheren Fortschritts geht, dass es plant, schafft und baut - und all dies in einem Maßstab, der eine eindrucksvolle Herausforderung an die feindselige kapitalistische Welt ist.“
Solcherart sind die einander widersprechenden Meinungen und der Zwiespalt im Lager der bürgerlichen Kreise. Die einen sind für die Vernichtung der UdSSR mit ihrem angeblich gescheiterten Fünfjahrplan, die anderen aber sind offensichtlich für Handelsbeziehungen mit der UdSSR, augenscheinlich in der Berechnung, dass sie aus den Erfolgen des Fünfjahrplans auch für sich einigen Nutzen werden ziehen können.
Eine ganz andere Frage, ist die Stellungnahme der Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder zum Fünfjahrplan, zu den Erfolgen des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR. Man kann sich hier auf die Wiedergabe der Äußerung einer der vielen Arbeiterdelegationen beschränken, die jährlich in die UdSSR kommen, zum Beispiel auf die Äußerung der belgischen Arbeiterdelegation. Diese Äußerung ist für alle Arbeiterdelegationen ohne Ausnahme charakteristisch, gleichviel, ob es sich um englische oder französische, deutsche oder amerikanische, oder um Delegationen aus anderen Ländern handelt. Sie lautet:
„Wir sind begeistert von dem gewaltigen Aufbau, den wir auf unserer Reise beobachtet haben. In Moskau ebenso wie in Makejewka, Gorlowka, Charkow und Leningrad konnten wir feststellen, mit welchem Enthusiasmus dort gearbeitet wird. Die Maschinen sind alle von modernster Konstruktion. In den Betrieben ist alles sauber, viel Luft und Licht. Wir haben gesehen, wie in der UdSSR den Arbeitern ärztliche und sanitäre Hilfe erwiesen wird. Die Arbeiterwohnungen sind in der Nähe der Betriebe erbaut. Die Arbeitersiedlungen haben ihre Schulen und Kinderkrippen; für die Kinder wird außerordentlich gut gesorgt. Wir konnten den Unterschied zwischen den alten und den neu erbauten Betrieben, zwischen den alten und den neuen Wohnungen sehen. Alles, was wir gesehen haben, hat uns eine klare Vorstellung von der gewaltigen Kraft der Werktätigen gegeben, die unter Führung der Kommunistischen Partei eine neue Gesellschaft aufbauen. Wir haben in der UdSSR einen großen kulturellen Aufschwung festgestellt, während in den anderen Ländern auf allen Gebieten Verfall und Arbeitslosigkeit herrschen. Wir konnten sehen, auf welch ungeheure Schwierigkeiten die Werktätigen in der Sowjetunion auf ihrem Wege stoßen. Umso mehr verstehen wir den Stolz, mit dem sie auf ihre Siege weisen. Wir sind überzeugt, dass sie alle Hindernisse überwinden werden.“
Das ist also die internationale Bedeutung des Fünfjahrplans. Es genügten zwei bis drei Jahre unserer Aufbauarbeit, es genügte, dass die ersten Erfolge des Fünfjahrplans sichtbar wurden, und schon spaltete sich die ganze Welt in zwei Lager, in das Lager der Menschen, die uns unaufhörlich ankläffen, und in das Lager der Menschen, die von den Erfolgen unseres Fünfjahrplans in Staunen versetzt werden, ganz davon zu schweigen, dass wir auch unser eigenes, in ständigem Wachsen begriffenes Lager in der ganzen Welt haben, das Lager der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern, das sich über die Erfolge der Arbeiterklasse der UdSSR freut und bereit ist, zum Schrecken der Bourgeoisie der ganzen Welt, die UdSSR zu unterstützen.
Was bedeutet all dies?
Das bedeutet, dass die internationale Bedeutung des Fünfjahrplans, die internationale Bedeutung seiner Erfolge und Errungenschaften nicht in Zweifel gezogen werden kann.
Das bedeutet, dass die kapitalistischen Länder mit der proletarischen Revolution schwanger gehen, und eben weil sie mit der proletarischen Revolution schwanger gehen, möchte die Bourgeoisie aus Misserfolgen des Fünfjahrplans ein neues Argument gegen die Revolution schöpfen, während das Proletariat, im Gegenteil, aus den Erfolgen des Fünfjahrplans ein neues Argument für die Revolution, gegen die Bourgeoisie der ganzen Welt zu schöpfen sucht und auch wirklich schöpft.
Die Erfolge des Fünfjahrplans mobilisieren die revolutionären Kräfte der Arbeiterklasse aller Länden- gegen den Kapitalismus - das ist eine unbestreitbare Tatsache.
Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass die internationale revolutionäre Bedeutung des Fünfjahrplans in der Tat unermesslich ist.
Mit umso größerer Aufmerksamkeit müssen wir die Frage des Fünfjahrplans, des Inhalts des Fünfjahrplans, der grundlegenden Aufgaben des Fünfjahrplans behandeln.
Mit umso größerer Gründlichkeit müssen wir die Ergebnisse des Fünfjahrplans, die Ergebnisse der Durchführung und Verwirklichung des Fünfjahrplans analysieren.
II. Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans und der Weg zu ihrer Verwirklichung
Gehen wir nun zur Frage des Fünfjahrplans selbst über.
Was ist der Fünfjahrplan?
Worin bestand die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans?
Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, unser Land mit seiner rückständigen, mitunter mittelalterlichen Technik auf die Bahnen der neuen, der modernen Technik überzuleiten.
Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, die UdSSR aus einem Agrarland, einem machtlosen, von den Launen der kapitalistischen Länder abhängigen Land in ein Industrieland, in ein mächtiges, völlig selbständiges und von den Launen des internationalen Kapitalismus unabhängiges Land zu verwandeln.
Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, durch Verwandlung der UdSSR in ein Industrieland die kapitalistischen Elemente restlos zu verdrängen, die Front der sozialistischen Wirtschaftsformen zu erweitern und die ökonomische Basis für die Aufhebung der Klassen in der UdSSR, für die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft zu schaffen.
Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, in unserem Lande eine Industrie zu schaffen, die imstande sein würde, nicht allein die ganze Industrie, sondern auch das Verkehrswesen und die Landwirtschaft auf der Grundlage des Sozialismus neu auszurüsten und zu reorganisieren.
Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, die kleine und zersplitterte Landwirtschaft auf die Bahnen des kollektiven Großbetriebs überzuleiten, dadurch die ökonomische Basis des Sozialismus im Dorfe sicherzustellen und auf diese Weise die Möglichkeit der Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR zu beseitigen.
Schließlich bestand die Aufgabe des Fünfjahrplans darin, im Lande alle notwendigem technischen und ökonomischen Voraussetzungen zu schaffen, um die Verteidigungskraft des Landes maximal zu heben und so die Organisierung der entschiedenen Abwehr aller und jeglicher Versuche einer militärischen Intervention von außen, aller und jeglicher Versuche eines militärischen Überfalls von außen zu ermöglichen.
Wodurch wurde diese grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans geboten, wodurch war sie begründet?
Durch die Notwendigkeit, die technische und wirtschaftliche Rückständigkeit der Sowjetunion zu beseitigen, die sie zu einem nicht gerade beneidenswerten Dasein verurteilte; durch die Notwendigkeit, im Lande die Voraussetzungen zu schaffen, die es ihm ermöglichen würden, die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in technisch-ökonomischer Hinsicht nicht nur einzuholen, sondern mit der Zeit auch zu überholen.
Durch die Erwägung, dass die Sowjetmacht nicht lange auf einer rückständigen Industrie basieren kann, dass nur eine moderne Großindustrie, die der Industrie der kapitalistischen Länder nicht nur nicht nachsteht, sondern sie mit der Zeit zu überflügeln vermag, der Sowjetmacht als wirkliches und zuverlässiges Fundament dienen kann.
Durch die Erwägung, dass die Sowjetmacht nicht lange auf zwei entgegengesetzten Grundlagen basieren kann, auf der sozialistischen Großindustrie, die die kapitalistischen Elemente vernichtet, und auf der kleinen bäuerlichen Einzelwirtschaft, die die kapitalistischen Elemente erzeugt.
Durch die Erwägung, dass, solange die Landwirtschaft nicht auf die Basis der Großproduktion gestellt ist, solange die bäuerlichen Kleinwirtschaften nicht zu kollektiven Großwirtschaften vereinigt sind, die Gefahr der Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR die realste von allen Gefahren ist.
Lenin sagte:
„Die Revolution bewirkte, dass Rußland in einigen Monaten seinem politischen System nach die fortgeschrittenen Länder eingeholt hat.
Aber das ist zuwenig. Der Krieg ist unerbittlich, er stellt die Frage mit schonungsloser Schärfe: entweder untergehen oder die fortgeschrittenen Länder auch ökonomisch einholen und überholen... Untergehen oder mit Volldampf vorwärts stürmen. So wird die Frage von der Geschichte gestellt.“ (Siehe Bd. XXI, S. 191.[19])
Lenin sagte:
„Solange wir in einem kleinbäuerlichen Lande leben, besteht für den Kapitalismus in Rußland eine festere ökonomische Basis als für den Kommunismus. Das darf man nicht vergessen. Jeder, der das Leben auf dem Lande aufmerksam beobachtet und es mit dem Leben in der Stadt verglichen hat, weiß, dass wir den Kapitalismus nicht mit den Wurzeln ausgerottet und dem inneren Feind das Fundament, den Boden nicht entzogen haben. Dieser Feind behauptet sich dank dem Kleinbetrieb, und um ihm den Boden zu entziehen, gibt es nur ein Mittel: die Wirtschaft des Landes, auch die Landwirtschaft, auf eine neue technische Grundlage, auf die technische Grundlage der modernen Großproduktion, zu stellen... Erst dann, wenn das Land elektrifiziert ist, wenn die Industrie, die Landwirtschaft und das Verkehrswesen eine moderne groß-industrielle technische Grundlage erhalten, erst dann werden wir endgültig gesiegt haben.“ (Siehe Bd. XXVI, S. 46/47.[20])
Diese Leitsätze wurden denn auch den Erwägungen der Partei zugrunde gelegt, die zur Ausarbeitung des Fünfjahrplans, zur Festlegung der grundlegenden Aufgabe des Fünfjahrplans geführt haben.
So steht es mit der grundlegenden Aufgabe des Fünfjahrplans.
Die Verwirklichung eines solchen grandiosen Plans kann jedoch nicht aufs Geratewohl in Angriff genommen werden. Um einen solchen Plan zu verwirklichen, musste man vor allem das Hauptkettenglied des Plans finden, denn erst als das Hauptkettenglied gefunden und erfasst worden war, konnten auch alle übrigen Kettenglieder des Plans nachgezogen werden.
Worin bestand das Hauptkettenglied des Fünfjahrplans?
Das Hauptkettenglied des Fünfjahrplans bestand in der Schwerindustrie mit ihrem Herzstück, dem Maschinenbau. Denn nur die Schwerindustrie ist imstande, sowohl die gesamte Industrie als auch das Verkehrswesen und die Landwirtschaft zu rekonstruieren und auf die Beine zu stellen. Die Verwirklichung des Fünfjahrplans musste denn auch mit der Schwerindustrie begonnen werden. Folglich musste die Wiederherstellung der Schwerindustrie der Verwirklichung des Fünfjahrplans zugrunde gelegt werden.
Auch in dieser Hinsicht haben wir Hinweise von Lenin:
„Die Rettung für Rußland ist nicht nur eine gute Ernte in der Bauernwirtschaft - das ist zuwenig - und nicht nur ein guter Zustand der Leichtindustrie, die der Bauernschaft Gebrauchsgegenstände liefert - das ist ebenfalls zuwenig -, wir brauchen auch eine Schwerindustrie... Ohne Rettung der Schwerindustrie, ohne ihre Wiederherstellung können wir keinerlei Industrie aufbauen, ohne diese aber werden wir überhaupt als selbständiges Land zugrunde gehen... Die Schwerindustrie braucht Staatssubsidien. Wenn wir sie nicht finden, so gehen wir als zivilisierter Staat - ich sage schon gar nicht als sozialistischer - zugrunde.“ (Siehe Bd. XXVII, S. 349.[21])
Die Wiederherstellung und Entwicklung der Schwerindustrie ist aber, besonders in einem so rückständigen und armen Lande, wie es unser Land zu Beginn des Fünfjahrplans war, die schwierigste Sache, denn die Schwerindustrie erfordert bekanntlich gewaltige finanzielle Aufwendungen und das Vorhandensein eines gewissen Minimums an erfahrenen technischen Kräften, ohne die, allgemein gesprochen, die Wiederherstellung der Schwerindustrie unmöglich ist. Wusste dies die Partei und hat sie sich darüber Rechenschaft gegeben? Ja, sie wusste es. Und sie wusste es nicht nur, sondern sie verkündete es auch laut und vernehmlich. Die Partei wusste, auf welchem Wege die Schwerindustrie in England, Deutschland und Amerika aufgebaut worden war. Sie wusste, dass die Schwerindustrie in diesen Ländern entweder mit Hilfe von großen Anleihen oder durch Ausplünderung anderer Länder, oder auf beiden Wegen gleichzeitig aufgebaut worden war. Die Partei wusste, dass diese Wege unserem Lande verschlossen sind. Worauf rechnete sie nun? Sie rechnete auf die eigenen Kräfte unseres Landes. Sie rechnete darauf, dass wir, die wir die Sowjetmacht haben und uns auf die Nationalisierung des Grund und Bodens, der Industrie, des Verkehrswesens, der Banken und des Handels stützen, das strengste Sparsamkeitsregime durchführen können, um genügend Mittel zu akkumulieren, die für die Wiederherstellung und Entwicklung der Schwerindustrie notwendig sind. Die Partei erklärte offen, dass dieses Werk große Opfer erfordern wird und dass wir, ohne etwas zu verhehlen, bewusst zu diesen Opfern bereit sein müssen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Die Partei rechnete darauf, dieses Werk mit den inneren Kräften unseres Landes, ohne knechtende Auslandskredite und -anleihen, zu vollbringen.
Lenin sagte darüber folgendes:
„Wir müssen danach streben, einen Staat aufzubauen, in dem die Arbeiter die Führung über die Bauern behaupten, sich das Vertrauen der Bauern bewahren und durch größte Sparsamkeit jede Spur jedweden überflüssigen Aufwandes aus ihrer Gesellschaftsordnung ausmerzen.
Wir müssen unseren Staatsapparat auf die größte Sparsamkeit einstellen. Wir müssen jede Spur überflüssigen Aufwandes aus ihm ausmerzen, der sich in ihm vom zaristischen Rußland, von seinem bürokratischen kapitalistischen Apparat in so großem Maße noch erhalten hat.
Wird das nicht ein Reich bäuerlicher Beschränktheit sein?
Nein. Wenn wir der Arbeiterklasse die Führung über die Bauernschaft erhalten, dann wird es uns um den Preis der größten, der allergrößten Sparsamkeit in der Wirtschaft unseres Staates möglich sein, zu erreichen, dass jede noch so kleine Ersparnis für die Entwicklung unserer maschinellen Großindustrie, für die Entwicklung der Elektrifizierung, der Torfgewinnung im Pumpverfahren, für die Fertigstellung des Baus der Wolchowkraftwerke usw. erhalten bleibt.
Darin, und nur darin, wird unsere Hoffnung liegen. Nur dann werden wir imstande sein, um es bildlich auszudrücken, uns von dem einen Pferd auf das andere zu setzen, nämlich von dem Bauernklepper, von dem heruntergekommenen Gaul des Mushik, dem Pferd der Sparmaßnahmen, die auf ein verarmtes Bauernland berechnet sind - auf ein Pferd, wie es das Proletariat für sich sucht und suchen muss, auf das Pferd der maschinellen Großindustrie, der Elektrifizierung, der Wolchowkraftwerke usw.“ (Siehe Bd. XXVII, S. 417.[22])
Sich von dem heruntergekommenen Bauernklepper auf das Pferd der maschinellen Großindustrie zu setzen - das war das Ziel, das die Partei bei der Ausarbeitung des Fünfjahrplans und beim Kampf für dessen Verwirklichung verfolgte.
Einführung des strengsten Sparsamkeitsregimes und Akkumulation der für die Finanzierung der Industrialisierung unseres Landes notwendigen Mittel - das war der Weg, der beschritten werden musste, um die Schaffung der Schwerindustrie und die Verwirklichung des Fünfjahrplans zu erreichen.
Eine kühne Aufgabe? Ein schwieriger Weg? Aber unsere Partei heißt eben deshalb die Partei Lenins, weil sie nicht das Recht hat, Schwierigkeiten zu fürchten.
Mehr noch. Die Partei war davon, dass der Fünfjahrplan verwirklicht werden kann, so fest überzeugt, und ihr Glaube an die Kraft der Arbeiterklasse war so stark, dass sie es für möglich hielt, sich die Aufgabe zu stellen, dieses schwierige Werk nicht in fünf Jahren zu verwirklichen, wie dies der Fünfjahrplan verlangte, sondern in vier Jahren, eigentlich in vier Jahren und drei Monaten, wenn wir das Sonderquartal mitrechnen.
Auf dieser Grundlage entstand denn auch die berühmte Losung „Fünfjahrplan in vier Jahren“.
Und was geschah?
Die Tatsachen haben in der Folge gezeigt, dass die Partei Recht hatte.
Die Tatsachen haben gezeigt, dass ohne diese Kühnheit und ohne diesen Glauben an die Kräfte der Arbeiterklasse die Partei jenen Sieg nicht hätte erringen können, auf den wir jetzt mit Recht stolz sind.
III. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Industrie
Gehen wir nun zu den Ergebnissen der Verwirklichung des Fünfjahrplans über.
Welches sind die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Industrie?
Haben wir auf diesem Gebiet den Sieg errungen?
Ja, das haben wir. Und wir haben nicht allein den Sieg errungen, sondern sogar mehr getan, als wir selbst erwartet hatten, als die größten Heißsporne in unserer Partei erwarten konnten. Das stellen jetzt selbst die Feinde nicht in Abrede. Umso weniger können das unsere Freunde in Abrede stellen.
Wir hatten keine Eisenhüttenindustrie, diese Grundlage der Industrialisierung des Landes. Jetzt haben wir sie.
Wir hatten keine Traktorenindustrie. Jetzt haben wir sie.
Wir hatten keine Automobilindustrie. Jetzt haben wir sie.
Wir hatten keinen Werkzeugmaschinenbau. Jetzt haben wir ihn.
Wir hatten keine ernst zu nehmende, keine moderne chemische Industrie. Jetzt haben wir sie.
Wir hatten keine wirkliche und ernst zu nehmende Industrie zur Herstellung moderner landwirtschaftlicher Maschinen. Jetzt haben wir sie. Wir hatten keine Flugzeugindustrie. Jetzt haben wir sie.
In der Erzeugung elektrischer Energie standen wir auf dem letzten Platz. Jetzt sind wir auf einen der ersten Plätze vorgerückt.
In der Erzeugung von Erdölprodukten und in der Kohlenförderung standen wir auf dem letzten Platz. Jetzt sind wir auf einen der ersten Plätze vorgerückt.
Wir hatten nur eine einzige Kohlen- und Hüttenbasis, und zwar in der Ukraine, eine Basis, mit der wir mit Mühe zurechtkamen. Wir haben erreicht, dass wir nicht nur diese Basis hochgebracht, sondern auch eine neue Kohlen- und Hüttenbasis im Osten geschaffen haben, die der Stolz unseres Landes ist.
Wir hatten nur eine einzige Basis der Textilindustrie, und zwar im Norden unseres Landes. Wir haben erreicht, dass wir in der nächsten Zeit zwei neue Zentren der Textilindustrie, in Mittelasien und in Westsibirien, haben werden.
Und wir haben diese neuen, gewaltigen Industriezweige nicht nur geschaffen, sondern haben sie in einem solchen Maßstab und in einem solchen Umfang geschaffen, dass vor ihnen Maßstab und Umfang der europäischen Industrien verblassen.
All das hat dazu geführt, dass die kapitalistischen Elemente aus der Industrie endgültig und unwiderruflich verdrängt worden sind und die sozialistische Industrie zur einzigen Form der Industrie in der UdSSR geworden ist.
All das hat dazu geführt, dass unser Land aus einem Agrarland zu einem Industrieland geworden ist, denn der Anteil der Industrieproduktion an der Gesamtproduktion stieg im Verhältnis zur Produktion der Landwirtschaft von 48 Prozent zu Beginn des Fünfjahrplans (1928) auf 70 Prozent am Ende des vierten Jahres des Fünfjahrplans (1932).
All das hat dazu geführt, dass es uns am Ende des vierten Jahres des Fünfjahrplans gelungen ist, das Programm der gesamten Industrieproduktion, das auf fünf Jahre berechnet war, zu 93,7 Prozent zu erfüllen, wodurch wir den Umfang der Industrieproduktion im Vergleich mit dem Vorkriegsniveau auf mehr als das Dreifache und im Vergleich mit 1928 auf mehr als das Doppelte erhöht haben. Was das Produktionsprogramm der Schwerindustrie betrifft, so haben wir den Fünfjahrplan zu 108 Prozent erfüllt.
Allerdings fehlen zur Erfüllung des Gesamtprogramms des Fünfjahrplans 6 Prozent. Das aber ist damit zu erklären, dass wir infolge der Weigerung einiger Nachbarländer, Nichtangriffspakte mit uns abzuschließen, und infolge der Verwicklungen im Fernen Osten[Anmerkung 31] gezwungen waren, zur Stärkung der Verteidigungskraft eine Reihe von Betrieben eiligst auf die Erzeugung von modernen Verteidigungsmitteln umzustellen. Diese Umstellung aber hat, da eine gewisse Vorbereitungsperiode durchzumachen war, dazu geführt, dass diese Betriebe ihre Produktion für vier Monate einstellten, was sich auf die Erfüllung des gesamten Produktionsprogramms des Fünfjahrplans im Laufe des Jahres 1932 auswirken musste. Diese Operation führte dazu, dass wir die Lücken auf dem Gebiet der Verteidigungskraft des Landes restlos ausgefüllt haben. Sie musste sich aber auf die Erfüllung des Produktionsprogramms des Fünfjahrplans ungünstig auswirken. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass wir, wäre dieser Umstand nicht dazwischengekommen, die Gesamtproduktionszahlen des Fünfjahrplans nicht nur erfüllt, sondern bestimmt auch übererfüllt hätten.
Schließlich hat all das dazu geführt, dass die Sowjetunion sich aus einem schwachen und zur Verteidigung nicht gerüsteten Land in ein im Sinne der Verteidigungskraft mächtiges Land verwandelt hat, in ein Land, das gegen alle Zufälligkeiten gewappnet ist, in ein Land, das alle modernen Verteidigungsmittel in Massenumfang herstellen und seine Armee bei einem Überfall von außen mit ihnen versorgen kann.
Das sind im Großen und Ganzen die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Industrie.
Urteilen Sie jetzt selbst, was nach alledem von dem Geschwätz der bürgerlichen Presse vom „Scheitern“ des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Industrie zu halten ist.
Und wie steht es in den kapitalistischen Ländern, die jetzt eine schwere Krise durchmachen, um das Wachstum der Industrieproduktion? Hier die jedermann bekannten offiziellen Angaben.
Während der Umfang der Industrieproduktion der UdSSR bis Ende 1932 im Vergleich zum Torkriegsstand auf 334 Prozent gewachsen ist, ist in dem gleichen Zeitraum die Industrieproduktion der Vereinigten Staaten auf 84 Prozent des Vorkriegsstandes, Englands auf 75, Deutschlands auf 62 Prozent zurückgegangen.
Während der Umfang der Industrieproduktion der UdSSR bis Ende 1932 im Vergleich mit dem Stand von 1928 auf 219 Prozent gewachsen ist, ist in dem gleichen Zeitraum die Industrieproduktion der Vereinigten Staaten auf 56 Prozent, Englands auf 80, Deutschlands auf 55 und Polens auf 54 Prozent zurückgegangen.
Was besagen diese Angaben anderes, als dass das kapitalistische System der Industrie im Wettstreit mit dem Sowjetsystem die Probe nicht bestanden hat, dass das Sowjetsystem der Industrie in jeder Hinsicht dem kapitalistischen System überlegen ist.
Man sagt uns, all das sei recht schön, es seien viele neue Betriebe gebaut und die Grundlagen der Industrialisierung geschaffen worden. Es wäre jedoch weitaus besser gewesen, auf die Politik der Industrialisierung, auf die Politik der Erweiterung der Erzeugung von Produktionsmitteln zu verzichten oder wenigstens diese Aufgabe in den Hintergrund zu rücken, um mehr Kattun, Schuhe, Kleider und andere Massenbedarfsartikel herzustellen.
Es sind tatsächlich weniger Massenbedarfsartikel erzeugt worden als benötigt werden, und das schafft gewisse Schwierigkeiten. Aber man muss wissen und sich Rechenschaft darüber ablegen, wohin uns eine Politik, die die Industrialisierungsaufgaben in den Hintergrund rückt, geführt hätte. Natürlich hätten wir von den eineinhalb Milliarden Rubel in Valuta, die während dieser Periode für die Ausrüstung unserer Schwerindustrie aufgewandt wurden, die Hälfte für den Import von Baumwolle, Leder, Wolle, Kautschuk usw. verwenden können. Wir hätten dann mehr Kattun, Schuhe, Kleider. Aber wir hätten dann weder eine Traktorenindustrie noch eine Automobilindustrie, hätten keine einigermaßen bedeutende Eisenhüttenindustrie, wir hätten kein Metall für den Maschinenbau und stünden der mit moderner Technik ausgerüsteten kapitalistischen Umwelt wehrlos gegenüber.
Wir hätten uns dann der Möglichkeit beraubt, die Landwirtschaft mit Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen zu versorgen, säßen also ohne Brot da.
Wir hätten uns der Möglichkeit beraubt, den Sieg über die kapitalistischen Elemente im Lande zu erringen, hätten also die Chancen für eine Restauration des Kapitalismus unermesslich erhöht.
Wir hätten dann nicht alle die modernen Verteidigungsmittel, ohne die die staatliche Unabhängigkeit eines Landes unmöglich ist, ohne die sich ein Land in ein Objekt der Kriegshandlungen auswärtiger Feinde verwandelt. Unsere Lage wäre dann der Lage des heutigen Chinas mehr oder weniger ähnlich, das keine eigene Schwerindustrie, keine eigene Kriegsindustrie hat und das jetzt von allen, denen es nur gefällt, gerupft wird.
Mit einem Wort: Wir hätten in diesem Fall eine militärische Intervention, keine Nichtangriffspakte, sondern den Krieg, einen gefährlichen Krieg auf Tod und Leben, einen blutigen und ungleichen Krieg, denn in diesem Kriege hätten wir den Feinden, denen alle modernen Angriffsmittel zur Verfügung stehen, fast wehrlos gegenübergestanden.
So liegen die Dinge, Genossen.
Es ist klar, dass eine Staatsmacht, die etwas auf sich hält, eine Partei, die etwas auf sich hält, einen solchen verderblichen Standpunkt nicht einnehmen konnte.
Und eben weil die Partei eine solche antirevolutionäre Einstellung verworfen hat, eben deshalb hat sie einen entscheidenden Sieg bei der Erfüllung des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Industrie errungen.
Bei der Verwirklichung des Fünfjahrplans und bei der Organisierung des Sieges auf dem Gebiet des industriellen Aufbaus hat die Partei die Politik des maximal beschleunigten Tempos der Entwicklung der Industrie durchgeführt. Die Partei hat das Land gleichsam angepeitscht, um seinen Vormarsch zu beschleunigen.
Hat die Partei richtig gehandelt, als sie die Politik des maximal beschleunigten Tempos durchführte?
Ja, sie hat unbedingt richtig gehandelt.
Man muss ein Land, das um 100 Jahre zurückgeblieben ist und dem infolge seiner Zurückgebliebenheit eine tödliche Gefahr droht, vorwärts treiben. Nur auf diese Weise konnte dem Lande die Möglichkeit gegeben werden, in aller Eile auf der Basis der modernen Technik umzurüsten und endlich die breite Heerstraße der Entwicklung zu betreten.
Wir konnten ferner nicht wissen, an welchem Tage die Imperialisten die UdSSR überfallen und unseren Aufbau unterbrechen würden; dass sie uns aber in einem beliebigen Augenblick, unter Ausnutzung der technischen und wirtschaftlichen Schwäche unseres Landes, überfallen konnten, darüber war kein Zweifel möglich. Die Partei war deshalb gezwungen, das Land anzupeitschen, um keine Zeit zu versäumen, um die Atempause restlos auszunutzen und in der UdSSR rechtzeitig die Grundlagen der Industrialisierung zu schaffen, die die Basis ihrer Macht bilden. Die Partei hatte keine Möglichkeit, zu warten und zu manövrieren, und sie musste die Politik des maximal beschleunigten Tempos durchführen.
Schließlich musste die Partei in möglichst kurzer Frist der Schwäche des Landes auf dem Gebiet der Landesverteidigung ein Ende setzen. Die gegenwärtige Lage, die Zunahme der Rüstungen in den kapitalistischen Ländern, das Fiasko der Abrüstungsidee, der Hass der internationalen Bourgeoisie gegen die UdSSR - all das drängte die Partei dazu, die Stärkung der Verteidigungskraft des Landes, dieser Grundlage seiner Unabhängigkeit, zu forcieren.
Hatte aber die Partei die reale Möglichkeit, die Politik des maximal beschleunigten Tempos durchzuführen? Ja, sie hatte sie. Sie hatte diese Möglichkeit nicht nur deshalb, weil es ihr gelungen war, das Land rechtzeitig zum raschen Vormarsch zu mobilisieren, sondern vor allem auch deshalb, weil sie sich bei dem umfassenden neuen Aufbau auf alte oder erneuerte Werke und Fabriken stützen konnte, deren Technik von den Arbeitern, Ingenieuren und Technikern bereits gemeistert worden war und die daher die Verwirklichung des maximal beschleunigten Entwicklungstempos ermöglichten.
Eben auf dieser Grundlage setzte bei uns in der Periode des ersten Fünfjahrplans die rasche Entfaltung des neuen Aufbaus, das Pathos des voll entfalteten Aufbaus ein, traten Helden und Stoßarbeiter der Neubauten auf den Plan, entstand die Praxis des stürmischen Entwicklungstempos.
Kann man behaupten, dass im zweiten Fünfjahrplan genau dieselbe Politik des maximal beschleunigten Tempos durchgeführt werden muss? Nein, das kann man nicht behaupten.
Erstens haben wir dank der erfolgreichen Durchführung des Fünfjahrplans seine Hauptaufgabe im Wesentlichen bereits erfüllt: die Schaffung einer Basis der neuen modernen Technik für die Industrie, das Verkehrswesen und die Landwirtschaft. Ist es da geboten, das Land auch weiterhin anzupeitschen und anzutreiben? Es ist klar, dass hierzu jetzt keine Notwendigkeit vorliegt.
Zweitens ist es uns dank der erfolgreichen Erfüllung des Fünfjahrplans bereits gelungen, die Verteidigungskraft des Landes auf die gebührende Höhe zu bringen. Ist es da geboten, das Land auch weiterhin anzupeitschen und anzutreiben? Es ist klar, dass hierzu jetzt keine Notwendigkeit vorliegt.
Schließlich ist es uns dank der erfolgreichen Erfüllung des Fünfjahrplans gelungen, Dutzende und Hunderte neuer großer Werke und Kombinate zu errichten, die über eine neue, komplizierte Technik verfügen. Das bedeutet, dass im zweiten Fünfjahrplan schon nicht mehr die alten Werke, deren Technik bereits gemeistert ist, in Bezug auf den Umfang der Industrieproduktion die Hauptrolle spielen werden, wie dies in der Periode des ersten Fünfjahrplans der Fall war, sondern die neuen Werke, deren Technik noch nicht gemeistert ist und erst gemeistert werden muss. Die Meisterung der neuen Betriebe und der neuen Technik bereitet aber bedeutend größere Schwierigkeiten als die Ausnutzung der alten oder erneuerten Werke und Fabriken, deren Technik bereits gemeistert ist. Sie erfordert mehr Zeit, denn die Qualifikation der Arbeiter, Ingenieure und Techniker muss erhöht werden, und sie müssen neue Fertigkeiten erwerben, um die neue Technik restlos ausnutzen zu können. Ist es nach alledem nicht klar, dass wir in der Periode des zweiten Fünfjahrplans, insbesondere in den ersten zwei, drei Jahren des zweiten Fünfjahrplans, selbst wenn wir es wollten, die Politik des maximal beschleunigten Entwicklungstempos nicht durchführen könnten?
Deshalb glaube ich, dass wir im zweiten Planjahrfünft ein weniger beschleunigtes Wachstumstempo in der Industrieproduktion werden einschlagen müssen. In der Periode des ersten Fünfjahrplans betrug die jährliche Zunahme der Industrieproduktion durchschnittlich 22 Prozent. Ich glaube, dass wir für den zweiten Fünfjahrplan eine jährliche Zunahme der Industrieproduktion um durchschnittlich 13-14 Prozent als Minimum werden ansetzen müssen. Für die kapitalistischen Länder ist ein solches Tempo der Zunahme der Industrieproduktion ein unerreichbares Ideal. Und nicht allein ein solches Tempo der Zunahme der Industrieproduktion, selbst eine Zunahme um durchschnittlich 5 Prozent im Jahr ist jetzt für sie ein unerreichbares Ideal. Aber dafür sind sie ja auch kapitalistische Länder. Anders liegen die Dinge im Sowjetland mit seinem sowjetischen Wirtschaftssystem. Mit unserem Wirtschaftssystem haben wir vollauf die Möglichkeit, eine jährliche Zunahme der Produktion um 13-14 Prozent als Minimum zu erreichen, und wir müssen das erreichen.
In der Periode des ersten Fünfjahrplans haben wir es verstanden, den Enthusiasmus, das Pathos des neuen Aufbaus zu organisieren, und haben entscheidende Erfolge errungen. Das ist sehr gut. Jetzt genügt das aber nicht mehr. Jetzt müssen wir erreichen, dass sich hierzu der Enthusiasmus, das Pathos der Meisterung der neuen Betriebe und der neuen Technik gesellt, dass eine ernste Steigerung der Arbeitsproduktivität, eine ernste Herabsetzung der Selbstkosten einsetzt.
Das ist jetzt die Hauptsache.
Denn nur auf dieser Basis können wir erreichen, dass wir, sagen wir, um die Mitte des zweiten Planjahrfünfts sowohl auf dem Gebiet des Aufbaus als auch hinsichtlich der Zunahme der Industrieproduktion einen neuen machtvollen Anlauf nehmen können.
Schließlich einige Worte über das Entwicklungstempo und über den Prozentsatz der jährlichen Produktionszunahme. Unsere Industriefachleute beschäftigen sich wenig mit dieser Frage. Und doch ist das eine sehr interessante Frage. Was bedeutet die prozentuale Zunahme der Produktion, und was steckt eigentlich hinter jedem Prozent der Zunahme? Nehmen wir zum Beispiel das Jahr 1925, die Wiederherstellungsperiode. Die Zunahme der Produktion betrug in diesem Jahr 66 Prozent. Die Gesamtproduktion der Industrie belief sich auf 7,7 Milliarden Rubel. 66 Prozent Zunahme machten also damals in absoluten Zahlen über 3 Milliarden aus. Folglich war jedes Prozent der Zunahme gleich 45 Millionen Rubel. Nehmen wir jetzt das Jahr 1928. Es ergab eine Zunahme um 26 Prozent, das heißt prozentual etwas mehr als ein Drittel der Zunahme von 1925. Die Gesamtproduktion der Industrie betrug damals 15,5 Milliarden Rubel. Die gesamte Zunahme in einem Jahr betrug in absoluten Zahlen 3280 Millionen Rubel. Folglich war jedes Prozent der Zunahme damals gleich 126 Millionen Rubel, das heißt, es betrug fast dreimal soviel wie im Jahre 1925, als wir eine Zunahme um 66 Prozent hatten. Nehmen wir schließlich das Jahr 1931. Es ergab eine Zunahme um 22 Prozent, das heißt ein Drittel des Prozentsatzes von 1925. Die Gesamtproduktion der Industrie machte damals 30,8 Milliarden Rubel aus. Die gesamte Zunahme ergab in absoluten Zahlen mehr als 5600 Millionen. Folglich betrug jedes Prozent der Zunahme mehr als 250 Millionen Rubel, das heißt sechsmal soviel wie im Jahre 1925, als wir eine Zunahme um 66 Prozent hatten, und doppelt soviel wie im Jahre 1928, als wir eine Zunahme um mehr als 26 Prozent hatten.
Was besagt das alles? Das besagt, dass man sich beim Studium des Tempos der Produktionszunahme nicht auf die Prüfung der prozentualen Zunahme allein beschränken darf, man muss auch wissen, was sich hinter jedem Prozent der Zunahme verbirgt und wie hoch der Gesamtbetrag der jährlichen Zunahme der Produktion ist. Wir setzen zum Beispiel für 1933 eine Zunahme um 16 Prozent an, das heißt ein Viertel des Prozentsatzes von 1925. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Produktionszunahme in diesem Jahr gleichfalls ein Viertel der von 1925 betragen wird. Die Produktionszunahme im Jahre 1925 betrug in absoluten Zahlen mehr als 3 Milliarden Rubel, und jedes Prozent war gleich 45 Millionen Rubel. Es besteht kein Grund, daran zu zweifeln, dass die Produktionszunahme im Jahre 1933 in absoluten Zahlen, bei einer Norm von 16 Prozent Zunahme, nicht weniger als 5 Milliarden Rubel, das heißt fast doppelt soviel wie im Jahre 1925 betragen wird, und jedes Prozent wird mindestens 320-340 Millionen Rubel gleich sein, das heißt, es wird wenigstens siebenmal soviel ausmachen wie jedes Prozent der Zunahme im Jahre 1925.
So liegen die Dinge, Genossen, wenn man die Frage des Tempos und des Prozentsatzes der Zunahme konkret untersucht.
So steht es um die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Industrie.
IV. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft
Gehen wir nun zur Frage der Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft über.
Der Fünfjahrplan auf dem Gebiet der Landwirtschaft ist ein Fünfjahrplan der Kollektivierung. Wovon ging die Partei bei der Durchführung der Kollektivierung aus?
Die Partei ging davon aus, dass zur Festigung der Diktatur des Proletariats und zur Errichtung der sozialistischen Gesellschaft außer der Industrialisierung noch der Übergang von der kleinen individuellen Bauernwirtschaft zu dem mit Traktoren und modernen landwirtschaftlichen Maschinen ausgerüsteten kollektiven landwirtschaftlichen Großbetrieb notwendig ist, als der einzig festen Grundlage der Sowjetmacht im Dorfe.
Die Partei ging davon aus, dass es ohne die Kollektivierung unmöglich ist, unser Land auf die breite Heerstraße der Errichtung des ökonomischen Fundaments des Sozialismus zu führen, dass es ohne die Kollektivierung unmöglich ist, die vielen Millionen der werktätigen Bauernschaft von Elend und Unwissenheit zu erlösen.
Lenin sagte:
„Mit der Kleinwirtschaft kann man aus der Not nicht herauskommen.“ (Siehe Bd. XXIV, S. 540.[23])
Lenin sagte:
„Wenn wir in althergebrachter Weise in kleinen Wirtschaften hocken bleiben, und sei es auch als freie Bürger auf freier Scholle, so droht uns dennoch der unvermeidliche Untergang.“ (Siehe Bd. XX, S.417.[24])
Lenin sagte:
„Nur durch gemeinsame, artelmäßige, genossenschaftliche Arbeit kann man aus der Sackgasse, in die uns der imperialistische Krieg getrieben hat, einen Ausweg finden.“ (Siehe Bd. XXIV, S. 537.[25])
Lenin sagte:
„Es ist notwendig, zur gemeinsamen Bodenbestellung in großen Musterwirtschaften überzugehen“, denn „sonst kann man aus der Zerrüttung, aus der geradezu verzweifelten Lage nicht herauskommen, in der sich Rußland befindet.“ (Siehe Bd. XX, S. 418.[26])
Davon ausgehend, gelangte Lenin zu der folgenden grundlegenden Schlussfolgerung:
„Nur in dem Falle, dass es gelingt, den Bauern die Vorzüge der gesellschaftlichen, kollektiven, gemeinschaftlichen, artelmäßigen Bodenbestellung in der Praxis vor Augen zu führen, nur wenn es gelingt, dem Bauern mittels der gemeinschaftlichen, der Artelwirtschaft zu helfen, nur dann wird die Arbeiterklasse, die die Staatsmacht in der Hand hat, den Bauern wirklich den Beweis erbringen, dass sie im Rechte ist, und die Millionenmassen der Bauern fest und wirklich auf ihre Seite ziehen.“ (Siehe Bd. XXIV, S. 579.[27])
Von diesen Thesen Lenins ist die Partei bei der Durchführung des Programms der Kollektivierung der Landwirtschaft, des Programms des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Landwirtschaft ausgegangen.
In Verbindung damit bestand die Aufgabe des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft darin, die zersplitterten und kleinen individuellen Bauernwirtschaften, die nicht die Möglichkeit hatten, Traktoren und moderne landwirtschaftliche Maschinen anzuwenden, zu kollektiven, mit allen modernen Geräten einer hoch entwickelten Landwirtschaft ausgestatteten Großwirtschaften zu vereinigen und auf den restlichen freien Bodenflächen mustergültige Staatswirtschaften, Sowjetwirtschaften, zu errichten.
Die Aufgabe des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft bestand darin, die UdSSR aus einem kleinbäuerlichen und rückständigen Land in ein Land landwirtschaftlicher Großbetriebe zu verwandeln, die auf der Grundlage der kollektiven Arbeit organisiert sind und den größten Prozentsatz an Warenproduktion ergeben.
Was hat die Partei bei der Durchführung des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft erreicht? Hat sie dieses Programm erfüllt, oder hat sie eine Niederlage erlitten?
Die Partei hat erreicht, dass sie in nicht mehr als drei Jahren über 200000 Kollektivwirtschaften und an die 5000 Sowjetwirtschaften für Getreidebau und für Viehzucht zu organisieren vermochte und dass gleichzeitig in vier Jahren die Anbaufläche um 21 Millionen Hektar erweitert wurde.
Die Partei hat erreicht, dass die Kollektivwirtschaften jetzt mehr als 60 Prozent der Bauernwirtschaften vereinigen und mehr als 70 Prozent des gesamten bäuerlichen Bodens erfassen, was eine Erfüllung des Fünfjahrplans zu 300 Prozent bedeutet.
Die Partei hat erreicht, dass sie jetzt die Möglichkeit besitzt, statt der 500-600 Millionen Pud Warengetreide, die in der Periode der Vorherrschaft der individuellen Bauernwirtschaft aufgebracht wurden, 1200 bis 1400 Millionen Pud Warengetreide jährlich aufzubringen.
Die Partei hat erreicht, dass das Kulakentum als Klasse zerschmettert, wenn auch noch nicht restlos vernichtet ist, dass die werktätige Bauernschaft von der Knechtung und Ausbeutung durch die Kulaken befreit ist und dass für die Sowjetmacht im Dorfe eine feste ökonomische Basis geschaffen wurde, die Basis der kollektiven Wirtschaft.
Die Partei hat erreicht, dass die UdSSR aus einem Lande der kleinbäuerlichen Wirtschaft bereits zum Lande der größten landwirtschaftlichen Betriebe der Welt geworden ist.
Das sind im Großen und Ganzen die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft.
Urteilen Sie jetzt selbst, was nach alledem von dem Geschwätz der bürgerlichen Presse vom „Zusammenbruch“ der Kollektivierung, vom „Scheitern“ des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Landwirtschaft zu halten ist.
Und wie ist es um die Landwirtschaft in den kapitalistischen Ländern bestellt, die jetzt eine schwere Agrarkrise durchmachen?
Hier offizielle Angaben, die allen bekannt sind:
In den wichtigsten Getreide produzierenden Ländern beträgt der Rückgang der Anbaufläche 8-10 Prozent. Die Anbaufläche der Baumwolle ist in den Vereinigten Staaten um 15 Prozent, die Anbaufläche der Zuckerrüben in Deutschland und in der Tschechoslowakei um 22-30 Prozent, die Anbaufläche des Flachses in Litauen und Lettland um 25-30 Prozent zurückgegangen.
Nach den Angaben des amerikanischen Departements für Landwirtschaft ist der Wert der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion in den Vereinigten Staaten von 11 Milliarden Dollar im Jahre 1929 auf 5 Milliarden Dollar im Jahre 1932 gesunken. Beim Getreide ist in dem gleichen Lande der Wert der Gesamtproduktion von 1288 Millionen Dollar im Jahre 1929 auf 391 Millionen Dollar im Jahre 1932 gesunken. Bei der Baumwolle ist dort ein Rückgang von 1389 Millionen Dollar im Jahre 1929 auf 397 Millionen Dollar im Jahre 1932 zu verzeichnen.
Sprechen nicht alle diese Tatsachen von der Überlegenheit des Sowjetsystems der Landwirtschaft über das kapitalistische System? Sprechen diese Tatsachen nicht davon, dass die Kollektivwirtschaften eine lebensfähigere Wirtschaftsform darstellen als die einzelbäuerlichen und kapitalistischen Wirtschaften?
Man sagt, die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften seien nicht ganz rentabel, sie verschlängen ungeheure Mittel, es hätte gar keinen Sinn, solche Betriebe aufrechtzuerhalten, es wäre zweckmäßiger, sie aufzulösen und nur diejenigen Betriebe aufrechtzuerhalten, die rentabel sind. So können aber nur Leute sprechen, die von den Fragen der Volkswirtschaft, von den Fragen der Ökonomik nichts verstehen. Mehr als die Hälfte der Textilbetriebe war vor einigen Jahren unrentabel. Ein Teil unserer Genossen schlug uns damals vor, diese Betriebe stillzulegen. Wo wären wir hingekommen, wenn wir ihnen gefolgt wären? Wir hätten das größte Verbrechen an dem Lande, an der Arbeiterklasse begangen, denn wir hätten damit unsere aufstrebende Industrie zugrunde gerichtet. Wie haben wir damals gehandelt? Wir haben etwas mehr als ein Jahr gewartet und erreicht, dass die ganze Textilindustrie rentabel wurde. Und unsere Autowerke in der Stadt Gorki? Auch sie sind doch einstweilen unrentabel. Wollen Sie, dass wir sie stilllegen? Oder unsere Eisenhüttenindustrie, die ebenfalls einstweilen unrentabel ist? Sollen wir sie etwa stilllegen, Genossen? Wenn man die Rentabilität so auffasst, dann dürften wir nur einige wenige Zweige der Industrie mit voller Kraft entwickeln, und zwar diejenigen, die den größten Gewinn abwerfen, zum Beispiel die Konditoreiwaren-, Mühlen-, Parfümerie-, Wirkwaren-, Spielwarenindustrie usw. Ich bin natürlich nicht gegen die Entwicklung dieser Industriezweige. Im Gegenteil, sie müssen entwickelt werden, da sie für die Bevölkerung gleichfalls notwendig sind. Aber erstens können sie nicht entwickelt werden ohne Maschinen und Brennstoffe, die ihnen die Schwerindustrie liefert. Zweitens kann die Leichtindustrie nicht die Basis der Industrialisierung sein. Darum handelt es sich, Genossen.
Die Rentabilität darf man nicht auf Krämerart, vom Standpunkt des Augenblicks betrachten. Die Rentabilität muss man vom Standpunkt der gesamten Volkswirtschaft in der Perspektive einiger Jahre betrachten. Nur ein solcher Standpunkt kann als wirklich leninistischer, wirklich marxistischer Standpunkt gelten. Und dieser Standpunkt ist obligatorisch nicht nur hinsichtlich der Industrie, sondern in noch höherem Grade hinsichtlich der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Bedenken Sie doch nur: In nicht mehr als drei Jahren haben wir über 200000 Kollektivwirtschaften und an die 5000 Sowjetwirtschaften geschaffen, das heißt, wir haben völlig neue Großbetriebe geschaffen, die für die Landwirtschaft von ebensolcher Bedeutung sind wie die großen Werke und Fabriken für die Industrie. Nennen Sie ein Land, das es vermocht hätte, im Verlauf von drei Jahren nicht etwa 205000 neue Großbetriebe, sondern auch nur 25000 solche Betriebe zu schaffen. Sie werden es nicht nennen können, denn ein solches Land gibt es nicht und hat es niemals gegeben. Wir aber haben 205000 neue Betriebe in der Landwirtschaft geschaffen. Und da zeigt sich nun, dass es in der Welt Leute gibt, die verlangen, dass diese Betriebe sofort rentabel werden, und wenn sie nicht sofort rentabel würden, so müsse man sie zerstören und auflösen. Ist es nicht klar, dass die Lorbeeren des Herostrat diese mehr als sonderbaren Leute nicht schlafen lassen?
Wenn ich von der Unrentabilität der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften spreche, so will ich damit durchaus nicht sagen, dass sie alle unrentabel sind. Keine Spur! Jedermann weiß, dass es schon jetzt eine ganze Reihe von hochrentablen Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gibt. Wir haben Tausende von Kollektivwirtschaften und Dutzende von Sowjetwirtschaften, die schon jetzt völlig rentabel sind. Diese Kollektiv- und Sowjetwirtschaften sind der Stolz unserer Partei, der Stolz der Sowjetmacht. Die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften sind natürlich nicht überall gleichartig. Unter den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gibt es alte, neue und ganz junge. Das sind noch schwache, noch nicht voll entwickelte Wirtschaftsorganismen. Sie machen in ihrem organisatorischen Aufbau annähernd die gleiche Periode durch, die unsere Industriebetriebe in den Jahren 1920 und 1921 durchgemacht haben. Es ist klar, dass sie in ihrer Mehrzahl noch nicht rentabel sein können. Dass sie aber im Verlauf von 2 bis 3 Jahren rentabel sein werden, genauso wie unsere Industriebetriebe nach dem Jahre 1921 rentabel geworden sind - darüber kann kein Zweifel bestehen. Wollte man ihnen aus dem Grunde, weil sie im Augenblick nicht alle rentabel sind, Hilfe und Unterstützung verweigern, so würde man das größte Verbrechen an der Arbeiterklasse und an der Bauernschaft begehen. Nur Volksfeinde und Konterrevolutionäre können die Behauptung aufstellen, dass die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften unnötig seien.
Bei der Verwirklichung des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft hat die Partei die Kollektivierung in beschleunigtem Tempo durchgeführt. Hat die Partei richtig gehandelt, als sie die Politik des beschleunigten Kollektivierungstempos betrieb? Ja, sie hat unbedingt richtig gehandelt, obwohl es hier nicht ohne einen gewissen Übereifer abgegangen ist. Bei der Durchführung der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse und bei der Vernichtung der Kulakennester konnte die Partei nicht auf halbem Wege stehen bleiben - sie musste dieses Werk zu Ende führen. Das als erstes.
Zweitens hatte die Partei, da sie einerseits über Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen verfügte und sich anderseits das Fehlen von Privateigentum an Grund und Boden (Nationalisierung des Bodens!) zunutze machte, alle Möglichkeiten, um die Kollektivierung der Landwirtschaft zu forcieren. Und sie hat auf diesem Gebiet in der Tat einen gewaltigen Erfolg errungen, denn sie hat das Programm des Fünfjahrplans der Kollektivierung zu 300 Prozent verwirklicht.
Bedeutet das, dass wir auch in der Periode des zweiten Fünfjahrplans eine Politik des forcierten Tempos der Kollektivierung betreiben sollen? Nein, das bedeutet es nicht. Die Sache ist die, dass wir in den wichtigsten Gebieten der UdSSR die Kollektivierung im Wesentlichen bereits abgeschlossen haben. Wir haben also auf diesem Gebiet mehr geleistet, als man erwarten konnte. Und wir haben nicht nur die Kollektivierung im Wesentlichen abgeschlossen, wir haben auch erreicht, dass die gewaltige Mehrheit der Bauernschaft die Kollektivwirtschaften als die geeignetste Wirtschaftsform erkannt hat. Das ist eine gewaltige Errungenschaft, Genossen. Lohnt es sich hiernach, sich für ein schnelles Tempo der Kollektivierung zu ereifern? Es ist klar, dass es sich nicht lohnt.
Jetzt handelt es sich nicht mehr um ein beschleunigtes Tempo der Kollektivierung und noch weniger um Sein oder Nichtsein der Kollektivwirtschaften - diese Frage ist bereits positiv entschieden. Die Kollektivwirtschaften haben festen Fuß gefasst, und der Weg zu der alten, der Einzelwirtschaft ist endgültig versperrt. Jetzt besteht die Aufgabe darin, die Kollektivwirtschaften organisatorisch zu festigen, die Schädlingselemente aus ihnen zu vertreiben, echte, bewährte bolschewistische Kader für die Kollektivwirtschaften auszuwählen und die Kollektivwirtschaften wirklich bolschewistisch zu machen.
Das ist jetzt die Hauptsache.
So steht es um den Fünfjahrplan in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft.
V. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern
Ich habe vorhin über die Erfolge in Industrie und Landwirtschaft, über den Aufschwung der Industrie und der Landwirtschaft in der UdSSR gesprochen. Welche Ergebnisse haben diese Erfolge vom Standpunkt der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern gebracht? Worin bestehen die Hauptergebnisse unserer Erfolge in Industrie und Landwirtschaft vom Standpunkt der radikalen Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen?
Sie bestehen erstens darin, dass die Arbeitslosigkeit überwunden und die Ungewissheit der Arbeiter über den morgigen Tag beseitigt ist.
Sie bestehen zweitens darin, dass nahezu die gesamte arme Bauernschaft durch den kollektivwirtschaftlichen Aufbau erfasst ist, wodurch der Differenzierung der Bauernschaft in Kurlaken und arme Bauern Einhalt geboten und zugleich der Verelendung und dem Pauperismus im Dorfe ein Ende gemacht worden ist.
Das ist eine gewaltige Errungenschaft, Genossen, von der kein einziger bürgerlicher Staat, und sei es der „demokratischste“, auch nur zu träumen wagt.
Bei uns, in der UdSSR, haben die Arbeiter schon längst vergessen, was Arbeitslosigkeit ist. Vor etwa drei Jahren hatten wir an die anderthalb Millionen Arbeitslose. Jetzt sind es schon zwei Jahre, dass wir die Arbeitslosigkeit überwunden haben. Und die Arbeiter haben während dieser Zeit die Arbeitslosigkeit, ihren Druck, ihre Schrecken schon vergessen. Sehen Sie sich doch die kapitalistischen Länder an, was für fürchterliche Dinge dort infolge der Arbeitslosigkeit geschehen. In diesen Ländern gibt es jetzt nicht weniger als 30-40 Millionen Arbeitslose. Was sind das für Menschen? Man spricht von ihnen gewöhnlich als von „erledigten Menschen“.
Täglich bewerben sie sich um Arbeit, befinden sie sich auf der Suche nach Arbeit und sind bereit, unter fast beliebigen Bedingungen Arbeit anzunehmen, aber sie werden nicht eingestellt, denn sie sind „überflüssige“ Menschen. Und das geschieht zu einer Zeit, da gewaltige Massen von Waren und Produkten vergeudet werden, um den Launen der vom Schicksal Verwöhnten, der Kapitalisten- und Gutsbesitzersöhnchen, Genüge zu tun.
Man verweigert den Arbeitslosen die Nahrung, weil sie sie nicht bezahlen können, man verweigert ihnen ein Obdach, weil sie die Miete nicht bezahlen können. Wovon und wo leben sie? Sie leben von dürftigen Brosamen, die von der Herren Tische fallen, sie wühlen in den Müllkästen, wo sie verfaulte Nahrungsmittelreste finden, sie leben in den Elendsquartieren der Großstädte, zumeist aber in elenden Hütten außerhalb der Stadt, die von den Arbeitslosen aus Kistenbrettern und Baumrinde notdürftig zusammengezimmert werden. Aber das ist noch nicht alles. Unter der Arbeitslosigkeit leiden nicht nur die Arbeitslosen. Auch die beschäftigten Arbeiter leiden unter ihr. Sie leiden deshalb, weil das Vorhandensein einer großen Zahl von Arbeitslosen für sie eine unsichere Lage im Betrieb, eine Ungewissheit über den morgigen Tag schafft. Heute arbeiten sie im Betrieb, doch sind sie nicht sicher, ob sie morgen beim Erwachen nicht erfahren, dass sie bereits entlassen sind.
Eine der Haupterrungenschaften des Fünfjahrplans in vier Jahren besteht darin, dass wir die Arbeitslosigkeit beseitigt und die Arbeiter der UdSSR von ihren Schrecken erlöst haben.
Dasselbe ist über die Bauern zu sagen. Sie ihrerseits haben die Differenzierung der Bauern in Kulaken und arme Bauern, die Ausbeutung der armen Bauern durch die Kulaken, den Ruin vergessen, der jährlich Hunderttausende und Millionen von armen Bauern an den Bettelstab brachte. Vor 3-4 Jahren gab es bei uns an armen Bauern nicht weniger als 30 Prozent der gesamten bäuerlichen Bevölkerung. Das waren ungefähr zwanzig Millionen Menschen. Noch früher, vor der Oktoberrevolution, machten die armen Bauern nicht weniger als 60 Prozent der bäuerlichen Bevölkerung aus. Was stellen die armen Bauern dar? Das sind Menschen, denen in der Wirtschaft gewöhnlich entweder das Saatgut fehlte oder die kein Pferd, keine Arbeitsgeräte hatten, oder denen alle diese Dinge zusammen fehlten. Die armen Bauern sind Menschen, die ein Hungerdasein fristeten und in der Regel das Joch der Kulaken trugen, in der alten Zeit aber sowohl das der Kulaken als auch das der Gutsbesitzer. Noch vor ganz kurzer Zeit zogen jährlich mehr als zwei Millionen arme Bauern auf Arbeitsuche nach dem Süden, nach dem Nordkaukasus und in die Ukraine, um dort als Tagelöhner bei Kulaken, und noch früher bei Kulaken und Gutsbesitzern, Verdienst zu suchen. In noch größerer Zahl kamen sie jährlich vor die Fabriktore und füllten die Reihen der Arbeitslosen. Und nicht nur die armen Bauern befanden sich in einer solchen elenden Lage. Gut die Hälfte der Mittelbauern litt unter dem gleichen Elend und den gleichen Entbehrungen wie die armen Bauern. Alles das haben die Bauern schon vergessen.
Was hat der Fünfjahrplan in vier Jahren den armen Bauern und den unteren Schichten der Mittelbauern gegeben? Er hat dem Kulakentum als Klasse den Boden entzogen und es zerschlagen und damit die armen Bauern und gut die Hälfte der Mittelbauern vom Kulakenjoch befreit. Er hat sie in die Kollektivwirtschaften einbezogen und eine gesicherte Existenz für sie geschaffen. Er hat damit die Differenzierung der Bauernschaft in Ausbeuter - Kulaken - und in Ausgebeutete - arme Bauern - unmöglich gemacht und das Elend im Dorf beseitigt. Er hat die armen Bauern und die unteren Schichten der Mittelbauern in den Kollektivwirtschaften zu Menschen mit gesicherter Existenz gemacht und damit dem Prozess des Ruins und der Verelendung der Bauernschaft ein Ende gesetzt. Es kommt jetzt bei uns nicht mehr vor, dass sich Millionen von Bauern jährlich von der heimatlichen Scholle losreißen und auf der Suche nach Verdienst in ferne Gebiete ziehen. Will man jetzt den Bauern für eine Arbeit irgendwo außerhalb seiner eigenen Kollektivwirtschaft gewinnen, so muss man einen Vertrag mit der Kollektivwirtschaft unterschreiben und darüber hinaus dem Kollektivbauern noch unentgeltliche Eisenbahnfahrt gewähren. Es kommt jetzt bei uns nicht mehr vor, dass Hunderttausende und Millionen Bauern ruiniert werden und die Tore der Fabriken und Werke umlagern. So etwas hat es gegeben, aber das ist schon längst vorbei. Jetzt ist der Bauer ein Landwirt mit gesicherter Existenz, Mitglied der Kollektivwirtschaft, ihm stehen Traktoren, landwirtschaftliche Maschinen, Saatgutfonds, Reservefonds usw. usf. zur Verfügung.
Das ist es, was der Fünfjahrplan den armen Bauern und den unteren Schichten der Mittelbauern gegeben hat.
Das ist das Wesen der Haupterrungenschaften des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern.
Als Ergebnis dieser Haupterrungenschaften auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern haben wir im ersten Planjahrfünft:
a) die Verdoppelung der Zahl der Arbeiter und Angestellten in der Großindustrie im Vergleich mit dem Jahre 1928, was eine Übererfüllung des Fünfjahrplans um 57 Prozent ergibt;
b) das Anwachsen des Volkseinkommens - folglich ein Anwachsen des Einkommens der Arbeiter und Bauern -, das im Jahre 1932 45,1 Milliarden Rubel erreicht hat, was eine Steigerung um 85 Prozent im Vergleich mit dem Jahre 1928 ergibt;
c) das Anwachsen des durchschnittlichen Jahreslohns der Arbeiter und Angestellten der Großindustrie um 67 Prozent im Vergleich mit dem Jahre 1928, was eine Übererfüllung des Fünfjahrplans um 18 Prozent ergibt;
d) das Anwachsen des Sozialversicherungsfonds uni 292 Prozent im Vergleich mit dem Jahre 1928 (4120 Millionen Rubel im Jahre 1932 gegenüber 1050 Millionen Rubel im Jahre 1928), was eine Übererfüllung des Fünfjahrplans um 111 Prozent ergibt;
e) die Erweiterung der Werkküchenverpflegung, von der mehr als 70 Prozent der Arbeiter der ausschlaggebenden Industriezweige erfasst sind, was eine Übererfüllung des Plans um 500 Prozent ergibt.
Wir haben natürlich noch nicht die restlose Befriedigung der materiellen Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern erreicht. Und wir werden sie in den nächsten Jahren kaum erreichen. Aber wir haben zweifellos erreicht, dass sich die materielle Lage der Arbeiter und Bauern bei uns von Jahr zu Jahr verbessert. Bezweifeln können das höchstens geschworene Feinde der Sowjetmacht oder vielleicht manche Vertreter der bürgerlichen Presse, darunter auch ein Teil der Korrespondenten dieser Presse in Moskau, die von der Ökonomik der Völker und von der Lage der Werktätigen kaum mehr verstehen als, sagen wir, der abessinische Kaiser von höherer Mathematik.
Und wie steht es um die materielle Lage der Arbeiter und Bauern in den kapitalistischen Ländern?
Hier die offiziellen Angaben.
Die Zahl der Arbeitslosen in den kapitalistischen Ländern ist katastrophal gestiegen. In den Vereinigten Staaten ist nach offiziellen Angaben die Zahl der beschäftigten Arbeiter allein in der verarbeitenden Industrie von 8,5 Millionen im Jahre 1928 auf 5,5 Millionen im Jahre 1932 zurückgegangen, und nach den Angaben der Amerikanischen Arbeitsföderation erreichte die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten in der gesamten Industrie Ende 1932 an die 11 Millionen. In England ist die Zahl der Arbeitslosen nach den Angaben der offiziellen Statistik von 1290000 im Jahre 1928 auf 2,8 Millionen im Jahre 1932 gestiegen. In Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosen nach offiziellen Angaben von 1376000 im Jahre 1928 auf 5,5 Millionen im Jahre 1932 gestiegen. Dasselbe Bild ist in allen kapitalistischen Ländern zu beobachten, wobei die offizielle Statistik die Angaben über die Arbeitslosen, deren Zahl in den kapitalistischen Ländern zwischen 35 und 40 Millionen schwankt, in der Regel zu gering ansetzt.
Der Lohn der Arbeiter wird systematisch abgebaut. Nach offiziellen Angaben hat der Abbau des durchschnittlichen Monatslohns im Vergleich mit dem Jahre 1928 in den Vereinigten Staaten 35 Prozent erreicht, in England in derselben Zeit 15 Prozent, in Deutschland sogar 50 Prozent. Nach den Berechnungen der Amerikanischen Arbeitsföderation betrug der Verlust der amerikanischen Arbeiterschaft infolge des Lohnabbaus im Jahre 1930131 mehr als 35 Milliarden Dollar.
Die ohnehin unbedeutenden Sozialleistungen zugunsten der Arbeiter sind in England und Deutschland bedeutend gekürzt worden. In den Vereinigten Staaten und in Frankreich gibt es überhaupt keine oder fast keine Formen der Arbeitslosenversicherung, was zur Folge hat, dass die Zahl der obdachlosen Arbeiter und der verwahrlosten Kinder, insbesondere in den Vereinigten Staaten, kolossal anwächst.
Nicht besser ist die Lage der Bauernmassen in den kapitalistischen Ländern, wo die Agrarkrise die Bauernwirtschaft von Grund aus unterhöhlt und Millionen ruinierter Bauern und Farmer an den Bettelstab bringt.
Das sind die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen der UdSSR.
VI. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land
Gehen wir nun zur Frage der Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet des Wachstums des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land über.
Das gewaltige Wachstum der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion, das Wachstum der Warenüberschüsse sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft und schließlich das Anwachsen der Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern - all das musste zur Belebung und Erweiterung des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land führen und hat auch in der Tat dazu geführt.
Der Zusammenschluss von Stadt und Land auf dem Gebiet der Produktion ist die grundlegende Form des Zusammenschlusses. Aber der Zusammenschluss allein auf dem Gebiet der Produktion genügt nicht. Er muss durch einen regen Warenumsatz ergänzt werden, damit die Verbindung zwischen Stadt und Land fest und unzertrennbar wird. Das kann nur durch die Entfaltung des Sowjethandels erreicht werden. Es wäre falsch zu glauben, dass zur Entfaltung des Sowjethandels ein Kanal allein, zum Beispiel die Genossenschaften, genüge. Zur Entfaltung des Sowjethandels müssen alle Kanäle benutzt werden: das Genossenschaftsnetz, das Netz des staatlichen Handels und der kollektivwirtschaftliche Handel.
Manche Genossen glauben, dass die Entfaltung des Sowjethandels, besonders aber die Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Handels, eine Rückkehr zum ersten Stadium der NÖP darstelle. Das ist absolut falsch.
Zwischen dem Sowjethandel, darunter auch dem kollektivwirtschaftlichen Handel, und dem Handel des ersten Stadiums der NÖP besteht ein grundlegender Unterschied.
Im ersten Stadium der NÖP haben wir eine Belebung des Kapitalismus, haben wir den privaten Warenumsatz, die „Tätigkeit“ von Privathändlern, Kapitalisten und Spekulanten zugelassen.
Das war ein mehr oder weniger freier, nur durch die regulierende Rolle des Staates beschränkter Handel. Damals nahm der privatkapitalistische Sektor im Warenumsatz des Landes einen ziemlich großen Platz ein. Ich spreche schon gar nicht davon, dass wir damals weder eine so entwickelte Industrie hatten wie heute noch Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, die nach einem Plan arbeiten und dem Staat gewaltige Reserven an landwirtschaftlichen Produkten und städtischen Erzeugnissen zur Verfügung stellen.
Kann man nun sagen, dass wir gegenwärtig in der gleichen Lage sind? Natürlich nicht.
Erstens darf der Sowjethandel keineswegs mit dein Handel im ersten Stadium der NÖP auf eine Stufe gestellt werden, obwohl auch dieser vom Staat reguliert wurde. Während der Handel im ersten Stadium der NOP eine Belebung des Kapitalismus und das Wirken eines privatkapitalistischen Sektors im Warenumsatz zuließ, hat der Sowjethandel die Ablehnung, das Fehlen des einen wie des anderen zur Voraussetzung. Was ist Sowjethandel? Sowjethandel ist Handel ohne Kapitalisten, ohne kleine und große Kapitalisten, Handel ohne Spekulanten, ohne kleine und große Spekulanten. Das ist eine besondere Art Handel, wie ihn die Geschichte bis jetzt noch nicht gekannt hat und den nur wir Bolschewiki unter sowjetischen Entwicklungsbedingungen betreiben.
Zweitens haben wir jetzt eine genügend entwickelte staatliche Industrie und ein ganzes System von Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, die dem Staat gewaltige Reserven an landwirtschaftlichen und Industriewaren zur Entfaltung des Sowjethandels sichern. Das gab es nicht und konnte es auch nicht geben unter den Bedingungen des ersten Stadiums der NÖP.
Drittens haben wir es erreicht, dass wir in der letzten Zeit die Privathändler, Kaufleute und Zwischenhändler aller Art aus dem Warenumsatz völlig verdrängt haben. Natürlich schließt das nicht aus, dass im Warenumsatz nach dem Gesetz des Atavismus neuerlich Privathändler und Spekulanten auftauchen können, die das für sie geeignetste Feld, nämlich den kollektivwirtschaftlichen Handel, für ihre Zwecke ausnutzen. Mehr noch, die Kollektivbauern selbst sind zuweilen nicht abgeneigt, sich auf Spekulation einzulassen, was ihnen natürlich nicht zur Ehre gereicht. Aber gegen diese ungesunden Erscheinungen existiert bei uns das unlängst erlassene Gesetz der Sowjetmacht über die Maßnahmen zur Verhinderung der Spekulation und zur Bestrafung der Spekulanten.[Anmerkung 32] Sie wissen natürlich, dass diesem Gesetz nicht besondere Milde vorgeworfen werden kann. Sie werden natürlich begreifen, dass es ein solches Gesetz unter den Bedingungen des ersten Stadiums der NÖP weder gab noch geben konnte.
Sie sehen also: Wer nach alledem von einer Rückkehr zum Handel des ersten Stadiums der NÖP redet, der versteht nichts, rein gar nichts von unserer Sowjetökonomik.
Man sagt uns, dass es unmöglich sei, den Handel zu entfalten, selbst wenn es der Sowjethandel ist, ohne eine gesunde Geldwirtschaft und eine gesunde Valuta zu haben, dass vor allem die Geldwirtschaft und unsere Sowjetvaluta, die angeblich gar keinen Wert darstelle, kuriert werden müssten. Das sagen uns die Ökonomen der kapitalistischen Länder. Ich glaube, dass diese verehrten Ökonomen von politischer Ökonomie nicht mehr verstehen als, sagen wir, der Erzbischof von Canterbury von antireligiöser Propaganda. Wie kann man behaupten, dass unsere Sowjetvaluta keinen Wert habe? Ist es etwa nicht Tatsache, dass wir mit dieser Valuta die Magnitogorsker Werke, die Dnjepr-Kraftwerke, die Kusnezker Werke, die Traktorenwerke in Stalingrad und Charkow, die Automobilwerke in Gorki und Moskau gebaut, Hunderttausende Kollektivwirtschaften und Tausende Sowjetwirtschaften errichtet haben? Glauben diese Herren etwa, dass alle diese Betriebe aus Stroh oder aus Lehm und nicht aus wirklichen, bestimmten Wert besitzenden Materialien erbaut worden sind? Wodurch wird die Stabilität der Sowjetvaluta gesichert, allerdings wenn wir den organisierten Markt im Auge haben, dem im Warenumsatz des Landes entscheidende Bedeutung zukommt, und nicht den unorganisierten Markt, der nur untergeordnete Bedeutung hat? Natürlich nicht allein durch Goldreserven. Die Stabilität der Sowjetvaluta wird vor allem durch die gewaltige Menge von Waren in den Händen des Staates, die zu festen Preisen umgesetzt werden, gesichert. Wer von den Ökonomen kann bestreiten, dass eine solche Sicherung, die nur in der UdSSR vorhanden ist, eine realere Sicherung der Stabilität der Valuta darstellt als jede beliebige Goldreserve? Werden die Ökonomen der kapitalistischen Länder jemals begreifen, dass sie mit der Theorie der Goldreserve als der „einzigen“ Sicherung der Stabilität der Valuta endgültig in eine Sackgasse geraten sind?
So steht es um die Fragen, die mit der Entfaltung des Sowjethandels zusammenhängen.
Was haben wir dank der Durchführung des Fünfjahrplans in der Entfaltung des Sowjethandels erreicht?
Wir haben im Ergebnis des Fünfjahrplans:
a) die Vergrößerung der Produktion der Leichtindustrie, die im Vergleich mit dem Jahre 1928 auf 187 Prozent gestiegen ist;
b) das Anwachsen des genossenschaftlichen und staatlichen Einzelhandelsumsatzes, der gegenwärtig in Preisen von 1932 39,6 Milliarden Rubel beträgt, das ist eine Steigerung der Warenmasse im Einzelhandel im Vergleich mit dem Jahre 1928 auf 175 Prozent;
c) die Erweiterung des staatlichen und genossenschaftlichen Handelsnetzes um 158000 Läden und Verkaufsstellen im Vergleich mit dem Jahre 1929;
d) die immer größere Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Handels und die immer umfangreichere Beschaffung landwirtschaftlicher Produkte durch die einzelnen staatlichen und genossenschaftlichen Organisationen.
Das sind die Tatsachen.
Ein völlig anderes Bild zeigt die Lage des Warenumsatzes in den kapitalistischen Ländern, wo die Krise zu einer katastrophalen Schrumpfung des Handels, zur massenhaften Stilllegung von Betrieben und zum Ruin der kleinen und mittleren Kaufleute, zum Bankrott großer Handelsfirmen und zu übermäßigen Warenvorräten im Handel bei andauerndem Sinken der Kaufkraft der werktätigen Massen geführt hat.
Das sind die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Entwicklung des Warenumsatzes.
VII. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet des Kampfes gegen die Überreste feindlicher Klassen
Als Ergebnis der Verwirklichung des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Industrie, der Landwirtschaft und des Handels haben wir in allen Sphären der Volkswirtschaft das Prinzip des Sozialismus durchgesetzt und aus ihnen die kapitalistischen Elemente vertrieben.
Wozu musste das in Bezug auf die kapitalistischen Elemente führen, und wozu hat es in der Tat geführt?
Das hat dazu geführt, dass die letzten Überreste der sterbenden Klassen: die Privatindustriellen und ihr Anhang, die Privathändler und ihre Handlanger, die ehemaligen Adligen und Popen, die Kulaken und ihre Helfershelfer, die ehemaligen weißen Offiziere und Landpolizisten, die ehemaligen Polizisten und Gendarmen, die verschiedensten bürgerlichen Intellektuellen chauvinistischer Färbung und alle sonstigen antisowjetischen Elemente aus dem Geleise geworfen wurden.
Diese „Ehemaligen“, die aus dem Geleise geworfen wurden und sich über das ganze Gebiet der UdSSR verstreut haben, verkrochen sich in unseren Werken und Betrieben, in unseren Institutionen und Handelsorganisationen, in den Eisenbahn- und Schifffahrtsbetrieben und hauptsächlich in den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Sie verkrochen sich und versteckten sich dort unter der Maske von „Arbeitern“ und „Bauern“, wobei sich der eine oder andere von ihnen sogar in die Partei einschlich.
Was brachten sie dorthin mit? Natürlich das Gefühl des Hasses gegen die Sowjetmacht, das Gefühl erbitterter Feindschaft gegen die neuen Wirtschafts-, Lebens- und Kulturformen.
Gegen die Sowjetmacht direkt Attacke zu reiten sind diese Herrschaften nicht mehr imstande. Sie und ihre Klassen haben schon einige Male solche Attacken geritten, aber sie wurden geschlagen und zerstreut. Darum ist das einzige, was sie noch tun können, Schaden und Unheil für die Arbeiter, die Kollektivbauern, die Sowjetmacht und die Partei zu stiften. Und sie schaden auch, wo sie nur können, indem sie versteckte Wühlarbeit betreiben. Sie stecken Lagerhäuser in Brand und beschädigen Maschinen. Sie organisieren Sabotage. Sie organisieren Schädlingsarbeit in den Kollektivwirtschaften, in den Sowjetwirtschaften, wobei manche von ihnen, unter denen sich auch einige Professoren befinden, in ihrem Schädlingsdrang so weit gehen, dass sie dem Vieh in den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften die Pest, die sibirische Seuche einimpfen, die Verbreitung der Meningitis unter den Pferden fördern usw.
Aber das ist nicht die Hauptsache. Die Hauptsache in der „Tätigkeit“ dieser Ehemaligen besteht darin, dass sie massenhaft Diebstahl und Veruntreuung staatlichen und genossenschaftlichen Gutes, kollektivwirtschaftlichen Eigentums organisieren. Diebstahl und Veruntreuung in den Werken und Fabriken, Diebstahl und Veruntreuung von Eisenbahnfrachten, Diebstahl und Veruntreuung in Lagerhäusern und Handelsbetrieben - besonders aber Diebstahl und Veruntreuung in den Sowjet- und Kollektivwirtschaften -, das ist die Hauptform der „Tätigkeit“ dieser Ehemaligen. Sie fühlen sozusagen mit ihrem Klasseninstinkt, dass die Grundlage der Sowjetwirtschaft das gesellschaftliche Eigentum bildet, dass man, um der Sowjetmacht zu schaden, eben diese Grundlage erschüttern muss - und sie bemühen sich tatsächlich, das gesellschaftliche Eigentum dadurch zu erschüttern, dass sie Diebstahl und Veruntreuung in Massenumfang organisieren.
Zur Organisierung von Diebstählen nutzen sie die aus dem Privateigentum herrührenden Gewohnheiten und Reminiszenzen der Kollektivbauern aus, die gestern noch Einzelbauern waren, heute aber Mitglieder der Kollektivwirtschaften sind. Sie als Marxisten müssen wissen, dass das Bewusstsein der Menschen in seiner Entwicklung hinter ihrer tatsächlichen Lebenslage zurückbleibt. Die Kollektivbauern sind ihrer Lage nach nicht mehr Einzelbauern, sondern Kollektivisten, aber ihr Bewusstsein ist einstweilen noch das alte, das Bewusstsein von Privateigentümern. Und die aus den Ausbeuterklassen stammenden Ehemaligen nutzen die aus dem Privateigentum herrührenden Gewohnheiten der Kollektivbauern aus, um Diebstahl an gesellschaftlichem Gut zu organisieren und damit die Grundlage der sowjetischen Gesellschaftsordnung, das gesellschaftliche Eigentum, zu erschüttern.
Viele unserer Genossen stehen diesen Erscheinungen gleichmütig gegenüber und verstehen nicht Sinn und Bedeutung der massenhaften Diebstähle und Veruntreuungen. Sie gehen wie Blinde an diesen Tatsachen vorbei, in der Annahme, dass es „daran nichts Besonderes gibt“. Aber diese Genossen sind sehr im Irrtum. Die Grundlage unserer Gesellschaftsordnung ist das gesellschaftliche Eigentum, ebenso wie die Grundlage des Kapitalismus das Privateigentum ist. Die Kapitalisten haben das Privateigentum für heilig und unantastbar erklärt und seinerzeit eine Festigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung erreicht. Wir Kommunisten müssen umso mehr das gesellschaftliche Eigentum für heilig und unantastbar erklären, um damit die neuen, die sozialistischen Wirtschaftsformen auf allen Gebieten der Produktion und des Handels zu festigen. Diebstahl und Veruntreuung gesellschaftlichen Eigentums - gleichviel, ob es sich um Staatseigentum oder genossenschaftliches und kollektivwirtschaftliches Eigentum handelt - zulassen und an solchen konterrevolutionären Schandtaten vorbeigehen heißt die Untergrabung der sowjetischen Gesellschaftsordnung fördern, die sich auf das gesellschaftliche Eigentum als ihre Basis stützt. Davon ging unsere Sowjetregierung aus, als sie unlängst das Gesetz zum Schutz des gesellschaftlichen Eigentums[Anmerkung 33] erließ. Dieses Gesetz ist die Grundlage der revolutionären Gesetzlichkeit im gegenwärtigen Augenblick. Seine strengste Durchführung ist die erste Pflicht jedes Kommunisten, jedes Arbeiters und Kollektivbauern.
Man sagt, dass sich die revolutionäre Gesetzlichkeit unserer Zeit durch nichts von der revolutionären Gesetzlichkeit der ersten Periode der NÖP unterscheide, dass die revolutionäre Gesetzlichkeit unserer Zeit eine Rückkehr zu der revolutionären Gesetzlichkeit der ersten Periode der NÖP sei. Das ist absolut falsch. Die revolutionäre Gesetzlichkeit der ersten Periode der NÖP richtete sich mit ihrer Spitze hauptsächlich gegen die Auswüchse des Kriegskommunismus, gegen die „ungesetzlichen“ Konfiskationen und Eintreibungen. Sie garantierte dem Privateigentümer, dem Einzelbesitzer, dem Kapitalisten die Unversehrtheit ihres Besitzes unter der Bedingung, dass sie die Sowjetgesetze aufs strengste einhalten. Ganz anders steht es um die revolutionäre Gesetzlichkeit in unserer Zeit. Die revolutionäre Gesetzlichkeit unserer Zeit ist mit ihrer Spitze nicht gegen die Auswüchse des Kriegskommunismus, die schon längst nicht mehr existieren, sondern gegen Diebe und Schädlinge in der gesellschaftlichen Wirtschaft, gegen Rowdys und Leute gerichtet, die das gesellschaftliche Eigentum veruntreuen. Die größte Sorge der revolutionären Gesetzlichkeit in unserer Zeit gilt folglich dem Schutz des gesellschaftlichen Eigentums und nichts anderem.
Deshalb ist der Kampf für den Schutz des gesellschaftlichen Eigentums, ein Kampf, der mit allen Maßnahmen und Mitteln geführt wird, die uns die Gesetze der Sowjetmacht zur Verfügung stellen, eine der Hauptaufgaben der Partei.
Eine starke und mächtige Diktatur des Proletariats - das ist es, was wir jetzt brauchen, um die letzten Überreste der sterbenden Klassen zu vernichten und ihre Diebesmachenschaften zu vereiteln.
Manche Genossen haben die These von der Aufhebung der Klassen, von der Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft und vom Absterben des Staates als Rechtfertigung für Trägheit und Gleichmütigkeit aufgefasst, als Rechtfertigung der konterrevolutionären Theorie vorn Erlöschen des Klassenkampfes und von der Schwächung der Staatsmacht. Es erübrigt sich zu sagen, dass solche Leute mit unserer Partei nichts gemein haben können. Das sind Entartete oder Doppelzüngler, die man aus der Partei verjagen muss. Die Aufhebung der Klassen wird nicht durch das Erlöschen des Klassenkampfes, sondern durch seine Verstärkung erreicht. Das Absterben des Staates wird nicht durch Schwächung der Staatsmacht erfolgen, sondern durch ihre maximale Verstärkung, die notwendig ist, um die Überreste der sterbenden Klassen zu vernichten und die Verteidigung gegen die kapitalistische Umkreisung zu organisieren, die noch bei weitem nicht beseitigt ist und noch nicht so bald beseitigt sein wird.
Durch die Verwirklichung des Fünfjahrplans haben wir erreicht, dass wir die letzten Überreste der feindlichen Klassen aus ihren Positionen in der Produktion endgültig hinausgeworfen, das Kulakentum geschlagen und die Grundlage für eine Vernichtung geschaffen haben. Das ist das Ergebnis des Fünfjahrplans auf dem Gebiet des Kampfes gegen die letzten Trupps der Bourgeoisie. Aber das ist noch zuwenig. Die Aufgabe besteht darin, diese Ehemaligen aus unseren eigenen Betrieben und Institutionen hinauszuwerfen und sie endgültig unschädlich zu machen.
Man kann nicht sagen, dass diese Ehemaligen durch ihre Schädlings- und Diebesmachenschaften an der jetzigen Lage in der UdSSR irgendetwas ändern könnten. Sie sind zu schwach und ohnmächtig, um sich den Maßnahmen der Sowjetmacht zu widersetzen. Wenn sich aber unsere Genossen nicht mit revolutionärer Wachsamkeit wappnen und das spieß-bürgerlich gleichmütige Verhalten zu Fällen des Diebstahls und der Veruntreuung gesellschaftlichen Eigentums nicht aus der Praxis ausmerzen, so können die Ehemaligen nicht wenig Schaden anrichten.
Man muss im Auge behalten, dass die wachsende Macht des Sowjetstaates den Widerstand der letzten Überreste der sterbenden Klassen verstärken wird. Gerade weil sie im Sterben liegen und ihre letzten Tage fristen, werden sie von den Vorstößen der einen Form zu Vorstößen in anderen, schärferen Formen übergehen, an rückständige Schichten der Bevölkerung appellieren und sie gegen die Sowjetmacht mobilisieren. Es gibt keine Gemeinheit und keine Verleumdung, zu der diese Ehemaligen in ihrem Kampf gegen die Sowjetmacht nicht greifen und mit deren Hilfe sie nicht versuchen würden, die rückständigen Elemente zu mobilisieren. Auf diesem Boden können die zerschlagenen Gruppen der alten konterrevolutionären Parteien der Sozialrevolutionäre, Menschewiki, der bürgerlichen Nationalisten im Zentrum des Landes und in den Randgebieten wiederaufleben und sich zu regen beginnen, können die Splitter der konterrevolutionären Elemente aus den Reihen der Trotzkisten und der rechten Abweichler wiederaufleben und sich zu regen beginnen. Das ist natürlich nicht schrecklich. Aber all dies muss man im Auge behalten, wenn wir mit diesen Elementen schnell und ohne besondere Opfer Schluss machen wollen.
Deshalb ist die revolutionäre Wachsamkeit diejenige Eigenschaft, die die Bolschewiki jetzt besonders brauchen.
VIII. Allgemeine Schlussfolgerungen
Das sind die Hauptergebnisse der Durchführung des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Industrie und der Landwirtschaft, auf dem Gebiet der Verbesserung der Lebensverhältnisse der Werktätigen und der Entwicklung des Warenumsatzes, auf dem Gebiet der Festigung der Sowjetmacht und der Entfaltung des Klassenkampfes gegen die Überreste und Überbleibsel der untergehenden Klassen.
Das sind die Erfolge und Errungenschaften der Sowjetmacht in den letzten vier Jahren.
Es wäre ein Fehler, wollte man auf Grund dieser Erfolge glauben, dass bei uns alles zum Besten bestellt sei. Natürlich ist bei uns noch nicht alles zum Besten bestellt. Mängel und Fehler in unserer Arbeit gibt es genug. Misswirtschaft und Durcheinander kommen in unserer Praxis noch immer vor. Leider kann ich jetzt auf die Mängel und Fehler nicht eingehen, da der Rahmen des mir aufgetragenen Berichts über die Ergebnisse des Fünfjahrplans hierfür keinen Raum läßt. Doch handelt es sich jetzt nicht darum. Es handelt sich darum, dass wir trotz der Mängel und Fehler, die keiner von uns bestreitet, ernste Erfolge erzielt haben, die in der Arbeiterklasse der ganzen Welt Begeisterung hervorrufen, dass wir einen Sieg errungen haben, der von wahrhaft weltgeschichtlicher Bedeutung ist.
Was konnte bei der Tatsache, dass die Partei trotz der Fehler und Mängel entscheidende Erfolge in der Durchführung des Fünfjahrplans in vier Jahren errungen hat, die Hauptrolle spielen und hat sie in der Tat gespielt?
Welches sind die Hauptfaktoren, die uns trotz alledem diesen historischen Sieg gesichert haben?
Es sind dies vor allem die Aktivität und die Hingabe, der Enthusiasmus und die Initiative der Millionenmassen der Arbeiter und Kollektivbauern, die gemeinsam mit den Ingenieuren und Technikern eine kolossale Energie entwickelt haben, um den sozialistischen Wettbewerb und die Stoßbrigadenbewegung zu entfalten. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass wir ohne diesen Umstand das Ziel nicht hätten erreichen können, uns keinen Schritt hätten vorwärts bewegen können.
Es ist dies zweitens die feste Führung der Partei und der Regierung, die die Massen zum Vormarsch aufriefen und alle und jegliche Schwierigkeiten auf dem Wege zum Ziele überwanden.
Es sind dies schließlich die besonderen Vorteile und Vorzüge des sowjetischen Wirtschaftssystems, das kolossale Möglichkeiten in sich birgt, die zur Überwindung der Schwierigkeiten notwendig sind.
Das sind die drei Hauptfaktoren, die den historischen Sieg der UdSSR bestimmt haben.
Die allgemeinen Schlussfolgerungen:
1. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben die Behauptung der bürgerlichen und sozialdemokratischen Politiker, dass der Fünfjahrplan eine Phantasie, ein Fieberwahn, ein unerfüllbarer Traum sei, über den Haufen geworfen. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben gezeigt, dass der Fünfjahrplan bereits durchgeführt ist.
2. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben den bekannten bürgerlichen „Glaubenssatz“ zunichte gemacht, dass die Arbeiterklasse nicht fähig sei, Neues aufzubauen, dass sie nur fähig sei, das Alte zu zerstören. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben gezeigt, dass die Arbeiterklasse ebenso fähig ist, Neues aufzubauen, wie das Alte zu zerstören.
3. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben die These der Sozialdemokraten zunichte gemacht, dass es unmöglich sei, den Sozialismus in einem einzelnen Lande zu errichten. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben gezeigt, dass es vollauf möglich ist, in einem Lande die sozialistische Gesellschaft zu errichten, denn das ökonomische Fundament dieser Gesellschaft ist in der UdSSR bereits gelegt.
4. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben die Behauptung der bürgerlichen Ökonomen über den Haufen geworfen, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem das beste und jedes andere Wirtschaftssystem nicht stabil sei und den Schwierigkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung nicht standhalten könne. Die Ergebnisse des Fünfjahrplans haben gezeigt, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem unhaltbar und nicht stabil ist, dass es sich überlebt hat und einem anderen, einem höheren, dem sowjetischen, sozialistischen Wirtschaftssystem Platz machen muss, dass das sowjetische Wirtschaftssystem das einzige Wirtschaftssystem ist, das keine Krisen fürchtet und fähig ist, die für den Kapitalismus unlösbaren Schwierigkeiten zu überwinden.
5. Schließlich haben die Ergebnisse des Fünfjahrplans gezeigt, dass die Kommunistische Partei unbesiegbar ist, wenn sie weiß, welchem Ziele sie zuzusteuern hat, und Schwierigkeiten nicht fürchtet.
(Stürmischer, nicht endend wollender Beifall, der in eine Ovation übergeht, die Anwesenden erheben sich von ihren Plätzen und jubeln Genossen Stalin zu.)
Über die Arbeit auf dem Lande
Rede am 11. Januar 1933
Genossen!
Ich glaube, dass die Redner den Stand der Parteiarbeit auf dem Lande, ihre Mängel, ihre Vorzüge - besonders ihre Mängel - richtig umrissen haben. Und dennoch scheint mir, dass sie über die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande das Wichtigste nicht gesagt, die Wurzeln dieser Mängel nicht aufgezeigt haben. Indes ist diese Seite für uns von größtem Interesse. Erlauben Sie mir daher, meine Meinung über die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande auszusprechen, mit all der Offenheit auszusprechen, wie sie den Bolschewiki eigen ist.
Worin besteht der Hauptmangel unserer Arbeit auf dem Lande im letzten Jahr, im Jahre 1932?
Der Hauptmangel besteht darin, dass die Getreidebeschaffung in diesem Jahr unter größeren Schwierigkeiten verlaufen ist als im vorhergehenden Jahr, im Jahre 1931.
Das läßt sich durchaus nicht mit einer schlechten Ernte erklären, weil die Ernte in diesem Jahr bei uns nicht schlechter, sondern besser war als im vorhergehenden Jahr. Niemand kann bestreiten, dass der Gesamtertrag der Getreideernte 1932 größer war als im Jahre 1931, als die Dürre in fünf Hauptgebieten des Nordostens der UdSSR sich sehr nachteilig auf die Getreidebilanz des Landes auswirkte. Gewiss hatten wir auch 1932 einige Ernteausfälle infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse am Kuban und am Terek und ebenso in einigen Gebieten der Ukraine. Aber es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass diese Verluste nicht einmal halb so groß sind wie die Verluste, die 1931 infolge der Dürre in den Nordostgebieten der UdSSR zu verzeichnen waren. Es gab also 1932 bei uns im Lande mehr Getreide als 1931. Und dennoch, trotz dieses Umstands, verlief die Getreidebeschaffung im Jahre 1932 bei uns unter größeren Schwierigkeiten als im vorhergehenden Jahr.
Woran liegt das? Was ist die Ursache dieser Unzulänglichkeiten in unserer Arbeit? Wodurch ist dieses Missverhältnis zu erklären?
1. Dies ist vor allem dadurch zu erklären, dass es unsere Genossen an Ort und Stelle, unsere Funktionäre auf dem Lande nicht verstanden haben, der neuen Lage auf dem Lande, die die Einführung des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels mit sich brachte, Rechnung zu tragen. Und gerade weil sie der neuen Lage nicht Rechnung trugen, gerade deshalb haben sie es nicht verstanden, sich entsprechend der neuen Lage umzustellen. Solange es keinen kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel gab, solange es nicht zweierlei Getreidepreise gab, den staatlichen und den Marktpreis, hatten wir auf dem Lande eine bestimmte Lage. Mit der Einführung des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels musste sich die Lage schroff ändern, weil die Einführung des kollektivwirtschaftlichen Handels die Legalisierung des Marktpreises für Getreide bedeutet, eines Preises, der höher ist als der festgesetzte staatliche Preis. Es braucht nicht erst bewiesen zu werden, dass dieser Umstand bei den Bauern eine gewisse Zurückhaltung in der Getreideablieferung an den Staat hervorrufen musste. Der Bauer rechnete so: „Der kollektivwirtschaftliche Getreidehandel ist eingeführt, der Marktpreis ist legalisiert, auf dem Markt kann ich für die gleiche Getreidemenge mehr bekommen als bei der Getreideablieferung an den Staat - folglich muss ich, wenn ich kein Dummkopf sein will, das Getreide eine Zeitlang zurückhalten, dem Staat weniger Getreide abliefern, für den kollektivwirtschaftlichen Handel mehr zurückbehalten und auf diese Weise erreichen, dass ich für die gleiche Menge verkauften Getreides mehr erziele.“
Die einfachste und natürlichste Logik!
Aber das Schlimme dabei ist, dass unsere Funktionäre auf dem Lande, jedenfalls viele von ihnen, diese einfache und natürliche Sache nicht begriffen haben. Um die Erfüllung der Aufgaben der Sowjetmacht nicht zu gefährden, hätten die Kommunisten angesichts dieser neuen Lage schon von den allerersten Erntetagen an, schon im Juli 1932, die Getreidebeschaffung in jeder Weise fördern und vorantreiben müssen. Das erforderte die Lage. Aber wie haben sie in Wirklichkeit gehandelt? Statt die Getreidebeschaffung voranzutreiben, begannen sie, die Bildung aller möglichen Fonds in den Kollektivwirtschaften zu forcieren, wodurch sie die Ablieferungspflichtigen darin bestärkten, bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Staat Zurückhaltung zu üben. Da sie die neue Lage nicht verstanden, befürchteten sie nicht etwa, dass die Zurückhaltung der Bauern bei der Getreideablieferung die Getreidebeschaffung hemmen könnte, sie befürchteten vielmehr, die Bauern würden nicht auf den Gedanken kommen, das Getreide eine Zeitlang zurückzuhalten, um es dann im kollektivwirtschaftlichen Handel auf den Markt zu bringen, und könnten es sich gar einfallen lassen, ihr ganzes Getreide sofort an die Elevatoren abzuliefern.
Mit anderen Worten: Unsere Kommunisten auf dem Lande, mindestens aber die Mehrzahl von ihnen, nahmen den kollektivwirtschaftlichen Handel nur von seiner positiven Seite, sie verstanden und erfassten seine positive Seite, aber die negativen Seiten des kollektivwirtschaftlichen Handels verstanden und erfassten sie ganz und gar nicht, sie begriffen nicht, dass die negativen Seiten des kollektivwirtschaftlichen Handels dem Staat großen Schaden zufügen können, wenn sie, das heißt die Kommunisten, nicht gleich in den ersten Tagen der Getreideernte beginnen, die Getreidebeschaffungskampagne mit aller Kraft voranzutreiben.
Und dieser Fehler wurde nicht nur von Funktionären der Kollektivwirtschaften begangen. Er wurde auch von Direktoren der Sowjetwirtschaften begangen, die das Getreide, das an den Staat abgeliefert werden sollte, in verbrecherischer Weise zurückhielten und anderweitig zu höherem Preis zu verkaufen begannen.
Haben der Rat der Volkskommissare und das ZK dieser neuen Lage, die sich im Zusammenhang mit dem kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel ergeben hatte, in ihrem bekannten Beschluss über die Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Handels 62] Rechnung getragen? Ja, sie haben es getan. In diesem Beschluss heißt es ausdrücklich, dass der kollektivwirtschaftliche Getreidehandel erst aufgenommen werden darf, wenn der Getreidebeschaffungsplan restlos erfüllt und das Saatgut bereitgestellt ist. Dort heißt es ausdrücklich, dass erst nach Abschluss der Getreidebeschaffung und der Bereitstellung des Saatguts, ungefähr um den 15. Januar 1933, dass erst nach Erfüllung dieser Bedingungen der kollektivwirtschaftliche Getreidehandel aufgenommen werden dürfe. Mit diesem ihrem Beschluss haben der Rat der Volkskommissare und das ZK unseren Funktionären auf dem Lande gleichsam erklärt: Lasst euch nicht durch die Sorge um Fonds und Reserven aller Art ablenken, lasst euch nicht von der Hauptaufgabe abbringen, entfaltet die Getreidebeschaffung schon von den ersten Erntetagen an und forciert sie, denn das erste Gebot ist die Erfüllung des Plans der Getreidebeschaffung, das zweite Gebot ist die Bereitstellung des Saatguts, und erst nach Erfüllung dieser Bedingungen könnt ihr den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel beginnen und zur Entfaltung bringen.
Der Fehler des Politbüros des ZK und des Rates der Volkskommissare bestand vielleicht darin, dass sie diese Seite der Sache nicht genügend eindringlich betont und unsere Funktionäre auf dem Lande nicht laut genug vor den Gefahren gewarnt haben, die der kollektivwirtschaftliche Handel in sich birgt. Dass sie jedoch vor diesen Gefahren gewarnt, und zwar deutlich genug gewarnt haben - darüber kann keinerlei Zweifel bestehen. Man muss zugeben, dass das ZK und der Rat der Volkskommissare die Leninsche Stählung und den Scharfblick unserer örtlichen Funktionäre, nicht nur der Bezirksfunktionäre, sondern auch einer Reihe von Gebietsfunktionären, etwas überschätzt haben.
Hätte man vielleicht den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel nicht einführen sollen? War das vielleicht ein Fehler, besonders wenn man berücksichtigt, dass der kollektivwirtschaftliche Handel nicht nur positive, sondern auch gewisse negative Seiten hat?
Nein, das war kein Fehler. Keine einzige revolutionäre Maßnahme ist gegen gewisse negative Seiten gefeit, wenn sie falsch durchgeführt wird.
Das gleiche gilt für den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel. Der kollektivwirtschaftliche Handel ist notwendig und vorteilhaft sowohl für das Dorf als auch für die Stadt, sowohl für die Arbeiterklasse als auch für die Bauernschaft. Und eben weil er vorteilhaft ist, musste man ihn einführen.
Wovon ließen sich der Rat der Volkskommissare und das ZK leiten, als sie den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel einführten?
Vor allem von dem Bestreben, die Grundlagen des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land zu erweitern und die Versorgung der Arbeiter mit landwirtschaftlichen Produkten und der Bauern mit städtischen Erzeugnissen zu verbessern. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der staatliche und der genossenschaftliche Handel allein dazu nicht genügen. Diese Kanäle des Warenumsatzes mussten durch einen neuen Kanal, durch den kollektivwirtschaftlichen Handel, ergänzt werden. Und wir haben sie ergänzt, indem wir den kollektivwirtschaftlichen Handel einführten.
Sie ließen sich weiterhin von dem Bestreben leiten, dem Kollektivbauern mit Hilfe des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels eine zusätzliche Einnahmequelle zu verschaffen und seine ökonomische Lage zu festigen.
Sie ließen sich schließlich von dem Bestreben leiten, durch Einführung des kollektivwirtschaftlichen Handels dem Bauern einen neuen Ansporn zur Verbesserung der Arbeit der Kollektivwirtschaften sowohl bei der Aussaat als auch bei der Ernteeinbringung zu geben.
Sie wissen, dass die Richtigkeit all dieser Erwägungen des Rates der Volkskommissare und des ZK durch Tatsachen aus dem Leben der Kollektivwirtschaften in der letzten Zeit völlig bestätigt worden ist. Der fortschreitende Prozess der Festigung der Kollektivwirtschaften, das Aufhören der Austritte aus den Kollektivwirtschaften, der zunehmende Drang der Einzelbauern, in die Kollektivwirtschaften einzutreten, das Bestreben der Kollektivbauern, bei der Aufnahme neuer Mitglieder sehr wählerisch vorzugehen, all dies und viele ähnliche Erscheinungen sprechen unzweifelhaft davon, dass der kollektivwirtschaftliche Handel die Lage der Kollektivwirtschaften nicht nur nicht geschwächt, sondern im Gegenteil gestärkt und gefestigt hat.
Die Unzulänglichkeiten unserer Arbeit auf dem Lande sind also nicht aus dem kollektivwirtschaftlichen Handel zu erklären, sondern aus seiner nicht immer richtigen Durchführung, aus dem Unvermögen, der neuen Lage Rechnung zu tragen, aus dem Unvermögen, die eigenen Reihen entsprechend der neuen Lage umzustellen, die durch die Einführung des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels geschaffen worden ist.
2. Die zweite Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande besteht darin, dass unsere Genossen in den Ortsorganisationen - und nicht nur diese Genossen - die Veränderungen in den Bedingungen unserer Arbeit auf dem Lande nicht begriffen haben, die im Zusammenhang damit eingetreten sind, dass die Kollektivwirtschaften die herrschende Position in den Hauptgetreidegebieten eingenommen haben. Wir freuen uns alle, dass die kollektivwirtschaftliche Wirtschaftsform in unseren Getreidegebieten zu der herrschenden, Form geworden ist. Aber nicht alle begreifen, dass dieser Umstand unsere Sorge und unsere Verantwortung für die Entwicklung der Landwirtschaft nicht verringert, sondern steigert. Viele glauben: Sobald einmal eine Kollektivierung von, sagen wir, 70 oder 80 Prozent in diesem oder jenem Bezirk, in diesem oder jenem Gebiet erzielt worden ist, so sei damit schon alles erledigt, und wir könnten die Sache dem natürlichen Lauf der Dinge, dem Selbstlauf überlassen, denn sie meinen, die Kollektivierung würde selbst das ihrige tun, von selbst die Landwirtschaft heben. Das ist aber ein großer Irrtum, Genossen. In Wirklichkeit verringert der Übergang zur kollektiven Wirtschaft, als der vorherrschenden Wirtschaftsform, unsere Sorge um die Landwirtschaft nicht, sondern erhöht sie, er verringert nicht die führende Rolle der Kommunisten bei der Hebung der Landwirtschaft sondern vergrößert sie. Der Selbstlauf ist jetzt mehr denn je für die Entwicklung der Landwirtschaft gefährlich. Der Selbstlauf kann jetzt die ganze Sache zugrunde richten.
Solange auf dem Lande der Einzellandwirt das Übergewicht hatte, konnte die Partei ihr Eingreifen in die Entwicklung der Landwirtschaft auf einzelne Hilfs- und Vorbeugungsmaßnahmen beziehungsweise Ratschläge beschränken. Damals musste sich der Einzelbauer selbst um seine Wirtschaft kümmern, denn er hatte niemand, auf den er die Verantwortung für seine Wirtschaft abwälzen konnte, die nur seine persönliche Wirtschaft war, und er konnte auf niemand rechnen, außer auf sich selbst. Damals musste sich der Einzelbauer selbst um die Aussaat, um die Ernteeinbringung und überhaupt um alle landwirtschaftlichen Arbeitsprozesse kümmern, wenn er nicht ohne Brot bleiben und Opfer des Hungers werden wollte. Mit dem Übergang zum kollektiven Wirtschaften hat sich die Sache wesentlich geändert. Die Kollektivwirtschaft ist keine Einzelwirtschaft Die Kollektivbauern sagen ja jetzt: „Die Kollektivwirtschaft ist mein und nicht mein, sie ist mein, aber gleichzeitig gehört sie auch Iwan, Philipp, Michael und anderen Mitgliedern der Kollektivwirtschaft, die Kollektivwirtschaft ist Gemeingut.“ Jetzt kann der Kollektivbauer, der Einzelbauer von gestern und der Kollektivist von heute, die Verantwortung von sich abwälzen und auf, die anderen Mitglieder der Kollektiv wirtschaft bauen, da er weiß, dass die Kollektivwirtschaft ihn nicht ohne Brot lassen wird. Deshalb hat der Kollektivbauer jetzt weniger Sorgen als bei der individuellen Wirtschaft, denn Sorge und Verantwortung für die Wirtschaft sind heute auf alle Kollektivbauern verteilt.
Was folgt nun daraus? Daraus folgt, dass jetzt das Schwergewicht der Verantwortung für die Führung der Wirtschaft von dem einzelnen Bauern auf die Leitung der Kollektivwirtschaft, auf den führenden Kern der Kollektivwirtschaft übergegangen ist. Jetzt fordern die Bauern Sorge um die Wirtschaft und vernünftige Führung der Geschäfte nicht von sich selbst, sondern von der Leitung der Kollektivwirtschaft oder, richtiger gesagt, nicht so sehr von sich selbst als vielmehr von der Leitung der Kollektivwirtschaft. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass die Partei sich jetzt nicht mehr auf einzelne Akte des Eingreifens in den Prozess der landwirtschaftlichen Entwicklung beschränken kann. Sie muss jetzt die Leitung der Kollektivwirtschaften in ihre Hände nehmen, die Verantwortung für die Arbeit auf sich nehmen und den Kollektivbauern helfen, ihre Wirtschaft auf Grund der Ergebnisse der Wissenschaft und der Technik in die Höhe zu bringen.
Das ist aber noch nicht alles. Die Kollektivwirtschaft ist eine Großwirtschaft. Eine Großwirtschaft aber kann nicht ohne einen Plan betrieben werden. Ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, der Hunderte und manchmal auch Tausende von Höfen umfasst, kann nur unter planmäßiger Leitung betrieben werden. Sonst muss er zugrunde gehen und zerfallen. Hier haben wir noch eine neue Bedingung unter dem kollektivwirtschaftlichen System, die sich von den Bedingungen, unter denen eine kleine Einzelbauernwirtschaft geführt wurde, von Grund aus unterscheidet. Kann man die Führung einer solchen Wirtschaft dem so genannten natürlichen Lauf der Dinge, dem Selbstlauf überlassen? Es ist klar, dass man das nicht kann. Um eine solche Wirtschaft zu führen, muss man die Kollektivwirtschaft mit einem gewissen Minimum von Leuten versorgen, die die elementaren Sachkenntnisse besitzen und imstande sind, die Wirtschaft planmäßig zu betreiben, sie in organisierter Weise zu führen. Es ist klar, dass eine solche Wirtschaft ohne systematisches Eingreifen der Sowjetmacht in den kollektivwirtschaftlichen Aufbau, ohne ihre systematische Hilfe nicht in Gang gebracht werden kann.
Was aber folgt daraus? Daraus folgt, dass das kollektivwirtschaftliche System die Sorge und die Verantwortung der Partei und der Regierung für die Entwicklung der Landwirtschaft nicht verringert sondern erhöht. Daraus folgt, dass die Partei, wenn sie die kollektivwirtschaftliche Bewegung leiten will, in alle Einzelheiten des kollektivwirtschaftlichen Lebens und der kollektivwirtschaftlichen Leitung eindringen muss. Daraus folgt, dass die Partei ihre Verbindung mit den Kollektivwirtschaften nicht verringern, sondern vervielfachen muss, dass sie alles wissen muss, was in den Kollektivwirtschaften vorgeht, um rechtzeitig zu Hilfe zu kommen und den Gefahren vorzubeugen, die den Kollektivwirtschaften drohen.
Was sehen wir aber in Wirklichkeit? In Wirklichkeit sehen wir, dass eine ganze Reihe von Bezirks- und Gebietsorganisationen dem Leben der Kollektivwirtschaften entfremdet ist und ihren Anforderungen fern steht. Die Leute sitzen in Kanzleien und kritzeln selbstzufrieden mit den Federn, ohne zu bemerken, dass die Entwicklung der Kollektivwirtschaften an den bürokratischen Kanzleien vorbeigeht. In einzelnen Fällen war man den Kollektivwirtschaften so sehr entfremdet, dass manche Mitglieder von Regionalorganisationen über das, was in den Kollektivwirtschaften ihrer Region vorgeht, nicht von den entsprechenden Bezirksorganisationen, sondern von Mitgliedern des ZK in Moskau erfuhren. Das ist traurig, Genossen, aber wahr. Der Übergang von der individuellen Wirtschaft zu Kollektivwirtschaften sollte zur Stärkung der führenden Rolle der Kommunisten auf dem Lande führen. In Wirklichkeit aber hat dieser Übergang in einer Reihe von Fällen dazu geführt, dass die Kommunisten auf ihren Lorbeeren ausruhten, sich mit dem hohen Prozentsatz der Kollektivierung brüsteten und die Sache dem Selbstlauf, dem natürlichen Lauf der Dinge überließen. Die planmäßige Leitung der Kollektivwirtschaften sollte zur Stärkung der führenden Rolle der Kommunisten in den Kollektivwirtschaften führen. In Wirklichkeit aber ist es in einer Reihe von Fällen so gekommen, dass die Kommunisten nicht auf dem Posten waren und in den Kollektivwirtschaften ehemalige weiße Offiziere, ehemalige Petljuraleute und überhaupt Feinde der Arbeiter und Bauern schalteten und walteten.
So steht es um die zweite Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande.
3. Die dritte Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande besteht darin, dass viele unserer Genossen die Kollektivwirtschaften als neue Wirtschaftsform überschätzten, sie überschätzten und aus ihnen ein Heiligenbild machten. Sie meinten, da einmal die Kollektivwirtschaften als sozialistische Wirtschaftsform vorhanden sind, so sei damit schon alles getan, so sei damit auch schon die richtige Führung der Kollektivwirtschaften, die richtige Planung der kollektiven Wirtschaft, die Umwandlung der Kollektivwirtschaften in sozialistische Musterwirtschaften gesichert. Sie haben nicht begriffen, dass die Kollektivwirtschaften in organisatorischer Hinsicht immer noch schwach sind und ernstlich der Hilfe der Partei bedürfen, sowohl in Bezug auf ihre Versorgung mit erprobten bolschewistischen Kadern als auch in Bezug auf die laufende Geschäftsführung der Kollektivwirtschaft. Aber das ist noch nicht alles und nicht einmal die Hauptsache. Der Hauptmangel besteht hier darin, dass viele unserer Genossen die Kräfte und Möglichkeiten der Kollektivwirtschaften als einer neuen Organisationsform der Landwirtschaft überschätzten. Sie haben nicht begriffen, dass die Kollektivwirtschaft an und für sich, obwohl sie eine sozialistische Wirtschaftsform ist, bei weitem nicht gefeit ist gegen allerlei Gefahren und gegen das Eindringen von konterrevolutionären Elementen aller Art in die Leitung der Kollektivwirtschaft, nicht dagegen gefeit ist, dass sie unter gewissen Umständen von sowjetfeindlichen Elementen zu deren Zwecken ausgenutzt werden kann.
Die Kollektivwirtschaft ist eine sozialistische Form der wirtschaftlichen Organisation, ebenso wie die Sowjets eine sozialistische Form der politischen Organisation sind. Die Kollektivwirtschaften sind ebenso wie die Sowjets eine gewaltige Errungenschaft unserer Revolution, eine gewaltige Errungenschaft der Arbeiterklasse. Die Kollektivwirtschaften und die Sowjets stellen jedoch nur Organisationsformen dar, zwar sozialistische, aber dennoch nur Organisationsformen. Alles hängt davon ab, welcher Inhalt in diese Form gegossen wird.
Wir kennen Fälle, wo die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten eine gewisse Zeit lang die Konterrevolution gegen die Revolution unterstützten. So war es zum Beispiel bei uns in der UdSSR im Juli 1917, als die Sowjets von den Menschewiki und Sozialrevolutionären geleitet wurden und die Konterrevolution gegen die Revolution deckten. So war es in Deutschland Ende 1918, als die Sozialdemokraten die Räte leiteten und diese die Konterrevolution gegen die Revolution deckten. Es kommt also nicht nur auf die Sowjets als Organisationsform an, obwohl diese Form an sich eine gewaltige revolutionäre Errungenschaft darstellt. Es kommt vor allem auf den Inhalt der Arbeit der Sowjets, auf den Charakter der Arbeit der Sowjets an, es kommt darauf an, wer die Sowjets leitet - Revolutionäre oder Konterrevolutionäre. Dadurch ist ja im Grunde auch die Tatsache zu erklären, dass die Konterrevolutionäre nicht immer gegen die Sowjets Stellung nehmen. Es ist zum Beispiel bekannt, dass das Haupt der russischen Konterrevolution, Miljukow, während des Kronstädter Aufstands[Anmerkung 34] für Sowjets Stellung nahm, aber für Sowjets ohne Kommunisten. „Sowjets ohne Kommunisten“ - das war damals die Losung Miljukows, des Hauptes der russischen Konterrevolution. Die Konterrevolutionäre hatten begriffen, dass es nicht auf die Sowjets selbst ankommt, sondern vor allem darauf, wer sie leiten wird.
Dasselbe ist von den Kollektivwirtschaften zu sagen. Die Kollektivwirtschaften als sozialistische Form der Wirtschaftsorganisation können im wirtschaftlichen Aufbau Wunder wirken, wenn an ihrer Spitze wirkliche Revolutionäre, Bolschewiki, Kommunisten stehen. Und umgekehrt können die Kollektivwirtschaften eine gewisse Zeit lang zu einer Deckung für allerlei konterrevolutionäre Machenschaften werden, wenn in den Kollektivwirtschaften Sozialrevolutionäre und Menschewiki, Petljuraoffiziere und sonstige Weißgardisten, ehemalige Denikin- und Koltschakleute schalten und walten. Dabei muss man im Auge behalten, dass die Kollektivwirtschaften als Organisationsform nicht nur gegen das Eindringen sowjetfeindlicher Elemente nicht gefeit sind, sondern in der ersten Zeit sogar mancherlei Bequemlichkeiten für ihre zeitweilige Ausnutzung durch Konterrevolutionäre bieten. Solange die Bauern individuell wirtschafteten, waren sie zersplittert und voneinander getrennt, so dass die konterrevolutionären Umtriebe sowjetfeindlicher Elemente unter den Bauern von keiner großen Wirkung sein konnten. Ein ganz anderes Bild ergibt sich beim Übergang der Bauern zur kollektiven Wirtschaft. Hier haben die Bauern bereits die fertige Form einer Massenorganisation in Gestalt der Kollektivwirtschaften. Infolgedessen kann das Eindringen sowjetfeindlicher Elemente in die Kollektivwirtschaften und ihre sowjetfeindliche Tätigkeit von viel größerer Wirkung sein. Es ist anzunehmen, dass die sowjetfeindlichen Elemente allen diesen Umständen Rechnung tragen. Es ist bekannt, dass ein Teil der Konterrevolutionäre, zum Beispiel im Nordkaukasus, selbst bestrebt ist, etwas in der Art von Kollektivwirtschaften zu schaffen und sie als legale Deckung für ihre unterirdischen Organisationen auszunutzen. Es ist ebenfalls bekannt, dass die sowjetfeindlichen Elemente in einer Reihe von Bezirken, wo sie noch nicht entlarvt und zerschmettert sind, mit Vorliebe in die Kollektivwirtschaften eintreten und die Kollektivwirtschaften sogar loben, um innerhalb der Kollektivwirtschaften Nester konterrevolutionärer Umtriebe zu schaffen. Es ist fernerhin bekannt, dass sich jetzt ein Teil der sowjetfeindlichen Elemente selbst für die Kollektivwirtschaften ausspricht, aber unter der Bedingung, dass in den Kollektivwirtschaften keine Kommunisten seien. „Kollektivwirtschaften ohne Kommunisten“ - das ist die Losung, die jetzt von den sowjetfeindlichen Elementen ausgeheckt wird. Es kommt also nicht nur auf die Kollektivwirtschaften selbst als sozialistische Organisationsform an, sondern vor allem darauf, welcher Inhalt in diese Form gegossen wird, es kommt vor allem darauf an, wer an der Spitze der Kollektivwirtschaften steht und wer sie leitet.
Vorn Standpunkt des Leninismus sind die Kollektivwirtschaften wie auch die Sowjets, als Organisationsform genommen, eine Waffe und nur eine Waffe. Diese Waffe kann unter gewissen Bedingungen gegen die Revolution gerichtet werden. Sie kann gegen die Konterrevolution gerichtet werden. Sie kann der Arbeiterklasse und Bauernschaft dienen. Sie kann unter gewissen Bedingungen den Feinden der Arbeiterklasse und Bauernschaft dienen. Alles hängt davon ab, in wessen Händen sich diese Waffe befindet und gegen wen sie gerichtet wird.
Das beginnen die Feinde der Arbeiter und Bauern zu begreifen, die von ihrem Klasseninstinkt geleitet werden.
Das begreifen leider noch nicht manche unserer Kommunisten.
Und eben weil manche unserer Kommunisten diese einfache Sache noch nicht begriffen haben - eben deshalb sehen wir jetzt, dass in einer Reihe von Kollektivwirtschaften gut getarnte sowjetfeindliche Elemente schalten und walten und dort Schädlingsarbeit und Sabotage treiben.
4. Die vierte Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande besteht darin, dass eine ganze Reihe unserer Genossen in den Ortsorganisationen nicht versteht, die Art des Kampfes gegen das Kulakentum zu ändern, und nicht begreift, dass der Klassenfeind in letzter Zeit ein anderes Gesicht angenommen hat, dass sich die Taktik des Klassenfeindes auf dem Lande geändert hat und dass man dementsprechend die eigene Taktik ändern muss, um einen Erfolg zu erzielen. Der Feind hat die veränderte Lage begriffen, er hat die Kraft und die Macht des neuen Systems auf dem Lande erkannt und hat sich demgemäß umgestellt, hat seine Taktik geändert, ist von der direkten Attacke gegen die Kollektivwirtschaften zu versteckter Wühlarbeit übergegangen. Wir aber haben das nicht begriffen, haben die neue Lage nicht erfasst und fahren fort, den Klassenfeind dort zu suchen, wo er nicht mehr ist, fahren fort, die alte Taktik des weniger komplizierten Kampfes gegen das Kulakentum zu befolgen, zu einer Zeit, da diese Taktik selbst schon längst veraltet ist.
Man sucht den Klassenfeind außerhalb der Kollektivwirtschaften, man sucht ihn in der Gestalt von Leuten mit tierischer Physiognomie, mit riesigen Zähnen, mit feistem Nacken und mit einem Stutzen in der Hand. Man sucht den Kulaken, wie wir ihn von Plakaten her kennen. Aber solche Kulaken sind schon längst von der Bildfläche verschwunden. Die Kulaken von heute und ihre Tellerlecker, die heutigen sowjetfeindlichen Elemente auf dem Lande - das sind größtenteils „stille“, „honigtriefende“ Leute, beinahe „Heilige“. Man braucht sie nicht weit von der Kollektivwirtschaft zu suchen, sie sitzen in der Kollektivwirtschaft selbst und bekleiden dort die Posten von Lagerverwaltern, Wirtschaftsleitern, Rechnungsführern, Sekretären usw. Sie werden niemals sagen: „Nieder mit den Kollektivwirtschaften“. Sie sind „für“ die Kollektivwirtschaften. Aber sie betreiben in den Kollektivwirtschaften eine Sabotage- und Schädlingsarbeit, die für die Kollektivwirtschaften üble Folgen hat. Sie werden niemals sagen: „Nieder mit der Getreidebeschaffung“. Sie sind „für“ die Getreidebeschaffung. Sie treiben „nur“ Demagogie und fordern, dass die Kollektivwirtschaft einen dreimal so großen Getreidevorrat für die Viehzucht anlege als notwendig, sie verlangen, dass die Kollektivwirtschaft dreimal so große Reservefonds anlege als notwendig, dass die Kollektivwirtschaft für Gemeinschaftsverpflegung 6-10 Pfund Getreide täglich pro Arbeitskraft verabfolge usw. Es ist klar, dass nach solchen „Reserven“ und Ausgaben für die Gemeinschaftsverpflegung, nach einer solchen Gaunerdemagogie die wirtschaftliche Stärke der Kollektivwirtschaft untergraben sein muss und für die Getreidebeschaffung kein Raum mehr bleibt.
Um einen so geriebenen Feind zu durchschauen und auf die Demagogie nicht hereinzufallen, muss man revolutionäre Wachsamkeit üben, muss man die Fähigkeit besitzen, dem Feinde die Maske herunterzureißen und den Kollektivbauern sein wirkliches, konterrevolutionäres Gesicht zu zeigen. Gibt es aber bei uns auf dem Lande viele Kommunisten, die über diese Eigenschaften verfügen? Nicht nur, dass die Kommunisten oft solche Klassenfeinde nicht entlarven, sondern sie fallen im Gegenteil selbst auf deren Gaunerdemagogie herein und lassen sich von ihnen am Gängelband führen.
Manche unserer Genossen, die den Klassenfeind in seiner neuen Maske nicht erkennen und nicht imstande sind, seine gaunerischen Machenschaften zu entlarven, beruhigen sich oft damit, dass es keine Kulaken mehr gebe, dass die sowjetfeindlichen Elemente auf dem Lande dank der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse schon vernichtet seien und dass man sich infolgedessen mit der Existenz „neutraler“ Kollektivwirtschaften abfinden könne, die weder bolschewistisch noch sowjetfeindlich seien, die aber von selbst, sozusagen automatisch auf die Seite der Sowjetmacht werden übergehen müssen. Das ist aber ein großer Irrtum, Genossen. Die Kulaken sind geschlagen, aber noch lange nicht vernichtet. Mehr noch - sie werden auch nicht so bald vernichtet sein, wenn die Kommunisten Maulaffen feilhalten und Gleichgültigkeit an den Tag legen, in der Meinung, die Kulaken würden von selbst in die Grube fahren, sozusagen kraft ihrer automatischen Entwicklung. Was die „neutralen“ Kollektivwirtschaften betrifft, so gibt es solche überhaupt nicht und kann es sie auch nicht geben. „Neutrale“ Kollektivwirtschaften - das ist ein Phantasiegebilde von Leuten, die ihre Augen dazu haben, um nichts zu sehen. Bei einem so scharfen Klassenkampf, wie er gegenwärtig bei uns im Sowjetland vor sich geht, bleibt kein Raum für „neutrale“ Kollektivwirtschaften, unter solchen Verhältnissen können die Kollektivwirtschaften nur entweder bolschewistisch oder sowjetfeindlich sein. Und wenn in diesen oder jenen Kollektivwirtschaften nicht wir die Führung haben, dann bedeutet das, dass sie von sowjetfeindlichen Elementen geführt werden. Darüber kann gar kein Zweifel bestehen.
5. Schließlich noch eine Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande. Diese Ursache besteht in der Unterschätzung der Rolle und Verantwortung der Kommunisten heim Aufbau der Kollektivwirtschaften, in der Unterschätzung der Rolle und Verantwortung der Kommunisten bei der Getreidebeschaffung. Spricht man von den Schwierigkeiten bei der Getreidebeschaffung, dann wälzen die Kommunisten gewöhnlich die Verantwortung auf die Bauern ab und behaupten, die Bauern seien an allem schuld. Das ist aber ganz falsch und völlig ungerecht. Die Bauern haben damit nichts zu tun. Handelt es sich um Schuld und Verantwortung, so fällt die Verantwortung voll und ganz auf die Kommunisten, und schuld sind hier an allem nur wir, die Kommunisten.
In der Welt gab es und gibt es keine so starke und autoritative Macht wie unsere, die Sowjetmacht. In der Welt gab es und gibt es keine so mächtige und autoritative Partei wie unsere, die Kommunistische Partei. Niemand hindert uns daran, und niemand kann uns daran hindern, die Sache der Kollektivwirtschaften so zu führen, wie es die Interessen der Kollektivwirtschaften, die Interessen des Staates erfordern. Und wenn es uns nicht immer gelingt, die Sache der Kollektivwirtschaften so zu führen, wie es der Leninismus fordert, wenn wir nicht selten eine Reihe grober, unverzeihlicher Fehler begehen, sagen wir, bei der Getreidebeschaffung, so sind wir daran schuld, und nur wir allein.
Wir sind schuld daran, dass wir die negativen Seiten des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels nicht erkannt und eine Reihe gröbster Fehler begangen haben.
Wir sind schuld daran, dass sich eine ganze Reihe unserer Parteiorganisationen den Kollektivwirtschaften entfremdete, auf ihren Lorbeeren ausruhte und sich von dem Lauf der Dinge treiben ließ.
Wir sind schuld daran, dass eine ganze Reihe unserer Genossen immer noch die Kollektivwirtschaften als Form der Massenorganisation überschätzt, ohne zu begreifen, dass es nicht so sehr auf die Form selbst ankommt als vielmehr darauf, dass man die Leitung der Kollektivwirtschaften in die eigenen Hände nimmt und die sowjetfeindlichen Elemente aus der Leitung der Kollektivwirtschaften verjagt.
Wir sind schuld daran, dass wir die neue Lage nicht erkannt haben und dass wir uns über die neue Taktik des Klassenfeindes, der versteckte Wühlarbeit betreibt, nicht klar wurden.
Es fragt sich, was haben die Bauern damit zu tun?
Ich kenne ganze Gruppen von Kollektivwirtschaften, die sich entwickeln und in Blüte stehen, die vom Staate gestellten Aufgaben pünktlich erfüllen und von Tag zu Tag wirtschaftlich erstarken. Anderseits kenne ich auch Kollektivwirtschaften, die in der Nachbarschaft der vorher erwähnten Kollektivwirtschaften liegen, aber trotz gleichen Ernteertrags und trotz gleicher objektiver Bedingungen dahinsiechen und verfallen. Worin liegt die Ursache? Die Ursache liegt darin, dass die erste Gruppe von Kollektivwirtschaften von wirklichen Kommunisten geleitet wird, die zweite Gruppe aber von Schlafmützen, die allerdings das Parteibuch in der Tasche haben, aber dennoch Schlafmützen sind.
Es fragt sich, was haben die Bauern damit zu tun?
Das Ergebnis der Unterschätzung der Rolle und Verantwortung der Kommunisten ist, dass nicht selten die Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande nicht dort gesucht wird, wo sie gesucht werden muss, und dass die Mängel infolgedessen nicht behoben werden.
Nicht bei den Bauern muss die Ursache der Schwierigkeiten in der Getreidebeschaffung gesucht werden, sondern bei uns selbst, in unseren eigenen Reihen. Denn wir stehen an der Macht, wir verfügen über die Mittel des Staates, wir sind dazu berufen, die Kollektivwirtschaften zu leiten, und wir müssen die volle Verantwortung für die Arbeit auf dem Lande tragen.
Das sind die Hauptursachen, die die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande hervorgerufen hatten.
Man könnte glauben, dass ich ein allzu düsteres Bild entworfen habe, dass bei uns die ganze Arbeit auf dem Lande ausschließlich aus Mängeln bestehe. Aber das ist selbstverständlich falsch. In Wirklichkeit hat unsere Arbeit auf dem Lande neben diesen Mängeln eine ganze Reihe von überaus ernsten und entscheidenden Errungenschaften aufzuweisen. Aber ich habe schon zu Beginn meiner Rede gesagt, dass es nicht zu meinen Aufgaben gehört, eine Charakteristik unserer Errungenschaften zu geben, dass ich nur über die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande sprechen möchte.
Können diese Mängel behoben werden? Ja, sie können zweifellos behoben werden. Werden wir sie in der nächsten Zeit beheben? Ja, das werden wir unbedingt tun. Darüber kann kein Zweifel bestehen. Ich glaube, dass die Politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen und der Sowjetwirtschaften eins jener entscheidenden Mittel sind, mit deren Hilfe diese Mängel in kürzester Frist beseitigt werden können. (Stürmischer, nicht enden wollender Beifall.)
An die "Rabotniza"
Seite 210
Flammenden Gruß der „Rabotniza“ zum zehnten Jahrestag ihres Bestehens. Ich wünsche ihr Erfolg bei der Erziehung der proletarischen Frauenmassen im Geiste des Kampfes für den vollen Triumph des Sozialismus, im Geiste der Erfüllung des großen Vermächtnisses unseres Lehrers Lenin.
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 25, 26. Januar 1933.
Brief an Genossen I. N. Bashanow
Seite 211
16. Februar 1933.
Werter Genosse I. N. Bashanow!
Ihren Brief, dass Sie mir Ihren zweiten Orden als Auszeichnung für meine Arbeit übergeben, habe ich erhalten.
Ich danke Ihnen sehr für Ihre herzlichen Worte und das freundschaftliche Geschenk. Ich weiß, worauf Sie mir zuliebe verzichten, und schätze Ihre Gesinnung.
Trotzdem kann ich Ihren zweiten Orden nicht annehmen. Ich kann und darf ihn nicht annehmen, nicht allein, weil er nur Ihnen gehören kann, da nur Sie ihn verdient haben, sondern auch, weil ich ohnehin durch die mir von den Genossen erwiesene Aufmerksamkeit und Achtung reichlich belohnt bin und folglich kein Recht habe, Sie zu berauben.
Orden sind nicht für diejenigen bestimmt, die ohnehin bekannt sind, sondern hauptsächlich für solche Helden, die wenig bekannt sind und die allen bekannt gemacht werden müssen.
Außerdem muss ich Ihnen sagen, dass ich bereits zwei Orden besitze. Das ist mehr als genug - seien Sie dessen gewiss.
Verzeihen Sie, dass ich mit Verspätung antworte.
Mit kommunistischem Gruß J. Stalin.
P. S. Ich sende Ihnen den Orden, der Ihnen zusteht, zurück.
J. Stalin
16. Februar 1933.
Zum ersten Mal veröffentlicht.
Rede auf dem ersten Unionskongress der Stossarbeiter der Kollektivwirtschaften
Seite 212 - 230
19. Februar 1933
„Prawda“ Nr. 53, 23. Februar 1933.
Genossen Kollektivbauern und Kollektivbäuerinnen!
Ich hatte nicht die Absicht, auf Ihrem Kongress zu sprechen. Ich hatte diese Absicht nicht, weil in den Reden der Genossen, die vor mir gesprochen haben, schon alles gesagt worden ist, was zu sagen war, und zwar gut und treffend gesagt worden ist. Lohnt es sich hiernach noch zu sprechen? Da Sie aber darauf bestehen und die Macht dazu haben (anhaltender Beifall), muss ich mich fügen.
Ich will einige Worte zu den einzelnen Fragen sagen.
I. Der Weg der Kollektivwirtschaften ist der einzig richtige Weg
Erste Frage.
Ist der Weg richtig, den die Kollektivbauernschaft beschritten hat, ist der kollektivwirtschaftliche Weg richtig?
Das ist keine müßige Frage. Sie, Stoßarbeiter der Kollektivwirtschaften, zweifeln wohl nicht daran, dass sich die Kollektivwirtschaften auf dem richtigen Wege befinden. Es ist daher möglich, dass Ihnen diese Frage überflüssig erscheinen wird. Nicht alle Bauern aber denken so wie Sie. Unter den Bauern, auch unter den Kollektivbauern, gibt es immer noch Leute in nicht geringer Zahl, die an der Richtigkeit des kollektivwirtschaftlichen Weges zweifeln. Und daran ist nichts Erstaunliches.
In der Tat, Jahrhunderte hindurch lebten die Menschen in althergebrachter Weise, gingen den alten Weg, beugten ihren Nacken vor dem Kulaken und Gutsbesitzer, vor dem Wucherer und Spekulanten. Man kann nicht sagen, dass dieser alte, der kapitalistische Weg die Billigung der Bauern gefunden hätte. Doch war dieser alte Weg der ausgetretene, gewohnte Weg, und noch niemand hatte durch die Tat bewiesen, dass man irgendwie anders, besser leben kann. Um so mehr, als in allen bürgerlichen Ländern die Menschen immer noch in althergebrachter Weise leben... Und plötzlich brechen in dieses alte sumpfige Leben die Bolschewiki herein, brechen wie der Sturmwind herein und sagen: Es ist an der Zeit, den alten Weg aufzugeben, es ist an der Zeit, mit einem Leben auf neue, auf kollektivwirtschaftliche Art zu beginnen, es ist an der Zeit, nicht so zu leben, wie alle in den bürgerlichen Ländern leben, sondern auf neue Art, auf Artelweise. Aber was das für ein neues Leben ist - wer weiß das? Wenn es nur nicht schlimmer wird als das alte Leben. Auf jeden Fall ist der neue Weg nicht der gewohnte, nicht der ausgetretene, ist er ein noch nicht ganz erkundeter Weg. Ist es nicht besser, auf dem alten Weg zu bleiben? Ist es nicht besser, mit dem Übergang auf den neuen, den kollektivwirtschaftlichen Weg zu warten? Lohnt es sich, das Risiko einzugehen?
Das sind die Zweifel, die jetzt einen Teil der werktätigen Bauernschaft beunruhigen.
Müssen wir diese Zweifel zerstreuen? Müssen wir sie, eben diese Zweifel, an das Tageslicht bringen und zeigen, was sie wert sind? Es ist klar, dass wir das tun müssen.
Folglich kann die vorhin aufgeworfene Frage keine müßige Frage genannt werden.
Ist also der Weg richtig, den die Kollektivbauernschaft betreten hat?
Manche Genossen glauben, dass der Übergang auf den neuen Weg, auf den Weg der Kollektivwirtschaften, bei uns vor drei Jahren begonnen habe. Das ist nur zum Teil richtig. Gewiss, der Massenaufbau von Kollektivwirtschaften hat bei uns vor drei Jahren begonnen. Dieser Übergang war bekanntlich dadurch gekennzeichnet, dass das Kulakentum zerschmettert wurde und die Millionenmassen der Dorfarmut und der Mittelbauern sich den Kollektivwirtschaften zuwandten. Das alles ist richtig. Um jedoch diesen Massenübergang zu den Kollektivwirtschaften zu beginnen, musste man über gewisse Voraussetzungen verfügen, ohne die eine kollektivwirtschaftliche Massenbewegung überhaupt undenkbar ist.
Man musste vor allem die Sowjetmacht haben, die den Bauern half und weiter hilft, den Weg der Kollektivwirtschaften zu betreten.
Man musste zweitens die Gutsbesitzer und Kapitalisten davonjagen, ihnen die Fabriken und den Boden nehmen und diese zum Eigentum des Volkes erklären.
Man musste drittens das Kulakentum bändigen und ihm die Maschinen und Traktoren wegnehmen.
Man musste viertens erklären, dass Maschinen und Traktoren nur von den in Kollektivwirtschaften vereinigten armen und Mittelbauern benutzt werden können.
Man musste schließlich das Land industrialisieren, eine neue Industrie, die Traktorenindustrie, schaffen, neue Werke für den Bau landwirtschaftlicher Maschinen errichten, um die Kollektivbauernschaft reichlich mit Traktoren und Maschinen zu versorgen.
Ohne diese Vorbedingungen war an einen Massenübergang auf den Weg der Kollektivwirtschaften, wie er vor drei Jahren einsetzte, gar nicht zu denken.
Um also auf den Weg der Kollektivwirtschaften überzugehen, musste man vor allem die Oktoberrevolution vollbringen, die Kapitalisten und Gutsbesitzer stürzen, ihnen das Land und die Fabriken nehmen und eine neue Industrie ins Leben rufen.
Mit der Oktoberrevolution begann denn auch der Übergang auf den neuen Weg, auf den Weg der Kollektivwirtschaften. Mit neuer Kraft entfaltete er sich erst vor etwa drei Jahren, weil sich die wirtschaftlichen Ergebnisse der Oktoberrevolution erst zu dieser Zeit in ihrem ganzen Umfang auswirkten, weil es erst zu dieser Zeit gelang, die Industrialisierung des Landes voranzubringen.
Die Geschichte der Völker kennt nicht wenige Revolutionen. Sie unterscheiden sich von der Oktoberrevolution dadurch, dass sie alle einseitige Revolutionen waren. Eine Form der Ausbeutung der Werktätigen wurde durch eine andere Form der Ausbeutung abgelöst, aber die Ausbeutung selbst blieb. Die einen Ausbeuter und Unterdrücker wurden durch andere Ausbeuter und Unterdrücker abgelöst, aber die Ausbeuter und Unterdrücker selbst blieben. Erst die Oktoberrevolution hat es sich zum Ziel gesetzt, jegliche Ausbeutung abzuschaffen und alle und jegliche Ausbeuter und Unterdrücker zu beseitigen.
Die Revolution der Sklaven beseitigte die Sklavenhalter und hob die Sklaverei als Form der Ausbeutung der Werktätigen auf. An die Stelle der Sklavenhalter setzte sie aber Feudalherren und die Leibeigenschaft als Form der Ausbeutung der Werktätigen. Die einen Ausbeuter wurden durch andere Ausbeuter abgelöst. Zur Zeit der Sklaverei gestattete das „Gesetz“ den Sklavenhaltern, Sklaven zu töten. Zur Zeit der Leibeigenschaft gestattete das „Gesetz“ den Feudalherren „nur“, Leibeigene zu verkaufen.
Die Revolution der leibeigenen Bauern beseitigte die Feudalherren und hob die Leibeigenschaft als Form der Ausbeutung auf. Sie setzte jedoch an ihre Stelle Kapitalisten und Gutsbesitzer, die kapitalistische und gutsherrliche Form der Ausbeutung der Werktätigen. Die einen Ausbeuter wurden durch andere Ausbeuter abgelöst. Unter der Leibeigenschaft gestattete das „Gesetz“, Leibeigene zu verkaufen. Unter dem Kapitalismus gestattet das „Gesetz“ „nur“, die Werktätigen zu Arbeitslosigkeit und Verelendung, zu Ruin und Hungertod zu verdammen.
Einzig und allein unsere Sowjetrevolution, unsere Oktoberrevolution, hat die Frage so gestellt, dass nicht die einen Ausbeuter gegen andere eingetauscht werden, dass nicht eine Form der Ausbeutung gegen eine andere eingetauscht wird, sondern dass jegliche Ausbeutung ausgerottet wird, dass alle und jegliche Ausbeuter, alle und jegliche Reichen und Unterdrücker, sowohl die alten wie auch die neuen, ausgerottet werden. (Anhaltender Beifall.)
Das ist der Grund, warum die Oktoberrevolution die Vorbedingung und die unerlässliche Voraussetzung für den Übergang der Bauern auf den neuen, den kollektivwirtschaftlichen Weg ist.
Haben die Bauern recht daran getan, dass sie die Oktoberrevolution unterstützten? Ja, sie haben recht daran getan. Sie haben recht daran getan, weil ihnen die Oktoberrevolution geholfen hat, die Gutsbesitzer und Kapitalisten, die Wucherer und Kulaken, die Händler und Spekulanten abzuschütteln.
Das ist aber nur die eine Seite der Frage. Die Unterdrücker verjagen, die Gutsbesitzer und Kapitalisten verjagen, die Kulaken und Spekulanten bändigen - das ist sehr gut. Aber das ist zuwenig. Um sich endgültig von den alten Fesseln zu befreien, genügt die Zerschmetterung der Ausbeuter allein nicht. Man muss auch ein neues Leben aufbauen, ein Leben, das dem werktätigen Bauern die Möglichkeit geben würde, seine materielle und kulturelle Lage zu verbessern und von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr weiter voranzukommen. Dazu muss man eine neue Ordnung im Dorfe, die kollektivwirtschaftliche Ordnung, errichten. Das ist die andere Seite der Frage.
Wodurch unterscheidet sich die alte Ordnung von der neuen, der kollektivwirtschaftlichen Ordnung?
Unter der alten Ordnung arbeiteten die Bauern jeder für sich, sie arbeiteten in altväterlicher Weise, mit alten Arbeitsgeräten, arbeiteten für die Gutsbesitzer und Kapitalisten, für die Kulaken und Spekulanten, arbeiteten, um andere zu bereichern, und fristeten selbst ein Hungerdasein. Unter der neuen, der kollektivwirtschaftlichen Ordnung arbeiten die Bauern gemeinsam, artelweise, mit neuen Geräten, Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen, sie arbeiten für sich und für ihre Kollektivwirtschaften, leben ohne Kapitalisten und Gutsbesitzer, ohne Kulaken und Spekulanten, sie arbeiten, um ihre materielle und kulturelle Lage von Tag zu Tag zu verbessern. Dort, unter der alten Ordnung, ist die Regierung eine bürgerliche und unterstützt die Reichen gegen die werktätigen Bauern. Hier, unter der neuen, der kollektivwirtschaftlichen Ordnung, ist die Regierung eine Arbeiter- und Bauernregierung und unterstützt die Arbeiter und Bauern gegen alle und jegliche Reichen. Die alte Ordnung führt zum Kapitalismus. Die neue Ordnung führt zum Sozialismus.
Hier haben Sie die zwei Wege, den kapitalistischen und den sozialistischen Weg, den Weg vorwärts, zum Sozialismus, und den Weg zurück, zum Kapitalismus.
Es gibt Leute, die glauben, man könne irgendeinen dritten Weg einschlagen. Besonders ereifern sich für diesen, niemandem bekannten dritten Weg gewisse schwankende Genossen, die von der Richtigkeit des kollektivwirtschaftlichen Weges noch nicht ganz überzeugt sind. Sie wollen, dass wir zu der alten Ordnung, zu der Einzelwirtschaft zurückkehren, jedoch zu einer Einzelwirtschaft ohne Kapitalisten und Gutsbesitzer. Sie wollen hierbei, dass wir „nur“ die Kulaken und anderen kleinen Kapitalisten als gesetzmäßige Erscheinung unseres Wirtschaftssystems gelten lassen. In Wirklichkeit ist das kein dritter Weg, sondern der zweite, der Weg zum Kapitalismus. Denn was heißt Rückkehr zur Einzelwirtschaft und Wiederherstellung des Kulakentums? Das heißt das Kulakenjoch, die Ausbeutung der Bauernschaft durch das Kulakentum wiederherstellen und die Macht an den Kulaken ausliefern. Kann man aber das Kulakentum wiederherstellen und gleichzeitig die Sowjetmacht aufrechterhalten? Nein, das kann man nicht. Die Wiederherstellung des Kulakentums muss zur Schaffung einer Kulakenmacht und zur Liquidierung der Sowjetmacht führen, sie muss folglich zur Bildung einer bürgerlichen Regierung führen. Die Bildung einer bürgerlichen Regierung aber muss ihrerseits zur Wiedereinsetzung der Gutsbesitzer und Kapitalisten, zur Wiederherstellung des Kapitalismus führen. Der so genannte dritte Weg ist in der Tat der zweite, der Weg der Rückkehr zum Kapitalismus. Fragen Sie einmal die Bauern, ob sie das Kulakenjoch wiederherstellen, zum Kapitalismus zurückkehren, die Sowjetmacht liquidieren und die Macht der Gutsbesitzer und Kapitalisten wiederherstellen wollen. Fragen Sie sie einmal, und Sie werden erfahren, welchen Weg die Mehrzahl der werktätigen Bauern für den einzig richtigen Weg hält.
Folglich gibt es nur zwei Wege: entweder vorwärts, hinauf - zur neuen, zur kollektivwirtschaftlichen Ordnung, oder zurück, hinab - zur alten, zur kulakisch-kapitalistischen Ordnung.
Einen dritten Weg gibt es nicht.
Die werktätige Bauernschaft hat recht daran getan, dass sie den kapitalistischen Weg abgelehnt und den Weg des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus beschritten hat.
Man sagt, dass der Weg der Kollektivwirtschaften richtig, aber schwierig sei. Das ist nur zum Teil richtig. Natürlich gibt es auf diesem Wege Schwierigkeiten. Ein gutes Leben kommt nicht von selbst. Aber die Sache ist die, dass die Hauptschwierigkeiten schon überwunden sind, die Schwierigkeiten aber, die vor Ihnen stehen, sind nicht einmal wert, dass man ernstlich von ihnen spricht. Auf jeden Fall erscheinen Ihre heutigen Schwierigkeiten, Genossen Kollektivbauern, im Vergleich mit den Schwierigkeiten, die die Arbeiter vor 10-15 Jahren zu überstehen hatten, als Kinderspiel. Ihre Redner sind hier aufgetreten und haben die Arbeiter Leningrads, Moskaus, Charkows, des Donezbeckens gelobt. Sie sagten, dass sie, die Arbeiter, Errungenschaften aufzuweisen haben, Sie aber, die Kollektivbauern, hätten bedeutend weniger Errungenschaften aufzuweisen. Mir scheint, dass in den Ausführungen Ihrer Redner sogar ein gewisser kameradschaftlicher Neid durchschimmerte: wie gut wäre es doch, wenn wir, die Kollektivbauern, ebensolche Errungenschaften hätten wie ihr, die Arbeiter Leningrads, Moskaus, des Donezbeckens, Charkows...
Das ist alles schön und gut. Wissen Sie aber, was diese Errungenschaften die Leningrader und Moskauer Arbeiter gekostet haben, welche Entbehrungen sie auf sich genommen haben, um schließlich diese Errungenschaften zu erzielen? Ich könnte Ihnen manche Tatsachen aus dem Leben der Arbeiter im Jahre 1918 erzählen, als den Arbeitern ganze Wochen hindurch kein Stück Brot ausgefolgt wurde, von Fleisch und anderen Nahrungsmitteln gar nicht zu reden. Als beste Zeiten galten damals die Tage, an denen es gelang, den Leningrader und Moskauer Arbeitern ein achtel Pfund Schwarzbrot auszufolgen, und das bestand zur Hälfte aus minderwertigen Beimischungen. Und das dauerte nicht einen Monat und nicht ein halbes Jahr, sondern volle zwei Jahre. Die Arbeiter aber harrten aus und verzagten nicht, denn sie wussten, dass bessere Zeiten kommen, dass sie entscheidende Erfolge erringen werden. Und Sie sehen, dass sich die Arbeiter nicht geirrt haben. Vergleichen Sie mal Ihre Schwierigkeiten und Entbehrungen mit den Schwierigkeiten und Entbehrungen, die die Arbeiter durchgemacht haben, und Sie werden sehen, dass es nicht einmal lohnt, ernstlich darüber zu sprechen.
Was ist erforderlich, um die kollektivwirtschaftliche Bewegung weiter voranzubringen und den kollektivwirtschaftlichen Aufbau voll zu entfalten?
Dazu ist vor allem erforderlich, dass die Kollektivwirtschaften Boden haben, dessen Nutzung ihnen völlig gesichert und der zur Bestellung geeignet ist. Haben Sie diesen Boden? Ja, Sie haben ihn. Bekanntlich sind alle guten Ländereien den Kollektivwirtschaften übergeben und ihnen fest zuerkannt worden. Folglich können die Kollektivbauern diesen Boden nach Herzenslust bearbeiten und verbessern, ohne befürchten zu müssen, dass er in fremde Hände übergehen wird.
Dazu ist zweitens erforderlich, dass die Kollektivbauern Traktoren und Maschinen benutzen können. Haben Sie diese? Ja, Sie haben sie. Es ist jedermann bekannt, dass unsere Traktorenwerke und unsere Werke für landwirtschaftliche Maschinen vor allem und hauptsächlich für die Kollektivwirtschaften arbeiten, sie mit allen modernen Gerätschaften versorgen.
Dazu ist schließlich erforderlich, dass die Regierung die Kollektivbauern sowohl mit Menschen als auch mit Finanzmitteln in jeder Weise unterstützt und es nicht zulässt, dass die Überreste feindlicher Klassen die Kollektivwirtschaften zersetzen. Haben Sie eine solche Regierung? Ja, Sie haben sie. Sie heißt Sowjetregierung der Arbeiter und Bauern. Nennen Sie mir ein Land, wo die Regierung nicht die Kapitalisten und Gutsbesitzer, nicht die Kulaken und die anderen Reichen, sondern die werktätigen Bauern unterstützt. Ein solches Land gibt es in der Welt nicht und hat es niemals gegeben. Nur bei uns, im Sowjetland, existiert eine Regierung, die sich rückhaltlos für die Arbeiter und Kollektivbauern, für alle Werktätigen in Stadt und Land gegen alle Reichen und Ausbeuter einsetzt. (Anhaltender Beifall.)
Sie haben also alles, was notwendig ist, um den kollektivwirtschaftlichen Aufbau zu entfalten und die volle Befreiung von den alten Fesseln zu erreichen.
Von Ihnen wird nur eins verlangt: ehrlich zu arbeiten, die Einkünfte der Kollektivwirtschaften nach der Arbeitsleistung zu verteilen, sorgsam mit dem Hab und Gut der Kollektivwirtschaften umzugehen, sorgsam mit den Traktoren und Maschinen umzugehen, für eine gute Wartung der Pferde zu sorgen, die Aufgaben zu erfüllen, die Ihnen Ihr Arbeiter- und Bauernstaat stellt, die Kollektivwirtschaften zu festigen und die Kulaken und ihre Handlanger, die sich in die Kollektivwirtschaften eingeschlichen haben, aus diesen hinauszuwerfen.
Sie werden wohl mit mir einverstanden sein, dass es nicht gar so schwer ist, diese Schwierigkeiten zu überwinden, das heißt ehrlich zu arbeiten und sorgsam mit dem Hab und Gut der Kollektivwirtschaften umzugehen. Dies um so mehr, als Sie jetzt nicht für die Reichen und nicht für die Ausbeuter, sondern für sich selbst, für Ihre eigenen Kollektivwirtschaften arbeiten.
Sie sehen, dass der kollektivwirtschaftliche Weg, der Weg des Sozialismus, für die werktätigen Bauern der einzig richtige Weg ist.
II. Unsere nächste Aufgabe - alle Kollektivbauern wohlhabend zu machen
Zweite Frage.
Was haben wir auf dem neuen Wege, auf unserem kollektivwirtschaftlichen Wege erreicht, und was gedenken wir in den nächsten zwei bis drei Jahren zu erreichen?
Der Sozialismus ist eine gute Sache. Ein glückliches sozialistisches Leben ist zweifellos eine gute Sache. Doch ist das alles eine Sache der Zukunft. Die Hauptfrage ist jetzt nicht, was wir in Zukunft erreichen werden. Die Hauptfrage ist, was wir in der Gegenwart schon erreicht haben. Die Bauernschaft hat den kollektivwirtschaftlichen Weg eingeschlagen. Das ist sehr gut. Was aber hat sie auf diesem Wege erreicht? Welches sind die greifbaren Ergebnisse, die wir auf dem kollektivwirtschaftlichen Wege erreicht haben?
Wir haben erreicht, dass wir den Millionenmassen der armen Bauern geholfen haben, in die Kollektivwirtschaften einzutreten. Wir haben erreicht, dass die Millionenmassen der armen Bauern, die in die Kollektivwirtschaften eingetreten sind und dort den besten Boden und die besten Produktionsinstrumente benutzen, auf das Niveau von Mittelbauern aufgestiegen sind. Wir haben erreicht, dass die Millionenmassen der armen Bauern, die früher ein Hungerdasein fristeten, jetzt in den Kollektivwirtschaften zu Mittelbauern, zu Leuten mit gesicherter Existenz geworden sind. Wir haben erreicht, dass wir der Differenzierung der Bauern in arme Bauern und Kulaken Einhalt geboten, die Kulaken geschlagen und den armen Bauern geholfen haben, innerhalb der Kollektivwirtschaften Herren ihrer Arbeit zu werden, Mittelbauern zu werden.
Wie lagen die Dinge vor der Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus, vor etwa vier Jahren? Die sich bereicherten und mit denen es bergauf ging, das waren die Kulaken. Die armen Bauern aber verelendeten, verfielen dem Ruin und gerieten in die Knechtschaft der Kulaken. Die Mittelbauern versuchten zur Stellung von Kulaken hinaufzugelangen, stürzten aber immer wieder ab und füllten die Reihen der armen Bauern, zum Ergötzen der Kulaken. Es ist nicht schwer zu erraten, dass bei diesem ganzen Durcheinander nur die Kulaken gewannen und vielleicht hin und wieder ein wohlhabender Bauer. Auf je 100 Höfe konnte man im Dorfe 4-5 Kulakenhöfe, 8-10 Höfe wohlhabender Bauern, 45-50 Höfe von Mittelbauern und an die 35 Höfe armer Bauern zählen. Folglich waren von allen Bauernhöfen zumindest 35 Prozent Höfe von armen Bauern, die gezwungen waren, das Kulakenjoch zu tragen. Ich spreche schon gar nicht von den wirtschaftlich schwachen Schichten der Mittelbauern, die mehr als die Hälfte der Mittelbauernschaft ausmachten, sich ihrer Lage nach nur wenig von den armen Bauern unterschieden und sich in direkter Abhängigkeit von den Kulaken befanden.
Durch die Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus haben wir erreicht, dass wir diesem Durcheinander und dieser Ungerechtigkeit ein Ende gemacht, das Kulakenjoch zertrümmert, diese ganze Masse der armen Bauern in Kollektivwirtschaften einbezogen, ihnen dort eine gesicherte Existenz geboten und sie auf das Niveau von Mittelbauern gehoben haben, die den kollektivwirtschaftlichen Grund und Boden, die Vergünstigungen für die Kollektivwirtschaften, Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen benutzen können.
Was bedeutet das aber? Das bedeutet, dass wir nicht weniger als 20 Millionen bäuerlicher Bevölkerung, nicht weniger als 20 Millionen armer Bauern von Elend und Ruin, vom Kulakenjoch erlöst und sie dank den Kollektivwirtschaften zu Menschen mit gesicherter Existenz gemacht haben.
Das ist eine große Errungenschaft, Genossen. Das ist eine Errungenschaft, wie sie die Welt niemals gekannt und wie sie noch kein Staat in der Welt erzielt hat.
Das sind die praktischen, greifbaren Ergebnisse des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus, die Ergebnisse dessen, dass die Bauernschaft den Weg der Kollektivwirtschaften eingeschlagen hat.
Doch ist das nur unser erster Schritt, unsere erste Errungenschaft auf dem Wege des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus.
Es wäre falsch zu glauben, dass wir bei diesem ersten Schritt, bei dieser ersten Errungenschaft haltmachen sollen. Nein, Genossen, wir können nicht bei dieser Errungenschaft haltmachen. Um weiter vorwärts zu schreiten und die Kollektivwirtschaften endgültig zu festigen, müssen wir einen zweiten Schritt tun, müssen wir eine neue Errungenschaft erzielen. Worin besteht dieser zweite Schritt? Er besteht darin, die Kollektivbauern, sowohl die früheren armen Bauern als auch die früheren Mittelbauern, auf ein noch höheres Niveau zu heben. Er besteht darin, alle Kollektivbauern wohlhabend zu machen. Ja, Genossen, wohlhabend zu machen. (Anhaltender Beifall.)
Wir haben erreicht, dass wir die armen Bauern dank den Kollektivwirtschaften auf das Niveau von Mittelbauern gehoben haben. Das ist sehr gut. Aber das ist zuwenig. Wir müssen jetzt erreichen, dass wir noch einen Schritt vorwärts gehen und allen Kollektivbauern helfen, sowohl den früheren armen Bauern als auch den früheren Mittelbauern, auf das Niveau von Wohlhabenden zu gelangen. Das kann man erreichen, und das müssen wir um jeden Preis erreichen. (Anhaltender Beifall.)
Wir haben jetzt alles, was nötig ist, um dieses unser Ziel zu erreichen. Unsere Maschinen und Traktoren werden aber jetzt schlecht ausgenutzt. Unser Grund und Boden wird nicht besonders gut bearbeitet. Man braucht nur die Ausnutzung der Maschinen und Traktoren zu verbessern, man braucht nur die Bodenbearbeitung zu verbessern, und wir werden erreichen, dass wir die Menge der Produkte verdoppeln, verdreifachen. Das aber genügt vollständig, um alle Kollektivbauern zu wohlhabenden Arbeitsleuten der kollektivwirtschaftlichen Felder zu machen.
Wie stand es früher mit den Wohlhabenden? Um wohlhabend zu werden, musste man seine Nachbarn übervorteilen, musste man sie ausbeuten, musste man ihnen möglichst teuer verkaufen und möglichst billig von ihnen kaufen, musste man etliche Knechte dingen, sie gründlich ausbeuten, ein kleines Kapital anhäufen und dann, sobald man fest auf den Füßen stand, Kulak werden. Hierdurch erklärt es sich ja eigentlich auch, dass die Wohlhabenden früher, zur Zeit der Einzelwirtschaft, sich das Misstrauen und den Hass der armen und der Mittelbauern zuzogen. Jetzt ist es anders. Jetzt sind auch die Bedingungen andere. Um als Kollektivbauer wohlhabend zu werden, ist es jetzt durchaus nicht erforderlich, seine Nachbarn zu übervorteilen oder sie auszubeuten. Und es ist jetzt auch gar nicht leicht, jemand auszubeuten, da es ein Privateigentum an Grund und Boden oder eine Pacht bei uns nicht mehr gibt und die Maschinen und Traktoren dem Staate gehören, Leute aber, die Kapital besitzen, jetzt in den Kollektivwirtschaften aus der Mode sind. Es gab eine solche Mode, aber sie ist für alle Ewigkeit dahingeschwunden. Damit die Kollektivbauern wohlhabend werden, dazu ist jetzt nur eins erforderlich - in der Kollektivwirtschaft ehrlich zu arbeiten, die Traktoren und Maschinen richtig auszunutzen, das Arbeitsvieh richtig auszunutzen, den Boden richtig zu bearbeiten, mit dem Eigentum der Kollektivwirtschaften sorgsam umzugehen.
Manchmal sagt man: Wenn wir den Sozialismus haben - wozu dann noch arbeiten? Wir haben früher gearbeitet, arbeiten jetzt - ist es nicht an der Zeit, mit dem Arbeiten aufzuhören? Solche Reden sind grundfalsch, Genossen. Das ist die Philosophie von Faulenzern, nicht aber von ehrlichen Arbeitsleuten. Der Sozialismus verneint durchaus nicht die Arbeit. Im Gegenteil, der Sozialismus ist auf Arbeit begründet. Sozialismus und Arbeit sind voneinander untrennbar.
Lenin, unser großer Lehrer, sagte: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Was heißt das, gegen wen sind Lenins Worte gerichtet? Gegen die Ausbeuter, gegen diejenigen, die selbst nicht arbeiten, aber andere zum Arbeiten zwingen und sich auf Kosten anderer bereichern. Und gegen wen noch? Gegen diejenigen, die selber faulenzen und auf Kosten anderer Vorteile ergattern wollen. Der Sozialismus erfordert nicht Faulenzerei, sondern ehrliche Arbeit von allen Leuten, Arbeit nicht für andere, nicht für Reiche und Ausbeuter, sondern Arbeit für sich, für die Gesellschaft. Und wenn wir ehrlich arbeiten, für uns, für unsere Kollektivwirtschaften - dann werden wir erreichen, dass wir in zwei, drei Jahren alle Kollektivbauern, sowohl die früheren armen Bauern als auch die früheren Mittelbauern, auf das Niveau von Wohlhabenden, auf das Niveau von Leuten heben, die Produkte in Fülle haben und ein kulturvolles Leben führen.
Das ist jetzt unsere nächste Aufgabe. Das können wir erreichen, und das müssen wir um jeden Preis erreichen. (Anhaltender Beifall.)
III. Einzelne Bemerkungen
Gestatten Sie mir jetzt, zu einigen einzelnen Bemerkungen überzugehen.
Vor allem über unsere Parteigenossen auf dem Lande. Unter Ihnen gibt es Parteimitglieder, aber noch mehr Parteilose. Es ist sehr gut, dass auf diesem Kongress mehr Parteilose als Parteimitglieder zusammengekommen sind, weil es vor allem notwendig ist, gerade die Parteilosen zu unserem Werk heranzuziehen. Es gibt Kommunisten, die an die parteilosen Kollektivbauern auf bolschewistische Art herangehen. Es gibt aber auch solche, die sich mit ihrer Parteizugehörigkeit brüsten und Parteilose nicht an sich heranlassen. Das ist schlecht und schädlich. Die Stärke der Bolschewiki, die Stärke der Kommunisten besteht darin, dass sie es verstehen, unsere Partei mit einem Aktiv von Millionen Parteilosen zu umgeben. Wir Bolschewiki würden nicht die Erfolge haben, die wir jetzt haben, wenn wir es nicht verstanden hätten, das Vertrauen von Millionen parteiloser Arbeiter und Bauern für die Partei zu gewinnen. Was ist aber dazu erforderlich? Dazu ist erforderlich, dass die Parteimitglieder sich nicht von den Parteilosen abgrenzen, dass die Parteimitglieder sich nicht in ihrem Parteigehäuse abkapseln, dass sie sich nicht mit ihrer Parteizugehörigkeit brüsten, sondern auf die Stimme der Parteilosen hören, dass sie die Parteilosen nicht nur belehren, sondern auch von ihnen lernen.
Man darf nicht vergessen, dass Parteimitglieder nicht vom Himmel fallen. Man muss dessen eingedenk sein, dass alle Parteimitglieder selber einmal parteilos waren. Heute ist einer parteilos, morgen aber wird er Parteimitglied. Womit kann man sich da eigentlich brüsten? Unter uns alten Bolschewiki gibt es nicht wenige Leute, die 20-30 Jahre in der Partei arbeiten. Und wir waren doch selber einmal auch Parteilose. Was wäre aus uns geworden, wenn vor 20-30 Jahren die damaligen Parteimitglieder uns von oben herab behandelt und uns nicht an die Partei heran gelassen hätten? Möglicherweise wären wir dann auf eine Reihe von Jahren von der Partei abgestoßen worden. Wir alten Bolschewiki aber sind doch nicht gerade die Letzten, Genossen. (Heiterkeit, anhaltender Beifall.)
Aus diesem Grunde müssen unsere Parteimitglieder, die heutigen jungen Parteimitglieder, die manchmal gegenüber den Parteilosen die Nase hoch tragen, all dessen eingedenk sein, besonders dessen, dass nicht Überheblichkeit, sondern Bescheidenheit den Bolschewik ziert.
Jetzt einige Worte über die Frauen, über die Kollektivbäuerinnen. Die Frauenfrage in den Kollektivwirtschaften ist eine sehr wichtige Frage, Genossen. Ich weiß, dass viele von Ihnen die Frauen unterschätzen und sich sogar über sie lustig machen. Aber das ist ein Fehler, Genossen, ein großer Fehler. Es handelt sich hier nicht nur darum, dass die Frauen die Hälfte der Bevölkerung bilden. Es handelt sich vor allem darum, dass die kollektivwirtschaftliche Bewegung eine ganze Reihe von ausgezeichneten und fähigen Frauen auf führende Posten gestellt hat. Sehen Sie sich diesen Kongress, seine Zusammensetzung an, und Sie werden erkennen, dass die Frauen schon längst aus Rückständigen zu Fortgeschrittenen aufgerückt sind. Die Frauen in den Kollektivwirtschaften sind eine große Kraft. Diese Kraft ungenutzt lassen heißt ein Verbrechen begehen. Unsere Pflicht besteht darin, die Frauen in den Kollektivwirtschaften aufrücken zu lassen und diese Kraft auszuwerten.
Gewiss, es hat zwischen der Sowjetmacht und den Kollektivbäuerinnen vor nicht langer Zeit ein kleines Missverständnis gegeben. Es handelte sich um die Kuh. Jetzt aber ist die Sache mit der Kuh geregelt und das Missverständnis beseitigt. (Anhaltender Beifall.) Wir haben erreicht, dass die meisten Kollektivbauern bereits ihre Kuh im Stalle haben. Noch ein, zwei Jahre werden vergehen, und Sie werden keinen Kollektivbauern finden, der nicht seine eigene Kuh hätte. Wir Bolschewiki werden schon dafür sorgen, dass jeder Kollektivbauer bei uns eine Kuh hat. (Anhaltender Beifall.)
Was die Kollektivbäuerinnen selbst anbelangt, so müssen sie der Kraft der Kollektivwirtschaften und der Bedeutung eingedenk sein, die diese für die Frauen haben; sie müssen dessen eingedenk sein, dass sie nur in der Kollektivwirtschaft die Möglichkeit haben, gleichberechtigt neben den Männern zu stehen. Ohne Kollektivwirtschaften - Ungleichheit, in den Kollektivwirtschaften - Gleichheit der Rechte. Mögen die Genossinnen Kollektivbäuerinnen dessen eingedenk sein, und mögen sie die kollektivwirtschaftliche Ordnung wie ihren Augapfel hüten. (Anhaltender Beifall.)
Ein paar Worte über die Komsomolzen und Komsomolzinnen in den Kollektivwirtschaften. Die Jugend ist unsere Zukunft, unsere Hoffnung, Genossen. Die Jugend muss uns, die Alten, ablösen. Sie muss unser Banner siegreich zum Ziel tragen. Unter den Bauern gibt es nicht wenige alte Leute, die mit altem Ballast beschwert, mit Gewohnheiten und Erinnerungen an das alte Leben beladen sind. Es ist klar, dass es ihnen nicht immer gelingt, mit der Partei, mit der Sowjetmacht Schritt zu halten. Anders steht es um unsere Jugend. Sie ist dieser alten Last ledig, und sie eignet sich Lenins Vermächtnis am leichtesten an. Und gerade weil die Jugend sich Lenins Vermächtnis am leichtesten aneignet, gerade deshalb ist sie berufen, die Zurückbleibenden und Schwankenden vorwärts zu führen. Wohl mangelt es ihr an Kenntnissen. Kenntnisse aber sind etwas, was sich erwerben läßt. Sind sie heute nicht vorhanden, so werden sie morgen da sein. Deshalb besteht die Aufgabe darin, den Leninismus zu studieren und immer wieder zu studieren. Genossen Komsomolzen und Komsomolzinnen! Studiert den Bolschewismus und führt die Schwankenden vorwärts! Redet weniger, arbeitet mehr - und euer Werk wird bestimmt von Erfolg gekrönt sein. (Beifall.)
Einige Worte über die Einzelbauern. Von den Einzelbauern hat man hier wenig gesprochen. Das heißt aber noch nicht, dass es sie nicht mehr gibt. Nein, das heißt es nicht. Die Einzelbauern sind da, und man darf sie nicht aus der Rechnung streichen, denn sie sind unsere Kollektivbauern von morgen. Ich weiß, dass ein Teil der Einzelbauern endgültig korrumpiert ist und unter die Spekulanten gegangen ist. Das dürfte wohl die Erklärung dafür sein, dass unsere Kollektivbauern bei der Aufnahme von Einzelbauern in die Kollektivwirtschaften sehr wählerisch sind, sie manchmal auch überhaupt nicht aufnehmen. Das ist natürlich richtig, und dagegen läßt sich nichts einwenden. Es gibt aber einen anderen, größeren Teil der Einzelbauern, solche, die nicht unter die Spekulanten gegangen sind, sondern sich mit ehrlicher Arbeit ihr Brot verdienen. Diese Einzelbauern wären vielleicht nicht abgeneigt, in die Kollektivwirtschaften einzutreten. Daran aber hindern sie einerseits ihre Schwankungen in Bezug auf die Richtigkeit des kollektivwirtschaftlichen Weges und anderseits die Erbitterung, die jetzt unter den Kollektivbauern gegen die Einzelbauern herrscht.
Natürlich muss man die Kollektivbauern verstehen und sich in ihre Lage versetzen können. Während der verflossenen Jahre haben sie nicht wenig Kränkungen und Schmähungen von Seiten der Einzelbauern erdulden müssen. Kränkungen und Schmähungen dürfen aber hier nicht von ausschlaggebender Bedeutung sein. Das ist ein schlechter Leiter, der es nicht versteht, Kränkungen zu vergessen, und der seine Gefühle höher stellt als die Interessen der Kollektivwirtschaften. Wenn Sie Leiter sein wollen, müssen Sie es verstehen, Kränkungen zu vergessen, die Ihnen manche Einzelbauern zugefügt haben. Vor zwei Jahren erhielt ich aus dem Wolgagebiet einen Brief von einer Bäuerin, einer Witwe. Sie beklagte sich, man wolle sie nicht in die Kollektivwirtschaft aufnehmen, und verlangte von mir Unterstützung. Ich fragte bei der Kollektivwirtschaft an. Aus der Kollektivwirtschaft antwortete man mir, dass man sie nicht in die Kollektivwirtschaft aufnehmen könne, weil sie die Versammlung der Kollektivbauern beleidigt habe. Was war da los? Es stellte sich heraus, dass diese Witwe in der Bauernversammlung, in der die Kollektivbauern die Einzelbauern aufforderten, der Kollektivwirtschaft beizutreten, als Antwort auf die Aufforderung ihren Rock hochgehoben und gesagt hatte: „Da habt ihr die Kollektivwirtschaft.“ (Heiterkeit, Lachen.) Zweifellos hat sie nicht richtig gehandelt und die Versammlung beleidigt. Kann man ihr aber die Aufnahme in die Kollektivwirtschaft verweigern, wenn sie nach einem Jahr ihre Handlungsweise aufrichtig bereut und ihren Fehler zugegeben hat? Ich glaube, dass man sie ihr nicht verweigern kann. Das habe ich auch an die Kollektivwirtschaft geschrieben. Die Witwe wurde in die Kollektivwirtschaft aufgenommen. Und was weiter? Es stellte sich heraus, dass sie jetzt in der Kollektivwirtschaft nicht in den letzten, sondern in den ersten Reihen arbeitet. (Beifall.)
Hier haben Sie wieder ein Beispiel dafür, dass die Leiter, wollen sie wirkliche Leiter bleiben, es verstehen müssen, Kränkungen zu vergessen, wenn das die Interessen der Sache erfordern.
Das gleiche gilt für die Einzelbauern überhaupt. Ich bin nicht dagegen, dass man bei der Aufnahme in die Kollektivwirtschaften wählerisch vorgeht. Aber ich bin dagegen, dass man wahllos allen Einzelbauern den Weg in die Kollektivwirtschaft versperrt. Das ist nicht unsere, nicht die bolschewistische Politik. Die Kollektivbauern dürfen nicht vergessen, dass sie selbst noch vor kurzem Einzelbauern waren.
Schließlich einige Worte über den Brief der Besentschuker Kollektivbauern.[Anmerkung 37] Dieser Brief wurde veröffentlicht, und Sie haben ihn wohl gelesen. Gewiss ein guter Brief. Er zeugt davon, dass es unter unseren Kollektivbauern nicht wenige erfahrene und zielbewusste Organisatoren und Agitatoren der kollektivwirtschaftlichen Sache gibt, die der Stolz unseres Landes sind. In dem Brief ist aber eine unrichtige Stelle, der man keinesfalls zustimmen kann. Es handelt sich darum, dass die Besentschuker Genossen ihre Arbeit in der Kollektivwirtschaft als eine bescheidene und fast unbedeutende Arbeit, die Arbeit der Redner und Führer aber, die manchmal drei Ellen lange Reden schwingen, als große und schöpferische Arbeit hinstellen. Kann man dem zustimmen? Nein, Genossen, dem kann man keinesfalls zustimmen. Den Besentschuker Genossen ist hier ein Fehler unterlaufen. Möglicherweise ist ihnen dieser Fehler aus Bescheidenheit unterlaufen. Aber dadurch hört der Fehler nicht auf, ein Fehler zu sein. Die Zeiten sind vorbei, in denen die Führer als die einzigen galten, die Geschichte machen, die Arbeiter und Bauern aber nicht mitgerechnet wurden. Die Geschicke der Völker und Staaten werden jetzt nicht nur von den Führern, sondern vor allem und hauptsächlich von den Millionenmassen der Werktätigen entschieden. Die Arbeiter und Bauern, die ohne viel Lärm und Getue Werke und Fabriken, Bergwerke und Eisenbahnen, Kollektiv- und Sowjetwirtschaften bauen, alle Güter des Lebens schaffen, die ganze Welt ernähren und kleiden - das sind die wahren Helden und Schöpfer des neuen Lebens. Das haben offenbar unsere Besentschuker Genossen vergessen. Es ist nicht gut, wenn Menschen ihre Kräfte überschätzen und sich mit ihren Verdiensten zu brüsten beginnen. Das führt zu Prahlerei, Prahlerei aber ist keine gute Sache. Noch schlimmer ist es jedoch, wenn Leute beginnen, ihre Kräfte zu unterschätzen, und nicht sehen, dass ihre „bescheidene“ und „unmerkliche“ Arbeit in Wirklichkeit eine große und schöpferische Arbeit ist, die die Geschicke der Geschichte entscheidet.
Ich möchte, dass die Besentschuker Genossen diese meine kleine Berichtigung zu ihrem Briefe gutheißen.
Wollen wir hiermit schließen, Genossen.
(Nicht enden wollender Beifall, der in eine Ovation übergeht. Alle erheben sich von den Plätzen und jubeln genossen Stalin zu. Hurrarufe. Es ertönen .Rufe: „Es lebe Genosse Stalin, hurra! Es leben die fortgeschrittenen Kollektivbauern! Es lebe unser Führer, Genosse Stalin!“)
„Prawda“ Nr. 53, 23. Februar 1933.
Begrüßungsschreiben an die Rote Armee zu ihrem 15. Jahrestag
Seite 231
An den Revolutionären Kriegsrat der UdSSR
„Prawda“ Nr. 53, 23. Februar 1933.
Gruß den Kämpfern, Kommandeuren und politischen Funktionären der Roten Arbeiter- und Bauernarmee!
Die Rote Armee, die unter Führung Lenins geschaffen wurde, hat sich in den großen Schlachten des Bürgerkriegs mit unvergänglichem Ruhm bedeckt, als sie die Interventen aus der UdSSR verjagte und die Sache des Sozialismus in unserem Lande siegreich verteidigte.
Die Rote Armee ist jetzt das Bollwerk des Friedens und des friedlichen Schaffens der Arbeiter und Bauern, der wachsame Hüter der Grenzen der Sowjetunion.
Die Arbeiter unseres Landes, die den Fünfjahrplan in vier Jahren siegreich vollendet haben, rüsten die Rote Armee mit neuen Verteidigungsmitteln aus. Ihre Sache, Genossen, ist es, diese Waffen mit aller Vollkommenheit beherrschen zu lernen und Ihre Pflicht gegenüber dem Lande zu erfüllen, wenn die Feinde es wagen sollten, unser Land zu überfallen.
Höher das Banner Lenins, das Banner des Kampfes für den Kommunismus!
Es lebe die heldenhafte Rote Armee, es leben ihre Führer, ihr Revolutionärer Kriegsrat!
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 53, 23. Februar 1933.
Antwort auf einen Brief des Herrn Barnes
Seite 232
20. März 1933
Geehrter Herr Barnes !
Ihre Befürchtungen hinsichtlich der Sicherheit amerikanischer Bürger in der UdSSR sind völlig unbegründet.
Die UdSSR ist einer der wenigen Staaten in der Welt, wo Äußerungen nationalen Hasses oder feindseliges Verhalten zu Ausländern, als Ausländern, gesetzlich verfolgt werden. Es ist nie vorgekommen und kann nie vorkommen, dass irgendjemand in der UdSSR wegen seiner nationalen Herkunft verfolgt werden könnte. Das gilt besonders gegenüber den ausländischen Spezialisten in der UdSSR, darunter auch den amerikanischen Spezialisten, deren Arbeit meiner Meinung nach anerkennenswert ist.
Was einige Engländer von der „Metro-Vickers“[Anmerkung 38] betrifft, so wurden sie zur Verantwortung gezogen, nicht weil sie Engländer sind, sondern weil sie, wie die Untersuchungsbehörden feststellten, die Gesetze der UdSSR verletzt haben. Wurden denn Russen nicht ebenso zur Verantwortung gezogen? Ich weiß nicht, welche Beziehung diese Angelegenheit zu den amerikanischen Bürgern haben kann.
Ich stehe zu Ihren Diensten
J. Stalin
Zum ersten Mal veröffentlicht.
An Genossen S. M. Budjonny.
Seite 233
Dem Kampfgenossen im Bürgerkrieg, dem begabten, aus den Reihen der revolutionären Bauern hervorgegangenen Organisator und Führer der ruhmreichen Roten Reiterei, einem der Führer der Roten Armee, dem Genossen Budjonny, zu seinem fünfzigsten Geburtstag - flammenden bolschewistischen Gruß!
Ich drücke Ihnen fest die Hand, lieber Semjon Michailowitsch.
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 115, 26. April 1933.
Unterredung mit Oberst Robins
Seite 234 - 244
13. Mai 1933
(Kurze Niederschrift)
Stalin. Womit kann ich Ihnen dienen?
Robins. Ich betrachte es als eine große Ehre für mich, dass ich die Möglichkeit habe, Sie zu besuchen.
Stalin. Das ist nichts Besonderes. Sie übertreiben.
Robins (lächelt). Das Interessanteste für mich ist, dass ich in ganz Rußland die Namen Lenin-Stalin, Lenin-Stalin, Lenin-Stalin überall zusammen angetroffen habe.
Stalin. Das ist ebenfalls. eine Übertreibung. Wie könnte ich mich mit Lenin vergleichen.
Robins (lächelt). Ist es etwa auch eine Übertreibung, zu sagen, dass in diesem ganzen Zeitraum die älteste Regierung der Welt die Regierung Sowjetrußlands, der Rat der Volkskommissare, ist?
Stalin. Das ist wohl keine Übertreibung.
Robins. Interessant und wichtig ist, dass diese Regierung in ihrer Arbeit nicht eine reaktionäre Richtung eingeschlagen hat und dass sich diese Regierung, die Lenin bildete, als stark erwiesen hat. Sie widersteht allen feindlichen Richtungen.
Stalin. Das ist richtig.
Robins. Welche Entwicklung Rußland während der 15 Jahre durchgemacht hat, konnte ich besonders klar und deutlich bei der Demonstration am 1. Mai sehen, denn ich wohnte der Demonstration am 1. Mai im Jahre 1918 und jetzt, im Jahre 1933, bei.
Stalin. In der letzten Zeit haben wir einiges erreicht. Aber 15 Jahre - das ist eine lange Zeit.
Robins. Für das Leben eines Staates ist es dennoch eine kurze Zeit, gemessen an dem großen Fortschritt, den Sowjetrussland während dieser Zeit gemacht hat.
Stalin. Wir hätten mehr erreichen können, haben es aber nicht vermocht.
Robins. Es ist interessant, die Leitmotive, die Hauptlinien der beiden Demonstrationen zu vergleichen. Die Demonstration im Jahre 1918 wandte sich nach außen, an das Proletariat der ganzen Welt, an das internationale Proletariat mit dem Aufruf zur Revolution. Heute ist das Leitmotiv ein anderes. Heute sind die Männer, Frauen und die Jugendlichen zur Demonstration gegangen, um zum Ausdruck zu bringen: Dies ist das Land, das wir aufbauen, dies ist das Land, das wir mit allen unseren Kräften verteidigen werden.
Stalin. Damals hatte die Demonstration Agitationscharakter, heute aber zeigt sie, was wir erreicht haben.
Robins. Sie wissen wahrscheinlich, dass ich mich 15 Jahre lang für die Herstellung vernünftiger Beziehungen zwischen den beiden Ländern einsetzte und bestrebt war, dem derzeitigen feindlichen Verhalten der herrschenden Kreise Amerikas ein Ende zu machen.
Stalin. Ich erfuhr davon 1918 aus den Worten Lenins und später auf Grund von Tatsachen. Ich weiß das.
Robins. Ich bin ausschließlich als Privatperson hergekommen und spreche in meinem eigenen Namen. Der Hauptzweck meiner Reise ist, festzustellen, wie die Aussichten für gegenseitige Beziehungen sind, wirkliche Tatsachen festzustellen, wie es um die Arbeitsfertigkeiten der russischen Arbeiter und um ihre Fähigkeiten zu schöpferischer Erfindertätigkeit bestellt ist. Die sowjetfeindliche Propaganda behauptet, der russische Arbeiter sei faul, der russische Arbeiter könne nicht arbeiten, die Maschinen verkämen in seinen Händen, ein solches Land habe keine Zukunft. Gegen diese Propaganda möchte ich nicht nur mit Worten, sondern mit Tatsachenmaterial in der Hand kämpfen.
Die zweite Frage, die mich in diesem Zusammenhang interessiert, das ist die Lage in der Landwirtschaft. Es wird behauptet, die Industrialisierung richte die Landwirtschaft zugrunde, die Bauern säten nicht mehr, sie brächten das Getreide nicht mehr ein. Jedes Jahr wird behauptet, Rußland werde in diesem Jahr ganz bestimmt Hungers sterben. Ich möchte Tatsachen aus dem Gebiet der Landwirtschaft kennen lernen, um diese Behauptungen widerlegen zu können. Ich hoffe Felder zu sehen, auf denen in diesem Jahr erstmalig neue Kulturen angebaut werden. Besonders interessiert mich die Entwicklung der Hauptgetreidearten der Sowjetunion.
Die dritte mich interessierende Frage ist die Frage der Volksbildung, die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, ihre Erziehung. Wie ist es um die Entwicklung der Volksbildung auf dem Gebiet der Kunst und Literatur bestellt, um das, was man schöpferisches Genie, was man Erfindergeist nennt. In Amerika kann man zwei Arten der schöpferischen Tätigkeit beobachten, eine, die sich in der Studierstube abkapselt, und eine andere, die mit dem Leben eng verbunden ist und bei der sich der schöpferische Geist im Leben offenbart. Mich interessiert, wie sich die Kinder entwickeln, wie sich die Jugend entwickelt. Ich hoffe in der Praxis sehen zu können, wie sie lernen, wie sie erzogen werden und sich entwickeln.
Zur ersten und zur dritten Frage habe ich bereits einige wertvolle Beobachtungen gemacht und hoffe auch im Weiteren zusätzliche Angaben zu bekommen. Zur zweiten Frage, die die Entwicklung der Landwirtschaft betrifft, hoffe ich während meiner Reise nach Magnitogorsk und von da nach Rostow, Charkow und zurück die wirkliche Sachlage studieren zu können. Ich hoffe Kollektivwirtschaften zu besichtigen und zu sehen, wie die archaische Gemengelage beseitigt wird und die landwirtschaftliche Großwirtschaft sich entwickelt.
Stalin. Sie wollen meine Meinung hören?
Robins. Ja, ich möchte Ihre Meinung erfahren.
Stalin. Die Bemerkung, der sowjetische Arbeiter sei nicht fähig, mit Maschinen umzugehen, und er beschädige sie, ist völlig falsch.
Ich muss dazu sagen, dass es bei uns eine solche Erscheinung nicht gibt, wie sie in Westeuropa und in Amerika zu verzeichnen war, wo die Arbeiter bewusst Maschinen zertrümmerten, da ihnen die Maschinen das Stück Brot nahmen. Bei uns gehen die Arbeiter nicht so mit den Maschinen um, weil bei uns die massenweise Anwendung von Maschinen unter Verhältnissen stattfindet, da es keine Arbeitslosigkeit gibt, weil die Maschinen den Arbeitern nicht, wie bei Ihnen, das Brot nehmen, sondern ihnen die Arbeit erleichtern.
Was die mangelnden Arbeitsfertigkeiten, die ungenügende Vorbildung der Arbeiter betrifft, so stimmt es, dass es bei uns wenige vorgebildete Arbeiter gibt, und sie werden nicht so leicht mit den Maschinen fertig wie die Arbeiter in Europa oder in Amerika. Aber das ist bei uns eine vorübergehende Erscheinung. Wenn man zum Beispiel die Frage prüft, wo die Arbeiter im Laufe der Geschichte die neue Technik schneller meistern lernten - in Europa, in Amerika oder in diesen fünf Jahren in Rußland -, so denke ich, dass die Arbeiter in Rußland dies trotz ihrer geringen Vorbildung schneller gelernt haben. Im Westen bedurfte es mehrerer Jahre, bis die Produktion von Rädertraktoren gemeistert war, obwohl dort natürlich die Technik entwickelt war. Bei uns hat man das schneller geschafft. Zum Beispiel wurde in Stalingrad und in Charkow die Produktion von Traktoren in knapp 12-14Monaten gemeistert. Gegenwärtig erfüllt das Stalingrader Traktorenwerk den Plan nicht nur entsprechend der projektierten Kapazität, es liefert nicht nur 144 Traktoren täglich, sondern es liefert manchmal 160 Traktoren, das heißt, es arbeitet über die projektierte Kapazität hinaus. Das führe ich als Beispiel an. Unsere Traktorenindustrie ist eine neue Industrie, früher hatten wir keine. Auch in der Flugzeugindustrie, die neu und kompliziert ist, wurde die Technik ebenfalls schnell gemeistert. In der Automobilindustrie verhält es sich mit der schnellen Meisterung der Technik genauso. Das gleiche gilt für den Werkzeugmaschinenbau.
Meiner Meinung nach erklärt sich die schnelle Meisterung der Produktion von Maschinen nicht aus besonderen Fähigkeiten der russischen Arbeiter, sondern daraus, dass die Produktion von, sagen wir, Flugzeugen, Flugzeugmotoren, Traktoren, Automobilen, Werkbänken bei uns nicht als private Angelegenheit des Menschen gilt, sondern als Angelegenheit des Staates. Dort, im Westen, produzieren die Arbeiter, um Arbeitslohn zu erhalten, und alles andere kümmert sie nicht. Bei uns gilt die Produktion als Angelegenheit der Gesellschaft, als Angelegenheit des Staates, gilt als Sache der Ehre. Das ist es, warum bei uns die neue Technik so schnell gemeistert wird.
Ich bin überhaupt der Meinung, dass man die Frage nicht so stellen darf, als wären die Arbeiter irgendeiner Nation unfähig, die moderne Technik zu meistern. Vom Rassenstandpunkt aus gelten zum Beispiel in Amerika die Neger als „minderwertig“, jedoch meistern sie die Technik nicht schlechter als die Weißen. Die Frage, wie die Arbeiter dieser oder jener Nation die Technik meistern, ist keine biologische Frage, keine Frage der Erbanlagen, sondern eine Frage der Zeit: hat man sie heute nicht gemeistert, so wird man sie morgen erlernen und meistern. Die Technik kann jeder meistern, auch der Buschmann, wenn man ihm hilft.
Robins. Es bedarf auch des Bestrebens, des Wunsches, sie zu meistern.
Stalin. Selbstverständlich. Der Wunsch und das Bestreben sind bei den russischen Arbeitern mehr als genug vorhanden. Sie halten die Meisterung der neuen Technik für eine Sache der Ehre.
Robins. Das habe ich bereits in Ihren Fabriken bemerkt, wo ich sah, dass der sozialistische Wettbewerb einen neuen Elan, ein neues Streben hervorbringt, was durch Geld niemals erkauft werden kann, denn die Arbeiter erwarten von dieser ihrer Arbeit etwas Besseres und Größeres, als man mit Geld erlangen kann.
Stalin. Das stimmt. Das ist eine Sache der Ehre.
Robins. Ich nehme nach Amerika Diagramme mit über die Entwicklung des Arbeitererfindungswesens und der von Arbeitern gemachten schöpferischen Vorschläge, die die Produktion verbessern und bedeutende Ersparnisse für die Produktion ergeben. Ich habe die Bilder einer ganzen Reihe von Arbeitererfindern gesehen, die der Sowjetunion, was die Verbesserung der Produktion, was Ersparnisse betrifft, sehr viel gegeben haben.
Stalin. Solche Arbeiter gibt es jetzt bei uns verhältnismäßig viel - das sind sehr fähige Leute.
Robins. Ich war in all Ihren großen Werken in Moskau - im Autowerk AMO, im Kugellagerwerk, im Fräsmaschinenwerk und in anderen-, und überall fand ich eine Organisation zur Förderung des Arbeitererfindungswesens vor. Einen besonderen Eindruck machte auf mich die Werkzeugabteilung in einer Reihe dieser Werke. Weil diese Werkzeugabteilungen ihren Werken wertvollste Werkzeuge liefern, arbeiten die Arbeiter in diesen Abteilungen mit Anspannung all ihrer Kräfte, entwickeln sie ihre ganze schöpferische Initiative und erreichen erstaunliche Resultate.
Stalin. Dessen ungeachtet gibt es bei uns auch viele Mängel. Wir haben wenige qualifizierte Arbeiter. Und wir brauchen deren sehr viel. Auch Techniker haben wir wenig. Mit jedem Jahr wächst ihre Zahl, aber trotzdem haben wir weniger, als wir brauchen. Die Amerikaner haben uns viel geholfen. Das muss man anerkennen. Sie haben besser und kühner als andere geholfen. Dafür sei ihnen gedankt.
Robins. Ich habe in Ihren Betrieben einen solchen Internationalismus angetroffen, dass ich davon sehr stark beeindruckt bin. Die Leitungen Ihrer Werke sind bereit, die technischen Errungenschaften eines beliebigen Landes - Frankreichs, Amerikas, Englands oder Deutschlands - ohne jedes Vorurteil gegen diese Länder zu übernehmen. Und mir scheint, dass gerade dieser Internationalismus es ermöglichen wird, in einer Maschine alle Vorzüge der Maschinen anderer Länder zu vereinen und vollkommenere Maschinen zu schaffen.
Stalin. Dazu wird es kommen.
Zur zweiten Frage, nämlich, dass die Industrialisierung die Landwirtwirtschaft zugrunde richte. Das ist ebenfalls eine falsche Vorstellung. Die Industrialisierung richtet unsere Landwirtschaft nicht zugrunde, sondern rettet sie, rettet den Bauern. Vor einigen Jahren war bei uns die bäuerliche Wirtschaft in hohem Grade in Klein- und Zwergwirtschaften zersplittert. Durch die zunehmende Zersplitterung der bäuerlichen Parzellen wurden sie derart klein, dass nicht einmal so viel Raum blieb, um ein Huhn auslaufen lassen zu können. Bedenken Sie dann noch die primitive landwirtschaftliche Ausrüstung wie den Hakenpflug und den heruntergekommenen Klepper, mit denen man nicht einmal gewöhnlichen Boden, es sei denn, dass er ganz weich war, bearbeiten, geschweige denn Neuland unter den Pflug nehmen konnte, und Sie erhalten ein Bild des Verfalls der Landwirtschaft. Vor 3-4 Jahren hatten wir in der UdSSR etwa 7 Millionen Hakenpflüge. Was blieb den Bauern übrig: entweder sich zum Sterben hinzulegen oder zu neuen Formen der Bodennutzung und zur maschinellen Bearbeitung des Bodens überzugehen. Daraus erklärt sich denn auch, dass der damals erlassene Aufruf der Sowjetmacht an die Bauern, ihre kleinen Parzellen zu großen Landflächen zu vereinen und sich von der Regierung Traktoren, Ernte- und Dreschmaschinen zur Bearbeitung dieser Flächen, zur Ernte und zum Drusch geben zu lassen, lebhaftesten Widerhall unter den Bauern fand. Es ist verständlich, dass die Bauern diesen Vorschlag der Sowjetregierung aufgriffen, ihre Parzellen zu großen Feldern vereinten, sich Traktoren und andere Maschinen geben ließen und so die breite Straße des landwirtschaftlichen Großbetriebs, die neue Straße der grundlegenden Verbesserung der Landwirtschaft beschritten.
Somit hat die Industrialisierung, durch die die Bauern Traktoren und andere Maschinen erhalten, die Bauern gerettet, die Landwirtschaft gerettet.
Den Prozess der dorfweisen Vereinigung der bäuerlichen Kleinwirtschaften zu Großwirtschaften nennen wir Kollektivierung und die vereinigten Großwirtschaften - Kollektivwirtschaften. Die Kollektivierung wird dadurch bedeutend erleichtert, dass es bei uns kein Privateigentum an Grund und Boden gibt, dass der Grund und Boden bei uns nationalisiert ist. Der Boden ist den Kollektivwirtschaften zur ewigen Nutzung übergeben worden, und da es bei uns kein Privateigentum an Grund und Boden gibt, gibt es auch keinen Kauf und Verkauf von Boden, und das alles erleichtert in bedeutendem Maße die Bildung und Entwicklung von Kollektivwirtschaften.
Ich will damit nicht sagen, dass dies alles, das heißt die Kollektivierung und anderes mehr, bei uns reibungslos vor sich geht. Es gibt natürlich Schwierigkeiten, und nicht wenig. Die Kollektivierung hat, wie jedes große neue Werk, nicht nur Freunde, sondern auch Feinde. Ungeachtet dessen ist die überwiegende Mehrheit der Bauern für die Kollektivierung, die Zahl ihrer Gegner aber wird immer kleiner.
Robins. Jede Vorwärtsbewegung ist mit gewissen Unkosten verbunden, das beachten wir und ziehen es in Rechnung.
Stalin. Aber ungeachtet dieser Schwierigkeiten ist eins klar - und an dieser Tatsache zweifle ich nicht im Geringsten: 95% der Bauernschaft geben zu und die Mehrheit der Bauern erkennt mit großer Freude an, dass die Kollektivierung der Landwirtschaft eine Tatsache geworden ist, von der es kein Zurück gibt. Das ist schon erreicht. Die vorherrschende Form der Landwirtschaft ist bei uns jetzt die kollektive Wirtschaft. Wenn man die Zahlen der Aussaat oder der Ernte nimmt, die Zahlen der Getreideproduktion, so liefern gegenwärtig die individuellen Bauern nicht mehr als 10-15 Prozent der gesamten Getreideerträge. Alles andere liefern die Kollektivwirtschaften.
Robins. Mich interessiert, ob es stimmt, dass die Einbringung der Ernte im vorigen Jahr unbefriedigend verlief, dass jetzt die Saatkampagne einen befriedigenden Verlauf nimmt, während die Einbringung im vorigen Jahr unbefriedigend verlief.
Stalin. Im vorigen Jahr verlief die Ernteeinbringung weniger befriedigend als im Jahre davor.
Robins. Ich habe Ihre Ausführungen gelesen und, davon ausgehend, glaube ich, dass in diesem Jahr eine erfolgreichere Ernteeinbringung gewährleistet werden wird.
Stalin. Sie wird aller Wahrscheinlichkeit nach um vieles besser verlaufen.
Robins. Ich glaube, dass Sie die großartige Errungenschaft nicht geringer bewerten als ich, die darin besteht, dass Sie die Landwirtschaft zu industrialisieren vermochten, während kein anderes Land imstande war, dies zu tun. Die Landwirtschaft aller kapitalistischen Länder macht eine tiefe Krise durch und bedarf der Industrialisierung. Die kapitalistischen Länder kommen mit der Industrieproduktion noch irgendwie zurecht, aber keins von ihnen kommt mit der Landwirtschaft zurecht. Eine große Errungenschaft der Sowjetunion ist es, dass sie an die Lösung dieser Aufgabe gegangen ist und diese Aufgabe erfolgreich bewältigt.
Stalin. Ja, das ist eine Tatsache.
Das sind unsere Errungenschaften und Mängel auf dem Gebiet der Landwirtschaft.
Jetzt die dritte Frage - bezüglich der Erziehung der Kinder und der Jugend überhaupt. Wir haben eine tüchtige, eine lebensfrohe Jugend. Unser Staat unterscheidet sich von allen anderen Staaten dadurch, dass er keine Mittel scheut, um den Kindern eine gute Pflege und der Jugend eine gute Erziehung zuteil werden zu lassen.
Robins. In Amerika ist man der Meinung, dass bei Ihnen die Entwicklung des Kindes durch bestimmte feste Grenzen eingeengt wird und dass diese Grenzen keine Freiheit für die Entwicklung des schöpferischen Geistes lassen, dass sie keine Freiheit des Geistes zulassen. Meinen Sie nicht, dass Freiheit für die Entwicklung des schöpferischen Geistes, die Freiheit, das auszudrücken, was den Geist bewegt - von außerordentlich großer Bedeutung ist?
Stalin. Das erste - betreffs der Einengung - stimmt nicht. Das zweite stimmt. Ohne Zweifel kann das Kind bei einem Regime der Abgeschlossenheit und engen Reglementierung, ohne die notwendige Freiheit und Förderung der Initiative seine Fähigkeiten nicht entwickeln. Was die Jugend anbetrifft, so stehen ihr bei uns alle Wege offen, und sie kann alle ihre Fähigkeiten frei entwickeln.
Bei uns wird das Kind nicht geschlagen, sehr selten wird es bestraft, man gibt ihm die Möglichkeit, selbst zu wählen, was ihm gefällt, man gibt ihm die Möglichkeit, den Weg zu gehen, den es sich selbst erwählt. Ich glaube, dass nirgends für das Kind, für seine Erziehung und Entwicklung so gut gesorgt wird wie bei uns, in der Sowjetunion.
Robins. Kann man in Anbetracht der Tatsache, dass die Menschen der neuen Generation sich vom Druck der Not, von den entsetzlichen wirtschaftlichen Bedingungen befreit haben, annehmen, dass diese Befreiung zu einer neuen Entfaltung der schöpferischen Energien, zum Aufblühen einer neuen Kunst, zu einem neuen Aufschwung von Kultur und Kunst führen wird, die früher durch alle diese Fesseln gehemmt wurden?
Stalin. Das ist unbedingt der Fall.
Robins. Ich bin kein Kommunist und verstehe nicht besonders viel von Kommunismus, aber ich möchte, dass Amerika an dieser Entwicklung, die hier in Sowjetrußland vor sich geht, teilnimmt, dass es die Möglichkeit erhält, dieser Entwicklung teilhaftig zu werden, dass die Amerikaner diese Möglichkeit erhalten durch Anerkennung der Sowjetunion, durch Gewährung von Krediten, durch Herstellung normaler Beziehungen zwischen den beiden Ländern, zum Beispiel im Fernen Osten, damit das gewaltige und kühne Unterfangen, an dem man bei Ihnen arbeitet, gesichert wird und erfolgreich vollendet werden kann.
Stalin (lächelt). Ich danke Ihnen für die guten Wünsche.
Robins. Zu meinen nächsten Freunden zählt der Senator Borah, der unter den Führern des amerikanischen Staates der unerschütterlichste Freund der Sowjetunion und ein Kämpfer für ihre Anerkennung war.
Stalin. Das stimmt, er bemüht sich sehr darum, dass zwischen unsern Ländern normale Beziehungen hergestellt werden. Aber leider hat er bis jetzt keinen Erfolg.
Robins. Ich bin davon überzeugt, dass alle realen Faktoren zugunsten der Herstellung normaler Beziehungen zwischen beiden Ländern jetzt bedeutend stärker wirken, als sie jemals in den letzten 15Jahren gewirkt haben.
Stalin. Das stimmt. Aber es gibt einen Faktor, der dabei hinderlich ist: England sucht das meines Erachtens zu verhindern (lächelt).
Robins. Das ist zweifellos der Fall. Aber trotzdem zwingt uns die Lage, in erster Linie von unseren eigenen Interessen auszugehen, und der Konflikt zwischen unsern eigenen Interessen und dem, wozu uns andere Länder drängen, drängt Amerika heute stärker denn je zur Herstellung solcher Beziehungen. Wir sind an der Entwicklung des amerikanischen Exports interessiert. Der einzige große Markt mit großen Möglichkeiten, die bis jetzt niemand richtig ausgenutzt hat - das ist der russische Markt. Die amerikanischen Geschäftsleute könnten, wenn sie wollten, langfristige Kredite geben. Sie sind daran interessiert, dass es im Fernen Osten ruhig ist, wozu nichts so sehr beitragen würde wie die Herstellung normaler Beziehungen zur Sowjetunion. In dieser Hinsicht ist die Erklärung des Herrn Litwinow in Genf zu der Frage, welches Land als Aggressor zu bestimmen ist, ganz und gar im Sinne des Briand-Kellogg-Paktes, der bei der Frage des Friedens eine große Rolle gespielt hat. Amerika ist an der Stabilisierung der wirtschaftlichen Beziehungen in der ganzen Welt interessiert, und wir begreifen sehr gut, dass man so lange keine normalen Wirtschaftsbeziehungen erreichen wird, wie die UdSSR abseits von dem allgemeinen Wirtschaftssystem steht.
Stalin. Das alles stimmt.
Robins. Ich war und bleibe ein unverbesserlicher Optimist. Schon früher, vor 15 Jahren, glaubte ich an die Führer der bolschewistischen Revolution. Man stellte sie damals als Agenten des deutschen Imperialismus hin, besonders Lenin hielt man für einen deutschen Agenten. Aber ich hielt und halte Lenin für den größten Menschen, für den größten Führer in der ganzen Weltgeschichte.
Ich hoffe, dass die Information, die ich aus erster Quelle erhalten habe, vielleicht dazu beitragen wird, den Plan der Annäherung und Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu verwirklichen, von dem ich gesprochen habe.
Stalin (lachend). Gebe Gott.
Robins (lacht). Hätten Sie sich amerikanisch ausgedrückt, würden Sie gesagt haben: „Gebe er uns stärkere Ellbogen!“ Der Amerikaner ist nicht überzeugt, dass seine Ellbogen noch recht stark sind.
Stalin. Nehmen wir an, es ist so.
Robins. Ich glaube, dass es nichts Höheres und Großartigeres gibt, als bei der Schaffung einer neuen Welt mitzuwirken, mitzuwirken bei dem, womit wir uns jetzt beschäftigen. Die Teilnahme an der Schaffung und Errichtung einer neuen Welt ist ein Faktor, der nicht nur heute, sondern auch für Jahrtausende von größter Bedeutung ist.
Stalin. Immerhin bereitet dieses Werk große Schwierigkeiten (lächelt).
Robins (lächelt). Ich danke Ihnen sehr, dass Sie mir Ihre Aufmerksamkeit gewidmet haben.
Stalin. Ich danke Ihnen, dass Sie sich nach 15 Jahren der UdSSR erinnert und ihr einen Besuch abgestattet haben.
(Beide lächeln. Robins verabschiedet sich.)
Zum ersten Mal veröffentlicht.
Grußbotschaft zum fünfzehnten Jahrestag des Leninschen Kommunistischen Jugendverbands der Sowjetunion
Seite 245 - 246
28. Oktober 1933.
„Prawda“ Nr. 299, 29. Oktober 1933.
Dem Leninschen Kommunistischen Jugendverband der Arbeiter- und Bauernjugend, dem Organisator unserer ruhmreichen revolutionären Jugend, freundschaftliche Grüße zu seinem fünfzehnten Jahrestag!
Ich wünsche ihm Erfolg bei der Erziehung unserer Jugend im Geiste des Leninismus, bei der Erziehung unserer Jugend im Geiste des unversöhnlichen Kampfes gegen die Feinde der Arbeiterklasse und der allseitigen Festigung der internationalen brüderlichen Bande zwischen den Werktätigen aller Sprachen und Rassen der Welt.
Die Stoßarbeiter und Stoßarbeiterinnen des Kommunistischen Jugendverbands haben sich Ruhm erworben in der Periode des Neuaufbaus von Werken, Fabriken, Gruben, Eisenbahnen, Sowjetwirtschaften, Kollektivwirtschaften. Wir hoffen, dass die Stoßarbeiter und Stoßarbeiterinnen des Kommunistischen Jugendverbands noch größere Kühnheit und Initiative an den Tag legen werden bei der Meisterung der neuen Technik in allen Zweigen der Volkswirtschaft, bei der Steigerung der Verteidigungskraft unseres Landes, bei der Stärkung unserer Armee, unserer Marine, unserer Luftflotte.
In den 15 Jahren seines Bestehens hat der Leninsche Kommunistische Jugendverband das erhabene Banner Lenins kühn voran getragen, hat er erfolgreich Millionen junger Arbeiter und Bauern, Millionen junger Arbeiterinnen und Bäuerinnen um dieses Banner geschart. Wir hoffen, dass der Leninsche Kommunistische Jugendverband auch weiterhin das Banner Lenins hochhalten und es in Ehren vorantragen wird bis zum siegreichen Ende unseres großen Kampfes, bis zum vollen Sieg des Sozialismus. Es lebe der Leninsche Kommunistische Jugendverband!
Es lebe das Zentralkomitee des Leninschen Kommunistischen Jugendverbands!
J. Stalin
28. Oktober 1933.
„Prawda“ Nr. 299, 29. Oktober 1933.
1934
Unterredung mit dem Berichterstatter der "New York Times", Herrn Duranti
Seite 247 - 251
25. Dezember 1933
„Prawda“ Nr. 4, 4. Januar 1934.
Duranti. Wären Sie nicht bereit, durch die „New York Times“ eine Botschaft an das amerikanische Volk zu richten?
Stalin. Nein. Kalinin hat das bereits getan,[Anmerkung 39] ich kann mich nicht in Angelegenheiten mischen, die zu seinen Prärogativen gehören.
Was die Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR betrifft, so bin ich über die Wiederaufnahme der Beziehungen, die ein Akt von gewaltiger Bedeutung ist, natürlich zufrieden: politisch, weil dies die Chancen für die Erhaltung des Friedens steigert; wirtschaftlich, weil dies störende Momente beseitigt und unseren Ländern die Möglichkeit gibt, die sie interessierenden Fragen auf sachlicher Grundlage zu erörtern; schließlich ebnet dies den Weg für eine beiderseitige Zusammenarbeit.
Duranti. Wie groß wird nach Ihrer Auffassung der mögliche Umfang des sowjetisch-amerikanischen Handels sein?
Stalin. Was Litwinow auf der Londoner Wirtschaftskonferenz[Anmerkung 40] gesagt hat, behält seine Gültigkeit. Wir - der größte Markt der Welt - sind bereit, Aufträge für große Warenmengen zu vergeben und die Zahlungen dafür zu leisten. Wir brauchen jedoch günstige Kreditbedingungen, und darüber hinaus müssen wir die Gewähr haben, dass wir die Zahlungen leisten können. Ohne Export können wir nicht importieren, denn wir wollen keine Aufträge erteilen, ohne die Gewähr zu haben, dass wir pünktlich zahlen können.
Alle wundern sich darüber, dass wir zahlen und zahlen können. Ich weiß, es ist heutzutage nicht üblich, Kredite zurückzuzahlen. Aber wir tun das. Andere Staaten haben die Zahlungen eingestellt, doch die UdSSR tut das nicht und wird es nicht tun. Viele glaubten, wir könnten nicht zahlen, wir hätten keine Mittel, um zu zahlen, aber wir haben ihnen gezeigt, dass wir zahlen können, und sie mussten es schließlich zugeben.
Duranti. Wie steht es mit der Goldgewinnung in der UdSSR?
Stalin. Wir besitzen zahlreiche Goldvorkommen, und sie entwickeln sich rasch. Unsere Produktion übersteigt bereits um das Doppelte die Produktion in der Zarenzeit und ergibt gegenwärtig über 100 Millionen Rubel jährlich. Besonders in den letzten zwei Jahren haben wir die Methoden unserer Schürfungsarbeiten vervollkommnet und große Goldvorräte gefunden. Aber unsere Industrie ist noch jung - nicht nur die Goldförderung, sondern auch die Eisen- und Stahlgewinnung, der Kupferbergbau, die gesamte Hüttenindustrie -, und unsere junge Industrie ist vorläufig nicht imstande, der Goldindustrie die erforderliche Unterstützung zu gewähren. Das Tempo unserer Entwicklung ist rasch, aber der Umfang der Produktion ist noch nicht sehr groß. Wir könnten die Goldgewinnung binnen kurzer Zeit vervierfachen, wenn wir mehr Bagger und andere Maschinen hätten.
Duranti. Wie hoch ist die Gesamtsumme der sowjetischen Kreditverpflichtungen im Ausland?
Stalin. Etwas über 450 Millionen Rubel. Im Laufe der letzten Jahre haben wir große Zahlungen geleistet - vor zwei Jahren betrugen unsere Kreditverpflichtungen 1400 Millionen. Das alles haben wir bezahlt bzw. werden es pünktlich zu den fälligen Terminen bis Ende 1934 oder Anfang 1935 bezahlen.
Duranti. Zugegeben, dass hinsichtlich der sowjetischen Zahlungsbereitschaft keine Zweifel mehr bestehen, aber wie ist es um die sowjetische Zahlungsfähigkeit bestellt?
Stalin. Bei uns gibt es keinen Unterschied zwischen Zahlungsbereitschaft und Zahlungsfähigkeit, da wir keine Verpflichtungen eingehen, die wir nicht einlösen können. Betrachten Sie unsere Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland. Deutschland hat für einen bedeutenden Teil seiner Auslandsschulden ein Moratorium verfügt, und wir könnten den von Deutschland geschaffenen Präzedenzfall ausnutzen und Deutschland gegenüber genauso handeln. Aber wir tun das nicht. Dabei sind wir heute von der deutschen Industrie schon nicht mehr so abhängig wie vordem. Wir können die Maschinen, die wir brauchen, selbst herstellen.
Duranti. Welches ist Ihre Meinung über Amerika? Ich habe gehört, dass Sie eine längere Unterredung mit Bullitt gehabt haben, welches ist Ihre Meinung über ihn? Sind Sie der gleichen Auffassung wie vor drei Jahren, dass unsere Krise - wie Sie mir damals sagten - nicht die letzte Krise des Kapitalismus ist?
Stalin. Bullitt hat auf mich und auf meine Genossen einen guten Eindruck gemacht. Ich hatte ihn bis dahin nie gesehen, aber viel über ihn von Lenin gehört, dem er auch gefiel. Mir gefällt an Bullitt, dass er nicht wie ein landläufiger Diplomat spricht, er ist ein gerader Mensch, der sagt, was er denkt. Überhaupt hat er hier einen sehr guten Eindruck gemacht.
Roosevelt ist allem Anschein nach ein entschlossener und kühner Politiker. Es gibt ein philosophisches System, den Solipsismus, das darin besteht, dass der Mensch nicht an die Existenz der Außenwelt, sondern nur an sein eigenes Ich glaubt. Lange Zeit schien es, als huldige die amerikanische Regierung diesem System und glaube nicht an die Existenz der UdSSR. Roosevelt ist jedoch offenbar kein Anhänger dieser sonderbaren Theorie. Er ist Realist und weiß, dass die Wirklichkeit so ist, wie er sie sieht.
Was die Wirtschaftskrise anbetrifft, so ist sie wirklich nicht die letzte Krise. Sie hat natürlich das gesamte Geschäftsleben erschüttert, aber in der letzten Zeit beginnen die Geschäfte sich anscheinend zu bessern. Es ist möglich, dass der tiefste Punkt des wirtschaftlichen Niedergangs bereits überwunden ist. Ich glaube nicht, dass es gelingen wird, den Aufschwung von 1929 zu erreichen, aber ein Übergang von der Krise zur Depression und zu einer gewissen Belebung ist in der nächsten Zeit, allerdings mit gewissen Schwankungen nach oben und unten, nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern wohl sogar wahrscheinlich.
Duranti. Und wie steht es mit Japan?
Stalin. Wir möchten zu Japan gute Beziehungen unterhalten, doch hängt das leider nicht nur von uns ab. Wenn in Japan eine vernünftige Politik siegt, können unsere beiden Länder in Freundschaft leben. Wir befürchten jedoch, dass die kriegslüsternen Elemente die vernünftige Politik in den Hintergrund drängen können. Das ist eine reale Gefahr, und wir müssen auf sie gefasst sein. Kein Volk kann seine Regierung achten, wenn diese die Gefahr eines Überfalls sieht und sich nicht zur Selbstverteidigung rüstet. Mir scheint, es wäre unvernünftig von Japan, wenn es die UdSSR überfiele. Seine Wirtschaftslage ist nicht besonders gut, es hat schwache Punkte - Korea, die Mandschurei, China -, und außerdem kann Japan kaum damit rechnen, dass es bei diesem Abenteuer die Unterstützung anderer Staaten finden würde. Leider sind gute Militärfachleute nicht immer gute Volkswirtschaftler, und sie können nicht immer zwischen der Macht der Waffen und der Macht der ökonomischen Gesetze unterscheiden.
Duranti. Und wie steht es mit England?
Stalin. Ich glaube, dass der Handelsvertrag mit England unterzeichnet werden wird und dass die Wirtschaftsbeziehungen sich entwickeln werden, da die Konservative Partei begreifen muss, dass sie nichts dabei gewinnt, wenn sie dem Handel mit der UdSSR Hindernisse in den Weg legt. Ich bezweifle jedoch, dass die beiden Länder unter den gegenwärtigen Bedingungen aus dem Handel so großen Nutzen zu ziehen vermögen, wie man erwarten könnte.
Duranti. Was ist Ihr Standpunkt zur Frage der Völkerbundsreform, wie sie von den Italienern gestellt wird?
Stalin. Wir haben darüber von Italien keinerlei Vorschläge erhalten, obwohl unser Vertreter diese Frage mit den Italienern erörtert hat.
Duranti. Ist Ihre Stellung gegenüber dem Völkerbund stets ausschließlich ablehnend?
Stalin. Nein, nicht immer und nicht unter allen Umständen. Sie verstehen vielleicht unseren Standpunkt nicht ganz. Trotz des Austritts Deutschlands und Japans aus dem Völkerbund - oder vielleicht gerade deshalb - kann der Völkerbund zu einem gewissen Faktor werden, der die Eröffnung von Kriegshandlungen hemmt oder verhindert. Wenn dem so ist, wenn der Völkerbund sich auch nur als gewisses Hindernis erweist, das die Sache des Krieges auch nur ein wenig erschwert und die Sache des Friedens bis zu einem gewissen Grad erleichtert, so sind wir nicht gegen den Völkerbund. Ja, falls die geschichtlichen Ereignisse diesen Lauf nehmen, ist es nicht ausgeschlossen, dass wir den Völkerbund trotz all seiner kolossalen Mängel unterstützen werden.
Duranti. Was ist gegenwärtig das wichtigste innenpolitische Problem der UdSSR?
Stalin. Die Entfaltung des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land und der Ausbau aller Arten des Güterverkehrs, insbesondere des Eisenbahnverkehrs. Die Lösung dieser Fragen ist nicht so leicht, jedoch leichter als die Fragen, die wir bereits gelöst haben, und ich bin überzeugt, dass wir sie lösen werden. Das Industrieproblem ist gelöst. Das Problem der Landwirtschaft, das Problem der Bauernschaft, der Kollektivierung - das schwierigste - kann bereits als gelöst gelten. Jetzt gilt es, das Problem des Warenumsatzes und des Verkehrswesens zu lösen.
„Prawda“ Nr. 4, 4. Januar 1934.
Rechenschaftsbericht an den XVII. Parteitag über die Arbeit des ZK der KPdSU(B)
Seite 252 - 336
26. Januar 1934
„Prawda“ Nr. 27, 28. Januar 1934.
- Die fortdauernde Krise des Weltkapitalismus und die aussenpolitische Lage der Sowjetunion
- Der fortdauernde Aufschwung der Volkswirtschaft und die innere Lage der UdSSR
- Die Partei
I. Die fortdauernde Krise des Weltkapitalismus und die außenpolitische Lage der Sowjetunion
Genossen!
Seit dem XVI. Parteitag sind über drei Jahre vergangen. Das ist keine sehr lange Periode. Aber sie ist inhaltsreicher als irgendeine andere. Ich glaube, dass keine einzige Periode des letzten Jahrzehnts so reich an Ereignissen war wie diese Periode.
Auf wirtschaftlichem Gebiet waren dies Jahre der fortdauernden Weltwirtschaftskrise. Die Krise erfasste nicht nur die Industrie, sondern auch die ganze Landwirtschaft. Die Krise wütete nicht nur in der Sphäre der Produktion und des Handels. Sie griff auch auf die Sphäre des Kreditwesens und der Geldzirkulation über und stellte die zwischen den Ländern bestehenden Kredit- und Valutabeziehungen auf den Kopf. Hat man früher hier und dort noch darüber gestritten, ob es eine Weltwirtschaftskrise gebe oder nicht, so streitet man darüber jetzt nicht mehr, denn die Krise und ihre verheerenden Wirkungen treten allzu klar zutage. Jetzt geht der Streit bereits um etwas anderes, nämlich darum, ob man aus der Krise herauskommen kann oder nicht, und wenn man herauskommen kann - was ist dann weiter zu tun?
Auf politischem Gebiet waren dies Jahre der weiteren Verschärfung der Beziehungen sowohl zwischen den kapitalistischen Ländern als auch innerhalb dieser Länder. Der Krieg Japans gegen China und die Okkupation der Mandschurei, die die Beziehungen im Fernen Osten verschärften; der Sieg des Faschismus in Deutschland und der Triumph des Revanchegedankens, die die Beziehungen in Europa verschärften; der Austritt Japans und Deutschlands aus dem Völkerbund, wodurch dem Anwachsen der Rüstungen und den Vorbereitungen zum imperialistischen Krieg ein neuer Anstoß gegeben wurde; die Niederlage des Faschismus in Spanien,[Anmerkung 42] die ein übriges Mal gezeigt hat, dass eine revolutionäre Krise heranreift und dass der Faschismus keineswegs von langer Lebensdauer ist - das sind die wichtigsten Tatsachen aus der Berichtsperiode. Kein Wunder, dass der bürgerliche Pazifismus in den letzten Zügen liegt und die Abrüstungstendenzen offen und unmittelbar durch die Rüstungs- und Aufrüstungstendenzen abgelöst werden.
Inmitten dieser tobenden Wellen der wirtschaftlichen Erschütterungen und militärisch-politischen Katastrophen steht die UdSSR unerschütterlich wie ein Fels da und setzt ihr Werk fort, das Werk des sozialistischen Aufbaus und des Kampfes für die Erhaltung des Friedens. Während dort, in den kapitalistischen Ländern, immer noch die Wirtschaftskrise wütet, dauert in der UdSSR der Aufschwung sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft weiter an. Während dort, in den kapitalistischen Ländern, fieberhaft zu einem neuen Kriege gerüstet wird, um die Welt und die Einflusssphären neu aufzuteilen, setzt die UdSSR den systematischen, beharrlichen Kampf gegen die Kriegsgefahr und für den Frieden fort, und man kann nicht sagen, dass die Bemühungen der UdSSR auf diesem Gebiet keinen Erfolg gehabt hätten.
Das ist das allgemeine Bild der internationalen Lage im gegenwärtigen Augenblick.
Gehen wir nun zur Prüfung der wichtigsten Angaben über die wirtschaftliche und politische Lage der kapitalistischen Länder über.
1. Der Verlauf der Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern
Die jetzige Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern unterscheidet sich von allen analogen Krisen unter anderem dadurch, dass sie die andauerndste und langwierigste Krise ist. Erschöpften sich früher die Krisen in ein, zwei Jahren, so dauert die jetzige Krise bereits das fünfte Jahr, verheert Jahr für Jahr die Wirtschaft der kapitalistischen Länder und zehrt das Fett auf, das sie in den früheren Jahren angesetzt hat. Kein Wunder, dass diese Krise die schwerste aller Krisen ist.
Womit ist dieser unerhört langwierige Charakter der jetzigen industriellen Krise zu erklären?
Er erklärt sich vor allem damit, dass die industrielle Krise alle kapitalistischen Länder ohne Ausnahme erfasst und das Manövrieren der einen Länder auf Kosten der anderen erschwert hat.
Er erklärt sich zweitens damit, dass die industrielle Krise sich mit der Agrarkrise verflochten hat, die alle Agrar- und Halbagrarländer ohne Ausnahme erfasst hat, was die industrielle Krise unvermeidlich komplizieren und vertiefen musste.
Er erklärt sich drittens damit, dass die Agrarkrise sich in dieser Zeit verschärft und alle Zweige der Landwirtschaft, darunter auch die Viehzucht, erfasst hat, zur Degradation der Landwirtschaft geführt hat, zum Übergang von den Maschinen zur manuellen Arbeit, zur Ersetzung des Traktors durch das Pferd, zu einer starken Einschränkung in der Anwendung von Kunstdünger, bisweilen sogar zum völligen Verzicht darauf, was die industrielle Krise noch mehr in die Länge gezogen hat.
Er erklärt sich viertens damit, dass die in der Industrie herrschenden monopolistischen Kartelle bestrebt sind, die hohen Warenpreise aufrechtzuerhalten, ein Umstand, der die Krise besonders heftig macht und es verhindert, dass die Warenvorräte aufgesaugt werden.
Er erklärt sich schließlich damit - und das ist die Hauptsache -, dass sich die industrielle Krise auf der Basis der allgemeinen Krise des Kapitalismus entwickelte in einer Zeit, da der Kapitalismus sowohl in den ausschlaggebenden Ländern als auch in den Kolonien und abhängigen Ländern nicht mehr jene Stärke und Festigkeit hat und haben kann, die er vor dem Kriege und der Oktoberrevolution hatte, und da die Industrie der kapitalistischen Länder vom imperialistischen Krieg eine chronische Unterbeschäftigung der Betriebe und Millionenarmeen von Arbeitslosen geerbt hat, die sie nicht mehr loswerden kann.
Das sind die Umstände, die den überaus langwierigen Charakter der jetzigen industriellen Krise bestimmt haben.
Aus denselben Umständen erklärt sich auch die Tatsache, dass die Krise sich nicht auf die Sphäre der Produktion und des Handels beschränkte, sondern auch das Kreditwesen, die Währung, die Sphäre der Schuldverpflichtungen usw. ergriff und die traditionellen Beziehungen sowohl zwischen den einzelnen Ländern als auch zwischen den sozialen Gruppen in den einzelnen Ländern zunichte machte.
Eine große Rolle spielte hier das Sinken der Warenpreise. Trotz des Widerstands der monopolistischen Kartelle sanken die Preise mit elementarer Gewalt immer tiefer, und zwar sanken in erster Linie und am meisten die Preise für die Waren der nicht organisierten Warenbesitzer, der Bauern, Handwerker, kleinen Kapitalisten, und nur nach und nach und in geringerem Grade für die Waren der organisierten Warenbesitzer, der in Kartellen zusammengeschlossenen Kapitalisten. Das Sinken der Preise machte die Lage der Schuldner (Industrielle, Handwerker, Bauern usw.) unerträglich, die der Gläubiger dagegen zu einer unerhört privilegierten Lage. Eine solche Lage musste dazu führen und hat auch tatsächlich dazu geführt, dass Firmen und Einzelunternehmer in kolossalem Umfang Bankrott machten. Daher sind im Laufe der letzten drei Jahre Zehntausende Aktiengesellschaften in den Vereinigten Staaten, in Deutschland, in England, in Frankreich zugrunde gegangen. Auf den Bankrott der Aktiengesellschaften folgte eine Entwertung der Währungen, die die Lage der Schuldner etwas erleichterte. Auf die Entwertung der Währungen folgte die vom Staat legalisierte Nichtbezahlung sowohl der auswärtigen als auch der inneren Schulden. Der Zusammenbruch solcher Banken wie der Darmstädter und der Dresdner Bank in Deutschland, der Creditanstalt in Osterreich und solcher Konzerne wie des Kreuger-Konzerns in Schweden, des Insull-Konzerns in den Vereinigten Staaten usw. ist jedermann bekannt.
Es ist klar, dass auf diese Erscheinungen, die die Grundlagen des Kreditwesens erschütterten, die Einstellung der Zahlungen für Kredite und Auslandsanleihen, die Einstellung der Zahlungen für die interalliierten Schulden, die Einstellung des Kapitalexports, ein neuer Rückgang des Außenhandels, ein neuer Rückgang des Warenexports, eine Verschärfung des Kampfes um die Auslandsmärkte, ein Handelskrieg zwischen den Ländern und - das Dumping folgen mussten und auch wirklich folgten. Ja, Genossen, das Dumping. Ich spreche hier nicht von dem angeblichen Sowjetdumping, über das noch vor gar nicht langer Zeit manche ehrenwerten Abgeordneten der ehrenwerten Parlamente Europas und Amerikas sich heiser schrieen. Ich spreche von dem wirklichen Dumping, das jetzt nahezu von allen „zivilisierten“ Staaten praktiziert wird, worüber diese wackren und ehrenwerten Abgeordneten wohlweislich Schweigen bewahren.
Es ist weiterhin klar, dass diese verheerenden Begleiterscheinungen der industriellen Krise, die sich außerhalb der Produktionssphäre geltend machten, sich wiederum auf den Gang der industriellen Krise auswirken, sie vertiefen und komplizieren mussten.
Das ist das allgemeine Bild des Verlaufs der industriellen Krise. Hier einige Zahlen aus offiziellen Materialien, die den Verlauf der industriellen Krise in der Berichtsperiode illustrieren:
Umfang der Industrieproduktion in Prozenten im Verhältnis zu 1929
| 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| UdSSR | 100 | 129,7 | 161,9 | 184,7 | 201,6 |
| USA | 100 | 80,8 | 68,1 | 53,8 | 64,9 |
| England | 100 | 92,4 | 83,8 | 83,8 | 86,1 |
| Deutschland | 100 | 88,3 | 71,7 | 59,8 | 66,8 |
| Frankreich | 100 | 100,7 | 89,2 | 69,1 | 77,4 |
Diese Tabelle spricht, wie Sie sehen, für sich selbst.
Während die Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder im Vergleich mit dem Stand von 1929 von Jahr zu Jahr zurückging und sich erst im Jahre 1933 etwas zu erholen begann, aber bei weitem noch nicht den Stand von 1929 erreicht hat, ist die Industrie der UdSSR von Jahr zu Jahr gewachsen und macht einen Prozess des ununterbrochenen Aufschwungs durch.
Während die Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder am Ende des Jahres 1933, im Vergleich mit dem Stand von 1929, im Durchschnitt einen Rückgang des Umfangs ihrer Produktion um 25 Prozent und mehr aufweist, ist die Industrie der UdSSR in dieser Zeit auf mehr als das Doppelte gewachsen, das heißt um mehr als 100 Prozent. (Beifall.)
Wenn man nach dieser Tabelle urteilt, so kann es scheinen, dass sich von den vier kapitalistischen Ländern England in der günstigsten Lage befindet. Aber das ist nicht ganz richtig. Nimmt man die Industrie dieser Länder und vergleicht sie mit dem Vorkriegsniveau, so ergibt sich ein etwas anderes Bild.
Hier die entsprechende Tabelle:
Umfang der Industrieproduktion in Prozenten im Verhältnis zum Vorkriegsstand
| 1913 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| UdSSR | 100 | 194,3 | 252,1 | 314,7 | 359,0 | 391,9 |
| USA | 100 | 170,2 | 137,3 | 115,9 | 91,4 | 110,2 |
| England | 100 | 99,1 | 91,5 | 83,0 | 82,5 | 85,2 |
| Deutschland | 100 | 113,0 | 99,8 | 91,0 | 67,6 | 75,4 |
| Frankreich | 100 | 139,0 | 140,0 | 124,0 | 96,1 | 107,6 |
Wie Sie sehen, hat die Industrie Englands und Deutschlands noch immer nicht den Vorkriegsstand erreicht, während die Vereinigten Staaten und Frankreich ihn um einige Prozent überschritten haben, die UdSSR aber ihre Industrieproduktion in dieser Periode im Vergleich mit dem Vorkriegsstand um mehr als 290 Prozent erhöht, gesteigert hat. (Beifall.)
Aber aus diesen Tabellen ergibt sich noch eine Schlussfolgerung.
Während die Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder seit 1930 und besonders seit 1931 fortwährend zurückging und im Jahre 1932 ihren Tiefpunkt erreichte, begann sie sich im Jahre 1933 etwas zu erholen und anzusteigen. Nimmt man die Monatsangaben für 1932 und 1933, so bestätigen sie diese Schlussfolgerung noch mehr, denn sie zeugen davon, dass die Industrie dieser Länder, trotz der Schwankungen ihrer Produktion im Laufe des Jahres 1933, nicht die Tendenz aufwies, bei ihren Schwankungen nach unten zu dem Tiefpunkt zurückzukehren, der im Sommer 1932 eingetreten war.
Was bedeutet das?
Das bedeutet, dass die Industrie der wichtigsten kapitalistischen Länder offenbar bereits den Tiefpunkt hinter sich hat, zu dem sie im Laufe des Jahres 1933 nicht mehr zurückgekehrt ist.
Manche neigen dazu, diese Erscheinung dem Einfluss ausschließlich künstlicher Faktoren, wie zum Beispiel der Kriegs-Inflationskonjunktur zuzuschreiben. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass hier die Kriegs-Inflationskonjunktur eine nicht geringe Rolle spielt. Das ist besonders zutreffend in Bezug auf Japan, wo dieser künstliche Faktor den wichtigsten und entscheidenden Antrieb zu einer gewissen Belebung mancher Industriezweige, hauptsächlich der Kriegsindustrie, bildet. Es wäre aber ein grober Fehler, alles durch die Kriegs-Inflationskonjunktur erklären zu wollen. Eine solche Erklärung ist schon deshalb nicht richtig, weil die von mir charakterisierten bestimmten Wandlungen in der Industrie nicht in einzelnen und zufälligen Gebieten beobachtet werden, sondern in allen oder nahezu in allen Industrieländern, darunter auch in Ländern mit stabiler Valuta. Es ist offensichtlich, dass sich hier neben der Kriegs-Inflationskonjunktur auch das Wirken der inneren ökonomischen Kräfte des Kapitalismus geltend macht.
Es ist dem Kapitalismus gelungen, die Lage der Industrie etwas zu erleichtern auf Kosten der Arbeiter - durch Verschärfung ihrer Ausbeutung vermittels der Steigerung der Intensität ihrer Arbeit, auf Kosten der Farmer - durch eine Politik möglichst niedriger Preise für die Produkte ihrer Arbeit, für Lebensmittel und teilweise für Rohstoffe, auf Kosten der Bauern der Kolonien und der wirtschaftlich schwachen Länder - durch noch größere Senkung der Preise für die Produkte ihrer Arbeit, hauptsächlich für Rohstoffe und dann auch für Lebensmittel.
Bedeutet das, dass wir es mit einem Übergang von der Krise zu einer gewöhnlichen Depression zu tun haben, die einen neuen Aufschwung und ein neues Aufblühen der Industrie mit sich bringt? Nein, das bedeutet es nicht. Auf jeden Fall liegen gegenwärtig keine, weder direkte noch indirekte, Anzeichen vor, die von einem kommenden Aufschwung der Industrie in den kapitalistischen Ländern sprechen würden. Mehr noch: Nach allem zu urteilen, kann es solche Anzeichen, zumindest in der nächsten Zeit, gar nicht geben. Es kann sie nicht geben, denn es wirken alle jene ungünstigen Bedingungen fort, die es der Industrie der kapitalistischen Länder unmöglich machen, einen einigermaßen ernsthaften Aufschwung zu erreichen. Es handelt sich um die fortdauernde allgemeine Krise des Kapitalismus, auf deren Basis die Wirtschaftskrise vor sich geht, um die chronische Unterbeschäftigung der Betriebe, um die chronische Massenarbeitslosigkeit, um die Verflechtung der industriellen Krise mit der Agrarkrise, um das Fehlen einer Tendenz zu einer einigermaßen bedeutsamen Erneuerung des fixen Kapitals, die gewöhnlich den Beginn eines Aufschwungs ankündigt usw. usf.
Es ist offensichtlich, dass wir es hier mit einem Übergang von dem Tiefpunkt des Niedergangs der Industrie, von dem Tiefpunkt der industriellen Krise zu einer Depression zu tun haben, aber nicht zu einer gewöhnlichen Depression, sondern zu einer Depression besonderer Art, die nicht zu einem neuen Aufschwung und Aufblühen der Industrie führt, sie aber auch nicht zu dem Tiefpunkt des Niedergangs zurückführt.
2. Die Verschärfung der politischen Lage in den kapitalistischen Ländern
Das Ergebnis der langwierigen Wirtschaftskrise war eine bisher noch nicht da gewesene Verschärfung der politischen Lage der kapitalistischen Länder sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch in deren gegenseitigen Beziehungen.
Die Verschärfung des Kampfes um die Auslandsmärkte, die Vernichtung der letzten Reste des Freihandels, die Schutzzölle, der Handelskrieg, der Valutakrieg, das Dumping und viele andere analoge Maßnahmen, die einen extremen Nationalismus in der Wirtschaftspolitik offenbaren, haben die Beziehungen zwischen den Ländern aufs äußerste zugespitzt, haben den Boden für kriegerische Zusammenstöße geschaffen und den Krieg als Mittel zur Neuaufteilung der Welt und der Einflusssphären zugunsten der stärkeren Staaten auf die Tagesordnung gesetzt.
Der Krieg Japans gegen China, die Okkupation der Mandschurei, der Austritt Japans aus dem Völkerbund und der Vormarsch in Nordchina haben die Lage noch mehr verschärft. Die Verschärfung des Kampfes um den Stillen Ozean und das Anwachsen der Rüstungen zur See in Japan, den Vereinigten Staaten, England, Frankreich bilden das Ergebnis dieser Verschärfung.
Der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und das Revanchegespenst haben einen neuen Anstoß zur Verschärfung der Lage und zum Anwachsen der Rüstungen in Europa gegeben.
Kein Wunder, dass der bürgerliche Pazifismus jetzt ein klägliches Dasein fristet, das Geschwätz von der Abrüstung aber durch „sachliche“ Unterhaltungen über Rüstung und Aufrüstung abgelöst wird.
Wieder rücken, wie im Jahre 1914, Parteien des kriegslüsternen Imperialismus, Kriegs- und Revancheparteien, in den Vordergrund.
Es geht offensichtlich einem neuen Krieg entgegen.
Noch mehr verschärft sich infolge des Wirkens derselben Faktoren die innere Lage in den kapitalistischen Ländern. Die vier Jahre industrieller Krise haben die Arbeiterklasse erschöpft und zur Verzweiflung gebracht. Die vier Jahre Agrarkrise haben die besitzlosen Schichten der Bauernschaft nicht nur in den wichtigsten kapitalistischen Ländern, sondern auch insbesondere in den abhängigen und kolonialen Ländern vollends zugrunde gerichtet. Es ist eine Tatsache, dass trotz aller möglichen statistischen Spitzfindigkeiten, die es sich zum Ziel setzen, die Arbeitslosenzahl geringer erscheinen zu lassen, die Zahl der Arbeitslosen nach amtlichen Angaben bürgerlicher Institutionen in England 3 Millionen, in Deutschland 5 Millionen, in den Vereinigten Staaten 10 Millionen erreicht, von den anderen Ländern Europas ganz zu schweigen. Nimmt man noch die Kurzarbeiter hinzu, deren Zahl zehn Millionen übersteigt, nimmt man noch die Millionenmassen der ruinierten Bauern hinzu, so bekommt man ein ungefähres Bild von der Not und Verzweiflung der werktätigen Massen. Die Volksmassen sind noch nicht dahin gelangt, zum Sturm auf den Kapitalismus überzugehen, es kann aber wohl kaum daran gezweifelt werden, dass die Idee des Sturmes im Bewusstsein der Massen heranreift. Davon zeugen eindringlich solche Tatsachen wie die spanische Revolution, die das Regime des Faschismus gestürzt hat, und die Ausdehnung der Sowjetgebiete in China, der die vereinigte Konterrevolution der chinesischen und ausländischen Bourgeoisie nicht Einhalt zu gebieten vermag.
Daraus erklärt sich denn auch die Tatsache, dass die herrschenden Klassen der kapitalistischen Länder die letzten Überreste des Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie, die von der Arbeiterklasse in ihrem Kampf gegen die Unterdrücker ausgenutzt werden können, geflissentlich vernichten oder auf ein Nichts reduzieren, die kommunistischen Parteien in die Illegalität treiben und zu offen terroristischen Methoden der Aufrechterhaltung ihrer Diktatur übergehen.
Chauvinismus und Kriegsvorbereitungen als Hauptelemente der Außenpolitik, Niederhaltung der Arbeiterklasse und Terror auf dem Gebiet der Innenpolitik als notwendiges Mittel zur Stärkung des Hinterlands der künftigen Kriegsfronten - das ist es, was die heutigen imperialistischen Politiker jetzt besonders beschäftigt.
Kein Wunder, dass der Faschismus jetzt zum gangbarsten Modeartikel unter den kriegslüsternen bürgerlichen Politikern geworden ist. Ich spreche nicht nur vom Faschismus überhaupt, sondern vor allein von dem Faschismus deutschen Schlages, der sich zu Unrecht Nationalsozialismus nennt, denn selbst bei gründlichster Prüfung ist es unmöglich, in ihm auch nur eine Spur Sozialismus zu entdecken.
In diesem Zusammenhang darf man den Sieg des Faschismus in Deutschland nicht nur als ein Zeichen der Schwäche der Arbeiterklasse und als Ergebnis der Verrätereien an der Arbeiterklasse seitens der Sozialdemokratie betrachten, die dem Faschismus den Weg ebnete. Man muss ihn auch als Zeichen der Schwäche der Bourgeoisie betrachten, als Zeichen dafür, dass die Bourgeoisie nicht mehr imstande ist, mit den alten Methoden des Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie zu herrschen, und in Anbetracht dessen gezwungen ist, in der Innenpolitik zu terroristischen Regierungsmethoden zu greifen - als Zeichen dafür, dass sie nicht mehr imstande ist, einen Ausweg aus der jetzigen Lage auf dem Boden einer friedlichen Außenpolitik zu finden, weshalb sie gezwungen ist, zur Politik des Krieges zu greifen.
Das ist die Lage.
Wie Sie sehen, geht es einem neuen imperialistischen Krieg entgegen, der als Ausweg aus der jetzigen Lage dienen soll.
Natürlich besteht kein Grund zu der Annahme, dass der Krieg einen wirklichen Ausweg bringen kann. Im Gegenteil, er muss die Lage noch mehr verwirren. Mehr noch, er wird bestimmt die Revolution auslösen und die Existenz des Kapitalismus in einer Reihe von Ländern in Frage stellen, wie das im Verlauf des ersten imperialistischen Krieges der Fall war. Und wenn die bürgerlichen Politiker trotz der Erfahrung des ersten imperialistischen Krieges dennoch zum Kriege greifen wie der Ertrinkende nach einem Strohhalm, so bedeutet das, dass sie sich endgültig im eigenen Netz verstrickt haben, dass sie in eine Sackgasse geraten sind und drauf und dran sind, kopfüber in den Abgrund zu stürzen.
Es wird daher nicht schaden, ganz kurz jene Pläne zur Organisierung des Krieges zu betrachten, die jetzt in den Kreisen der bürgerlichen Politiker ausgeheckt werden.
Die einen meinen, man müsse den Krieg gegen eine der Großmächte organisieren. Sie gedenken, ihr eine vernichtende Niederlage beizubringen und ihre eigene Lage auf Kosten dieser Großmacht zu bessern. Nehmen wir an, sie hätten einen solchen Krieg organisiert. Was kann dabei herauskommen?
Bekanntlich wollte man während des ersten imperialistischen Krieges ebenfalls eine Großmacht, nämlich Deutschland, vernichten und auf seine Kosten Vorteile herausschlagen. Was aber ist dabei herausgekommen? Vernichtet haben sie Deutschland nicht, aber sie haben in Deutschland einen solchen Hass gegen die Sieger gesät und einen so fruchtbaren Boden für die Revanche geschaffen, dass sie bis auf den heutigen Tag jene abscheuliche Suppe nicht auslöffeln können und wohl auch nicht so bald werden auslöffeln können, die sie sich selbst eingebrockt haben. Dafür aber haben sie die Zertrümmerung des Kapitalismus in Rußland, den Sieg der proletarischen Revolution in Rußland und - folglich - die Sowjetunion bekommen. Wo ist die Garantie, dass ihnen ein zweiter imperialistischer Krieg „bessere“ Resultate bringen wird als der erste? Wäre es nicht richtiger, das Gegenteil anzunehmen?
Andere meinen, man müsse den Krieg gegen eins der militärisch schwachen, aber über weite Märkte verfügenden Länder organisieren, zum Beispiel gegen China, das man überdies, nach Meinung dieser Leute, nicht als Staat im eigentlichen Sinne des Wortes bezeichnen könne, das vielmehr lediglich ein „unorganisiertes Territorium“ darstelle, welches es nötig habe, von starken Staaten annektiert zu werden. Sie wollen offenbar dieses Land endgültig aufteilen und die eigene Lage auf seine Kosten bessern. Nehmen wir an, sie hätten einen solchen Krieg organisiert. Was kann dabei herauskommen?
Bekanntlich betrachtete man zu Beginn des 19. Jahrhunderts Italien und Deutschland genauso, wie man jetzt China betrachtet, das heißt, man hielt sie für „unorganisierte Territorien“, nicht aber für Staaten, und versklavte sie. Was aber ist dabei herausgekommen? Herausgekommen ist dabei, wie bekannt, der Krieg Deutschlands und Italiens für ihre Unabhängigkeit und die Einigung dieser Länder als selbständige Staaten. Herausgekommen ist dabei, dass sich in den Herzen der Völker dieser Länder der Hass gegen die Unterdrücker verstärkt hat, dessen Folgen bis auf den heutigen Tag noch nicht aus der Welt geschafft sind und wohl nicht so bald aus der Welt geschafft sein werden. Es fragt sich: Wo ist die Garantie, dass der Krieg der Imperialisten gegen China nicht das gleiche Resultat haben wird?
Die dritten meinen, dass eine „höhere Rasse“, sagen wir, die germanische „Rasse“, den Krieg gegen eine „niedere Rasse“, vor allem gegen die Slawen, organisieren müsse, dass nur ein solcher Krieg einen Ausweg aus der Lage bringen könne, denn die „höhere Rasse“ sei berufen, die „niedere“ zu befruchten und über sie zu herrschen. Nehmen wir an, dass man diese seltsame Theorie, die von der Wissenschaft ebenso weit entfernt ist wie der Himmel von der Erde - nehmen wir an, dass man diese seltsame Theorie in die Praxis umgesetzt habe. Was kann dabei herauskommen?
Bekanntlich blickte das alte Rom auf die Vorfahren der heutigen Deutschen und Franzosen genauso, wie jetzt die Vertreter der „höheren Rasse“ auf die slawischen Stämme blicken. Bekanntlich betrachtete das alte Rom sie als „niedere Rasse“, als „Barbaren“, die dazu bestimmt seien, für alle Ewigkeit der „höheren Rasse“, dem „Großen Rom“, unterworfen zu sein, wobei übrigens - unter uns gesagt - das alte Rom dazu einigen Grund hatte, was man von den Vertretern der jetzigen „höheren Rasse“ nicht sagen kann. (Beifallssturm.) Was ist aber dabei herausgekommen? Herausgekommen ist dabei, dass sich die Nichtrömer, das heißt alle „Barbaren“, gegen den gemeinsamen Feind zusammenschlossen und Rom über den Haufen rannten. Es fragt sich: Wo ist die Garantie, dass die Prätensionen der Vertreter der jetzigen „höheren Rasse“ nicht zu denselben kläglichen Ergebnissen führen werden? Wo ist die Garantie, dass die schriftstellernden faschistischen Politiker in Berlin mehr Glück haben werden als die alten kampferprobten Eroberer in Rom? Wäre es nicht richtiger, das Gegenteil anzunehmen?
Und schließlich meinen die vierten, dass der Krieg gegen die UdSSR organisiert werden müsse. Sie wollen die UdSSR zerschlagen, ihr Territorium aufteilen und sich auf ihre Kosten bereichern. Es wäre falsch zu glauben, dass nur manche Militärkreise in Japan so denken. Es ist uns bekannt, dass man sich in den Kreisen der politischen Führer gewisser Staaten Europas mit ebensolchen Plänen trägt. Nehmen wir an, dass diese Herrschaften von Worten zu Taten übergehen würden. Was kann dabei herauskommen?
Man kann wohl kaum daran zweifeln, dass dieser Krieg der für die Bourgeoisie gefährlichste Krieg sein würde. Er würde nicht nur deshalb der gefährlichste sein, weil die Völker der UdSSR auf Tod und Leben für die Errungenschaften der Revolution kämpfen würden. Er würde für die Bourgeoisie auch deshalb der gefährlichste sein, weil der Krieg sich nicht nur an den Fronten, sondern auch im feindlichen Hinterland abspielen würde. Die Bourgeoisie braucht nicht daran zu zweifeln, dass die zahlreichen Freunde der Arbeiterklasse der UdSSR in Europa und Asien bemüht sein werden, ihren Unterdrückern, die einen verbrecherischen Krieg gegen das Vaterland der Arbeiterklasse aller Länder angezettelt haben, in den Arm zu fallen. Und mögen die Herren Bourgeois nicht uns Vorwürfe machen, wenn sie am Tage nach einem solchen Kriege einige ihnen nahe stehende Regierungen vermissen werden, die jetzt „von Gottes Gnaden“ wohlbehalten regieren. (Beifallssturm.)
Einen solchen Krieg gegen die UdSSR hat es, wie Sie sich erinnern werden, vor 15 Jahren bereits gegeben. Bekanntlich hat der sehr ehrenwerte Churchill damals diesen Krieg in die poetische Formel „Feldzug der 14 Staaten“ gekleidet. Sie erinnern sich natürlich, dass dieser Krieg alle Werktätigen unseres Landes zu einem einheitlichen Lager aufopferungsvoller Kämpfer zusammenschweißte, die mit ihrem Leib ihr Arbeiter- und Bauernvaterland gegen die äußeren Feinde verteidigten. Sie wissen, womit er geendet hat. Er hat mit der Vertreibung der Interventen aus unserem Lande und mit der Schaffung von revolutionären „Aktionskomitees“[Anmerkung 43] in Europa geendet. Man kann wohl kaum daran zweifeln, dass ein zweiter Krieg gegen die UdSSR zu einer völligen Niederlage der Angreifer, zur Revolution in einer Reihe von Ländern in Europa und Asien und zur Zerschmetterung der Bourgeois- und Gutsbesitzerregierungen dieser Länder führen wird.
Das sind die Kriegspläne der bürgerlichen Politiker, die sich im eigenen Netz verstrickt haben.
Wie Sie sehen, glänzen sie weder durch Geist noch durch Heldentum. (Beifall.)
Während aber die Bourgeoisie den Weg des Krieges wählt, beschreitet die Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder, die durch die vierjährige Krise und die Arbeitslosigkeit zur Verzweiflung gebracht worden ist, den Weg der Revolution. Das bedeutet, dass die revolutionäre Krise heranreift und weiter heranreifen wird. Und die revolutionäre Krise wird umso schneller heranreifen, je mehr sich die Bourgeoisie in ihren Kriegskombinationen verstrickt, je öfter sie zu terroristischen Kampfmethoden gegen die Arbeiterklasse und die werktätigen Bauern greift.
Manche Genossen glauben, die Bourgeoisie müsse, sobald die revolutionäre Krise da sei, unvermeidlich in eine ausweglose Lage geraten, ihr Ende sei also bereits vorausbestimmt, der Sieg der Revolution sei dadurch bereits gesichert und sie brauchten bloß auf den Sturz der Bourgeoisie zu warten und Siegesresolutionen zu schreiben. Das ist ein schwerer Irrtum. Der Sieg der Revolution kommt nie von selbst. Man muss ihn vorbereiten und erkämpfen. Ihn vorbereiten und erkämpfen kann aber nur eine starke proletarische revolutionäre Partei. Es gibt Momente, da die Lage revolutionär ist, die Macht der Bourgeoisie bis auf die Grundfesten erschüttert ist, der Sieg der Revolution aber dennoch nicht kommt, da keine revolutionäre Partei des Proletariats vorhanden ist, die genügend Stärke und Autorität besitzt, um die Massen zu führen und die Macht zu erobern. Es wäre unvernünftig zu glauben, dass solche „Fälle“ nicht vorkommen können.
Es dürfte nicht schaden, sich in diesem Zusammenhang die prophetischen Worte Lenins über die revolutionäre Krise in Erinnerung zu rufen, die er auf dem II. Kongress der Kommunistischen Internationale[Anmerkung 44] gesagt hat:
„Wir kommen jetzt zur Frage der revolutionären Krise als der Grundlage unseres revolutionären Handelns. Und hier müssen wir vor allem zwei verbreitete Irrtümer hervorheben. Einerseits stellen die bürgerlichen Ökonomen diese Krise als einfache ‚Unruhe’ hin, wie der elegante Ausdruck der Engländer lautet. Anderseits versuchen Revolutionäre zuweilen den Beweis zu führen, dass es absolut keinen Ausweg aus der Krise gebe. Das ist ein Irrtum. Absolut ausweglose Lagen gibt es nicht. Die Bourgeoisie benimmt sich wie ein frech gewordener Räuber, der den Kopf verloren hat, sie macht eine Dummheit nach der anderen, verschärft die Lage und beschleunigt ihren Untergang. Das alles ist richtig. Aber man kann nicht ‚beweisen’, dass es für die Bourgeoisie absolut keine Möglichkeit gibt, irgendeine Minderheit der Ausgebeuteten durch irgendwelche kleinen Zugeständnisse einzuschläfern, irgendeine Bewegung oder einen Aufstand irgendeines Teiles der Unterdrückten und Ausgebeuteten niederzuschlagen. Wollte man von vornherein versuchen, die ‚absolute’ Ausweglosigkeit zu ‚beweisen’, so wäre das leere Pedanterie oder ein Spiel mit Begriffen und Schlagworten. Ein wirklicher ‚Beweis’ in dieser und in ähnlichen Fragen kann nur die Praxis sein. Die bürgerliche Ordnung in der ganzen Welt macht eine ungeheure revolutionäre Krise durch. Wir müssen jetzt durch die Praxis der revolutionären Parteien ‚beweisen’, dass sie genügend Bewusstheit, Organisiertheit, Verbindung mit den ausgebeuteten Massen, Entschlossenheit und Fähigkeit besitzen, um diese Krise für eine erfolgreiche, eine siegreiche Revolution auszunutzen.“ (Lenin, Bd. XXV, S. 340/341.[28])
3. Die Beziehungen zwischen der UdSSR und den kapitalistischen Staaten
Es ist leicht zu verstehen, wie schwer es der UdSSR war, ihre Friedenspolitik in dieser durch die Miasmen der Kriegskombinationen vergifteten Atmosphäre durchzuführen.
Inmitten dieser Vorkriegsraserei, die eine ganze Reihe von Ländern erfasst hat, behauptete die UdSSR in diesen Jahren fest und unerschütterlich ihre Friedensposition, kämpfte sie gegen die Kriegsgefahr, für die Erhaltung des Friedens, kam sie den Ländern entgegen, die in dieser oder jener Weise für die Erhaltung des Friedens eintreten, entlarvte sie diejenigen, die den Krieg vorbereiten und provozieren, und riss ihnen die Maske herunter.
Worauf stützte sich die UdSSR in diesem schwierigen und komplizierten Kampf für den Frieden?
a) Auf ihre wachsende wirtschaftliche und politische Macht;
b) auf die moralische Unterstützung der Millionenmassen der Arbeiterklasse aller Länder, die an der Erhaltung des Friedens aufs stärkste interessiert ist;
c) auf die Einsicht derjenigen Länder, die aus diesen oder jenen Motiven nicht an der Störung des Friedens interessiert sind und die Handelsbeziehungen mit einem so korrekten Kontrahenten, wie es die UdSSR ist, ausbauen wollen;
d) schließlich auf unsere ruhmvolle Armee, die bereit ist, das Land gegen Überfälle von außen zu verteidigen.
Auf dieser Grundlage ist es zu unserer Kampagne für den Abschluss eines Nichtangriffspakts und eines Pakts über die Bestimmung des Aggressors mit unseren Nachbarstaaten gekommen. Sie wissen, dass diese Kampagne Erfolg hatte. Bekanntlich ist ein Nichtangriffspakt nicht nur mit den meisten unserer Nachbarstaaten im Westen und Süden abgeschlossen worden, darunter mit Finnland und Polen, sondern auch mit solchen Ländern wie Frankreich und Italien sowie ein Pakt über die Bestimmung des Aggressors mit denselben Nachbarstaaten, einschließlich auch der Kleinen Entente.[Anmerkung 45]
Auf derselben Grundlage hat sich die Freundschaft zwischen der UdSSR und der Türkei gefestigt, haben sich die Beziehungen zwischen der UdSSR und Italien gebessert und sind zweifellos befriedigend geworden, haben sich die Beziehungen zu Frankreich, Polen und den anderen baltischen Staaten gebessert, sind die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und zu China wieder aufgenommen worden usw.
Aus der Reihe der Tatsachen, die die Erfolge der Friedenspolitik der UdSSR widerspiegeln, sind zwei Tatsachen, die zweifellos von großer Bedeutung sind, besonders hervorzuheben.
1. Ich meine erstens den Umschwung zum Besseren in den Beziehungen zwischen der UdSSR und Polen sowie zwischen der UdSSR und Frankreich, der in der letzten Zeit eingetreten ist. In der Vergangenheit bestanden bekanntlich zwischen Polen und uns keine besonders guten Beziehungen. In Polen wurden Vertreter unseres Staates ermordet. Polen hielt sich für einen Schutzwall der westlichen Staaten gegen die UdSSR. Auf Polen rechneten alle möglichen Imperialisten als auf einen Vortrupp im Falle eines militärischen Überfalls auf die UdSSR. Nicht besser stand es um die Beziehungen zwischen der UdSSR und Frankreich. Man braucht sich bloß der Tatsachen aus der Geschichte des Prozesses gegen die Schädlingsgruppe Ramsins in Moskau zu erinnern, um sich das Bild der Beziehungen zwischen der UdSSR und Frankreich zu vergegenwärtigen. Diese unerwünschten Beziehungen beginnen nun nach und nach zu verschwinden. Sie werden durch andere Beziehungen abgelöst, die man nicht anders denn als eine Art der Annäherung bezeichnen kann.
Es handelt sich nicht allein darum, dass wir mit diesen Ländern einen Nichtangriffspakt abgeschlossen haben, obwohl der Pakt schon an sich von größter Bedeutung ist. Es handelt sich vor allem darum, dass die durch gegenseitiges Misstrauen vergiftete Atmosphäre sich zu reinigen beginnt. Das bedeutet natürlich nicht, dass der beginnende Annäherungsprozess als nachhaltig genug betrachtet werden kann, um den Enderfolg der Sache zu garantieren. Überraschungen und Zickzackbewegungen der Politik, zum Beispiel in Polen, wo die sowjetfeindlichen Stimmungen noch stark sind, können bei weitem noch nicht als ausgeschlossen betrachtet werden. Aber der Umschwung zum Besseren in unseren Beziehungen, unabhängig von seinen Ergebnissen in der Zukunft, ist eine Tatsache, die es verdient, dass man sie festhält und in den Vordergrund rückt, als einen Faktor, der die Sache des Friedens fördert.
Wo liegt die Ursache für diesen Umschwung, wodurch wird er gefördert?
Vor allem durch die wachsende Stärke und Macht der UdSSR.
In unserer Zeit ist es nicht üblich, mit Schwachen zu rechnen, man rechnet nur mit Starken. Dann aber auch durch gewisse Veränderungen in der Politik Deutschlands, die das Anwachsen der Revanchestimmungen und imperialistischen Stimmungen in Deutschland widerspiegeln.
Manche deutschen Politiker reden aus diesem Anlass davon, dass die UdSSR sich jetzt auf Frankreich und Polen orientiere, dass sie aus einem Gegner des Versailler Vertrags zu dessen Anhänger geworden sei, dass diese Änderung sich aus der Aufrichtung des faschistischen Regimes in Deutschland erkläre. Das ist nicht richtig. Gewiss, wir sind weit davon entfernt, von dem faschistischen Regime in Deutschland entzückt zu sein. Doch handelt es sich hier nicht um den Faschismus, wie allein die Tatsache zeigt, dass der Faschismus zum Beispiel in Italien für die UdSSR kein Hindernis war, die besten Beziehungen zu diesem Lande herzustellen. Es handelt sich auch nicht um vermeintliche Änderungen in unserer Stellung zum Versailler Vertrag. Uns, die wir die Schmach des Brester Friedens ausgekostet haben, liegt es fern, den Versailler Vertrag zu lobpreisen. Nur sind wir nicht damit einverstanden, dass die Welt dieses Vertrages wegen in den Abgrund eines neuen Krieges gestürzt werde. Dasselbe ist von der vermeintlichen Neuorientierung der UdSSR zu sagen. Wir hatten keine Orientierung auf Deutschland, ebenso wenig wie wir eine Orientierung auf Polen und Frankreich haben. Wir orientierten uns in der Vergangenheit und orientieren uns in der Gegenwart auf die UdSSR und nur auf die UdSSR. (Stürmischer Beifall.) Und wenn die Interessen der UdSSR eine Annäherung an diese oder jene Länder erheischen, die nicht an der Störung des Friedens interessiert sind, so sind wir dazu, ohne zu schwanken, bereit.
Nein, nicht darum handelt es sich. Es handelt sich um die Änderung in der Politik Deutschlands. Es handelt sich darum, dass bereits vor dem Machtantritt der jetzigen deutschen Politiker, besonders aber nach ihrem Machtantritt, in Deutschland ein Kampf zwischen zwei politischen Linien begonnen hat, zwischen der alten Politik, die in den bekannten Verträgen der UdSSR mit Deutschland ihren Ausdruck gefunden hatte, und der „neuen“ Politik, die im wesentlichen an die Politik des ehemaligen deutschen Kaisers erinnert, der eine Zeitlang die Ukraine besetzt hielt, einen Feldzug gegen Leningrad unternahm und die baltischen Länder in ein Aufmarschgebiet für einen solchen Feldzug verwandelte; dabei gewinnt die „neue“ Politik in offenkundiger Weise die Oberhand über die alte. Man kann es nicht für einen Zufall halten, dass die Männer der „neuen“ Politik in allem das Übergewicht erlangen, die Anhänger der alten Politik aber in Ungnade gefallen sind. Kein Zufall ist auch das bekannte Auftreten Hugenbergs in London, genauso wie die nicht minder bekannten Deklarationen Rosenbergs, des Leiters der Außenpolitik der regierenden Partei Deutschlands, nicht zufällig sind. Darum handelt es sich, Genossen.
2. Ich meine zweitens die Wiederherstellung normaler Beziehungen zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dies für das ganze System der internationalen Beziehungen von größter Bedeutung ist. Es handelt sich dabei nicht nur darum, dass dadurch die Chancen für die Erhaltung des Friedens erhöht, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern verbessert, die Handelsverbindungen zwischen ihnen gefestigt werden und eine Basis für die wechselseitige Zusammenarbeit geschaffen wird. Es handelt sich darum, dass ein Trennungsstrich gezogen wurde zwischen dem Alten, der Zeit, als die Vereinigten Staaten in verschiedenen Ländern als Bollwerk für alle möglichen sowjetfeindlichen Tendenzen angesehen wurden, und dem Neuen, der Zeit, da dieses Bollwerk freiwillig aus dem Weg geräumt worden ist, zum gegenseitigen Vorteil beider Länder.
Das sind die beiden grundlegenden Tatsachen, die die Erfolge der sowjetischen Friedenspolitik widerspiegeln.
Es wäre jedoch falsch zu glauben, dass in der Berichtsperiode bei uns alles glatt gegangen sei. Nein, es ist bei uns bei weitem nicht alles glatt gegangen.
Erinnern Sie sich zum Beispiel an den Druck von Seiten Englands, an das Embargo gegen unseren Export, an den Versuch, sich in unsere inneren Angelegenheiten einzumischen und uns dabei auf den Zahn zu fühlen, unsere Widerstandskraft zu erproben. Allerdings ist bei diesem Versuch nichts herausgekommen, und das Embargo wurde später aufgehoben, aber eine unangenehme Nachwirkung dieser Anrempelungen macht sich immer noch in allem fühlbar, was die Beziehungen zwischen England und der UdSSR betrifft, darunter auch in den Verhandlungen über den Handelsvertrag. Diese Ausfälle gegen die UdSSR kann man aber nicht für einen Zufall halten. Es ist bekannt, dass ein Teil der englischen Konservativen ohne solche Anrempelungen nicht leben kann. Und gerade weil sie nicht zufällig sind, müssen wir damit rechnen, dass man auch in Zukunft die UdSSR anrempeln, alle möglichen Drohungen von Stapel lassen, ihr Schaden zufügen wird usw.
Man muss auch die Beziehungen zwischen der UdSSR und Japan im Auge behalten, die einer ernsten Besserung bedürfen. Die Weigerung Japans, einen Nichtangriffspakt zu unterzeichnen, den Japan nicht weniger braucht als die UdSSR, unterstreicht ein übriges Mal, dass auf dem Gebiet unserer Beziehungen nicht alles wohlbestellt ist. Dasselbe ist von der Unterbrechung der Verhandlungen über die Ostchinabahn zu sagen, die nicht durch Verschulden der UdSSR eingetreten ist, sowie davon, dass die japanischen Agenten auf der Ostchinabahn unzulässige Dinge treiben, in gesetzwidriger Weise Sowjetangestellte der Ostchinabahn verhaften usw. Ich spreche schon gar nicht davon, dass ein Teil der japanischen Militärs in der Presse offen die Notwendigkeit eines Krieges gegen die UdSSR und der Eroberung des fernöstlichen Küstengebiets propagiert, unter offenkundiger Zustimmung des anderen Teils der Militärs, die Regierung Japans aber, statt die Kriegshetzer zur Ordnung zu rufen, so tut, als ob sie das nichts anginge. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass solche Umstände eine Atmosphäre der Unruhe und Unsicherheit erzeugen müssen. Gewiss, wir werden auch in Zukunft beharrlich eine Politik des Friedens betreiben und eine Besserung der Beziehungen mit Japan herbeizuführen suchen, denn wir wollen eine Besserung dieser Beziehungen. Aber nicht alles hängt hier von uns ab. Deshalb müssen wir zugleich alle Maßnahmen ergreifen, um unser Land vor Überraschungen zu schützen und zu seiner Verteidigung gegen einen Überfall bereit zu sein. (Stürmischer Beifall.)
Wie Sie sehen, haben wir neben Erfolgen unserer Friedenspolitik auch eine Reihe negativer Erscheinungen.
Das ist die außenpolitische Lage der Sowjetunion.
Unsere Außenpolitik ist klar. Sie ist eine Politik der Erhaltung des Friedens und der Verstärkung der Handelsbeziehungen mit allen Ländern. Die UdSSR denkt nicht daran, irgendjemand zu bedrohen, und erst recht nicht, irgendjemand zu überfallen. Wir sind für den Frieden und verteidigen die Sache des Friedens. Aber wir fürchten keine Drohungen und sind bereit, auf einen Schlag der Kriegsbrandstifter mit einem Gegenschlag zu antworten. (Stürmischer Beifall.) Wer den Frieden will und sachliche Beziehungen mit uns anstrebt, wird stets bei uns Unterstützung finden. Denjenigen aber, die versuchen sollten, unser Land zu überfallen, wird eine vernichtende Abfuhr zuteil werden, damit ihnen in Zukunft die Lust vergehe, ihre Schweineschnauze in unseren Sowjetgarten zu stecken. (Beifallssturm.)
Das ist unsere Außenpolitik. (Beifallssturm.)
Die Aufgabe besteht darin, diese Politik auch in Zukunft mit aller Beharrlichkeit und Folgerichtigkeit durchzuführen.
II. Der fortdauernde Aufschwung der Volkswirtschaft und die innere Lage der UdSSR
Ich gehe zur Frage der inneren Lage der UdSSR über.
Vom Standpunkt der inneren Lage der UdSSR bietet die Berichtsperiode ein Bild des sich immer mehr entfaltenden Aufschwungs sowohl auf dem Gebiet der Volkswirtschaft als auch auf dem Gebiet der Kultur.
Dieser Aufschwung war nicht nur eine einfache quantitative Steigerung unserer Kräfte. Dieser Aufschwung ist deswegen so bedeutsam, weil er prinzipielle Änderungen in der Struktur der UdSSR zur Folge hatte und das Antlitz des Landes gründlich verändert hat.
Die Sowjetunion hat sich in dieser Periode von Grund aus umgestaltet und das Gepräge der Rückständigkeit und des Mittelalters abgestreift. Aus einem Agrarland ist sie zu einem Industrieland geworden. Aus einem Lande der kleinbäuerlichen Einzelwirtschaft ist sie zu einem Lande des kollektiven mechanisierten landwirtschaftlichen Großbetriebs geworden. Aus einem unwissenden, analphabetischen und kulturlosen Land wurde sie - genauer gesagt, wird sie - zu einem gebildeten, kulturell hoch stehenden Land, das von einem gewaltigen Netz von Hoch-, Mittel- und Elementarschulen bedeckt ist, die in den Sprachen der Nationen der Sowjetunion wirken.
Es wurden neue Industriezweige geschaffen: der Werkzeugmaschinenbau, die Automobilindustrie, die Traktorenindustrie, die chemische Industrie, der Motorenbau, der Flugzeugbau, die Produktion von Mähdreschern, von Hochleistungsturbinen und Generatoren, von Qualitätsstahlsorten, Eisenlegierungen, synthetischem Kautschuk, Stickstoff, Kunstfasern usw. usf. (Anhaltender Beifall.)
In dieser Periode wurden Tausende neuer, modernster Industriewerke errichtet und in Betrieb gesetzt. Es wurden Riesenwerke errichtet wie die Dnjepr-Kraftwerke, die Magnitogorsker Hüttenwerke, die Kusnezker Werke, die Tscheljahinsker 'Traktorenwerke, Bobriki, die Uraler Maschinenbauwerke, die Kramatorsker Maschinenbauwerke. Tausende von alten Betrieben wurden auf der Basis der modernen Technik rekonstruiert. Es wurden neue Betriebe errichtet und Industriezentren in den nationalen Republiken und in den Randgebieten der UdSSR geschaffen: in Bjelorußland, in der Ukraine, im Nordkaukasus, in Transkaukasien, in Mittelasien, in Kasachstan, in der Burjat-Mongolei, in Tatarien, in Baschkirien, im Ural, in Ost- und Westsibirien, im Fernen Osten usw.
Es wurden mehr als 200000 Kollektivwirtschaften und 5000 Sowjetwirtschaften geschaffen mit neuen Bezirkszentren und industriellen Stützpunkten für sie.
In fast menschenleeren Gebieten sind neue große Städte mit einer großen Bevölkerungszahl emporgewachsen. Die alten Städte und Industrieorte haben sich kolossal erweitert.
Es wurden die Grundlagen für das Kombinat Ural-Kusnezk, die Vereinigung der Kusnezker Kokskohle mit dem Eisenerz des Urals, geschaffen. Die neue Hüttenindustriebasis im Osten ist somit aus einem Traum zur Wirklichkeit geworden.
Es wurden die Grundlagen geschaffen für eine neue mächtige Erdölbasis in den Gebieten der westlichen und südlichen Abhänge des Uralgebirges - im Uralgebiet, in Baschkirien, in Kasachstan.
Es ist offenkundig, dass die gewaltigen Kapitalinvestitionen des Staates in allen Zweigen der Volkswirtschaft, die in der Berichtsperiode über 60 Milliarden Rubel betrugen, nicht umsonst verausgabt worden sind und bereits anfangen, Früchte zu tragen.
Infolge dieser Errungenschaften ist das Volkseinkommen der UdSSR von 29 Milliarden Rubel im Jahre 1929 auf 50 Milliarden Rubel im Jahre 1933 gestiegen, während das Volkseinkommen in derselben Periode in allen kapitalistischen Ländern ohne Ausnahme gewaltig zurückgegangen ist.
Es ist klar, dass alle diese Errungenschaften und dieser ganze Aufschwung zu einer weiteren Festigung der inneren Lage der UdSSR führen mussten und in der Tat geführt haben.
Wie konnten diese kolossalen Wandlungen in 3-4 Jahren auf dem Territorium unseres riesigen Staates mit seiner rückständigen Technik, mitseiner rückständigen Kultur vor sich gehen? Ist das nicht ein Wunder? Das wäre ein Wunder, wenn die Entwicklung auf dem Boden des Kapitalismus und des individuellen Kleinbetriebs vor sich gegangen wäre. Aber es kann kein Wunder genannt werden, wenn man in Betracht zieht, dass sich die Entwicklung bei uns auf der Grundlage der Entfaltung des sozialistischen Aufbaus vollzogen hat.
Es ist klar, dass dieser gigantische Aufschwung sich nur auf der Basis des erfolgreichen Aufbaus des Sozialismus, auf der Basis der gesellschaftlichen Arbeit von Dutzenden Millionen Menschen, auf der Basis der Vorzüge des sozialistischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen System und dem System der Einzelbauernwirtschaft entfalten konnte.
Deshalb ist es kein Wunder, dass der kolossale Aufschwung der Wirtschaft und Kultur der UdSSR in der Berichtsperiode gleichzeitig die Liquidierung der kapitalistischen Elemente und die Zurückdrängung der bäuerlichen Einzelwirtschaft bedeutete. Es ist Tatsache, dass der Anteil des sozialistischen Wirtschaftssystems in der Industrie gegenwärtig 99 Prozent und in der Landwirtschaft, wenn man die Anbaufläche der Getreidekulturen in Betracht zieht, 84,5 Prozent beträgt, während auf die bäuerliche Einzelwirtschaft insgesamt 15,5 Prozent entfallen.
Die kapitalistische Wirtschaft in der UdSSR ist demnach bereits liquidiert, und der Sektor der bäuerlichen Einzelwirtschaft im Dorfe ist auf untergeordnete Positionen zurückgedrängt worden.
Lenin sprach bei der Einführung der Neuen Ökonomischen Politik davon, dass es in unserem Lande Elemente von fünf gesellschaftlich-ökonomischen Formen gab: 1. die patriarchalische Wirtschaft (die in hohem Grade Naturalwirtschaft ist); 2. die kleine Warenproduktion (die Mehrzahl der Bauern, die Getreide verkaufen); 3. der privatwirtschaftliche Kapitalismus; 4. der Staatskapitalismus; 5. der Sozialismus.[29] Lenin war der Auffassung, dass von allen diesen Formen schließlich die sozialistische Form die Oberhand gewinnen muss. Wir können jetzt sagen, dass die erste, die dritte und die vierte gesellschaftlich-ökonomische Form bereits nicht mehr bestehen, dass die zweite gesellschaftlich-ökonomische Form auf untergeordnete Positionen zurückgedrängt worden ist, während die fünfte gesellschaftlich-ökonomische Form, die sozialistische Form, die uneingeschränkt herrschende und einzige bestimmende Kraft in der gesamten Volkswirtschaft ist. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)
Das ist das Ergebnis.
Dieses Ergebnis bildet die Grundlage für die Stabilität der inneren Lage der UdSSR, die Grundlage der Festigkeit ihrer Front- und Hinterlandspositionen unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung.
Gehen wir nun zur Prüfung des konkreten Materials über die einzelnen Fragen der wirtschaftlichen und politischen Lage der Sowjetunion über.
1. Der Aufschwung der Industrie
Von allen Zweigen der Volkswirtschaft ist bei uns am raschesten die Industrie gewachsen. In der Berichtsperiode, das heißt seit 1930, ist die Industrie bei uns auf mehr als das Doppelte, nämlich um 101,6 Prozent, im Vergleich mit dem Vorkriegsstand aber fast auf das Vierfache, nämlich um 291,9 Prozent, gewachsen.
Das bedeutet, dass die Industrialisierung bei uns mit Volldampf vor sich gegangen ist.
Das rasche Anwachsen der Industrialisierung führte dazu, dass die Industrieproduktion in der Gesamtproduktion der ganzen Volkswirtschaft die führende Stellung eingenommen hat.
Hier die entsprechende Tabelle:
Prozentualer Anteil der Industrie
an der Gesamtproduktion der Volkswirtschaft
(in Preisen von 1926/27)
| 1913 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| 1. Industrie (ohne Kleinindustrie) | 41,1 | 54,5 | 61,6 | 66,7 | 70,7 | 70,4 |
| 2. Landwirtschaft | 57,9 | 45,5 | 38,4 | 33,3 | 29,3 | 29,6 |
| Insgesamt | 100,0 | 100,0 | 100,0 | 100,0 | 100,0 | 100,0 |
Das bedeutet, dass unser Land unwiderruflich und endgültig zu einem Industrieland geworden ist.
Von entscheidender Bedeutung für die Industrialisierung ist das Anwachsen der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln im Gesamtumfang der Entwicklung der Industrie. Die Angaben über die Berichtsperiode zeigen, dass dieser Posten im Gesamtumfang der Industrie seiner relativen Bedeutung nach die vorherrschende Stellung eingenommen hat.
Hier die entsprechende Tabelle:
Anteil der Produktion
der beiden Hauptabteilungen der Zweige der Großindustrie
(in Preisen von 1926/27)
Gesamtproduktion (in Milliarden Rubel)
| 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Gesamte Großindustrie | 21,0 | 27,5 | 33,9 | 38,5 | 41,9 |
| Darunter: | |||||
| Abteilung „A“. Produktionsinstru-
mente und –mittel |
10,2 | 14,5 | 18,8 | 22,0 | 24,3 |
| Abteilung „B“. Konsummittel | 10,8 | 13,0 | 15,1 | 16,5 | 17,6 |
| Anteil: (in Prozenten) | |||||
| Abteilung „A“. Produktionsinstru-
mente und –mittel |
48,5 | 52,6 | 55,4 | 57,0 | 58,0 |
| Abteilung „B“. Konsummittel | 51,5 | 47,4 | 44,6 | 43,0 | 42,0 |
| Insgesamt | 100,0 | 100,0 | 100,0 | 100,0 | 100,0 |
Wie Sie sehen, bedarf die Tabelle keiner Erklärung.
In unserem in technischer Hinsicht immer noch jungen Lande steht die Industrie vor einer besonderen Aufgabe. Sie soll nicht nur sich selbst, nicht nur alle Zweige der Industrie, darunter auch die Leichtindustrie, die Nahrungsmittelindustrie, die Holzindustrie, auf moderner technischer Basis rekonstruieren. Sie soll auch alle Arten des Verkehrswesens und alle Zweige der Landwirtschaft rekonstruieren. Aber sie kann diese Aufgabe nur dann erfüllen, wenn der Maschinenbau - der Haupthebel der Rekonstruktion der Volkswirtschaft - in ihr einen überragenden Platz eingenommen hat. Die Angaben der Berichtsperiode zeigen, dass der Maschinenbau bei uns im Gesamtumfang der Industrie die führende Rolle erlangt hat.
Hier die entsprechende Tabelle:
Prozentualer Anteil der einzelnen Industriezweige
im Verhältnis zum Ergebnis der Gesamtproduktion
(Gebiet der UdSSR)
| 1913 | 1929 | 1932 | 1933 | |
| Steinkohleindustrie | 2,9 | 2,1 | 1,7 | 2,0 |
| Koksindustrie | 0,8 | 0,4 | 0,5 | 0,6 |
| Erdölgewinnung | 1,9 | 1,8 | 1,5 | 1,4 |
| Erdölverarbeitung | 2,3 | 2,5 | 2,9 | 2,6 |
| Eisenhüttenindustrie | Keine Angaben | 4,5 | 3,7 | 4,0 |
| Buntmetallindustrie | Keine Angaben | 1,5 | 1,3 | 1,2 |
| Maschinenbau | 11,0 | 14,8 | 25,0 | 26,1 |
| Chemische Großindustrie | 0,8 | 0,6 | 0,8 | 0,9 |
| Baumwollindustrie | 18,3 | 15,2 | 7,6 | 7,3 |
| Wollindustrie | 3,1 | 3,1 | 1,9 | 1,8 |
Das bedeutet, dass unsere Industrie sich auf einer gesunden Grundlage entwickelt und dass sich der Schlüssel zur Rekonstruktion - der Maschinenbau - ganz in unseren Händen befindet. Man muss ihn nur sachkundig und rationell ausnutzen.
Ein interessantes Bild bietet die Entwicklung der Industrie in der Berichtsperiode nach sozialen Sektoren.
Hier die entsprechende Tabelle:
Gesamtproduktion der Großindustrie nach sozialen Schichten
(in Preisen von 1926/27)
Gesamtproduktion in Millionen Rubel
| 1929 | 2930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Gesamte Produktion | 21025 | 27477 | 33903 | 38464 | 41968 |
| Davon:
I. Vergesellschaftete Industrie |
20891 | 27402 | Keine
Angaben |
38436 | 41940 |
| Davon:
a) Staatliche Industrie |
19143 | 24989 | Keine
Angaben |
35587 | 38932 |
| b) Genossen-
schaftliche Industrie |
1748 | 2413 | Keine
Angaben |
2849 | 3008 |
| II. Privatindustrie | 134 | 75 | Keine
Angaben |
28 | 28 |
Gesamtproduktion in Prozenten
| 1929 | 2930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Gesamte Produktion | 100 | 100 | 100 | 100 | 100 |
| Davon:
Vergesellschaftete Industrie |
99,4 | 99,7 | Keine
Angaben |
99,93 | 99,93 |
| Davon:
a) Staatliche Industrie |
91,1 | 90,9 | Keine
Angaben |
92,52 | 92,76 |
| b) Genossen-
schaftliche Industrie |
8,3 | 8,8 | Keine
Angaben |
7,41 | 7,17 |
|
|
0,6 | 0,3 | Keine
Angaben |
0,07 | 0,07 |
Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass es mit den kapitalistischen Elementen in der Industrie bereits zu Ende ist und dass das sozialistische Wirtschaftssystem in unserer Industrie jetzt das einzige, das allein herrschende System ist. (Beifall.)
Aber unter allen Errungenschaften der Industrie, die sie in der Berichtsperiode erzielt hat, muss als die wichtigste Errungenschaft die Tatsache angesehen werden, dass sie es in dieser Zeit vermocht hat, Tausende neuer Menschen und neuer Leiter der Industrie, ganze Schichten neuer Ingenieure und Techniker, Hunderttausende von jungen qualifizierten Arbeitern zu erziehen und auszubilden, die die moderne Technik gemeistert und unsere sozialistische Industrie vorwärts gebracht haben. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Industrie ohne diese Menschen nicht jene Erfolge hätte haben können, die sie jetzt hat und auf die sie mit Recht stolz sein kann. Die Angaben besagen, dass die Industrie in der Berichtsperiode aus den Betriebslehrlingsschulen ungefähr 800000 mehr oder weniger qualifizierte Arbeiter, aus den technischen Hochschulen, den Hochschulen und Techniken mehr als 180000 Ingenieure und Techniker für die Betriebe bekommen hat. Wenn es richtig ist, dass das Kaderproblem ein überaus ernstes Problem in unserer Entwicklung ist, so muss man anerkennen, dass unsere Industrie dieses Problem ernstlich zu meistern beginnt.
Das sind die Haupterrungenschaften unserer Industrie.
Es wäre jedoch falsch zu glauben, dass die Industrie nur Erfolge gehabt habe. Nein, sie hat auch ihre Mängel. Die Hauptmängel sind:
a) das fortdauernde Zurückbleiben der Eisenhüttenindustrie;
b) die fehlende Ordnung in der Buntmetallindustrie;
c) die Unterschätzung der überaus großen Bedeutung, die die Entwicklung der Ausbeute örtlicher Kohlenvorkommen für die gesamte Brennstoffwirtschaft des Landes hat (Moskauer Bezirk, Kaukasus, Ural, Karaganda, Mittelasien, Sibirien, Ferner Osten, Nordregion usw.);
d) das Fehlen der notwendigen Aufmerksamkeit für die Frage der Organisierung einer neuen Erdölbasis in den Bezirken des Urals, Baschkiriens, der Emba;
e) das Fehlen ernsthafter Sorge um den Ausbau der Produktion von Massenbedarfsartikeln in der Leicht- und in der Nahrungsmittelindustrie sowie in der Holzindustrie;
f) das Fehlen der notwendigen Aufmerksamkeit für die Frage der Entfaltung der örtlichen Industrie;
g) das ganz unzulässige Verhalten zur Frage der Verbesserung der Qualität der Produktion;
h) das fortdauernde Zurückbleiben in der Hebung der Arbeitsproduktivität, der Senkung der Selbstkosten, in der Einbürgerung der wirtschaftlichen Rechnungsführung;
i) die noch immer nicht liquidierte schlechte Organisation der Arbeit und des Arbeitslohns, das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit in der Arbeit, die Gleichmacherei im Lohnsystem;
j) die noch bei weitem nicht liquidierte kanzleimäßig-bürokratische Methode der Leitung in den Volkskommissariaten für Wirtschaft und ihren Organen, darunter auch in den Volkskommissariaten für Leichtindustrie und für Nahrungsmittelindustrie.
Man braucht wohl kaum noch zu erklären, warum es absolut notwendig ist, diese Mängel schleunigst zu beheben. Die Eisenhütten- und die Buntmetallindustrie haben bekanntlich im Laufe des ersten Planjahrfünfts ihren Plan nicht erfüllt. Sie haben ihn auch im ersten Jahr des zweiten Planjahrfünfts nicht erfüllt. Wenn sie auch künftig zurückbleiben werden, so können sie zum Hemmschuh für die Industrie und zur Ursache von Unterbrechungen in deren Arbeit werden. Was die Schaffung neuer Zentren der Kohlen- und Erdölindustrie betrifft, so dürfte es nicht schwer fallen, zu begreifen, dass ohne Erfüllung dieser unaufschiebbaren Aufgabe sich sowohl die Industrie als auch der Verkehr festfahren können. Die Frage der Massenbedarfsartikel und der Entwicklung der örtlichen Industrie wie auch die Fragen der Verbesserung der Qualität der Produkte, der Steigerung der Arbeitsproduktivität, der Senkung der Selbstkosten und der Einbürgerung der wirtschaftlichen Rechnungsführung bedürfen ebenfalls keiner Erklärung. Was die schlechte Organisation der Arbeit und des Arbeitslohns und die kanzleimäßig-bürokratische Leitungsmethode betrifft, so hat sich, wie das die Geschichte mit dem Donezbecken sowie mit den Betrieben der Leicht- und der Nahrungsmittelindustrie zeigte, diese gefährliche Krankheit in allen Industriezweigen eingenistet und hemmt ihre Entwicklung. Wird sie nicht ausgemerzt, so wird die Industrie auf beiden Beinen hinken.
Die nächsten Aufgaben sind die folgenden:
1. Die jetzige führende Rolle des Maschinenbaus im System der Industrie aufrechtzuerhalten.
2. Das Zurückbleiben der Eisenhüttenindustrie zu liquidieren.
3. In der Buntmetallindustrie Ordnung zu schaffen.
4. Die Ausbeute örtlicher Kohlenvorkommen in allen bereits bekannten Revieren voll zu entfalten, neue Kohlenreviere auszubauen (zum Beispiel im Bezirk Bureja im Fernen Osten), das Kusnezkbecken in ein zweites Donezbecken zu verwandeln. (Anhaltender Beifall.)
5. Die Organisierung einer Erdölbasis in den Gebieten der westlichen und südlichen Abhänge des Uralgebirges ernstlich in Angriff zu nehmen.
6. Die Produktion von Massenbedarfsartikeln in allen Volkskommissariaten für Wirtschaft zu entfalten.
7. Die Industrie der örtlichen Sowjets auszubauen, ihr die Möglichkeit zu geben, in der Herstellung von Massenbedarfsartikeln Initiative zu entwickeln, und sie nach Möglichkeit mit Rohstoffen und Geldmitteln zu unterstützen.
8. Die Qualität der gelieferten Waren zu verbessern, mit der Lieferung unkompletter Erzeugnisse Schluss zu machen und alle diejenigen Genossen ohne Ansehen der Person zu bestrafen, die die Gesetze der Sowjetmacht über Qualität und Vollständigkeit der Erzeugnisse verletzen oder umgehen.
9. Die systematische Hebung der Arbeitsproduktivität, die Senkung der Selbstkosten und die Einbürgerung der wirtschaftlichen Rechnungsführung zu erreichen.
10. Die Verantwortungslosigkeit in der Arbeit und die Gleichmacherei im Lohnsystem restlos auszumerzen.
11. Die kanzleimäßig-bürokratische Leitungsmethode in allen Gliedern der Volkskommissariate für Wirtschaft auszumerzen und systematisch zu prüfen, wie die untergeordneten Organe die Beschlüsse und Anweisungen der leitenden Instanzen durchführen.
2. Der Aufschwung der Landwirtschaft
Etwas anders ist die Entwicklung in der Landwirtschaft verlaufen. Zwar um ein Vielfaches langsamer als in der Industrie, aber immerhin schneller als in der Periode, da die Einzelwirtschaft überwog, hat sich in der Berichtsperiode der Aufschwung der Hauptzweige der Landwirtschaft entfaltet. In der Viehzucht aber hatten wir sogar den entgegen gesetzten Prozess - einen Rückgang des Viehbestands, und erst 1933 sind, und auch das nur auf dem Gebiet der Schweinezucht, Anzeichen einer Besserung sichtbar geworden.
Es ist offensichtlich, dass die gewaltigen Schwierigkeiten bei der Vereinigung der zersplitterten bäuerlichen Kleinwirtschaften zu Kollektivwirtschaften, das schwierige Werk der Schaffung zahlreicher Großwirtschaften für Getreidebau und Viehzucht auf fast menschenleeren Landstrichen und überhaupt die Reorganisationsperiode, die Periode der Umgestaltung der auf der Einzelwirtschaft beruhenden Landwirtschaft und ihrer Überleitung auf neue, kollektivwirtschaftliche Bahnen, die viel Zeit und große Unkosten erfordert - dass alle diese Faktoren zwangsläufig sowohl das langsame Tempo des Aufschwungs der Landwirtschaft als auch eine relativ lange Periode des Rückgangs in der Entwicklung des Viehbestands zur Folge hatten.
Dem Wesen der Sache nach war die Berichtsperiode für die Landwirtschaft nicht so sehr eine Periode des raschen Aufschwungs und mächtigen Anlaufs als vielmehr eine Periode, in der die Voraussetzungen für einen solchen Aufschwung und einen solchen Anlauf in der nächsten Zukunft geschaffen wurden.
Nimmt man die Zahlen über die Erweiterung der Anbauflächen aller Kulturen und dann gesondert der gewerblichen Nutzpflanzen, so erhält man folgendes Bild der Entwicklung der Landwirtschaft in der Berichtsperiode:
Anbaufläche aller Kulturen in der UdSSR
(in Millionen Hektar)
| 1913 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Gesamte
Anbaufläche |
105,5 | 118,0 | 127,2 | 136,3 | 134,4 | 129,7 |
| Davon:
a) Getreide |
94,4 | 96,0 | 101,8 | 104,4 | 99,7 | 101,5 |
| b) Gewerbliche
Nutzpflanzen |
4,5 | 8,8 | 10,5 | 14,0 | 14,9 | 12,0 |
| c) Garten- und Feld-
Gemüsekulturen |
3,8 | 7,6 | 8,0 | 9,1 | 9,2 | 8,6 |
| d) Futtermittel | 2,1 | 5,0 | 6,5 | 8,8 | 10,6 | 7,3 |
Anbaufläche der gewerblichen Nutzpflanzen in der UdSSR
(in Millionen Hektar)
| 1913 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Baumwolle | 0,69 | 1,06 | 1,58 | 2,14 | 2,17 | 2,05 |
| Flachs (langfasriger) | 1,02 | 1,63 | 1,75 | 2,39 | 2,51 | 2,40 |
| Zuckerrüben | 0,65 | 0,77 | 1,04 | 1,39 | 1,54 | 1,21 |
| Ölfrüchte | 2,00 | 5,20 | 5,22 | 7,55 | 7,98 | 5,79 |
Diese Tabellen bringen zwei Grundlinien in der Landwirtschaft zu Ausdruck:
1. Die Linie, die auf die größtmögliche Erweiterung der Anbauflächen gerichtet war, in der Periode, als die Reorganisation der Landwirtschaft in vollem Gange war, als Kollektivwirtschaften zu Zehntausenden geschaffen wurden, als sie die Kulaken vom Boden vertrieben, von den frei gewordenen Ländereien Besitz ergriffen und sie fest in die Hand nahmen.
2. Die Linie, bei der man von einer wahllosen Erweiterung der Anbauflächen Abstand nahm und von der wahllosen Erweiterung der Anbauflächen zur Verbesserung der Bodenbearbeitung überging, zur Einführung einer richtigen Fruchtfolge und einer richtigen Brache, zur Steigerung des Ernteertrags und, wenn die Praxis es erfordert, zu einer vorübergehenden Einschränkung der vorhandenen Anbauflächen.
Bekanntlich ist die zweite Linie - die einzig richtige Linie in der Landwirtschaft - 1932 verkündet worden, als die Reorganisationsperiode in der Landwirtschaft zu Ende ging und die Frage der Steigerung der Ernteerträge zu einer der Grundfragen des Aufschwungs der Landwirtschaft wurde.
Aber die Angaben über die Erweiterung der Anbauflächen können nicht als völlig ausreichende Merkmale für die Entwicklung der Landwirtschaft angesehen werden. Es kommt vor, dass die Anbauflächen wachsen, die Produktion aber nicht wächst, ja sogar sinkt, weil die Bodenbearbeitung sich verschlechtert hat und der Ernteertrag pro Einheit der Anbaufläche zurückgegangen ist. Infolgedessen muss man die Angaben über die Anbauflächen durch Angaben über die Gesamtproduktion ergänzen.
Hier die entsprechende Tabelle:
Gesamtproduktion von Getreide und gewerblichen Nutzpflanzen in der UdSSR
(In Millionen Doppelzentner)
| 1913 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Getreide | 801,0 | 717,4 | 835,4 | 694,8 | 698,7 | 898,0 |
| Rohbaumwolle | 7,4 | 8,6 | 11,1 | 12,9 | 12,7 | 13,2 |
| Flachsfasern | 3,3 | 3,6 | 4,4 | 5,5 | 5,0 | 5,6 |
| Zuckerrüben | 109,0 | 62,5 | 140,2 | 120,5 | 65,6 | 90,0 |
| Ölfrüchte | 21,5 | 35,8 | 36,2 | 51,0 | 45,5 | 46,0 |
Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass die Jahre, in denen die Reorganisation der Landwirtschaft in vollem Gange war, 1931 und 1932, Jahre des stärksten Rückgangs der Produktion der Getreidekulturen waren.
Aus dieser Tabelle folgt weiter, dass Flachs und Baumwolle, in deren Anbaugebieten die Reorganisation der Landwirtschaft in weniger raschem Tempo vor sich ging, fast überhaupt nicht gelitten haben, sich mehr oder weniger gleichmäßig und ununterbrochen aufwärts entwickelten und das hohe Entwicklungsniveau bewahrten.
Aus dieser Tabelle folgt drittens, dass, während die Ölfrüchte lediglich ein gewisses Schwanken aufzuweisen hatten und ihr hohes Entwicklungsniveau im Vergleich mit dem Vorkriegsniveau bewahrten, die Zuckerrüben, in deren Anbaugebieten man das höchste Tempo der Reorganisation der Landwirtschaft beobachtete und die zuletzt in die Reorganisationsperiode eintraten, im letzten Jahr der Reorganisation, im Jahre 1932, den größten Rückgang hatten und dass ihre Produktion unter das Vorkriegsniveau sank.
Aus dieser Tabelle folgt schließlich, dass das Jahr 1933 - das erste Jahr nach der Beendigung der Reorganisationsperiode - in der Entwicklung der Getreidekulturen und gewerblichen Nutzpflanzen ein Jahr des Umschwungs ist.
Das bedeutet, dass vor allem die Getreidekulturen und nach ihnen die gewerblichen Nutzpflanzen von nun an fest und sicher einem mächtigen Aufschwung entgegengehen werden.
Am schwersten hat die Viehzucht die Reorganisationsperiode überstanden.
Hier die entsprechende Tabelle:
Viehbestand in der UdSSR
(In Millionen Stück)
| 1916 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| a) Pferde | 35,1 | 34,4 | 30,2 | 26,2 | 19,6 | 16,6 |
| b) Rinder | 58,9 | 68,1 | 52,5 | 47,9 | 40,7 | 38,6 |
| c) Schafe und Ziegen | 115,2 | 147,2 | 108,8 | 77,7 | 52,1 | 50,6 |
| d) Schweine | 20,3 | 20,9 | 13,6 | 14,4 | 11,6 | 12,2 |
Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass wir in der Berichtsperiode keine Zunahme des Viehbestands haben, sondern einen noch immer andauernden Rückgang im Vergleich mit dem Vorkriegsniveau. Es ist offensichtlich, dass einerseits die Tatsache, dass die Viehzucht am stärksten von großkulakischen Elementen durchsetzt war, und anderseits die verstärkte Kulakenagitation für das Schlachten des Viehs, die in den Jahren der Reorganisation einen günstigen Boden fand, in dieser Tabelle zum Ausdruck kommen.
Aus dieser Tabelle folgt weiter, dass der Rückgang des Viehbestands gleich im ersten Jahr der Reorganisation (1930) einsetzte und bis 1933 fortdauert, und zwar war der Rückgang am stärksten in den ersten drei Jahren, während im Jahre 1933, im ersten Jahr nach Beendigung der Reorganisationsperiode, als die Getreidekulturen einen Aufschwung nahmen, der Rückgang des Viehbestands minimal war.
Aus dieser Tabelle folgt schließlich, dass in der Schweinezucht bereits ein umgekehrter Prozess eingesetzt hat und im Jahre 1933 schon Anzeichen eines direkten Aufstiegs sichtbar geworden sind.
Das bedeutet, dass das Jahr 1934 ein Jahr des Umschwungs zum Aufstieg der gesamten Viehzucht werden muss und kann.
Wie hat sich bei uns die Kollektivierung der bäuerlichen Wirtschaften in der Berichtsperiode entwickelt?
Hier die entsprechende Tabelle:
Kollektivierung
| 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Zahl der Kollektivwirtschaf-
ten |
57,0 | 85,9 | 211,1 | 211,05 | 224,5 |
| Zahl der in den Kollektivwirt-
schaften angeschlossenen Bauernhöfe (in Milionen) |
1,0 | 6,0 | 13,0 | 14,9 | 15,2 |
| Prozentsatz der Kollektivie-
rung der Bauernhöfe |
3,9 | 23,6 | 52,7 | 61,5 | 65,0 |
Welche Wandlungen haben aber die Getreideanbauflächen nach Sektoren durchgemacht?
Hier die entsprechende Tabelle:
Anbauflächen der Getreidekulturen nach Sektoren
(in Millionen Hektar)
| In Prozenten
Zur Anbau- Fläche von | ||||||
| Sektoren | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | 1933 |
| 1. Sowjetwirtschaften | 1,5 | 2,9 | 8,1 | 9,3 | 10,8 | 10,6 |
| 2. Kollektivwirtschaften | 3,4 | 29,7 | 61,0 | 69,1 | 75,0 | 73,9 |
| 3. Einzelwirtschaften | 91,1 | 69,2 | 35,3 | 21,3 | 15,7 | 15,5 |
| Gesamte Getreide-
Anbaufläche in der UdSSR |
96,0 | 101,8 | 104,4 | 99,7 | 101,5 | 100 |
Was besagen diese Tabellen?
Sie besagen, dass die Reorganisationsperiode der Landwirtschaft, in der die Zahl der Kollektivwirtschaften und ihre Mitgliederzahl in stürmischem Tempo anwuchsen, nunmehr zu Ende ist, schon 1932 zu Ende war.
Folglich ist der weitere Prozess der Kollektivierung ein Prozess, bei dem die Überreste der individuellen Bauernwirtschaften allmählich durch die Kollektivwirtschaften aufgesaugt und umgeformt werden.
Das bedeutet, dass die Kollektivwirtschaften endgültig und unwiderruflich gesiegt haben. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)
Sie besagen ferner, dass die Sowjet- und Kollektivwirtschaften zusammen 84,5 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche der UdSSR besitzen.
Das bedeutet, dass die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften zusammen zu dem Machtfaktor geworden sind, der über das Schicksal der gesamten Landwirtschaft und aller ihrer Zweige entscheidet.
Sie besagen ferner, dass die 65 Prozent der in den Kollektivwirtschaften zusammengeschlossenen Bauernwirtschaften 73,9 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche besitzen, während die ganze Masse der verbleibenden individuellen Bauernwirtschaften, die 35 Prozent der gesamten bäuerlichen Bevölkerung umfassen, insgesamt nur 15,5 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche besitzt.
Fügt man noch die Tatsache hinzu, dass die Kollektivwirtschaften 1933 dem Staat, alle Arten von Eingängen gerechnet, über 1 Milliarde Pud Getreide abgeliefert haben, die Einzelbauern aber, die den Plan zu 100 Prozent erfüllten, insgesamt ungefähr 130 Millionen Pud, während 1929/30 die Einzelbauern dem Staat ungefähr 780 Millionen Pud, die Kollektivwirtschaften aber nicht mehr als 120 Millionen Pud abgeliefert haben, so wird es sonnenklar, dass die Kollektivwirtschaften und die Einzelbauern in der Berichtsperiode die Rollen vollständig vertauscht haben, und zwar sind die Kollektivwirtschaften in dieser Zeit zu dem herrschenden Faktor in der Landwirtschaft geworden, die Einzelbauern aber zu einem Faktor zweiten Ranges, der gezwungen ist, sich dem kollektivwirtschaftlichen System unterzuordnen und anzupassen.
Es steht fest, dass die werktätige Bauernschaft, unsere Sowjetbauernschaft, sich endgültig und unwiderruflich unter das rote Banner des Sozialismus gestellt hat. (Anhaltender Beifall.)
Mögen die sozialrevolutionär-menschewistischen und bürgerlich-trotzkistischen Klatschbasen davon schwatzen, dass die Bauernschaft ihrer Natur nach konterrevolutionär sei, dass sie berufen sei, in der UdSSR den Kapitalismus wiederherzustellen, dass sie kein Bundesgenosse der Arbeiterklasse bei der Errichtung des Sozialismus sein könne, dass es in der UdSSR unmöglich sei, den Sozialismus zu errichten. Die Tatsachen besagen, dass diese Herrschaften sowohl die UdSSR als auch die Sowjetbauernschaft verleumden. Die Tatsachen besagen, dass unsere Sowjetbauernschaft endgültig die Ufer des Kapitalismus verlassen hat und im Bunde mit der Arbeiterklasse dem Sozialismus zusteuert. Die Tatsachen besagen, dass wir das Fundament der sozialistischen Gesellschaft in der UdSSR bereits errichtet haben und dass wir es nur noch durch die Überbauten krönen müssen, was zweifellos leichter ist als die Errichtung des Fundaments der sozialistischen Gesellschaft.
Die Stärke der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften erschöpft sich jedoch nicht in der Erweiterung ihrer Anbaufläche und Produktion. Sie findet ihren Ausdruck auch in der Vergrößerung ihres Traktorenparks, in ihrer zunehmenden Mechanisierung. Es besteht kein Zweifel, dass unsere Kollektiv- und Sowjetwirtschaften in dieser Hinsicht einen gewaltigen Schritt vorwärts getan haben.
Hier die entsprechende Tabelle:
Traktorenpark in der Landwirtschaft der UdSSR
(unter Berücksichtigung der Amortisation)
In Tausend
| 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Insgesamt Traktoren | 34,9 | 72,1 | 125,3 | 148,5 | 204,1 |
| Davon:
a) Traktoren in den MTS |
2,4 | 31,1 | 63,3 | 74,8 | 122,3 |
| b) Traktoren in den Sowjetwirt-
schaften der verschied. Volkskommissariate |
9,7 | 27,7 | 51,5 | 64,0 | 81,8 |
Leistungsfähigkeit in PS
| 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Insgesamt Traktoren | 391,4 | 1003,5 | 1850,0 | 2225,0 | 3100,0 |
| Davon:
a) Traktoren in den MTS |
23,9 | 372,5 | 848,0 | 1077,0 | 1782,0 |
| b) Traktoren in den Sowjetwirt-
schaften der verschied. Volkskommissariate |
123,4 | 483,1 | 892,0 | 1043,0 | 1318,0 |
Wir haben also 204000 Traktoren mit 3100000 PS für die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Das ist, wie man sieht, eine nicht geringe Kraft, eine Kraft, die imstande ist, alle und jegliche Wurzeln des Kapitalismus im Dorfe auszurotten. Das. ist eine Kraft, die doppelt so groß ist wie jene Traktorenzahl, von der Lenin seinerzeit als von einer fernen Perspektive sprach.[30]
Was den Park an landwirtschaftlichen Maschinen in den Maschinen und Traktorenstationen und in den Sowjetwirtschaften des Volkskommissariats für Sowjetwirtschaften betrifft, so geben hierüber folgende Tabellen Aufschluss:
In den Maschinen- und Traktorstationen
| 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Mähdrescher (in Tausend) | 7 Stück | 0,1 | 2,2 | 11,5 |
| Motoren und Lokomobilen (in Tausend) | 0,1 | 4,9 | 6,2 | 17,6 |
| Dreschmaschinen mit mehrfacher und mit
einfacher Reinigung (in Tausend) |
2,9 | 27,8 | 37,0 | 50,0 |
| Kraftanlagen für Drusch | 168 | 268 | 551 | 1283 |
| Kraftanlagen der Reparaturwerkstätten
in den MTS |
104 | 770 | 1220 | 1933 |
| Lastautos (in Tausend) | 0,2 | 1,0 | 6,0 | 13,5 |
| Personenautos (in Stück) | 17 | 191 | 245 | 2800 |
In den Sowjetwirtschaften des Volkskommissariats für Sowjetwirtschaften
| 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | |
| Mähdrescher (in Tausend) | 1,7 | 6,3 | 11,9 | 13,5 |
| Motoren und Lokomobilen (in Tausend) | 0,3 | 0,7 | 1,2 | 2,5 |
| Dreschmaschinen mit mehrfacher und mit
einfacher Reinigung (in Tausend) |
1,4 | 4,2 | 7,1 | 8,0 |
| Kraftanlagen | 42 | 112 | 164 | 222 |
| Reparaturwerkstätten
a) für Generalreparaturen |
72 | 133 | 208 | 302 |
| b) für mittlere Reparaturen | 75 | 160 | 215 | 476 |
| c) für laufende Reparaturen | 205 | 310 | 578 | 1166 |
| Lastautos (in Tausend) | 2,1 | 3,7 | 6,2 | 10,9 |
| Personenautos (in Stück) | 118 | 385 | 625 | 1890 |
Ich glaube, dass diese Angaben keiner Erläuterung bedürfen.
Von nicht geringer Bedeutung für den Aufschwung der Landwirtschaft waren auch die Bildung von Politischen Abteilungen in den Maschinen- und Traktorenstationen und den Sowjetwirtschaften sowie die Entsendung von qualifizierten Arbeitskräften in die Landwirtschaft. Jetzt erkennen alle an, dass die Funktionäre der Politischen Abteilungen eine gewaltige Rolle bei der Verbesserung der Arbeit der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gespielt haben. Es ist bekannt, dass das Zentralkomitee der Partei in der Berichtsperiode mehr als 23000 Kommunisten zur Stärkung der Kader der Landwirtschaft ins Dorf geschickt hat, davon mehr als 3000 landwirtschaftliche Funktionäre, mehr als 2000 in die Sowjetwirtschaften, mehr als 13000 in die Politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen und mehr als 5000 in die Politischen Abteilungen der Sowjetwirtschaften.
Dasselbe ist von der Entsendung netter Ingenieure, Techniker und Agronomen in die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften zu sagen. Es ist bekannt, dass in der Berichtsperiode mehr als 111000 Arbeitskräfte dieser Kategorie in die Landwirtschaft geschickt worden sind.
In der Berichtsperiode wurden mehr als 1900000 Traktoristen, Kombineführer, Gehilfen von Kombineführern, Chauffeure ausgebildet und allein im System des Volkskommissariats für Landwirtschaft zur Arbeit geschickt.
Mehr als 1600000 Personen wurden in dieser Periode zu Vorsitzenden und Mitgliedern der Verwaltungen der Kollektivwirtschaften, zu Brigadieren für den Feldbau, Brigadieren für die Viehzucht und zu Rechnungsführern ausgebildet oder umgeschult.
Das ist natürlich wenig für unsere Landwirtschaft. Aber es ist immerhin etwas.
Wie Sie sehen, hat der Staat alles getan, was möglich war, um die Arbeit der Organe des Volkskommissariats für Landwirtschaft und des Volkskommissariats für Sowjetwirtschaften zur Leitung des kollektiv- und sowjetwirtschaftlichen Aufbaus zu erleichtern.
Kann man sagen, dass diese Möglichkeiten so ausgenutzt worden sind, wie es sein sollte?
Leider kann man das nicht sagen.
Vor allem müssen wir feststellen, dass diese Volkskommissariate mehr als die anderen Volkskommissariate von der Krankheit des bürokratisch-kanzleimäßigen Verhaltens zur Arbeit angesteckt sind. Man entscheidet Fragen, denkt aber nicht daran, die Durchführung zu kontrollieren, diejenigen zur Ordnung zu rufen, die die Anweisungen und Verfügungen der leitenden Organe verletzen, diejenigen zu befördern, die ihre Pflichten ehrlich und gewissenhaft erfüllen.
Man sollte meinen, dass das Vorhandensein eines gewaltigen Traktoren- und Maschinenparks die landwirtschaftlichen Verwaltungsstellen dazu verpflichten müsste, diese wertvollen Maschinen in Ordnung zu halten, sie rechtzeitig zu reparieren, sie bei der Arbeit so gut wie möglich auszunutzen. Was tun sie auf diesem Gebiet? Leider sehr wenig. Die Unterbringung der Traktoren und Maschinen ist unbefriedigend. Die Reparatur ist ebenfalls unbefriedigend, denn bis auf den heutigen Tag will man nicht begreifen, dass die Grundlage der Reparatur die laufende und mittlere Reparatur, nicht aber die Generalreparatur ist. Was die Ausnutzung der Traktoren und Maschinen betrifft, so ist der unbefriedigende Stand dieser Sache so klar und so allgemein bekannt, dass er keiner Beweise bedarf.
Eine der aktuellen Aufgaben der Landwirtschaft ist die Einführung der richtigen Fruchtfolge, die Erweiterung der Schwarzbrache, die Verbesserung der Saatgutwirtschaft in allen Zweigen des Ackerbaus. Was wird auf diesem Gebiet getan? Einstweilen leider sehr wenig. In der Saatgutwirtschaft für Getreide und Baumwolle herrscht ein solches Durcheinander, dass man noch viel Zeit brauchen wird, um sie in Ordnung zu bringen.
Eins der wirksamsten Mittel zur Hebung des Ernteertrags bei den gewerblichen Nutzpflanzen ist die Anwendung von Düngemitteln. Was wird auf diesem Gebiet getan? Einstweilen sehr wenig. Düngemittel sind vorhanden, aber die Organe des Volkskommissariats für Landwirtschaft verstehen es nicht, sie zu übernehmen, und wenn sie sie übernommen haben, dann sorgen sie nicht dafür, dass sie rechtzeitig an Ort und Stelle geschafft und rationell ausgenutzt werden.
Was die Sowjetwirtschaften betrifft, so muss man sagen, dass sie ihren Aufgaben immer noch nicht gerecht werden. Ich bin weit davon entfernt, die große revolutionierende Bedeutung unserer Sowjetwirtschaften zu unterschätzen. Aber wenn man die gewaltigen Investitionen des Staates in die Sowjetwirtschaften mit den heutigen faktischen Ergebnissen der Arbeit der Sowjetwirtschaften vergleicht, so ergibt sich ein gewaltiges Missverhältnis zuungunsten der Sowjetwirtschaften. Die Hauptursache dieses Missverhältnisses ist der Umstand, dass unsere Getreide-Sowjetwirtschaften allzu groß sind, die Direktoren mit den riesigen Sowjetwirtschaften nicht fertig werden, die Sowjetwirtschaften selbst übermäßig spezialisiert sind, keine Fruchtfolge und keine Brache kennen, dass in ihrer Wirtschaft keine Viehzucht betrieben wird. Offenbar muss man die Sowjetwirtschaften zerteilen und ihre übermäßige Spezialisierung beseitigen. Man sollte meinen, dass das Volkskommissariat für Sowjetwirtschaften diese Frage rechtzeitig aufgeworfen und ihre Lösung durchgesetzt habe. Das ist aber nicht der Fall. Die Frage wurde auf Initiative von Leuten gestellt und entschieden, die mit dem Volkskommissariat für Sowjetwirtschaften nichts zu tun haben.
Schließlich die Frage der Viehzucht. Ich habe bereits über die schwere Lage der Viehzucht berichtet. Man sollte meinen, dass unsere landwirtschaftlichen Verwaltungsstellen eine fieberhafte Tätigkeit zur Liquidierung der Krise in der Viehzucht entfalten, dass sie Alarm schlagen, ihre Mitarbeiter mobilisieren und dem Viehzuchtproblem durch kühnes Eingreifen beizukommen suchen. Leider geschah und geschieht nichts Derartiges. Sie schlagen nicht nur keinen Alarm wegen der schweren Lage der Viehzucht, sondern bemühen sich im Gegenteil, die Frage zu vertuschen, mitunter aber versuchen sie sogar in ihren Berichten, vor der öffentlichen Meinung des Landes den wirklichen Stand der Viehzucht zu verheimlichen, was für Bolschewiki völlig unzulässig ist. Nach alledem darauf hoffen, dass die landwirtschaftlichen Verwaltungsstellen imstande sein würden, die Viehzucht aus ihren Schwierigkeiten herauszuführen und sie auf die erforderliche Höhe zu bringen, hieße auf Sand bauen. Die gesamte Partei, alle unsere Funktionäre, Parteimitglieder und Parteilose, müssen die Sache der Viehzucht in die Hand nehmen, wobei in Betracht gezogen werden muss, dass das Problem der Viehzucht jetzt ein ebenso erstrangiges Problem ist, wie es gestern das bereits erfolgreich gelöste Getreideproblem war. Es braucht nicht erst bewiesen zu werden, dass die Sowjetmenschen, die wiederholt große Hindernisse auf dem Wege zum Ziel genommen haben, es verstehen werden, auch dieses Hindernis zu nehmen. (Beifallssturm.)
Das ist die kurze und bei weitem nicht vollständige Aufzählung der zu behebenden Mängel und der in der nächsten Zeit zu lösenden Aufgaben.
Bei diesen Aufgaben darf es jedoch nicht sein Bewenden haben. Es bestehen noch andere Aufgaben in der Landwirtschaft, über die einige Worte zu sagen wären.
Vor allem muss man im Auge behalten, dass die alte Teilung unserer Gebiete in Industrie- und Agrargebiete bereits überholt ist. Es gibt bei uns keine ausschließlichen Agrargebiete mehr, die die Industriegebiete mit Getreide, Fleisch, Gemüse versorgen, ebenso wie es bei uns keine ausschließlichen Industriegebiete mehr gibt, die darauf rechnen könnten, dass sie alle notwendigen Lebensmittel von auswärts, aus anderen Gebieten bekommen würden. Die Entwicklung führt dazu, dass alle Gebiete bei uns mehr oder weniger zu Industriegebieten werden, und je weiter, desto mehr werden sie zu Industriegebieten werden. Das bedeutet, dass die Ukraine, der Nordkaukasus, das Zentrale Schwarzerdegebiet und andere ehemalige Agrargebiete nicht mehr soviel Lebensmittel an die Industriezentren abgeben können wie früher, denn sie müssen ihre eigenen Städte und ihre eigenen Arbeiter ernähren, deren Zahl zunehmen wird. Daraus folgt aber, dass jedes Gebiet sich eine eigene landwirtschaftliche Basis schaffen muss, um eigenes Gemüse, eigene Kartoffeln, eigene Butter, eigene Milch und in diesem oder jenem Grade eigenes Getreide, eigenes Fleisch zu haben, wenn es nicht in eine schwierige Lage geraten will. Sie wissen, dass diese Sache durchaus realisierbar ist und dass jetzt bereits daran gearbeitet wird.
Die Aufgabe besteht darin, diese Sache um jeden Preis zu Ende zu führen.
Ferner muss man das Augenmerk darauf richten, dass die bekannte Teilung unserer Gebiete in Lebensmittel-Zuschuss- und Überschussgebiete ebenfalls anfängt, ihren ausschließlichen Charakter zu verlieren. Solche „Zuschuss“gebiete wie das Moskauer und das Gorkigebiet haben in diesem Jahr dem Staat ungefähr 80 Millionen Pud Getreide geliefert. Das ist natürlich keine Kleinigkeit. In der so genannten Zuschusszone gibt es ungefähr 5 Millionen Hektar Neuland, das mit Gesträuch bedeckt ist. Es ist bekannt, dass das Klima in dieser Zone nicht schlecht ist, dass es an Niederschlägen nicht mangelt und dass es hier keine Dürre gibt. Wenn man dieses Land vom Gesträuch säubert und eine Reihe organisatorischer Maßnahmen durchführt, so kann man ein gewaltiges Getreidegebiet bekommen, das bei den gewöhnlich hohen Erträgen in diesen Gegenden nicht weniger Warengetreide liefern würde als jetzt die Untere oder die Mittlere Wolga. Das wäre eine große Hilfe für die Industriezentren im Norden.
Die Aufgabe besteht offenbar darin, in den Gebieten der Zuschusszone ein großes kompaktes Areal von Getreidekulturen zu schaffen.
Und schließlich die Frage der Bekämpfung der Dürre im Transwolgagebiet. Die Aufforstung und die Schaffung von Schutzwaldstreifen in den östlichen Bezirken des Transwolgagebiets ist von gewaltiger Bedeutung. Bekanntlich wird daran bereits gearbeitet, obwohl man nicht sagen kann, dass diese Arbeit intensiv genug betrieben wird. Was die Bewässerung des Transwolgagebiets betrifft - und das ist das Wichtigste vom Standpunkt der Bekämpfung der Dürre -, so darf man nicht zulassen, dass diese Sache auf die lange Bank geschoben wird. Allerdings ist sie etwas gehemmt worden durch einige äußere Umstände, die viele Kräfte und Mittel in Anspruch genommen hatten. Aber jetzt besteht kein Grund mehr, sie weiter aufzuschieben. Wir können nicht ohne eine ernste und durchaus stabile, von den Zufälligkeiten der Witterung unabhängige Basis der Getreideproduktion an der Wolga auskommen, die jährlich gegen 200 Millionen Pud Warengetreide liefern würde. Das ist unbedingt notwendig, wenn man das Anwachsen der Städte an der Wolga einerseits und alle möglichen Verwicklungen in den internationalen Beziehungen anderseits in Betracht zieht.
Die Aufgabe besteht darin, ernstlich an die Arbeit zur Organisierung der Bewässerung des Transwolgagebiets heranzugehen. (Beifall.)
3. Der Aufschwung der materiellen Lage und der Kultur der Werktätigen
Wir haben somit die Lage unserer Industrie und Landwirtschaft, ihre Entwicklung in der Berichtsperiode und ihren Stand im gegenwärtigen Augenblick geschildert.
Das Ergebnis ist:
a) die Produktion hat sowohl in der Industrie als auch in den wichtigsten Zweigen der Landwirtschaft einen mächtigen Aufschwung genommen;
b) das sozialistische Wirtschaftssystem hat auf der Grundlage dieses Aufschwungs endgültig über das kapitalistische Wirtschaftssystem gesiegt, und zwar sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft, das sozialistische System ist zum einzigen System in der gesamten Volkswirtschaft geworden, die kapitalistischen Elemente sind aus allen Sphären der Volkswirtschaft verdrängt;
c) die gewaltige Mehrheit der Einzelbauern hat endgültig der kleinen individuellen Warenwirtschaft den Rücken gekehrt, hat sich auf der Grundlage der kollektiven Arbeit und des kollektiven Eigentums an den Produktionsmitteln in Kollektivwirtschaften zusammengeschlossen, die Kollektivwirtschaft hat über die kleine individuelle Warenwirtschaft den völligen Sieg davongetragen;
d) der Prozess der weiteren Ausbreitung der Kollektivwirtschaften auf Kosten der einzelbäuerlichen Wirtschaften schreitet fort, die Zahl der einzelbäuerlichen Wirtschaften geht somit von Monat zu Monat zurück, und sie verwandeln sich im Grunde genommen in eine Hilfskraft der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften.
Es ist klar, dass dieser historische Sieg über die Ausbeuter zu radikalen Verbesserungen in der materiellen Lage und in den gesamten Lebensverhältnissen der Werktätigen führen musste.
Die Liquidierung der parasitären Klassen hat zum Verschwinden der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen geführt. Die Arbeit des Arbeiters und Bauern ist von der Ausbeutung befreit. Die Einkünfte, die die Ausbeuter aus der Arbeit des Volkes herauspressten, bleiben jetzt in den Händen der Werktätigen und werden teils zur Erweiterung der Produktion und zur Einbeziehung neuer Gruppen von Werktätigen in den Produktionsprozess, teils zur direkten Erhöhung des Einkommens der Arbeiter und Bauern verwendet.
Verschwunden ist die Arbeitslosigkeit, diese Geisel der Arbeiterklasse. Während in den bürgerlichen Ländern Millionen Arbeitslose wegen Arbeitsmangel Elend und Not leiden, gibt es bei uns keine Arbeiter mehr, die nicht Arbeit und Verdienst hätten.
Mit dem Verschwinden des Kulakenjochs ist das Elend im Dorfe verschwunden. Jeder Bauer, ob Kollektiv- oder Einzelhauer, hat jetzt die Möglichkeit, menschlich zu leben, wenn er nur gewillt ist, ehrlich zu arbeiten, nicht zu faulenzen, nicht zu bummeln und sich nicht am Eigentum der Kollektivwirtschaft zu vergreifen.
Die Beseitigung der Ausbeutung, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit in der Stadt, die Beseitigung des Elends im Dorfe - das sind historische Errungenschaften in der materiellen Lage der Werktätigen, die sich die Arbeiter und Bauern auch der „allerdemokratischsten“ bürgerlichen Länder nicht einmal träumen lassen können.
Geändert hat sich das Aussehen unserer Großstädte und Industriezentren. Ein unvermeidliches Kennzeichen der Großstädte der bürgerlichen Länder sind die Elendsquartiere, die so genannten Arbeiterviertel am Rande der Stadt, die einen Haufen von dunklen, feuchten Räumen, meist halbverfallenen Kellerräumen darstellen, in denen gewöhnlich die armen Leute hausen, im Schmutz verkommen und ihr Schicksal verfluchen. Die Revolution in der UdSSR hat dazu geführt, dass diese Elendsquartiere bei uns verschwunden sind. Sie sind durch neu erbaute gute und helle Arbeiterviertel ersetzt worden, und in vielen Fällen sehen die Arbeiterviertel bei uns besser aus als das Stadtzentrum.
Noch mehr hat sich das Aussehen des Dorfes verändert. Das alte Dorf, in dem die Kirche an dem sichtbarsten Platz stand, in dem der Landpolizist, der Pope und die Kulaken die schönsten Häuser im Vordergrund bewohnten und die halbverfallenen Hütten der Bauern im Hintergrund standen, beginnt zu verschwinden. An seine Stelle tritt das neue Dorf mit seinen gesellschaftlichen Wirtschaftsgebäuden, mit seinen Klubs, mit Radio, Kino, Schulen, Bibliotheken und Kinderkrippen, mit seinen Traktoren, Mähdreschern, Dreschmaschinen und Automobilen. Verschwunden sind der Kulak und Ausbeuter, der Wucherer und Blutsauger, der Händler und Spekulant, der Landpolizist, Figuren, die früher den Ton angaben. Jetzt sind die Funktionäre der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, der Schulen und Klubs, die Obertraktoristen und Kombineführer, die Brigadiere für Feldbau und Viehzucht, die besten Stoßbrigadier und Stossbrigadierinnen der Kollektivfelder die angesehenen Leute.
Es verschwindet der Gegensatz zwischen Stadt und Land. Die Stadt hört auf, in den Augen der Bauern das Zentrum ihrer Ausbeutung zu sein. Immer stärker werden die Fäden des wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenschlusses zwischen Stadt und Land. Von der Stadt und ihrer Industrie erhält das Land jetzt Unterstützung in Gestalt von Traktoren, landwirtschaftlichen Maschinen, Automobilen, Arbeitskräften, Geldmitteln. Ja, das Dorf selbst hat jetzt seine eigene Industrie in Gestalt von Maschinen- und Traktorenstationen, Reparaturwerkstätten, allen möglichen Gewerbebetrieben der Kollektivwirtschaften, kleinen Kraftwerken usw. Die Kluft im Kulturniveau zwischen Stadt und Land wird ausgefüllt.
Das sind die wichtigsten Errungenschaften der Werktätigen auf dem Gebiet der Hebung ihrer materiellen Lage, ihrer Lebensverhältnisse, ihrer Kultur.
Auf Grund dieser Errungenschaften haben wir in der Berichtsperiode:
a) das Anwachsen des Volkseinkommens von 35 Milliarden im Jahre 1930 auf 50 Milliarden im Jahre 1933; dabei wird fast das gesamte Volkseinkommen - da der Anteil der kapitalistischen Elemente, darunter auch der Konzessionäre, am Volkseinkommen gegenwärtig weniger als ein halbes Prozent ausmacht - unter die Arbeiter und Angestellten, die werk-tätigen Bauern, die Genossenschaften und den Staat aufgeteilt;
b) das Anwachsen der Bevölkerung der Sowjetunion von 160,5 Millionen Ende 1930 auf 168 Millionen Ende 1933;
c) das Anwachsen der Zahl der Arbeiter und Angestellten von 14530000 im Jahre 1930 auf 21883 000 im Jahre 1933, wobei die Zahl der Arbeiter in dieser Periode von 9489000 auf 13797000, die Zahl der Arbeiter in der Großindustrie, einschließlich der Arbeiter des Verkehrswesens, von 5079000 auf 6882000, die Zahl der Landarbeiter von 1426000 auf 2519000, die Zahl der Arbeiter und Angestellten im Handel von 814000 auf 1497000 gestiegen ist;
d) das Anwachsen der Lohnsumme der Arbeiter und Angestellten von 13597 Millionen Rubel im Jahre 1930 auf 31280 Millionen Rubel im Jahre 1933;
e) das Anwachsen des jährlichen Durchschnittslohns der Industriearbeiter von 991 Rubel im Jahre 1930 auf 1519 Rubel im Jahre 1933;
f) das Anwachsen des Sozialversicherungsfonds der Arbeiter und Angestellten von 1810 Millionen Rubel im Jahre 1930 auf 4610 Millionen Rubel im Jahre 1933;
g) die Überführung der gesamten Industrie, mit Ausnahme der Untertagearbeiten, auf den siebenstündigen Arbeitstag;
h) die Unterstützung der Bauern durch den Staat in Form der Organisierung von 2860 Maschinen- und Traktorenstationen mit einem Kapitalaufwand von 2 Milliarden Rubel;
i) die Unterstützung der Bauern durch den Staat in Form von Krediten an die Kollektivwirtschaften in Höhe von 1,6 Milliarden Rubel;
j) die Unterstützung der Bauern durch den Staat in Form von Saatgut- und Lebensmitteldarlehen im Laufe der Berichtsperiode in Höhe von 262 Millionen Pud Getreide;
k) die Unterstützung der wirtschaftlich schwachen Bauern durch den Staat in Form von Vergünstigungen bei der Besteuerung und Versicherung in Höhe von 370 Millionen Rubel.
Was die kulturelle Entwicklung des Landes betrifft, so haben wir in der Berichtsperiode:
a) die Einführung der allgemeinen Schulpflicht in der ganzen UdSSR und die Erhöhung des Prozentsatzes der Lese- und Schreibkundigen von 67 Prozent Ende 1930 auf 90 Prozent Ende 1933;
b) das Anwachsen der Schülerzahl in den Schulen aller Stufen von 14358 000 im Jahre 1929 auf 26419000 im Jahre 1933, darunter in den Elementarschulen von 11697000 auf 19163000, in den Mittelschulen von 2453000 auf 6674000, in den Hochschulen von 207000 auf 491000;
c) das Anwachsen der Zahl der von der Vorschulerziehung erfassten Kinder von 838000 im Jahre 1929 auf 5917000 im Jahre 1933;
cl) das Anwachsen der Zahl der höheren Lehranstalten, der allgemeinen und der speziellen, von 91 im Jahre 1914 auf 600 im Jahre 1933;
e) das Anwachsen der Zahl der wissenschaftlichen Forschungsinstitute von 400 im Jahre 1929 auf 840 im Jahre 1933;
f) das Anwachsen der Zahl der Klubs und ähnlicher Einrichtungen von 32000 im Jahre 1929 auf 54000 im Jahre 1933;
g) das Anwachsen der Zahl der Lichtspieltheater, der Lichtspielapparate in den Klubs und der Wanderkinos von 9800 im Jahre 1929 auf 29200 im Jahre 1933;
h) das Anwachsen der Auflagen der Zeitungen von 12500000 im Jahre 1929 auf 36500000 im Jahre 1933.
Es dürfte wohl nicht schaden festzustellen, dass unter den Studierenden der höheren Lehranstalten die Arbeiter 51,4 Prozent, die werktätigen Bauern 16,5 Prozent ausmachen, während in Deutschland zum Beispiel unter den Studierenden der höheren Lehranstalten im Unterrichtsjahr 1932133 die Arbeiter im Ganzen nur 3,2 Prozent, die Kleinbauern im Ganzen nur 2,4 Prozent ausmachten.
Als erfreuliche Tatsache und als Zeichen des ansteigenden Kulturniveaus im Dorfe muss das Anwachsen der Aktivität der Kollektivbäuerinnen auf dem Gebiet der gesellschaftlichen organisatorischen Arbeit festgestellt werden. Es ist zum Beispiel bekannt, dass gegenwärtig ungefähr 6000 Kollektivbäuerinnen Vorsitzende von Kollektivwirtschaften, mehr als 60000 Mitglieder der Verwaltungen von Kollektivwirtschaften, 28000 Brigadierinnen, 100000 Gruppenorganisatorinnen, 9000 Leiterinnen von kollektivwirtschaftlichen Warenfarmen und 7000 Traktoristinnen sind.
Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass diese Angaben nicht vollständig sind. Aber auch das wenige, was in diesen Angaben enthalten ist, spricht eindringlich genug von dem gewaltigen Ansteigen des Kulturniveaus im Dorfe. Dieser Umstand, Genossen, ist von gewaltiger Bedeutung. Er ist von gewaltiger Bedeutung, weil die Frauen die Hälfte der Bevölkerung unseres Landes ausmachen, weil sie eine riesige Arbeitsarmee bilden, weil sie berufen sind, unsere Kinder, unsere künftige Generation, das heißt unsere Zukunft, zu erziehen. Deshalb können wir nicht zulassen, dass diese gewaltige Armee von Werktätigen in Finsternis und Unwissenheit dahinvegetiert! Deshalb müssen wir die zunehmende gesellschaftliche Aktivität der werktätigen Frauen und ihr Aufrücken in leitende Stellungen als unzweifelhaftes Zeichen des Steigens unseres Kulturniveaus begrüßen. (Anhaltender Beifall.)
Schließlich muss man noch eine Tatsache hervorheben, allerdings negativer Natur. Ich meine die unzulässige Erscheinung, dass die pädagogischen und medizinischen Fakultäten bei uns immer noch stiefmütterlich behandelt werden. Das ist ein großer Mangel, der an Verletzung der Staatsinteressen grenzt. Dieser Mangel muss unbedingt behoben werden, und je schneller das geschieht, desto besser.
4. Der Aufschwung des Warenumsatzes und das Verkehrswesen
Wir haben also:
a) das Anwachsen der Industrieproduktion, darunter der Produktion von Massenbedarfsartikeln;
b) das Anwachsen der landwirtschaftlichen Produktion;
c) das Anwachsen des Bedarfs und der Nachfrage nach Produkten und Erzeugnissen bei den werktätigen Massen in Stadt und Land.
Was ist noch notwendig, um diese Faktoren miteinander zu verknüpfen und der gesamten Masse der Verbraucher die notwendigen Waren und Produkte zu sichern?
Manche Genossen glauben, dass diese Faktoren genügen, damit sich das Wirtschaftsleben des Landes voll entfalte. Das ist ein schwerer Irrtum. Man kann sich vorstellen, dass alle diese Faktoren vorhanden sind, wenn aber die Ware nicht zum Verbraucher gelangt, so kann sich das Wirtschaftsleben nicht nur nicht voll entfalten, sondern wird im Gegenteil völlig zerrüttet und desorganisiert werden. Man muss endlich begreifen, dass die Waren schließlich und endlich nicht für die Produktion, sondern für den Verbrauch produziert werden. Es hat bei uns Fälle gegeben, dass nicht wenig Waren und Produkte vorhanden waren, dass sie aber nicht nur nicht zum Verbraucher gelangten, sondern jahrelang in den bürokratischen Kanälen des so genannten warenzuführenden Netzes wanderten, abseits vorn Verbraucher. Es ist klar, dass Industrie und Landwirtschaft unter diesen Umständen jeden Ansporn zur Erweiterung der Produktion verloren, dass sich die Waren im warenzuführenden Netz anstauten, die Arbeiter und die Bauern aber ohne Waren und Produkte blieben. Das Ergebnis war, dass das Wirtschaftsleben des Landes gestört wurde, obwohl es Waren und Produkte gab. Damit sich das Wirtschaftsleben des Landes voll entfalten könne, Industrie und Landwirtschaft aber einen Ansporn zur weiteren Steigerung ihrer Produktion erhalten, bedarf es noch einer Bedingung, nämlich eines entfalteten Warenumsatzes zwischen Stadt und Land, zwischen den einzelnen Bezirken und Gebieten des Landes, zwischen den verschiedenen Zweigen der Volkswirtschaft. Das Land muss mit einem dichten Netz von Warenlagern, Läden, Verkaufsstellen überzogen werden. Es ist notwendig, dass die Waren durch die Kanäle dieser Warenlager, Läden und Verkaufsstellen unaufhörlich von den Produktionsstätten zum Verbraucher zirkulieren. Es ist notwendig, dass sowohl das staatliche Handelsnetz als auch das Handelsnetz der Genossenschaften, die örtliche Industrie, die Kollektivwirtschaften und die Einzelbauern in diese Arbeit einbezogen werden.
Das eben nennen wir voll entfalteten Sowjethandel, Handel ohne Kapitalisten, Handel ohne Spekulanten.
Wie Sie sehen, ist die Entfaltung des Sowjethandels jene überaus aktuelle Aufgabe, ohne deren Lösung es unmöglich ist, weiter vorwärts zu schreiten.
Und obwohl diese Wahrheit völlig offensichtlich ist, musste die Partei in der Berichtsperiode eine ganze Reihe von Hindernissen auf dem Wege zur Entfaltung des Sowjethandels überwinden, die man der Kürze halber als Ergebnis einer Gehirnverrenkung bei einem Teil der Kommunisten in den Fragen der Notwendigkeit und Bedeutung des Sowjethandels bezeichnen könnte.
Vor allem muss man feststellen, dass unter einem Teil der Kommunisten immer noch ein hochmütiges, geringschätziges Verhalten zum Handel überhaupt und zum Sowjethandel im Besonderen herrscht. Diese, mit Verlaub zu sagen, Kommunisten halten den Sowjethandel für eine untergeordnete, unwesentliche Angelegenheit, die im Handel Tätigen aber für verlorene Menschen. Diese Leute verstehen offenbar nicht, dass sie mit ihrem hochmütigen Verhalten zum Sowjethandel keine bolschewistischen Ansichten, sondern die Ansichten von heruntergekommenen Adligen zum Ausdruck bringen, die große Ambition, aber keinerlei Munition haben. (Beifall.) Diese Leute verstehen nicht, dass der Sowjethandel unsere ureigene, bolschewistische Sache ist und dass die im Handel Tätigen, auch die Ladenangestellten, wenn sie nur ehrlich arbeiten, für unsere revolutionäre, bolschewistische Sache wirken. (Beifall.) Es ist klar, dass die Partei diese, mit Verlaub zu sagen, Kommunisten etwas unsanft anfassen und ihre Adelsvorurteile auf den Kehrichthaufen werfen musste. (Anhaltender Bei f all.)
Man musste ferner Vorurteile anderer Art überwinden. Ich meine das ultralinke Geschwätz, das unter einem Teil unserer Funktionäre in Umlauf ist, dass nämlich der Sowjethandel ein überholtes Stadium sei, dass wir den direkten Produktenaustausch organisieren müssten, dass das Geld bald abgeschafft werden würde, weil es zu einem bloßen Rechenschein geworden sei, dass man den Handel nicht zu entwickeln brauche, da doch der direkte Produktenaustausch bereits vor der Tür stehe. Es muss betont werden, dass dieses kleinbürgerliche ultralinke Geschwätz, das den kapitalistischen Elementen, die bestrebt sind, die Entfaltung des Sowjethandels zu vereiteln, in die Hände arbeitet, nicht nur bei einem Teil der „roten Professoren“, sondern auch bei manchen Funktionären des Handels in Umlauf ist. Es ist natürlich lächerlich und drollig, dass diese Leute, die nicht fähig sind, die überaus einfache Sache des Sowjethandels zu organisieren, von ihrer Bereitschaft schwatzen, die kompliziertere und schwierigere Sache des direkten Produktenaustausches zu organisieren. Aber die Don Quichottes heißen gerade deswegen Don Quichottes, weil ihnen der elementare Sinn für die Wirklichkeit abgeht. Diese Leute, die vom Marxismus ebenso weit entfernt sind wie der Himmel von der Erde, verstehen offenbar nicht, dass das Geld bei uns noch lange bestehen wird, bis zum Abschluss des ersten Stadiums des Kommunismus, des sozialistischen Entwicklungsstadiums. Sie verstehen nicht, dass das Geld ein Instrument der bürgerlichen Ökonomik ist, das die Sowjetmacht in ihre Hände genommen und den Interessen des Sozialismus angepasst hat, um den Sowjethandel voll zu entfalten und dadurch die Bedingungen für den direkten Produktenaustausch vorzubereiten. Sie verstehen nicht, dass der Produktenaustausch nur als Ablösung und Ergebnis eines ideal organisierten Sowjethandels kommen kann, von dem bei uns noch nicht die leiseste Spur vorhanden ist und den wir nicht so bald haben werden. Es ist klar, dass die Partei, die bestrebt ist, den voll entfalteten Sowjethandel zu organisieren, es für notwendig gehalten hat, auch diese „linken“ Missgestalten hart anzupacken, ihrem kleinbürgerlichen Geschwätz aber ein Ende zu machen.
Man musste ferner die ungesunden Gewohnheiten der Handelsfunktionäre, die Waren mechanisch zu verteilen, überwinden, die Geringschätzung der Erfordernisse des Sortiments und der Anforderungen des Verbrauchers ausmerzen, dem mechanischen Versand der Waren, dem Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit im Handel ein Ende machen. Zu diesem Zweck wurden Warenlager, die je ein Gebiet beziehungsweise mehrere Bezirke beliefern, ferner Zehntausende von neuen Läden und Verkaufsstellen eröffnet.
Man musste ferner die Monopolstellung der Genossenschaften auf dem Markt beseitigen; im Zusammenhang damit verpflichteten wir alle Volkskommissariate, den Handel mit eigenen Waren zu eröffnen, und das Volkskommissariat für Versorgungswesen, den freien Handel mit landwirtschaftlichen Produkten zu entfalten, was einerseits durch den Wettbewerb zur Verbesserung des Handels in den Genossenschaften, anderseits aber zur Senkung der Preise auf dem Markt, zur Gesundung des Marktes geführt hat.
Es wurde ein weit verzweigtes Netz von Speisehallen geschaffen, in denen Mahlzeiten zu herabgesetzten Preisen verabfolgt werden („gesellschaftliche Speisung“), in den Betrieben wurden Abteilungen für die Versorgung der Arbeiter organisiert, wobei Personen, die mit dem Betrieb nichts zu tun haben, von der Versorgung durch den Betrieb ausgeschlossen wurden, was allein im System des Volkskommissariats für Schwerindustrie zum Ausschluss von nicht weniger als 500000 betriebsfremden Personen führte.
In die Wege geleitet wurde das richtige Funktionieren der einheitlichen zentralisierten Bank für kurzfristige Kredite, der Staatsbank mit ihren 2200 Bezirksfilialen, die imstande sind, die Handelsoperationen zu finanzieren.
Als Ergebnis dieser Maßnahmen haben wir in der Berichtsperiode:
a) die Erweiterung des Netzes der Läden und Verkaufsstellen von 184662 im Jahre 1930 auf 277974 im Jahre 1933;
b) das neu geschaffene Netz von 1011 Gebietswarenlagern und von 864 Warenlagern, die mehrere Bezirke erfassen;
c) das neu geschaffene Netz von 1600 Abteilungen für Arbeiterversorgung;
d) die Erweiterung des Netzes der Läden für den freien Verkauf von Brot, das gegenwärtig 330 Städte umfasst;
e) die Erweiterung des Netzes der öffentlichen Speisebetriebe, das jetzt 19,8 Millionen Konsumenten erfasst;
f) das Anwachsen des Warenumsatzes im staatlichen und genossenschaftlichen Handelsnetz einschließlich der gesellschaftlichen Speisehallen von 18,9 Milliarden Rubel im Jahre 1930 auf 49 Milliarden Rubel im Jahre 1933.
Es wäre falsch anzunehmen, dass diese ganze Entfaltung des Sowjethandels genüge, um die Bedürfnisse unserer Wirtschaft zu befriedigen. Im Gegenteil, jetzt wird es mehr denn je klar, dass der gegenwärtige Stand des Warenumsatzes unsere Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Deshalb besteht die Aufgabe darin, den Sowjethandel weiter auszubauen, die örtliche Industrie dazu heranzuziehen, den Handel der Kollektivwirtschaften und der Bauern zu steigern und neue entscheidende Erfolge auf dem Gebiet der Hebung des Sowjethandels zu erzielen.
Man muss jedoch darauf hinweisen, dass man sich nicht auf die Entfaltung des Sowjethandels allein beschränken darf. Hängt die Entwicklung unserer Wirtschaft von der Entwicklung des Warenumsatzes, von der Entwicklung des Sowjethandels ab, so hängt die Entwicklung des Sowjethandels wiederum von der Entwicklung unseres Verkehrswesens ab, sowohl der Eisenbahnen und der Schifffahrt als auch des Automobilverkehrs. Es kann vorkommen, dass Waren vorhanden sind, dass die volle Möglichkeit besteht, den Warenumsatz zu entfalten, das Verkehrswesen aber nicht mit der Entwicklung des Warenumsatzes Schritt hält und nicht imstande ist, die Güter zu befördern. Bekanntlich kommt das bei uns sehr häufig vor. Deshalb ist das Verkehrswesen jene schwache Stelle, an der unsere gesamte Wirtschaft, und vor allem unser Warenumsatz, straucheln kann und wohl schon zu straucheln beginnt.
Allerdings haben die Eisenbahnen ihren Güterumschlag von 133,9 Milliarden Tonnenkilometer im Jahre 1930 auf 172 Milliarden Tonnenkilometer im Jahre 1933 erhöht. Aber das ist wenig, viel zuwenig für uns, für unsere Wirtschaft.
Die Schifffahrt hat ihren Güterumschlag von 45,6 Milliarden Tonnenkilometer 1930 auf 59,9Milliarden Tonnenkilometer 1933 erhöht. Aber das ist wenig, viel zuwenig für unsere Wirtschaft.
Ich spreche schon gar nicht vom Automobilverkehr, dessen Park von 8800 Automobilen (Last- und Personenwagen) 1913 auf 117800 Automobile Ende 1933 gestiegen ist. Das ist für unsere Volkswirtschaft so wenig, dass man sich schämt, davon auch nur zu sprechen.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass alle diese Verkehrsmittel viel besser arbeiten könnten, wenn die Organe des Verkehrswesens nicht an jener bekannten Krankheit litten, die man kanzleimäßig-bürokratische Leitungsmethode nennt. Die Aufgabe besteht also nicht nur darin, dem Verkehrswesen mit Menschen und Mitteln zu helfen, sondern auch darin, in den Organen des Verkehrswesens das bürokratisch-kanzleimäßige Verhalten zur Arbeit auszurotten und sie zu operativeren Organen zu machen.
Genossen! Wir haben erreicht, dass die Grundfragen der Industrie richtig gelöst worden sind, und die Industrie steht jetzt auf festen Füßen. Wir haben erreicht, dass die Grundfragen der Landwirtschaft ebenfalls richtig gelöst worden sind, und die Landwirtschaft - das können wir ohne weiteres sagen - steht jetzt ebenfalls auf festen Füßen. Aber wir können dieser Errungenschaften verlustig gehen, wenn unser Warenumsatz zu hinken anfängt und das Verkehrswesen wie ein Bleigewicht an unseren Füßen hängt. Deshalb ist die Entfaltung des Warenumsatzes und die entschiedene Verbesserung des Verkehrswesens jene nächste und höchst aktuelle Aufgabe, ohne deren Lösung wir nicht vorwärts kommen können.
III. Die Partei
Ich gehe zur Frage der Partei über.
Der jetzige Parteitag steht im Zeichen des vollen Sieges des Leninismus, im Zeichen der Liquidierung der Überreste der antileninistischen Gruppierungen.
Zerschlagen und zerstreut ist die antileninistische Gruppe der Trotzkisten. Ihre Organisatoren treiben sich jetzt im Ausland in den Hinterhöfen der bürgerlichen Parteien herum.
Zerschlagen und zerstreut ist die antileninistische Gruppe der rechten Abweichler. Ihre Organisatoren haben sich schon längst von ihren Anschauungen losgesagt und geben sich jetzt alle erdenkliche Mühe, ihre gegen die Partei begangenen Sünden wieder gut zu machen.
Zerschlagen und zerstreut sind die Gruppierungen nationalistischer Abweichungen. Ihre Organisatoren haben sich entweder endgültig mit der interventionslüsternen Emigration zusammengetan oder Reueerklärungen abgegeben.
Die meisten Anhänger dieser antirevolutionären Gruppen waren gezwungen, die Richtigkeit der Parteilinie anzuerkennen, und haben vor der Partei kapituliert.
Musste man auf dem XV. Parteitag[Anmerkung 46] noch die Richtigkeit der Linie der Partei beweisen und einen Kampf gegen bestimmte antileninistische Gruppierungen führen, auf dem XVI. Parteitag aber mit den letzten Anhängern dieser Gruppierungen aufräumen, so braucht man auf diesem Parteitag nichts zu beweisen, und es gibt wohl auch niemand, der geschlagen werden müsste. Alle sehen, dass die Parteilinie gesiegt hat. (Beifallssturm.)
Gesiegt hat die Politik der Industrialisierung des Landes. Ihre Ergebnisse sind heute für jedermann offenkundig. Was kann man gegen diese Tatsache einwenden?
Gesiegt hat die Politik der Liquidierung des Kulakentums und der durchgängigen Kollektivierung. Ihre Ergebnisse sind ebenfalls für jedermann offenkundig. Was kann man gegen diese Tatsache einwenden?
Auf Grund der Erfahrungen unseres Landes ist bewiesen worden, dass der Sieg des Sozialismus in einem einzelnen Lande durchaus möglich ist. Was kann man gegen diese Tatsache einwenden?
Es ist offenkundig, dass alle diese Erfolge und vor allem der Sieg des Fünfjahrplans alle und jegliche antileninistischen Gruppierungen vollständig demoralisiert und aufs Haupt geschlagen haben.
Man muss feststellen, dass die Partei jetzt einheitlich und geschlossen dasteht wie nie zuvor. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.)
1. Fragen der ideologisch-politischen Leitung
Bedeutet das jedoch, dass der Kampf zu Ende ist und dass die weitere Offensive des Sozialismus als etwas Überflüssiges wegfällt?
Nein, das bedeutet es nicht.
Bedeutet das, dass bei uns in der Partei alles zum Besten bestellt ist, dass es in ihr keinerlei Abweichungen mehr geben wird und dass man folglich jetzt auf den Lorbeeren ausruhen kann?
Nein, das bedeutet es nicht.
Die Feinde der Partei, die Opportunisten aller Schattierungen, die nationalistischen Abweichler aller Art sind geschlagen. Aber Überreste ihrer Ideologie leben noch in den Köpfen einzelner Parteimitglieder fort und machen sich nicht selten bemerkbar. Man darf die Partei nicht als etwas von den sie umgebenden Menschen Losgelöstes betrachten. Sie lebt und wirkt innerhalb des sie umgebenden Milieus. Kein Wunder, dass nicht selten von außen ungesunde Stimmungen in die Partei eindringen. Ein Boden für solche Stimmungen besteht aber zweifellos in unserem Lande, schon aus dem Grunde, weil bei uns immer noch gewisse Zwischenschichten der Bevölkerung sowohl in der Stadt als auch im Dorfe vorhanden sind, die einen Nährboden für solche Stimmungen bilden.
Die XVII. Konferenz unserer Partei[Anmerkung 47] hat erklärt, dass eine der grundlegenden politischen Aufgaben bei der Verwirklichung des zweiten Fünfjahrplans in der „Überwindung der Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft und im Bewusstsein der Menschen“ besteht. Das ist ein völlig richtiger Gedanke. Kann man jedoch sagen, dass wir bereits alle Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft überwunden haben? Nein, das kann man nicht sagen. Umso weniger kann man sagen, dass wir die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen überwunden haben. Das kann man nicht nur deshalb nicht sagen, weil das Bewusstsein der Menschen in seiner Entwicklung hinter ihrer ökonomischen Lage zurückbleibt, sondern auch deshalb, weil immer noch die kapitalistische Umwelt besteht, die bestrebt ist, die Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft und im Bewusstsein der Menschen in der UdSSR zu beleben und aufrechtzuerhalten, und gegen die wir Bolschewiki immer unser Pulver trocken halten müssen.
Man begreift, dass diese Überreste unvermeidlich einen günstigen Nährboden bilden, um die Ideologie der zerschlagenen antileninistischen Gruppen in den Köpfen einzelner Mitglieder unserer Partei neu zu beleben. Nimmt man noch das nicht sehr hohe theoretische Niveau der Mehrzahl der Mitglieder unserer Partei hinzu, die schwache ideologische Arbeit der Parteiorgane, die Überlastung unserer Parteifunktionäre mit rein praktischer Arbeit, die sie der Möglichkeit beraubt, ihr theoretisches Wissen zu vervollständigen, dann wird man verstehen, woher der Wirrwarr in einer Reihe von Fragen des Leninismus in den Köpfen einzelner Parteimitglieder kommt, der nicht selten in unsere Presse eindringt und die Belebung der Überreste der Ideologie der zerschlagenen antileninistischen Gruppen erleichtert.
Aus diesem Grunde kann man nicht sagen, dass der Kampf zu Ende sei und dass keine Notwendigkeit mehr bestehe, eine Politik der Offensive des Sozialismus zu betreiben.
Man könnte eine Reihe von Fragen des Leninismus nehmen und an ihnen demonstrieren, wie zählebig bei manchen Parteimitgliedern die Überreste der Ideologie der zerschlagenen antileninistischen Gruppen noch sind.
Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Errichtung der klassenlosen, sozialistischen Gesellschaft. Die XVII. Parteikonferenz hat erklärt, dass wir der Schaffung der klassenlosen, sozialistischen Gesellschaft entgegengehen. Es ist klar, dass die klassenlose Gesellschaft nicht sozusagen von selbst kommen kann. Man muss sie durch die Anstrengungen aller Werk-tätigen erkämpfen und errichten: durch Stärkung der Organe der Diktatur des Proletariats, durch Entfaltung des Klassenkampfes, durch Aufhebung der Klassen, durch Liquidierung der Überreste der kapitalistischen Klassen, im Kampf mit inneren wie mit äußeren Feinden.
Das ist wohl klar.
Wem wäre es indessen nicht bekannt, dass die Verkündung dieser klaren und elementaren These des Leninismus bei einem Teil der Parteimitglieder einen nicht geringen Wirrwarr in den Köpfen und ungesunde Stimmungen hervorgerufen hat? In der These von unserem Vormarsch zur klassenlosen Gesellschaft, die als Losung aufgestellt worden ist, haben sie unseren Vormarsch als spontanen Prozess aufgefasst. Und sie räsonierten: Wenn von klassenloser Gesellschaft die Rede ist, so heißt das, dass man den Klassenkampf abschwächen, die Diktatur des Proletariats abschwächen und überhaupt dem Staat ein Ende machen könne, der ja ohnehin in der nächsten Zeit absterben müsse. Und sie gerieten in höchste Verzückung in Erwartung dessen, dass es bald keine Klassen geben werde - also auch keinen Klassenkampf, also auch keine Sorgen und Aufregungen, dass man also die Waffen beiseite legen und sich getrost schlafen legen könne in Erwartung der klassenlosen Gesellschaft. (Allgemeine Heiterkeit im ganzen Saal.)
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dieser Wirrwarr in den Köpfen und diese Stimmungen den bekannten Ansichten der rechten Abweichler wie ein Ei dem andern gleichen, denen zufolge das Alte von selbst in das Neue hineinwachsen müsse und wir eines schönen Tages, ohne es zu merken, in der sozialistischen Gesellschaft anlangen würden.
Wie Sie sehen, sind die Überreste der Ideologie der zerschlagenen antileninistischen Gruppen durchaus imstande, wieder aufzuleben, und haben ihre Zählebigkeit noch lange nicht eingebüßt.
Es ist klar: Wenn dieser Wirrwarr in den Ansichten und diese unbolschewistischen Stimmungen die Mehrheit unserer Partei erfasst hätten, so würde die Partei demobilisiert und entwaffnet dastehen.
Nehmen wir weiter die Frage des landwirtschaftlichen Artels und der landwirtschaftlichen Kommune. Jetzt geben alle zu, dass das Artel unter den heutigen Verhältnissen die einzig richtige Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung ist. Und das ist durchaus verständlich: a) das Artel verknüpft in richtiger Weise die persönlichen, die Tagesinteressen der Kollektivbauern mit ihren gesellschaftlichen Interessen; b) das Artel passt die persönlichen, die Tagesinteressen in glücklicher Weise den gesellschaftlichen Interessen an und erleichtert dadurch die Erziehung der Einzelbauern von gestern im Geiste des Kollektivismus.
Zum Unterschied vom Artel, wo nur die Produktionsmittel vergesellschaftet sind, waren in den Kommunen bis in die letzte Zeit hinein nicht nur die Produktionsmittel vergesellschaftet, sondern auch die Hauswirtschaft jedes Kommunemitglieds, das heißt, die Kommunemitglieder hatten zum Unterschied von den Artelmitgliedern kein Geflügel, kein Kleinvieh, keine Kuh, kein Getreide, kein Hofland in persönlichem Besitz. Das bedeutet, dass die persönlichen, die Tagesinteressen der Mitglieder in den Kommunen nicht so sehr berücksichtigt und mit den gesellschaftlichen Interessen verknüpft als vielmehr durch die letzteren um einer klein-bürgerlichen Gleichmacherei willen in den Hintergrund gedrängt wurden. Es ist klar, dass dieser Umstand die schwächste Seite der Kommune ist. Dadurch erklärt sich im Grunde auch, dass die Kommunen keine große Verbreitung gefunden haben, nur vereinzelt anzutreffen sind und höchstens nach Dutzenden zählen. Aus demselben Grunde haben sich die Kommunen, um ihre Existenz zu behaupten und nicht auseinander zu fallen, gezwungen gesehen, auf die Vergesellschaftung der Hauswirtschaft zu verzichten, sie fangen an, das System der Tagewerksnormen anzuwenden, ihren Mitgliedern Getreide auszufolgen, sie gestatten den persönlichen Besitz von Geflügel, Kleinvieh, einer Kuh usw., daraus folgt aber, dass die Kommunen faktisch zu Artels geworden sind. Und daran ist nichts Schlimmes, denn das erfordern die Interessen der gesunden Entwicklung der Kollektivierung als Massenbewegung.
Das bedeutet natürlich nicht, dass die Kommune überhaupt nicht notwendig sei, dass sie nicht mehr die höchste Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung sei. Nein, die Kommune ist notwendig, und sie ist natürlich die höchste Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, aber nicht die jetzige Kommune, die auf der Basis einer unentwickelten Technik und des Mangels an Produkten entstanden ist und die jetzt selber zum Artel wird, sondern die künftige Kommune, die auf der Basis einer höher entwickelten Technik und einer Fülle von Produkten entstehen wird. Die jetzige landwirtschaftliche Kommune ist auf der Grundlage einer wenig entwickelten Technik und des Mangels an Produkten entstanden. Dadurch erklärt sich im Grunde auch, dass sie Gleichmacherei betrieb und auf die persönlichen, die Tagesinteressen ihrer Mitglieder wenig Rücksicht nahm, weshalb sie jetzt gezwungen ist, zur Form des Artels überzugehen, in dem die persönlichen und die gesellschaftlichen Interessen der Kollektivbauern in vernünftiger Weise miteinander verknüpft werden. Die künftige Kommune wird aus dem entwickelten und wohlhabenden Artel emporwachsen. Die künftige landwirtschaftliche Kommune wird entstehen, wenn auf den Feldern und in den Farmen des Artels Getreide, Vieh, Geflügel, Gemüse und alle anderen Produkte im Überfluss vorhanden sein werden, wenn in den Artels mechanische Wäschereien, moderne Küchen und Speisehallen, Brotfabriken usw. errichtet sein werden, wenn der Kollektivbauer erkannt haben wird, dass es für ihn vorteilhafter ist, Fleisch und Milch von der Farm zu beziehen, als eine eigene Kuh und Kleinvieh zu halten, wenn die Kollektivbäuerin erkannt haben wird, dass es für sie vorteilhafter ist, in der Speisehalle zu Mittag zu essen, Brot von der Brotfabrik zu beziehen und die Wäsche in der gesellschaftlichen Wäscherei waschen zu lassen, als sich selbst damit abzugeben. Die künftige Kommune wird auf der Basis einer höher entwickelten Technik und eines höher entwickelten Artels, auf der Basis einer Fülle von Produkten entstehen. Wann wird das sein? Natürlich nicht so bald. Aber es wird kommen. Es wäre ein Verbrechen, den Prozess des Hinüberwachsens des Artels in die künftige Kommune künstlich beschleunigen zu wollen. Das würde alles durcheinander werfen und die Sache unserer Feinde fördern. Der Prozess des Hinüberwachsens des Artels in die künftige Kommune muss allmählich vor sich gehen, in dem Maße, wie alle Kollektivbauern sich von der Notwendigkeit dieses Hinüberwachsens überzeugen werden.
So steht es mit der Frage des Artels und der Kommune.
Man sollte meinen, das sei eine klare und geradezu elementare Sache.
Indes besteht bei einem Teil der Parteimitglieder ein gründlicher Wirrwarr in dieser Frage. Man meint, die Partei habe sich dadurch, dass sie das Artel zur Grundform der kollektivwirtschaftlichen Bewegung erklärte, vom Sozialismus entfernt, habe einen Rückzug von der Kommune, der höchsten Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, zu einer niederen Form angetreten. Es fragt sich warum? Weil es im Artel, so heißt es, keine Gleichheit gebe, da dort der Unterschied in den Bedürfnissen und in der persönlichen Lebensweise der Artelmitglieder bestehen bleibe, während in der Kommune Gleichheit herrsche, da dort die Mitglieder sowohl in ihren Bedürfnissen als auch in ihrer persönlichen Lebenslage gleichgestellt seien. Aber erstens gibt es bei uns keine Kommunen mehr, in denen auf dem Gebiet der Bedürfnisse und der persönlichen Lebensweise Gleichstellung, Gleichmacherei herrschten. Die Praxis hat gezeigt, dass die Kommunen bestimmt zugrunde gegangen wären, wenn sie nicht auf die Gleichmacherei verzichtet hätten und nicht faktisch zum Artel geworden wären. Folglich darf man sich nicht auf etwas berufen, was in der Wirklichkeit nicht mehr vorhanden ist. Zweitens ist es jedem Leninisten bekannt, wenn er wirklich ein Leninist ist, dass die Gleichmacherei auf dem Gebiet der Bedürfnisse und der persönlichen Lebensweise ein reaktionärer, kleinbürgerlicher Unsinn ist, der irgendeiner primitiven Sekte von Asketen, aber keiner marxistisch organisierten sozialistischen Gesellschaft würdig ist, denn man kann nicht verlangen, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse und den gleichen Geschmack haben, dass alle Menschen in ihrer persönlichen Lebensweise sich nach ein und demselben Muster richten. Und schließlich: Besteht denn unter den Arbeitern keine Unterschied sowohl in den Bedürfnissen als auch in der persönlichen Lebensweise? Bedeutet das etwa, dass die Arbeiter dem Sozialismus ferner stehen als die Mitglieder der landwirtschaftlichen Kommunen?
Diese Leute glauben offenbar, dass der Sozialismus die Gleichmacherei, die Gleichstellung, die Nivellierung der Bedürfnisse und der persönlichen Lebensweise der Mitglieder der Gesellschaft fordere. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass eine solche Annahme mit dem Marxismus, mit dem Leninismus nichts gemein hat. Unter Gleichheit versteht der Marxismus nicht Gleichmacherei auf dem Gebiet der persönlichen Bedürfnisse und der Lebensweise, sondern die Aufhebung der Klassen, das heißt a) die gleiche Befreiung aller Werktätigen von der Ausbeutung, nachdem die Kapitalisten gestürzt und expropriiert sind; b) die gleiche Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln für alle, nachdem die Produktionsmittel zum Eigentum der gesamten Gesellschaft geworden sind; c) die gleiche Pflicht aller, nach ihren Fähigkeiten zu arbeiten, und das gleiche Recht aller Werktätigen, hierfür nach ihrer Leistung vergütet zu werden (sozialistische Gesellschaft); d) die gleiche Pflicht aller, nach ihren Fähigkeiten zu arbeiten, und das gleiche Recht aller Werktätigen, hierfür nach ihren Bedürfnissen versorgt zu werden (kommunistische Gesellschaft). Dabei geht der Marxismus davon aus, dass der Geschmack und die Bedürfnisse der Menschen der Qualität oder Quantität nach weder in der Periode des Sozialismus noch in der Periode des Kommunismus gleich sind oder gleich sein können.
Das ist die marxistische Auffassung von der Gleichheit.
Eine andere Gleichheit erkannte und erkennt der Marxismus nicht an.
Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass der Sozialismus die Gleichmacherei, die Gleichstellung, die Nivellierung der Bedürfnisse der Mitglieder der Gesellschaft, die Nivellierung ihres Geschmacks und ihrer persönlichen Lebensweise fordere, dass nach dem Plan der Marxisten alle die gleichen Kleider tragen und die gleichen Speisen in der gleichen Menge essen müssen, heißt Plattheiten reden und den Marxismus verleumden.
Es ist Zeit, sich darüber klar zu werden, dass der Marxismus ein Feind der Gleichmacherei ist. Schon im „Manifest der Kommunistischen Partei“ geißelten Marx und Engels den primitiven utopischen Sozialismus und nannten ihn reaktionär, weil er einen „allgemeinen Asketismus und eine rohe Gleichmacherei“[31] propagierte. Engels unterzog in einem ganzen Kapitel seines „Anti-Dühring“ den „radikal gleichmacherischen Sozialismus“, der von Dühring im Gegensatz zum marxistischen Sozialismus vertreten wurde, einer geißelnden Kritik.
„Der wirkliche Inhalt der proletarischen Gleichheitsforderung“, sagte Engels, „ist die Forderung der Abschaffung der Klassen. Jede Gleichheitsforderung, die darüber hinausgeht, verläuft notwendig ins Absurde.“[32]
Dasselbe sagt Lenin:
„Engels hatte tausendmal recht, als er schrieb: der Begriff der Gleichheit, der nicht die Abschaffung der Klassen bedeutet, ist ein äußerst dummes und unsinniges Vorurteil. Die bürgerlichen Professoren versuchten uns wegen des Gleichheitsbegriffs der Absicht zu überführen, die Menschen einander gleichmachen zu wollen. Diesen Unsinn, den sie selbst ausgeheckt haben, versuchten sie, den Sozialisten vorzuwerfen. In ihrer Unwissenheit wussten sie jedoch nicht, dass die Sozialisten - und gerade die Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels - erklärt haben: Die Gleichheit ist eine leere Phrase, wenn man unter Gleichheit nicht die Abschaffung der Klassen versteht. Wir wollen die Klassen abschaffen, in diesem Sinne sind wir für die Gleichheit. Aber den Anspruch erheben, dass wir alle Menschen einander gleichmachen werden, ist eine hohle Phrase und die dumme Erfindung eines Intellektuellen.“ (Rede Lenins, „Wie das Volk mit den Losungen der Freiheit und Gleichheit betrogen wird“, Bd. XXIV, S. 293/294[33])
Das ist wohl klar.
Die bürgerlichen Schriftsteller stellen mit Vorliebe den marxistischen Sozialismus als eine alte zaristische Kaserne dar, wo alles dem „Prinzip“ der Gleichmacherei unterworfen ist. Aber die Marxisten können nicht für die Unwissenheit und für den Stumpfsinn der bürgerlichen Schriftsteller verantwortlich gemacht werden.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass bei einzelnen Parteimitgliedern dieser Wirrwarr in den Anschauungen über den marxistischen Sozialismus und die Begeisterung für die gleichmacherischen Tendenzen der landwirtschaftlichen Kommunen wie ein Ei dem andern den klein-bürgerlichen Anschauungen unserer ultralinken Toren gleichen, bei denen die Idealisierung der landwirtschaftlichen Kommunen eine Zeitlang so weit ging, dass sie sogar in den Industriewerken und Fabriken Kommunen zu schaffen versuchten, wo die qualifizierten und unqualifizierten Arbeiter, jeder in seinem Beruf arbeitend, den Arbeitslohn zusammenlegen und dann untereinander gleichmäßig aufteilen sollten. Es ist bekannt, welchen Schaden diese kindischen gleichmacherischen Übungen der „linken“ Toren unserer Industrie zugefügt haben.
Wie Sie sehen, haben die Überreste der Ideologie der zerschlagenen parteifeindlichen Gruppen eine ziemlich große Zählebigkeit.
Es ist klar: Wenn diese ultralinken Anschauungen in der Partei die Oberhand gewonnen hätten, dann hätte die Partei aufgehört, eine marxistische Partei zu sein, und die kollektivwirtschaftliche Bewegung wäre vollständig desorganisiert worden.
Oder nehmen wir zum Beispiel die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“. Diese Losung gilt nicht nur für die Kollektivbauern. Sie gilt noch mehr für die Arbeiter, denn wir wollen alle Arbeiter wohlhabend machen, wollen sie zu Menschen machen, die ein Leben in Wohlstand, ein wirklich kulturvolles Leben führen.
Man sollte meinen, die Sache sei klar. Was hätte es für einen Sinn gehabt, den Kapitalismus im Oktober 1917 zu stürzen und im Laufe einer Reihe von Jahren den Sozialismus aufzubauen, wenn wir nicht erreichen, dass die Menschen bei uns in Wohlstand leben? Sozialismus bedeutet nicht Elend und Entbehrungen, sondern die Beseitigung von Elend und Entbehrungen, die Organisierung eines wohlhabenden und kulturvollen Lebens für alle Mitglieder der Gesellschaft.
Indes hat diese klare und im Grunde genommen elementare Losung eine ganze Reihe von Zweifeln, Wirrwarr und Unklarheit bei einem Teil der Parteimitglieder hervorgerufen. Ist diese Losung, sagen sie, nicht die Rückkehr zu der alten, von der Partei verworfenen Losung „Bereichert euch“? Wenn alle wohlhabend werden, fahren sie fort, und es keine Armen mehr gibt, auf wen werden wir Bolschewiki uns in unserer Arbeit stützen, wie werden wir ohne die armen Volksschichten arbeiten?
Vielleicht ist das lächerlich, aber das Bestehen solcher naiven und antileninistischen Anschauungen bei einem Teil der Parteimitglieder ist eine unzweifelhafte Tatsache, mit der man rechnen muss.
Diese Leute verstehen offenbar nicht, dass zwischen der Losung „Bereichert euch“ und der Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ ein ganzer Abgrund klafft. Erstens können sich nur einzelne Personen oder Gruppen bereichern, während die Losung vom Leben in Wohlstand nicht für einzelne Personen oder Gruppen, sondern für alle Kollektivbauern gilt. Zweitens bereichern sich einzelne Personen oder Gruppen, um sich die übrigen Menschen zu unterwerfen und sie auszubeuten, während die Losung vom Leben aller Kollektivbauern in Wohlstand bei vergesellschafteten Produktionsmitteln in den Kollektivwirtschaften jede Möglichkeit der Ausbeutung der einen durch die anderen ausschließt. Drittens wurde die Losung „Bereichert euch“ im Anfangsstadium der NÖP ausgegeben, als der Kapitalismus teilweise wieder auflebte, als die Kulaken stark waren, als im Lande die bäuerliche Einzelwirtschaft vorherrschte, die kollektive Wirtschaft aber sich im Keimzustand befand, während die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ im letzten Stadium der NÖP ausgegeben wird, in dem die kapitalistischen Elemente in der Industrie beseitigt, die Kulaken auf dem Lande zerschmettert sind, die individuelle Bauernwirtschaft in den Hintergrund gedrängt worden ist und die Kollektivwirtschaften zur herrschenden Form der Landwirtschaft geworden sind. Ich spreche schon gar nicht davon, dass die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ nicht isoliert ausgegeben worden ist, sondern in untrennbarem Zusammenhang mit der Losung „Die Kollektivwirtschaften bolschewistisch machen“.
Ist es nicht klar, dass die Losung „Bereichert euch“ im Grunde genommen die Aufforderung bedeutete, den Kapitalismus wiederherzustellen, während die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ die Aufforderung bedeutet, durch Stärkung der wirtschaftlichen Macht der Kollektivwirtschaften und durch Verwandlung aller Kollektivbauern in wohlhabende Werktätige die letzten Überreste des Kapitalismus vollständig zu vernichten? (Zurufe: „Sehr richtig!“)
Ist es nicht klar, dass diese Losungen miteinander nichts gemein haben und nichts gemein haben können? (Zurufe: „Sehr richtig!“)
Was die Behauptung betrifft, dass ohne die Existenz von armen Volksschichten weder bolschewistische Arbeit noch der Sozialismus denkbar seien, so ist das eine solche Dummheit, dass man gar nicht davon sprechen möchte. Die Leninisten stützen sich auf die Armen, solange es kapitalistische Elemente gibt und Arme, die von Kapitalisten ausgebeutet werden. Sind aber die kapitalistischen Elemente zerschmettert und die Armen von der Ausbeutung befreit, dann besteht die Aufgabe der Leninisten nicht darin, die Armut und die Armen, für deren Existenz die Voraussetzungen bereits vernichtet sind, zu verewigen, zu erhalten, sondern darin, die Armut aus der Welt zu schaffen und den Armen ein Leben in Wohlstand zu sichern. Es wäre eine Dummheit anzunehmen, dass der Sozialismus auf der Basis des Elends und der Entbehrungen, auf der Basis der Einschränkung der persönlichen Bedürfnisse und der Senkung der Lebenshaltung der Menschen auf die Lebenshaltung von Armen errichtet werden könnte, die übrigens selbst nicht arm bleiben wollen und nach einem Leben in Wohlstand streben. Wer braucht einen solchen, mit Verlaub zu sagen, Sozialismus? Das wäre kein Sozialismus, sondern eine Karikatur auf den Sozialismus. Der Sozialismus kann nur auf der Basis eines stürmischen Wachstums der Produktivkräfte der Gesellschaft, auf der Basis einer Fülle von Produkten und Waren, auf der Basis eines Lebens der Werktätigen in Wohlstand, auf der Basis eines stürmischen Wachstums der Kultur errichtet werden. Denn der Sozialismus, der marxistische Sozialismus, bedeutet nicht Einschränkung der persönlichen Bedürfnisse, sondern ihre allseitige Erweiterung und Entfaltung, nicht Beschränkung oder Verzicht auf die Befriedigung dieser Bedürfnisse, sondern allseitige und vollständige Befriedigung aller Bedürfnisse kulturell hoch stehender werktätiger Menschen.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dieser Wirrwarr in den Ansichten einzelner Parteimitglieder in Bezug auf Armut und Wohlstand eine Widerspiegelung der Ansichten unserer ultralinken Toren ist, die die Armut als ewige Stütze des Bolschewismus unter allen und jeglichen Umständen idealisieren und in den Kollektivwirtschaften die Arena eines erbitterten Klassenkampfes sehen.
Wie Sie sehen, verlieren auch hier, in dieser Frage, die Überreste der Ideologie der zerschlagenen parteifeindlichen Gruppen noch immer nicht ihre Zählebigkeit.
Es ist klar: Wenn solche törichten Ansichten in unserer Partei den Sieg davongetragen hätten, dann hätten die Kollektivwirtschaften nicht die Erfolge aufzuweisen, die sie in den letzten zwei Jahren erzielt haben, und sie wären in kürzester Frist auseinander gefallen.
Oder nehmen wir zum Beispiel die nationale Frage. Auch hier, in der nationalen Frage, besteht, ebenso wie in anderen Fragen, bei einem Teil der Partei ein Wirrwarr in den Ansichten, der eine gewisse Gefahr mit sich bringt. Ich habe von der Zählebigkeit der Überreste des Kapitalismus gesprochen. Zu bemerken ist, dass die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen auf dem Gebiet der nationalen Frage viel zählebiger sind als auf irgendeinem anderen Gebiet. Sie sind zählebiger, weil sie die Möglichkeit haben, sich im nationalen Gewand gut zu maskieren. Viele glauben, dass der Sündenfall Skrypniks ein Einzelfall, eine Ausnahme von der Regel sei. Das stimmt nicht. Der Sündenfall Skrypniks und seiner Gruppe in der Ukraine ist keine Ausnahme. Genau solche Gehirnverrenkungen kann man bei einzelnen Genossen auch in anderen nationalen Republiken beobachten.
Was bedeutet die Abweichung zum Nationalismus - gleichviel, ob es sich um eine Abweichung zum großrussischen Nationalismus oder um eine Abweichung zum lokalen Nationalismus handelt? Die Abweichung zum Nationalismus ist eine Anpassung der internationalistischen Politik der Arbeiterklasse an die nationalistische Politik der Bourgeoisie. Die Abweichung zum Nationalismus spiegelt die Versuche der „eigenen“, „nationalen“ Bourgeoisie wider, das Sowjetsystem zu untergraben und den Kapitalismus wiederherzustellen. Die Wurzel beider Abweichungen ist, wie Sie sehen, die gleiche. Es ist die Abkehr vom Leninschen Internationalismus. Wenn man beide Abweichungen unter Feuer halten will, so muss man vor allem gegen diese Wurzel den Schlag führen, gegen diejenigen, die den Internationalismus aufgeben, gleichviel, ob es sich um eine Abweichung zum lokalen Nationalismus oder um eine Abweichung zum großrussischen Nationalismus handelt. (Stürmischer Beifall.)
Man streitet darüber, welche Abweichung die Hauptgefahr darstelle, die Abweichung zum großrussischen Nationalismus oder die Abweichung zum lokalen Nationalismus. Unter den jetzigen Verhältnissen ist das ein formaler und deshalb müßiger Streit. Es wäre eine Dummheit, ein für alle Zeiten und Verhältnisse brauchbares fertiges Rezept dafür geben zu wollen, welches die Hauptgefahr und welches nicht die Hauptgefahr sei. Solche Rezepte gibt es nun einmal in der Welt nicht. Die Hauptgefahr stellt diejenige Abweichung dar, gegen die man zu kämpfen aufgehört und die man dadurch zu einer staatsgefährlichen Erscheinung hat anwachsen lassen. (Anhaltender Beifall.)
In der Ukraine war noch vor ganz kurzem die Abweichung zum ukrainischen Nationalismus nicht die Hauptgefahr; als man aber aufhörte, gegen sie zu kämpfen, und sie so weit anwachsen ließ, dass sie mit den Interventionisten gemeinsame Sache machte, da wurde diese Abweichung zur Hauptgefahr. Die Frage nach der Hauptgefahr in der nationalen Frage wird nicht durch leere formale Diskussionen entschieden, sondern durch die marxistische Analyse der Lage der Dinge im gegebenen Augenblick und durch das Studium der Fehler, die auf diesem Gebiet begangen worden sind.
Dasselbe ist von der rechten und der „linken“ Abweichung auf dem Gebiet der allgemeinen Politik zu sagen. Auch hier besteht ebenso wie auf anderen Gebieten ein nicht geringer Wirrwarr in den Anschauungen einzelner Mitglieder unserer Partei. Manchmal läßt man im Kampf gegen die rechte Abweichung die „linke“ Abweichung gewähren und schwächt den Kampf gegen sie ab, weil man glaubt, dass sie nicht gefährlich oder nur wenig gefährlich sei. Das ist ein ernster und gefährlicher Fehler. Das ist ein Zugeständnis an die „linke“ Abweichung, das für Parteimitglieder unzulässig ist. Es ist umso unzulässiger, als in der letzten Zeit die „Linken“ endgültig zu den Positionen der Rechten hinab geglitten sind und sich im Grunde genommen von ihnen durch nichts mehr unterscheiden.
Wir haben stets erklärt, dass die „Linken“ dasselbe sind wie die Rechten, nur dass sie ihre rechte Politik mit linken Phrasen maskieren. Jetzt bestätigen die „Linken“ selbst diese unsere Behauptung. Nehmen Sie die Nummern des trotzkistischen „Bulletins“ vom vorigen Jahr. Was fordern und worüber schreiben dort die Herren Trotzkisten, worin besteht ihr „linkes“ Programm? Sie fordern: die Auflösung der Sowjetwirtschaften, weil sie nicht rentabel seien, die Auflösung des größeren Teils der Kollektivwirtschaften, weil sie künstliche Gebilde seien, den Verzicht auf die Politik der Liquidierung des Kulakentums, die Rückkehr zur Konzessionspolitik und die Übergabe einer ganzen Reihe unserer Industriebetriebe, weil sie nicht rentabel seien, an Konzessionäre.
Da haben Sie ein Programm verächtlicher Feiglinge und Kapitulanten, ein konterrevolutionäres Programm zur Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR!
Wodurch unterscheidet sich dieses Programm von dem Programm der äußersten Rechten? Es ist klar, dass es sich durch nichts davon unterscheidet. Die „Linken“ haben sich also offen dem konterrevolutionären Programm der Rechten angeschlossen, um mit ihnen einen Block zu bilden und einen gemeinsamen Kampf gegen die Partei zu führen.
Wie kann man nach alledem sagen, dass die „Linken“ nicht gefährlich oder wenig gefährlich seien? Ist es nicht klar, dass Leute, die solchen Unsinn reden, den geschworenen Feinden des Leninismus Wasser auf die Mühle leiten?
Wie Sie sehen, haben auch hier, bei den Abweichungen von der Parteilinie - gleichviel, ob es sich um Abweichungen in der allgemeinen Politik oder um Abweichungen in der. nationalen Frage handelt -, die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen, auch im Bewusstsein einzelner Mitglieder unserer Partei, eine ziemliche Zählebigkeit.
Das sind einige ernste und aktuelle Fragen unserer ideologisch-politischen Arbeit, über die in einzelnen Teilen der Partei unklare Anschauungen, ein Wirrwarr und zuweilen auch direktes Abweichen vom Leninismus bestehen. Das aber sind nicht die einzigen Fragen, an Hand deren man den Wirrwarr in den Anschauungen einzelner Parteimitglieder demonstrieren könnte.
Kann man nach alledem behaupten, dass bei uns in der Partei alles zum Besten bestellt sei?
Es ist klar, dass man das nicht behaupten kann.
Unsere Aufgaben auf dem Gebiet der ideologisch-politischen Arbeit bestehen darin:
1. das theoretische Niveau der Partei auf die gebührende Höhe zu heben;
2. die ideologische Arbeit in allen Gliedern der Partei zu verstärken;
3. unermüdlich den Leninismus in den Reihen der Partei zu propagieren;
4. die Parteiorganisationen und das sie umgebende parteilose Aktiv im Geiste des Leninschen Internationalismus zu erziehen;
5. die Abweichungen mancher Genossen vom Marxismus-Leninismus nicht zu vertuschen, sondern mutig zu kritisieren;
6. die Ideologie und die Überreste der Ideologie der dem Leninismus feindlichen Strömungen systematisch zu entlarven.
2. Fragen der organisatorischen Leitung
Ich habe von unseren Erfolgen gesprochen. Ich habe von dem Sieg der Parteilinie sowohl auf dem Gebiet der Volkswirtschaft und der Kultur als auch auf dem Gebiet der Überwindung der antileninistischen Gruppierungen in der Partei gesprochen. Ich habe von der welthistorischen Bedeutung unseres Sieges gesprochen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir überall und in allem gesiegt haben und dass bereits alle Fragen gelöst seien. Solche Erfolge und Siege gibt es überhaupt nicht. Ungelöste Fragen und Mängel aller Art bleiben bei uns noch in nicht geringer Zahl übrig. Vor uns haben wir eine Menge von Aufgaben, die ihre Lösung erheischen. Aber das bedeutet zweifellos, dass bereits der größere Teil der unaufschiebbaren aktuellen Aufgaben erfolgreich gelöst ist, und in diesem Sinne kann der gewaltige Sieg unserer Partei nicht angezweifelt werden.
Es entsteht aber die Frage: Wie ist dieser Sieg herbeigeführt, wie ist er praktisch errungen worden, durch welchen Kampf, durch welche Anstrengungen?
Manche glauben, es genüge, die richtige Parteilinie auszuarbeiten, sie vor aller Welt zu verkünden, sie in der Form von allgemeinen Thesen und Resolutionen darzulegen und einstimmig anzunehmen, damit der Sieg von selbst komme, sozusagen im Selbstlauf. Das ist natürlich nicht richtig. Das ist ein großer Irrtum. So können nur unverbesserliche Bürokraten und Kanzleimenschen denken. In Wirklichkeit sind diese Erfolge und Siege nicht von selbst gekommen, sondern wurden im erbitterten Kampf für die Durchführung der Parteilinie errungen. Der Sieg kommt nie von selbst, er wird gewöhnlich mühselig erkämpft. Gute Resolutionen und Deklarationen für die Generallinie der Partei sind nur der Anfang der Sache, denn sie bedeuten lediglich den Wunsch, zu siegen, nicht aber den Sieg selbst. Nachdem eine richtige Linie gegeben worden ist, nachdem man die richtige Lösung einer Frage gefunden hat, hängt der Erfolg der Sache von der Organisationsarbeit ab, von der Organisierung des Kampfes für die Durchführung der Parteilinie, von der richtigen Auswahl der Menschen von der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse der leitenden Organe. Fehlt dies, so läuft man Gefahr, dass die richtige Parteilinie und die richtigen Beschlüsse ernsten Schaden nehmen. Mehr noch: Ist eine richtige politische Linie gegeben worden, so entscheidet die Organisationsarbeit alles, auch das Schicksal der politischen Linie selbst - ihre Durchführung oder ihr Scheitern.
In Wirklichkeit wurde der Sieg erreicht und errungen durch systematischen und harten Kampf gegen Schwierigkeiten aller Art, die der Durchführung der Parteilinie im Wege standen, durch Überwindung dieser Schwierigkeiten, durch Mobilisierung der Partei und der Arbeiterklasse zur Überwindung der Schwierigkeiten, durch Organisierung des Kampfes für die Überwindung der Schwierigkeiten, durch Absetzung untauglicher Funktionäre und durch Auswahl der Besten, die fähig sind, den Kampf gegen die Schwierigkeiten zu führen.
Was sind das für Schwierigkeiten und wo stecken sie?
Diese Schwierigkeiten sind Schwierigkeiten unserer Organisationsarbeit, Schwierigkeiten unserer organisatorischen Leitung. Sie stecken in uns selbst, in unseren leitenden Funktionären, in unseren Organisationen, in dem Apparat unserer Partei-, Sowjet-, Wirtschafts-, Gewerkschafts-, Komsomol- und verschiedener anderer Organisationen.
Man muss verstehen, dass die Stärke und die Autorität unserer Partei-, Sowjet-, Wirtschafts- und verschiedener anderer Organisationen sowie ihrer Leiter ganz außergewöhnlich gewachsen sind. Und gerade weil ihre Stärke und Autorität ganz außergewöhnlich gewachsen sind, hängt jetzt von ihrer Arbeit alles oder nahezu alles ab. Die Berufung auf die so genannten objektiven Bedingungen ist nicht begründet. Nachdem die Richtigkeit der politischen Linie der Partei durch die Erfahrung einer Reihe von Jahren bestätigt worden ist und an der Bereitschaft der Arbeiter und Bauern, diese Linie zu unterstützen, kein Zweifel mehr besteht, ist die Rolle der so genannten objektiven Bedingungen auf ein Minimum zurück gegangen, während die Rolle unserer Organisationen und ihrer Leiter entscheidend, überragend geworden ist. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass die Verantwortung für die Misserfolge und Mängel in der Arbeit von nun an zu neun Zehnteln nicht auf die „objektiven“ Bedingungen, sondern auf uns selbst und nur auf uns fällt.
Wir haben in der Partei mehr als zwei Millionen Mitglieder und Kandidaten. Wir haben im Kommunistischen Jugendverband mehr als vier Millionen Mitglieder und Kandidaten. Wir haben über drei Millionen Arbeiter- und Bauernkorrespondenten. Im „Ossoaviachim“ haben wir mehr als 12 Millionen Mitglieder. In den Gewerkschaften haben wir über 17 Millionen Mitglieder. Diesen Organisationen verdanken wir unsere Erfolge. Und wenn wir trotz des Vorhandenseins solcher Organisationen und solcher Möglichkeiten, die die Erzielung von Erfolgen erleichtern, nicht wenig Mängel in der Arbeit und eine nicht geringe Anzahl von Misserfolgen zu verzeichnen haben, so sind nur wir, unsere Organisationsarbeit, unsere schlechte organisatorische Leitung schuld daran.
Der Bürokratismus und das Kanzleiunwesen im Verwaltungsapparat; das Geschwätz von der „Leitung im allgemeinen“ an Stelle einer lebendigen und konkreten Leitung; der Aufbau der Organisationen nach dem „Funktionärsystem“ (System der Verwaltung eines Betriebes bzw. einer Institution, das auf einer übermäßigen Zersplitterung der Funktionsbereiche, auf einer Zersplitterung der Leitung in eine Vielzahl künstlich geschaffener und organisatorisch gesonderter Abteilungen und Sektoren beruht. Der Übers.) und das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit; die Verantwortungslosigkeit in der Arbeit selbst und die Gleichmacherei im Lohnsystem; das Fehlen einer systematischen Kontrolle der Durchführung; die Angst vor Selbstkritik - das sind die Quellen unserer Schwierigkeiten, hier stecken jetzt unsere Schwierigkeiten.
Es wäre naiv zu glauben, dass man diese Schwierigkeiten mit Hilfe von Resolutionen und Beschlüssen überwinden könne. Bürokraten und Kanzleimenschen haben schon längst die Fertigkeit erlangt, mit Worten ihre Treue für die Beschlüsse der Partei und der Regierung zu demonstrieren, sie aber in der Praxis zu den Akten zu legen. Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, musste man das Zurückbleiben unserer Organisationsarbeit hinter den Forderungen der politischen Linie der Partei beseitigen, musste man das Niveau der organisatorischen Leitung in allen Sphären der Volkswirtschaft auf das Niveau der politischen Leitung heben, musste man erreichen, dass unsere Organisationsarbeit die praktische Durchführung der politischen Losungen und Beschlüsse der Partei gewährleiste.
Um dieser Schwierigkeiten Herr zu werden und Erfolge zu erzielen, musste man den Kampf für die Überwindung dieser Schwierigkeiten organisieren, musste man die Arbeiter- und Bauernmassen in diesen Kampf einbeziehen, musste man die Partei selbst mobilisieren, musste man die Partei und die Wirtschaftsorganisationen von unzuverlässigen, schwankenden, entarteten Elementen säubern.
Was war hierzu nötig?
Wir mussten organisieren:
1. die Entfaltung der Selbstkritik und die Aufdeckung der Mängel in unserer Arbeit;
2. die Mobilisierung der Partei-, Sowjet-, Wirtschafts-, Gewerkschafts- und Komsomolorganisationen zum Kampf mit den Schwierigkeiten;
3. die Mobilisierung der Arbeiter- und Bauernmassen zum Kampf für die Durchführung der Losungen und Beschlüsse der Partei und der Regierung;
4. die Entfaltung des Wettbewerbs und der Stoßbrigadenbewegung unter den Werktätigen;
5. ein großes Netz von Politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen und der Sowjetwirtschaften und die engere Verbindung der Partei- und Sowjetorgane mit dem Dorf;
6. die Zerlegung übergroßer Volkskommissariate, Hauptverwaltungen und Truste und die engere Verbindung der wirtschaftlichen Leitung mit dem Betrieb;
7. die Abschaffung der Verantwortungslosigkeit in der Arbeit und die Beseitigung der Gleichmacherei im Lohnsystem;
8. die Abschaffung des „Funktionalsystems“, die Stärkung der persönlichen Verantwortlichkeit und den Kurs auf Liquidierung der Kollegien;
9. die Verstärkung der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse und den Kurs auf Reorganisierung der Zentralen Kontrollkommission und der Arbeiter- und Bauerninspektion im Sinne der weiteren Verstärkung der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse;
10. die Überführung qualifizierter Arbeitskräfte aus den Kanzleien näher an die Produktion;
11. die Entlarvung und Verjagung unverbesserlicher Bürokraten und Kanzleimenschen aus den Verwaltungsapparaten;
12. die Entfernung aller, die die Beschlüsse der Partei und der Regierung verletzen, sowie der Schönfärber und Schwätzer von ihren Posten und ihre Ersetzung durch neue Menschen, durch Menschen der Tat, die fähig sind, die konkrete Leitung der ihnen übertragenen Arbeit und die Stärkung der Partei- und Sowjetdisziplin zu gewährleisten;
13. die Reinigung der Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen und die Einschränkung ihres Personalbestandes;
14. schließlich die Reinigung der Partei von unzuverlässigen und entarteten Leuten.
Das sind im Wesentlichen die Mittel, die die Partei einsetzen musste, um die Schwierigkeiten zu überwinden, das Niveau unserer Organisationsarbeit auf das Niveau der politischen Leitung zu heben und auf diese Weise die Durchführung der Parteilinie zu gewährleisten.
Sie wissen, dass das ZK unserer Partei seine Organisationsarbeit in der Berichtsperiode gerade in diesen Sinne geleistet hat.
Das ZK ließ sich dabei von dem genialen Gedanken Lenins leiten, dass die Hauptsache in der Organisationsarbeit die Auswahl der Menschen und die Kontrolle der Durchführung der Beschlüsse ist.
Über die Auswahl der Menschen und die Absetzung derjenigen, die sich nicht bewährt haben, möchte ich einige Worte sagen.
Neben unverbesserlichen Bürokraten und Kanzleimenschen, über deren Beseitigung bei uns keine Meinungsverschiedenheiten bestehen, gibt es bei uns noch zwei Typen von Funktionären, die unsere Arbeit hemmen, unsere Arbeit behindern und uns nicht vorwärts kommen lassen.
Der eine Typ von Funktionären, das sind Leute mit gewissen Verdiensten in der Vergangenheit, Leute, die Würdenträger geworden sind, die glauben, dass die Partei- und Sowjetgesetze nicht für sie, sondern für Dummköpfe geschrieben seien. Das sind dieselben Leute, die es nicht für ihre Pflicht halten, die Beschlüsse der Partei und der Regierung durchzuführen, und die auf diese Weise die Grundlagen der Partei- und Staatsdisziplin zerstören. Worauf rechnen sie, wenn sie die Partei- und Sowjetgesetze verletzen? Sie hoffen, dass die Sowjetmacht sich nicht entschließen wird, sie anzutasten, und zwar wegen ihrer alten Verdienste. Diese überheblichen Würdenträger glauben, dass sie unersetzbar seien und ungestraft die Beschlüsse der leitenden Organe verletzen können. Was soll mit solchen Funktionären geschehen? Man muss sie ohne Schwanken von den leitenden Posten absetzen, ohne Rücksicht auf ihre Verdienste in der Vergangenheit. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Man muss sie absetzen, sie auf niedrigere Posten stellen und das in der Presse bekanntmachen. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Das ist notwendig, um diesen überheblichen Bürokraten und Würdenträgern den Hochmut auszutreiben und sie in die Schranken zu weisen. Das ist notwendig, um die Partei- und Sowjetdisziplin in unserer ganzen Arbeit zu stärken. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Beifall.)
Jetzt komme ich zu dem zweiten Typ von Funktionären. Ich meine den Typ von Schwätzern, ich möchte sagen, von ehrlichen Schwätzern (Heiterkeit), von ehrlichen Leuten, die der Sowjetmacht ergeben, aber nicht fähig sind, zu leiten, nicht fähig sind, irgend etwas zu organisieren. Ich hatte im vorigen Jahr ein Gespräch mit einem solchen Genossen, einem sehr geachteten Genossen, aber unverbesserlichen Schwätzer, der imstande ist, jedes beliebige lebendige Unternehmen in Geschwätz zu ersäufen. Hier dieses Gespräch.
Ich: Wie steht es bei Ihnen mit der Aussaat?
Er: Mit der Aussaat, Genosse Stalin? Wir haben mobilisiert. (Heiterkeit.)
Ich: Nun, und?
Er: Wir haben die Frage scharf gestellt. (Heiterkeit.)
Ich: Und was weiter?
Er: Wir haben einen Umschwung erzielt, Genosse Stalin, bald wird ein Umschwung eintreten. (Heiterkeit,)
Ich: Aber trotzdem?
Er: Es machen sich bei uns Fortschritte bemerkbar. (Heiterkeit.)
Ich: Aber immerhin, wie steht es bei Ihnen mit der Aussaat?
Er: Mit der Aussaat kommen wir vorläufig nicht vorwärts, Genosse Stalin. (Allgemeines Gelächter.)
Da haben Sie das Bild eines Schwätzers. Sie haben mobilisiert, haben die Frage scharf gestellt, haben einen Umschwung und Fortschritte erzielt, aber die Sache kommt nicht vom Fleck.
Ganz genauso, wie unlängst ein ukrainischer Arbeiter den Zustand einer Organisation charakterisierte, als man ihn fragte, ob diese Organisation eine Linie habe: „Nun ja, eine Linie... eine Linie ist natürlich da, nur sieht man keine Arbeit.“ (Allgemeine Heiterkeit.) Es ist offenkundig, dass diese Organisation ebenfalls ihre ehrlichen Schwätzer hat.
Und wenn man solche Schwätzer von ihren Posten absetzt, sie von der operativen Arbeit möglichst weit entfernt, dann machen sie große Augen und fragen bestürzt: „Weshalb setzt man uns ab? Haben wir denn nicht alles getan, was für die Sache notwendig ist, haben wir nicht ein Treffen der Stoßarbeiter veranstaltet, haben wir nicht auf der Konferenz der Stoßarbeiter die Losungen der Partei und der Regierung verkündet, haben wir nicht das ganze Politbüro des ZK ins Ehrenpräsidium gewählt (allgemeine Heiterkeit), haben wir nicht eine Begrüßung an Genossen Stalin geschickt - was wollt ihr noch von uns?“ (Allgemeines Gelächter.)
Was soll man mit diesen unverbesserlichen Schwätzern tun? Belässt man sie bei der operativen Arbeit, so sind sie imstande, jedes beliebige lebendige Unternehmen in einer Flut von wässrigen und endlosen Reden zu ersäufen. Es ist offensichtlich, dass man sie von den leitenden Posten absetzen und ihnen eine andere, nicht operative Arbeit geben muss. Für Schwätzer ist kein Platz in der operativen Arbeit. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Beifall.)
Wie das ZK die Auswahl der Leute in den Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen geleitet und wie es eine festere Kontrolle der Durchführung durchgesetzt hat, darüber habe ich bereits kurz berichtet. Ausführlicher wird Ihnen Genosse Kaganowitsch zum dritten Punkt der Tagesordnung des Parteitags darüber berichten.
Was die weitere Arbeit zur Verstärkung der Kontrolle der Durchführung betrifft, so möchte ich einige Worte darüber sagen.
Die richtige Organisierung der Kontrolle der Durchführung ist von entscheidender Bedeutung für den Kampf gegen Bürokratismus und Kanzleiunwesen. Werden die Beschlüsse der leitenden Organisationen durchgeführt oder von den Bürokraten und Kanzleimenschen zu den Akten gelegt? Werden sie richtig durchgeführt oder entstellt? Arbeitet der Apparat ehrlich und auf bolschewistische Art, oder hat er Leerlauf? All das kann man nur dann rechtzeitig erfahren, wenn die Kontrolle der Durchführung gut organisiert ist. Eine gut organisierte Kontrolle der Durchführung ist jener Scheinwerfer, der uns hilft, den Stand der Arbeit eines Apparats zu jeder beliebigen Zeit zu beleuchten und die Bürokraten und Kanzleimenschen ans Licht zu ziehen. Man kann mit Bestimmtheit sagen, dass neun Zehntel unserer Mängel und Misserfolge sich aus dem Fehlen einer richtig organisierten Kontrolle der Durchführung erklären.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass bei einer solchen Kontrolle der Durchführung den Mängeln und Misserfolgen bestimmt vorgebeugt worden wäre.
Damit aber die Kontrolle der Durchführung ihr Ziel erreiche, sind mindestens zwei Bedingungen notwendig: erstens, dass die Kontrolle der Durchführung systematisch und nicht sporadisch geschehe, zweitens, dass an der Spitze der Kontrolle der Durchführung in allen Gliedern der Partei-, Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen nicht untergeordnete Personen, sondern genügend autoritative Personen, die Leiter der Organisation selbst, stehen.
Von größter Bedeutung ist die richtige Organisierung der Kontrolle der Durchführung für die leitenden Zentralinstitutionen. Die Arbeiter- und Bauerninspektion kann ihrer Organisation nach den Anforderungen einer gut organisierten Kontrolle der Durchführung nicht genügen. Vor einigen Jahren, als unsere Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet einfacher und minder befriedigend war und als man eine Inspizierung der Arbeit aller Volkskommissariate und aller Wirtschaftsorganisationen für möglich halten konnte, war die Arbeiter- und Bauerninspektion am Platze. Jetzt aber, da unsere Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet gewachsen und komplizierter geworden ist und da weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit mehr besteht, sie von einem Zentralpunkt aus zu inspizieren, muss sich die Arbeiter- und Bauerninspektion umstellen. Wir brauchen jetzt keine Inspektion, sondern eine Prüfung der Durchführung der Beschlüsse der zentralen Instanzen - wir brauchen jetzt eine Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse der zentralen Instanzen. Wir brauchen jetzt eine Organisation, die, ohne sich das universale Ziel zu stellen, alles und jedes zu inspizieren, imstande wäre, ihre ganze Aufmerksamkeit der Kontrolle und Prüfung zu widmen, wie die Beschlüsse der Zentralinstitutionen der Sowjetmacht durchgeführt werden. Eine solche Organisation kann nur eine Kommission für Sowjetkontrolle beim Rat der Volkskommissare der UdSSR sein, die auf Grund von Aufträgen des Rates der Volkskommissare arbeitet und an den einzelnen Orten Vertreter hat, die von den örtlichen Organen unabhängig sind. Damit sie aber genügende Autorität besitze und imstande sei, nötigenfalls jeden beliebigen verantwortlichen Funktionär zur Verantwortung zu ziehen, ist es notwendig, dass die Kandidaten für die Kommission für Sowjetkontrolle vom Parteitag aufgestellt und vom Rat der Volkskommissare und vom Zentralexekutivkomitee der UdSSR bestätigt werden. Ich glaube, dass nur eine solche Organisation imstande wäre, die Sowjetkontrolle und die Sowjetdisziplin zu festigen.
Was die Zentrale Kontrollkommission betrifft, so wurde sie bekanntlich vor allem und hauptsächlich zu dem Zweck geschaffen, eine Spaltung der Partei zu verhüten. Sie wissen, dass die Gefahr einer Spaltung eine Zeitlang bei uns wirklich bestand. Sie wissen, dass es der Zentralen Kontrollkommission und ihren Organisationen gelungen ist, die Gefahr der Spaltung abzuwenden. Jetzt aber besteht die Gefahr einer Spaltung bei uns nicht mehr. Dafür brauchen wir jetzt sehr dringend eine Organisation, die imstande wäre, ihre Hauptaufmerksamkeit darauf zu konzentrieren, die Durchführung der Beschlüsse der Partei und ihres Zentralkomitees zu prüfen. Eine solche Organisation kann nur eine Kommission für Parteikontrolle beim ZK der KPdSU(B) sein, die auf Grund von Aufträgen der Partei und ihres ZK arbeitet und an den einzelnen Orten Vertreter hat, die von den Ortsorganisationen unabhängig sind. Es ist klar, dass eine solche verantwortliche Organisation große Autorität haben muss. Damit sie aber genügend Autorität besitze und imstande sei, jeden beliebigen verantwortlichen Funktionär, der sich etwas zuschulden kommen läßt, auch Mitglieder des ZK, zur Verantwortung zu ziehen, ist es notwendig, dass die Mitglieder dieser Kommission nur vom obersten Organ der Partei, vom Parteitag, gewählt und abgesetzt werden können. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass eine solche Organisation wirklich fähig sein wird, die Kontrolle der Durchführung der Beschlüsse der zentralen Parteiorgane zu gewährleisten und die Parteidisziplin zu festigen.
So steht es um die Fragen der organisatorischen Leitung.
Unsere Aufgaben auf dem Gebiet der Organisationsarbeit sind:
1. unsere Organisationsarbeit auch in Zukunft mit den Anforderungen der politischen Linie der Partei in Einklang zu bringen;
2. die organisatorische Leitung auf das Niveau der politischen Leitung zu heben;
3. durchzusetzen, dass die organisatorische Leitung die Durchführung der politischen Losungen und der Beschlüsse der Partei vollständig sichert.
*
Genossen, ich schließe meinen Rechenschaftsbericht.
Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus ihm?
Jetzt erkennen bereits alle an, dass unsere Erfolge groß und außergewöhnlich sind. Das Land ist in verhältnismäßig kurzer Frist auf die Bahnen der Industrialisierung und Kollektivierung hinübergeleitet worden. Der erste Fünfjahrplan ist erfolgreich verwirklicht worden. Das erzeugt ein Gefühl des Stolzes und stärkt den Glauben an die eigenen Kräfte bei unseren Funktionären.
Das ist natürlich gut. Aber Erfolge haben manchmal auch ihre Schattenseite. Sie erzeugen mitunter gewisse Gefahren, die, wenn man sie sich entwickeln läßt, dazu führen können, dass die ganze Sache aus den Fugen geht. Es besteht zum Beispiel die Gefahr, dass diese Erfolge manchen unserer Genossen zu Kopfe steigen. Solche Fälle hat es bekanntlich bei uns gegeben. Es besteht die Gefahr, dass mancher unserer Genossen, von Erfolgen berauscht, ganz und gar hochmütig wird und anfängt, sich mit Prahlereien einzulullen: „Für uns ist jetzt alles ein Kinderspiel“, „Wir werden mit jedermann leicht fertig“ usw. Das ist keineswegs ausgeschlossen, Genossen. Es gibt nichts Gefährlicheres als solche Stimmungen, denn sie entwaffnen die Partei und demobilisieren ihre Reihen. Wenn solche Stimmungen in unserer Partei überhand nehmen, so können wir der Gefahr gegenüberstehen, dass alle unsere Erfolge zunichte gemacht werden.
Gewiss, den ersten Fünfjahrplan haben wir mit Erfolg durchgeführt. Das ist richtig. Aber damit, Genossen, ist die Sache nicht zu Ende und kann nicht zu Ende sein. Wir stehen vor dem zweiten Fünfjahrplan, den man ebenfalls durchführen, und zwar gleichfalls mit Erfolg durchführen muss. Sie wissen, dass Pläne im Kampf mit Schwierigkeiten, im Verlauf der Überwindung von Schwierigkeiten durchgeführt werden. Das bedeutet, dass es Schwierigkeiten geben wird, dass es auch einen Kampf mit ihnen geben wird. Die Genossen Molotow und Kujbyschew werden Ihnen über den zweiten Fünfjahrplan berichten. Aus ihren Berichten werden Sie ersehen, welche großen Schwierigkeiten wir zur Verwirklichung dieses grandiosen Plans zu überwinden haben werden. Man darf also die Partei nicht einlullen, sondern muss in ihr die Wachsamkeit entwickeln, darf sie nicht einschläfern, sondern muss sie im Zustand der Kampfbereitschaft halten, darf sie nicht entwaffnen, sondern muss sie bewaffnen, darf sie nicht demobilisieren, sondern muss sie im Zustand der Mobilisierung zur Verwirklichung des zweiten Fünfjahrplans halten.
Daraus ergibt sich die erste Schlussfolgerung: Sich nicht von den erzielten Erfolgen hinreißen lassen und nicht überheblich werden.
Wir haben Erfolge errungen, weil wir eine richtige leitende Parteilinie hatten und es verstanden, die Massen zu organisieren, um diese Linie in die Tat umzusetzen. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass wir ohne diese Bedingungen nicht jene Erfolge erzielt hätten, die wir jetzt haben und auf die wir mit Recht stolz sind. Aber eine richtige Linie haben und sie durchzuführen verstehen - das ist eine große Seltenheit im Leben regierender Parteien.
Sehen Sie sich die uns umgebenden Länder an: Werden Sie viele regierende Parteien finden, die eine richtige Linie haben und sie durchführen? Eigentlich gibt es solche Parteien jetzt nirgends in der Welt, denn sie alle leben ohne Perspektive, irren umher im Chaos der Krise und sehen keinen Weg, sich aus dem Sumpf herauszuarbeiten. Nur unsere Partei weiß, welchem Ziel sie zusteuert, und führt ihre Sache erfolgreich vorwärts. Welchem Umstand verdankt unsere Partei diesen ihren Vorzug? Dem Umstand, dass sie eine marxistische Partei, eine leninistische Partei ist. Sie verdankt ihn dem Umstand, dass sie sich in ihrer Arbeit von der Lehre von Marx, Engels, Lenin leiten läßt. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass wir, solange wir dieser Lehre treu bleiben, solange wir diesen Kompass besitzen, Erfolge in unserer Arbeit haben werden.
Man behauptet, dass im Westen in gewissen Staaten der Marxismus bereits vernichtet sei. Man behauptet, dass ihn die bürgerlich-nationalistische Richtung, die man Faschismus nennt, vernichtet hätte. Das ist natürlich Unsinn. So können nur Leute reden, die die Geschichte nicht kennen. Der Marxismus ist der wissenschaftliche Ausdruck der Lebensinteressen der Arbeiterklasse. Um den Marxismus zu vernichten, müsste man die Arbeiterklasse vernichten. Die Arbeiterklasse aber kann man nicht vernichten. Mehr als 80 Jahre sind vergangen, seitdem der Marxismus auf den Plan getreten ist. In dieser Zeit haben Dutzende und Hunderte von bürgerlichen Regierungen versucht, den Marxismus zu vernichten. Und das Ergebnis? Die bürgerlichen Regierungen kamen und gingen, der Marxismus aber ist geblieben. (Stürmischer Beifall.) Mehr noch: Der Marxismus hat es erreicht, dass er auf einem Sechstel der Erde den vollen Sieg davontrug, und zwar hat er den Sieg in dem Lande errungen, in dem man den Marxismus für endgültig vernichtet hielt. (Stürmischer Beifall.) Man kann es nicht für einen Zufall halten, dass das Land, in dem der Marxismus den vollen Sieg davontrug, jetzt das einzige Land in der Welt ist, das keine Krisen und keine Arbeitslosigkeit kennt, während in allen übrigen Ländern, auch in den Ländern des Faschismus, bereits vier Jahre lang Krise und Arbeitslosigkeit herrschen. Nein, Genossen, das ist kein Zufall. (Anhaltender Beifall.)
Ja, Genossen, wir verdanken unsere Erfolge der Tatsache, dass wir unter dem Banner von Marx, Engels, Lenin gearbeitet und gekämpft haben.
Daraus ergibt sich die zweite Schlussfolgerung: Bis zum letzten treu bleiben dem großen Banner von Marx, Engels, Lenin. (Beifall.)
Die Stärke der Arbeiterklasse der UdSSR besteht nicht nur darin, dass sie eine in Kämpfen erprobte Leninsche Partei besitzt. Ihre Stärke besteht ferner nicht nur darin, dass sie von den Millionenmassen der werktätigen Bauern unterstützt wird. Ihre Stärke besteht auch noch darin, dass das Weltproletariat sie unterstützt und ihr hilft. Die Arbeiterklasse der UdSSR ist ein Teil des Weltproletariats, seine Vorhut, und unsere Republik ist eine Schöpfung des Weltproletariats. Es kann kein Zweifel darüber bestehen: Wenn sie nicht die Unterstützung der Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder gehabt hätte, dann hätte sie nicht die Macht behauptet, dann hätte sie nicht die Bedingungen für den sozialistischen Aufbau schaffen können - sie hätte also nicht die Erfolge aufzuweisen, die sie jetzt aufzuweisen hat. Die internationalen Verbindungen der Arbeiterklasse der UdSSR mit den Arbeitern der kapitalistischen Länder, das brüderliche Bündnis der Arbeiter der UdSSR mit den Arbeitern aller Länder - das ist einer der Grundpfeiler der Stärke und Macht der Republik der Sowjets. Die Arbeiter im Westen sagen, dass die Arbeiterklasse der UdSSR die Stoßbrigade des Weltproletariats ist. Das ist sehr gut. Das bedeutet, dass das Weltproletariat auch in Zukunft bereit ist, die Arbeiterklasse der UdSSR nach Kräften und Möglichkeiten zu unterstützen. Aber das erlegt uns große Pflichten auf. Das bedeutet, dass wir durch unsere Arbeit den Ehrennamen der Stoßbrigade der Proletarier aller Länder rechtfertigen müssen. Das verpflichtet uns, besser zu arbeiten und besser zu kämpfen für den endgültigen Sieg des Sozialismus in unserem Lande, für den Sieg des Sozialismus in allen Ländern.
Daraus ergibt sich die dritte Schlussfolgerung: Bis zum letzten treu bleiben der Sache des proletarischen Internationalismus, der Sache des brüderlichen Bundes der Proletarier aller Länder. (Beifall.)
Das sind die Schlussfolgerungen.
Es lebe das große und unbesiegbare Banner von Marx, Engels, Lenin! (Stürmischer, anhaltender Beifall im ganzen Saal. Der Parteitag bereitet dem Genossen Stalin eine Ovation. Die Anwesenden singen die „Internationale“. Nach dem Gesang der „Internationale“ setzt die Ovation mit erneuter Kraft ein. Rufe: „Hurra Stalin!“, „Es lebe Stalin!“, „Es lebe das ZK der Partei!“)
An den Chef und Kommissar der Frunse-Militärakademie der Roten Arbeiter- und Bauernarmee, Genossen Schaposchnikow. An den Stellvertreter für die politische Arbeit, Genossen Schtschadenko
Seite 337
Ich beglückwünsche die Hörer, die Lehrer und die Leiter der mit dem Rotbannerorden ausgezeichneten Militärakademie zum 15. Jahrestag der Akademie und zur Verleihung des Leninordens.
Ich wünsche der Akademie vollen Erfolg bei der für die Verteidigung des Heimatlandes notwendigen Ausbildung von qualifizierten bolschewistischen Kommandeuren, Meistern der Kriegskunst.
J. Stalin
„Prawda“ Nr. 18, 18. Januar 1934.
Statt eines Schlusswortes
Seite 338
31. Januar 1934
Genossen!
Die Diskussion auf dem Parteitag hat, kann man sagen, in allen Fragen der Parteipolitik die völlige Einheit der Auffassungen unserer führenden Parteifunktionäre gezeigt. Einwände gegen den Rechenschaftsbericht sind, wie Sie wissen, nicht erhoben worden. Es hat sich also eine außergewöhnliche ideologisch-politische und organisatorische Geschlossenheit der Reihen unserer Partei gezeigt. (Beifall.) Es fragt sich: Besteht danach die Notwendigkeit eines Schlusswortes? Ich glaube, dass eine solche Notwendigkeit nicht besteht. Erlauben Sie mir deshalb, auf das Schlusswort zu verzichten. (Stürmische Ovation, die Delegierten erheben sich von den Plätzen, donnernde Hurrarufe. Kollektive Rufe: „Es lebe Stalin!“ Die Delegierten singen stehend die „Internationale“. Nach dem Gesang der „Internationale“ setzt die Ovation erneut ein. Hurrarufe. Rufe: „Es lebe Stalin!“, „Es lebe das ZK!“)
„Prawda“ Nr. 31, 1. Februar 1934.
Fußnoten
- ↑ Der XVI. Parteitag der KPdSU(B) tagte in Moskau vom 26. Juni bis zum 13. Juli 1930. Der Parteitag erörterte den politischen und den organisatorischen Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der Partei; die Rechenschaftsberichte der Zentralen Revisionskommission, der ZKK, der Delegation der KPdSU(B) im Exekutivkomitee der Komintern; ferner folgende Referate: über die Erfüllung des Fünfjahrplans der Industrie, über die Kollektivwirtschaftsbewegung und den Aufstieg der Landwirtschaft, über die Aufgaben der Gewerkschaften in der Rekonstruktionsperiode. Der Parteitag billigte einstimmig die politische Linie und die Tätigkeit des Zentralkomitees der Partei und gab dem ZK die Anweisung, auch in Zukunft ein bolschewistisches Tempo des sozialistischen Aufbaus zu sichern, die Erfüllung des Fünfjahrplans in vier Jahren zu erreichen und die voll entfaltete sozialistische Offensive an der ganzen Front sowie die Liquidierung des Kulakentums als Klasse auf Basis der durchgängigen Kollektivierung unentwegt durchzuführen. Der Parteitag stellte fest, dass der Umschwung in der Entwicklung der Landwirtschaft, durch den die Kollektivbauernschaft zur wirklichen und festen Stütze der Sowjetmacht wurde, von weltgeschichtlicher Bedeutung ist. Der Parteitag beauftragte das Zentralkomitee der Partei, auch fernerhin eine feste Friedenspolitik zu betreiben und die Verteidigungskraft der UdSSR zu stärken. Der Parteitag gab Weisung, die Schwerindustrie mit allen Mitteln zu entfalten und eine neue, starke Kohlen- und Hüttenbasis im Osten des Landes zu schaffen; die Arbeit aller Massenorganisationen umzustellen und die Rolle der Gewerkschaften beim sozialistischen Aufbau zu verstärken; alle Arbeiter und die übrigen werktätigen Massen in den sozialistischen Wettbewerb einzubeziehen. Der Parteitag entlarvte vollends den Rechtsopportunismus als Agentur des Kulakentums innerhalb der Partei und erklärte die Anschauungen der rechten Opposition für unvereinbar mit der Zugehörigkeit zur KPdSU(B). Der Parteitag wies die Parteiorganisationen an, den Kampf gegen die Abweichungen in der nationalen Frage - den groß-russischen Chauvinismus und den lokalen Nationalismus sowie das Versöhnlertum ihnen gegenüber - zu verstärken und die Leninsche nationale Politik unentwegt durchzuführen, die den Völkern der UdSSR eine großzügige Entwicklung ihrer der Form nach nationalen, dem Inhalt nach sozialistischen Kulturen sichert. Der XVI. Parteitag ist in die Geschichte der Partei eingegangen als der Parteitag der voll entfalteten Offensive des Sozialismus an der ganzen Front, der Liquidierung des Kulakentums als Klasse und der Verwirklichung der durchgängigen Kollektivierung. J. W. Stalin erstattete dem Parteitag am 27. Juni den politischen Rechenschaftsbericht des ZK der KPdSU(B) (siehe „Werke“, Bd. 12) und hielt am 2. Juli das Schlusswort. (Über den XVI. Parteitag der KPdSU(B) siehe „Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang“, S. 296-298 [deutsche Ausgabe, Berlin 1951, S. 386-389]). Die Resolutionen des Parteitags siehe in „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S. 394-436, russ.)
- ↑ Das Plenum des Zentralkomitees der KPdSU(B), das vom 10. bis zum 17. November 1929 tagte, behandelte folgende Fragen: die Kontrollzahlen der Volkswirtschaft für das Jahr 1929130; die Ergebnisse und die weiteren Aufgaben des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus und andere. Nach Erörterung der Frage hinsichtlich der Gruppe der rechten Abweichler erklärte das Plenum die Propagierung der Anschauungen des rechten Opportunismus und des Versöhnlertums ihm gegenüber für unvereinbar mit dem Verbleiben in der KPdSU(B), fasste den Beschluss, Bucharin als den Anführer der rechten Kapitulanten aus dem Politbüro des ZK der KPdSU(B) auszuschließen, und erteilte Rykow, Tomski und anderen Teilnehmern der rechten Opposition eine Verwarnung. (Die Resolutionen des Plenums des ZK der KPdSU(B) siehe in „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S. 359-388, russ.)
- ↑ Die X. Uraler Gebietsparteikonferenz tagte in Swerdlowsk vom 3. bis zum 13. Juni 1930. Die Konferenz billigte voll und ganz die politische und organisatorische Linie des ZK der Partei. Die Konferenz entlarvte die rechts-opportunistischen Manöver Rykows, betonte die konterrevolutionäre verräterische Rolle der rechten Abweichung in der kommunistischen Bewegung und forderte in ihren Beschlüssen die Uraler Parteiorganisation zum schonungslosen Kampf gegen alle Versuche der rechten Kapitulanten auf, gegen die Linie der Partei und ihr Leninsches Zentralkomitee aufzutreten.
- ↑ Gemeint ist der VI. Kongress der kommunistischen Organisationen Transkaukasiens (Aserbaidschans, Armeniens und Georgiens), der in Tiflis vom 5. bis zum 12. Juni 1930 tagte. Der Kongress billigte voll und ganz die politische und organisatorische Linie sowie die praktische Tätigkeit des ZK der KPdSU(B).
- ↑ Die erste Unionskonferenz der Funktionäre der sozialistischen Industrie tagte in Moskau vom 30. Januar bis zum 4. Februar 1931. Auf der Konferenz waren 728 Delegierte anwesend. Unter den Delegierten der Konferenz befanden sich Vertreter der Industrievereinigungen, Werkdirektoren und Bauleiter, Ingenieure, Meister und die besten Stoßarbeiter, führende Funktionäre von Partei- und Gewerkschaftsorganisationen. Die Konferenz nahm den Bericht des Vorsitzenden des Obersten Volkswirtschaftsrats, G. K. Ordshonikidse, „Die Kontrollzahlen für das Jahr 1931 und die Aufgaben der Wirtschaftsorganisationen“ entgegen. Am 3. Februar hielt der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, W. M. Molotow, auf der Konferenz die Rede „Die grundlegenden Voraussetzungen des Wirtschaftsplans und seine Erfüllung“. J. W. Stalin hielt am 4. Februar in der Schlusssitzung der Konferenz die Rede „Über die Aufgaben der Wirtschaftler“. Gestützt auf die Weisungen J. W. Stalins legte die Konferenz praktische Maßnahmen zur Erfüllung des Volkswirtschaftsplans des dritten, entscheidenden Jahres des ersten Fünfjahrplans fest. Die Konferenz hob hervor, dass die wichtigsten Aufgaben der Wirtschaftler die folgenden sind: Meisterung der Technik, Verbesserung der Leitung der Produktion, konsequente Verwirklichung der persönlichen Leitung, Einführung der wirtschaftlichen Rechnungsführung und Kampf um die Erhöhung der Arbeitsproduktivität, die Senkung der Selbstkosten und die Verbesserung der Qualität der Erzeugnisse. Die Konferenz sandte ein Begrüßungsschreiben an das Zentralkomitee der KPdSU(B).
- ↑ Gemeint ist die Schädlingsarbeit der konterrevolutionären Organisation bürgerlicher Spezialisten im Schachty-Bezirk und in anderen Bezirken des Donezbeckens. Diese Organisation wurde Anfang 1928 aufgedeckt. Der Prozess gegen die Schachty-Verbrecher fand vor einem Sonderkollegium des Obersten Gerichtshofes der UdSSR in Moskau vom 18. Mai bis zum 5. Juli 1928 statt. (Über die Schachty-Affäre siehe J. W. Stalin, „Werke“, Bd. 11, S. 34/35, 53-64 [deutsche Ausgabe S. 31/32, 47-57], siehe auch „Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang“, S. 279 [deutsche Ausgabe, Berlin 1951, S. 3641365].)
- ↑ Der Prozess gegen die konterrevolutionäre Schädlings- und Spionageorganisation „Industriepartei“ fand vom 25. November bis zum 7. Dezember 1930 in Moskau statt. Die Verhandlungen wurden vor einem Sonderkollegium des Obersten Gerichtshofes der UdSSR geführt. Wie während des Prozesses festgestellt wurde, war die „Industriepartei“, in der sich konterrevolutionäre Elemente aus der Oberschicht der alten bürgerlichen technischen Intelligenz zusammengeschlossen hatten, eine Spionage- und Militäragentur des internationalen Kapitals in der Sowjetunion. Sie stand mit weißen Emigranten - den früheren Großkapitalisten des zaristischen Rußlands - in Verbindung und bereitete auf direkte Anweisung des französischen Generalstabs eine militärische Intervention der Imperialisten und den bewaffneten Sturz der Sowjetmacht vor. Von den ausländischen Imperialisten erhielten die Schädlinge Direktiven und Mittel zur Durchführung ihrer Spionage- und Diversionstätigkeit in den verschiedenen Zweigen der Volkswirtschaft der UdSSR.
- ↑ Am 14. Mai 1931 teilten die Erbauer der Magnitogorslcer Hüttenwerke in einem Telegramm an J. W. Stalin die Inbetriebnahme des Bergwerks am Magnitnaja-Berg mit.
- ↑ Die Beratung der Wirtschaftler fand vom 22. bis zum 23. Juni 1931 beim ZK der KPdSU(B) statt. An der Beratung nahmen Vertreter der dem Obersten Volkswirtschaftsrat der UdSSR unterstehenden Wirtschaftsorganisationen sowie des Volkskommissariats für Versorgung der UdSSR teil. J. W. Stalin wohnte der Beratung am 22. und 23. Juni bei und hielt in der Sitzung am 23. Juni 1931 die Rede „Neue Verhältnisse - neue Aufgaben des wirtschaftlichen Aufbaus“. An den Arbeiten der Beratung nahmen teil: W. M. Molotow, K. J. Woroschilow, A. A. Andrejew, L. M. Kaganowitsch, A. 1. Ivlikojan, N. M. Schwernik, M. I. Kalinin, G. K. Ordshonikidse und W. W. Kujbyschew.
- ↑ Das Begrüßungsschreiben wurde von J. W. Stalin anlässlich der Inbetriebnahme des Industriegiganten - des Moskauer Autowerks „AMO“ - verfasst, die am 1. Oktober 1931 erfolgte. Am Tage der Inbetriebnahme wurde dem Werk auf die Bitte der Arbeiter in einer Betriebskonferenz der Arbeiter, Ingenieure, Techniker und Angestellten der Name des Genossen Stalin verliehen, es hieß fortan Autowerk „Stalin“.
- ↑ „Technika“ (Die Technik) - Zeitung, die vorn Oktober 1931 bis zum Jahre 1937 jeden dritten Tag erschien. Bis Januar 1932 war die Zeitung das Organ des Obersten Volkswirtschaftsrats der UdSSR, später - das Organ des Volkskommissariats für Schwerindustrie der UdSSR. Das Begrüßungsschreiben J. W. Stalins wurde in Nr. 1 der „Technika“ am 10. Oktober 1931 veröffentlicht.
- ↑ „Proletarskaja Rewo1uzija“ (Die proletarische Revolution) - Zeitschrift für Geschichte. Von 1921 bis 1928 wurde die Zeitschrift von der Kommission für die Geschichte der Oktoberrevolution und der KPR(B), später von der Abteilung des ZK der KPdSU(B) für das Studium der Geschichte der Oktoberrevolution und der KPdSU(B) und von Oktober 1928 bis 1931 vom Lenin-Institut beim ZK der KPdSU(B) herausgegeben. Nach einjähriger Unterbrechung wurde die Zeitschrift von 1933 bis 1941 vom Marx-Engels-Lenin-Institut beim ZK der KPdSU(B) herausgegeben.
- ↑ Versailler System - das System der politischen und ökonomischen Beziehungen zwischen den kapitalistischen Ländern, das von England, den USA und Frankreich nach der Zerschlagung Deutschlands und seiner Verbündeten im imperialistischen Weltkrieg 1914/1918 geschaffen wurde. Die Grundlage dieses Systems bildeten der Versailler Friedensvertrag und eine Reihe mit ihm zusammenhängender anderer Verträge, in denen unter anderem die neuen Grenzen der europäischen Staaten festgelegt wurden.
- ↑ Gemeint sind die Begegnungen J. W. Stalins mit W.I. Lenin in Stockholm auf dem IV. Parteitag der SDAPR (1906), in London während des V. Parteitags der SDAPR (1907) und während der Reisen J. W. Stalins ins Ausland - Krakau, Wien (1912 und 1913).
- ↑ In einem Brief an J. W. Stalin vom 25. März 1932 bat der Vertreter der Telegrafenagentur „Associated Press“ Richardson um Beantwortung der Frage, ob die in der ausländischen Presse verbreiteten Gerüchte, dass der Berliner Arzt Zondek zur Behandlung J. W. Stalins nach Moskau eingeladen worden sei, der Wahrheit entsprechen.
- ↑ Das Beschwerdebüro wurde im April 1919 beim Volkskommissariat für Staatliche Kontrolle gebildet, das im Jahre 1920 in Volkskommissariat für die Arbeiter- und Bauerninspektion umgewandelt wurde. Die Aufgaben und der Inhalt der Arbeit des Zentralen Büros für Beschwerden und Eingaben wurden in der Verordnung vom 4. Mai 1919, die Aufgaben der örtlichen Zweigstellen des Zentralen Beschwerdebüros in der Verordnung vom 24. Mai 1919 festgelegt, die mit Unterschrift des Volkskommissars für Staatliche Kontrolle, J. W. Stalin, erlassen wurden. Seit dem Tage ihrer Gründung leisten das Zentrale Beschwerdebüro und die örtlichen Beschwerdebüros bei der Prüfung und Behandlung von Beschwerden und Eingaben der Werktätigen eine bedeutende Arbeit, zu der sie ein breites Aktiv von Arbeitern und Bauern heranziehen. Im Februar 1934 wurde das Büro für Beschwerden und Eingaben in das System der Kommission für Sowjetkontrolle beim Rat der Volkskommissare der UdSSR eingegliedert, und seit September 1940 ist es eine Abteilung des Volkskommissariats (später - Ministeriums) für Staatliche Kontrolle der UdSSR. J. W. Stalins Artikel „Ober die Bedeutung und die Aufgaben der Beschwerdebüros“ wurde anlässlich der Woche zur Überprüfung der Arbeit der Beschwerdebüros geschrieben, die auf Beschluss des Präsidiums der Zentralen Kontrollkommission der KPdSU(B) und des Kollegiums des Volkskommissariats für die Arbeiter- und Bauerninspektion der UdSSR vom 9. bis zum 14. April 1932 in der ganzen Sowjetunion durchgeführt wurde.
- ↑ Die VII. Unionskonferenz des Leninschen Kommunistischen Jugendverbands fand vom 1. bis zum 8. Juli 1932 in Moskau statt. Die Konferenz behandelte folgende Fragen: das vierte, abschließende Jahr des Fünfjahrplans und die Aufgaben des Leninschen Kommunistischen Jugendverbands (sozialistischer Wettbewerb, Stoßbrigadenbewegung usw.); das Wachstum des Kommunistischen Jugendverbands und der Pionierorganisation 'und der Stand der politischen Erziehungsarbeit im Kommunistischen Jugendverband und unter den Pionieren. J. W. Stalins Begrüßungsschreiben wurde am 8. Juli in der Schlusssitzung der Konferenz verlesen.
- ↑ Das „Begrüßungsschreiben an Maxim Gorki“ wurde anlässlich des vierzigjährigen Jubiläums der literarischen und revolutionären Tätigkeit des großen proletarischen Schriftstellers Alexej Maximowitsch Gorki geschrieben, das am 25. September 1932 begangen wurde.
- ↑ Es handelt sich um den Bürgerkrieg zwischen den Süd- und den Nordstaaten Amerikas 1861-1865.
- ↑ „The New York Times“ - bürgerliche Tageszeitung in den USA, einflussreiches Organ der amerikanischen kapitalistischen Monopole, das mit der so genannten Demokratischen Partei verbunden ist; erscheint in New York seit dem Jahre 1851.
- ↑ „The Daily Telegraph“ - englische reaktionäre Tageszeitung, die der Führung der Konservativen Partei nahe steht; erscheint in London seit dem Jahre 1855. Seit 1937, nach der Verschmelzung mit der Zeitung „The Morning Post“, erscheint sie in London und Manchester unter dem Titel „Daily Telegraph and Morning Post“.
- ↑ „Gazeta Polska“ - polnische bürgerliche Zeitung, Sprachrohr der faschistischen Pilsudskiclique; erschien in Warschau von 1929 bis 1939.
- ↑ „The Financial Times“ - bürgerliche Tageszeitung in England, Organ der Industrie- und Finanzkreise der Londoner City; erscheint in London seit 1888.
- ↑ „Politica“ - italienische gesellschaftspolitische Zeitschrift, die die Anschauungen der italienischen Großbourgeoisie zum Ausdruck brachte; erschien in Rom seit 1918.
- ↑ „Current History“ - Zeitschrift, die die Anschauungen der amerikanischen bürgerlichen Historiker, der Ideologen des aggressiven außenpolitischen Kurses des Staatsdepartements (Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten) der USA propagiert. Die Zeitschrift erscheint seit 1914 in New York.
- ↑ „Le Temps“ - französische bürgerliche Tageszeitung, die seit 1931 der Vereinigung der Schwerindustrie („Comitd des Forges“) gehörte; erschien in Paris von 1861 bis 1942.
- ↑ „The Round Table“ - englische bürgerliche Zeitschrift, die sich mit Fragen der Kolonialpolitik des Britischen Imperiums und der internationalen Beziehungen befasste. Die Zeitschrift brachte die Anschauungen der konservativsten Kreise der englischen Bourgeoisie zum Ausdruck; erschien in London seit 1910.
- ↑ „Neue Freie Presse“ - österreichische bürgerliche Zeitung, die die Anschauungen der Handels- und Industriebourgeoisie und der Bankkreise zum Ausdruck brachte; erschien in Wien von 1864 bis 1939.
- ↑ „The Nation“ - amerikanische gesellschaftspolitische und literarische Zeitschrift liberaler Richtung, die die Anschauungen kleinbürgerlicher Kreise zum Ausdruck bringt. Die Zeitschrift erscheint seit 1865 in New York.
- ↑ „Forward“ - trade-unionistische Wochenzeitschrift „links“-reformistischer Richtung; erschien in Glasgow (Schottland) seit 1906.
- ↑ Ende 1931 ließ das imperialistische Japan in dem Bestreben, seine Herrschaft in China und im Fernen Osten aufzurichten, ohne Kriegserklärung seine Truppen in die Mandschurei einmarschieren. Die Okkupation der Mandschurei war begleitet von einer Konzentration japanischer Truppen an der Grenze der UdSSR und von der Mobilisierung weißgardistischer Spione und Banditen zum Krieg gegen die Sowjetunion. Die japanischen Imperialisten bereiteten günstige Positionen für einen Überfall auf die UdSSR vor mit dem Ziel, den sowjetischen Fernen Osten und Sibirien an sich zu reißen.
- ↑ Gemeint ist der Beschluss des Zentralexekutivkomitees und des Rates der Volkskommissare der UdSSR vom 22. August 1932 „Über den Kampf gegen die Spekulation“. Der Beschluss wurde in Nr.233 der „Prawda“ vom 23. August 1932 veröffentlicht.
- ↑ Es handelt sich um den Beschluss des Zentralexekutivkomitees und des Rates der Volkskommissare der UdSSR „Über den Schutz des Eigentums der staatlichen Betriebe, der Kollektivwirtschaften und Genossenschaften sowie über die Festigung des gesellschaftlichen (sozialistischen) Eigentums“, der am 7. August 1932 angenommen wurde. In diesem von J. W. Stalin verfassten Beschluss heißt es: „Das ZEK und der Rat der Volkskommissare der UdSSR sind der Auffassung, dass das gesellschaftliche (staatliche, kollektivwirtschaftliche, genossenschaftliche) Eigentum die Grundlage der sowjetischen Gesellschaftsordnung bildet, es ist heilig und unantastbar, und Personen, die sich am gesellschaftlichen Eigentum vergreifen, sind als Feinde des Volkes zu betrachten; deshalb ist der entschlossene Kampf gegen Diebe am gesellschaftlichen Eigentum die erste Pflicht der Organe der Sowjetmacht.“ Der Beschluss wurde in Nr. 218 der „Prawda“ vom B. August 1932 veröffentlicht.
- ↑ Gemeint ist die konterrevolutionäre Meuterei in Kronstadt im März 1921. An der Spitze der Meuterei standen Weißgardisten, die mit den Sozialrevolutionären, den Menschewiki und Vertretern fremder Staaten in Verbindung standen.
- ↑ „Rabotniza“ (Die Arbeiterin) - Zeitschrift, die vom Verlag der „Prawda“ herausgegeben wird; erscheint seit Januar 1923.
- ↑ Der erste Unionskongress der Stoßarbeiter der Kollektivwirtschaften tagte in Moskau vom 15. bis zum 19. Februar 1933. Auf dem Kongress waren 1513 Delegierte anwesend. J. W. Stalin nahm an den Arbeiten des Kongresses teil. Der Kongress wählte J. W. Stalin ins Ehrenpräsidium und begrüßte ihn im Namen der Millionen Kollektivbauern. Der Kongress erörterte die Frage der Festigung der Kollektivwirtschaften und die Aufgaben bei der Frühjahrsaussaat. J. W. Stalin hielt auf der Schlusssitzung des Kongresses am 19. Februar eine Rede. Auf dem Kongress sprachen ferner W. M. Molotow, L. M. Kaganowitsch, M.I. Kalinin, K. J. Woroschilow, S. M. Budjonny. Der Kongress wandte sich mit einem Aufruf an alle Kollektivbauern der UdSSR und forderte sie auf, die Kollektivwirtschaften bolschewistisch zu machen, den sozialistischen Unionswettbewerb in den Sowjet- und Kollektivwirtschaften für eine hohe Ernte, für eine vorbildliche Vorbereitung und Durchführung der Frühjahrsaussaat zu entfalten.
- ↑ Gemeint ist ein Brief, den die Kollektivbauern des Tätigkeitsbereichs der Besentschuker MTS im Mittleren Wolgagebiet (dem heutigen Kujbyschewer Gebiet) an J. W. Stalin schrieben und der in Nr. 28 der „Prawda“ vom 29. Januar 1933 veröffentlicht wurde.
- ↑ „Metro-Vickers“ - englische elektrotechnische Firma, die mit der UdSSR einen Vertrag über technische Hilfe für die Betriebe der Elektroindustrie der Sowjetunion hatte. Im März 1933 wurden 6 Engländer - Angestellte des Moskauer Kontors der „Metro-Vickers“ - wegen Schädlingsarbeit in sowjetischen Großkraftwerken zur gerichtlichen Verantwortung gezogen. Die Untersuchung und der Prozess, der vom 12. bis zum 19. April 1933 stattfand, ergaben, dass die verhafteten Angestellten der „Metro-Vickers“ in der UdSSR Spionage getrieben und mit Hilfe eines Häufleins verbrecherischer Elemente die Beschädigung von Maschinenanlagen, Havarien und Diversionsakte in den Großkraftwerken der UdSSR organisiert hatten mit dem Ziel, die Leistung der Sowjetindustrie zu untergraben und den Sowjetstaat zu schwächen.
- ↑ Gemeint ist die Rundfunkansprache, die M. I. Kalinin anlässlich der am 16. November 1933 erfolgten Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen der UdSSR und den USA am 20. November 1933 an das amerikanische Volk richtete.
- ↑ Die Weltwirtschaftskonferenz in London fand in der Zeit vom 12. Juni bis zum 27. Juli 1933 statt. Die Initiatoren der Einberufung der Konferenz - England und andere kapitalistische Länder - versuchten sie als Heilmittel für die Liquidierung der Wirtschaftskrise und die „Sanierung“ des Kapitalismus hinzustellen. Auf der Konferenz sollten Fragen der Stabilisierung der Währungen, der Organisierung der Produktion und des Handels, der Aufhebung der Zollschranken und der Herstellung des Wirtschaftsfriedens zwischen allen kapitalistischen Ländern behandelt werden. Die sowjetische Delegation verlieh dem unbeirrbaren Bestreben der UdSSR, die Sache des Friedens und die Festigung sachlicher Beziehungen zu fördern, Ausdruck, als sie auf der Konferenz den Abschluss eines wirtschaftlichen Nichtangriffspaktes vorschlug und erklärte, dass die Sowjetunion bereit sei, auf der Basis des Erhalts langfristiger Kredite und der Schaffung normaler Bedingungen für den sowjetischen Export Aufträge in Höhe von einer Milliarde Dollar an das Ausland zu vergeben. Die Vorschläge der Sowjetdelegation wurden von der Konferenz nicht unterstützt. Die Konferenz offenbarte die völlige Ohnmacht der kapitalistischen Welt, einen Ausweg aus der Wirtschaftskrise zu finden, sowie die weitere Verschärfung der Gegensätze zwischen den kapitalistischen Ländern, in erster Linie zwischen England und Amerika und zwischen Deutschland und seinen Gläubigem. Nach fruchtlosen Debatten endete die Konferenz mit einem Fiasko, ohne eine einzige der von ihr aufgeworfenen Fragen gelöst zu haben.
- ↑ Der XVII. Parteitag der KPdSU(B) tagte in Moskau vom 26. Januar bis zum 10. Februar 1934. Der Parteitag erörterte den Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der KPdSU(B), die Rechenschaftsberichte der Zentralen Revisionskommission, der ZKK - Arbeiter- und Bauerninspektion, der Delegation der KPdSU(B) im Exekutivkomitee der Komintern, die Berichte über den zweiten Fünfjahrplan und über Organisationsfragen (Partei- und Sowjetaufbau). Zu dem Rechenschaftsbericht J. W. Stalins über die Arbeit des ZK der KPdSU(B) nahm der Parteitag eine Entschließung an, in der er die politische Linie und die praktische Tätigkeit des ZK der KPdSU(B) voll und ganz billigte und alle Parteiorganisationen aufforderte, sich in ihrer Arbeit von den in J. W. Stalins Bericht dargelegten Grundsätzen und Aufgaben leiten zu lassen. Der Parteitag hob die entscheidenden Erfolge des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR hervor und stellte fest, dass die Generallinie der Partei gesiegt hat. Der XVII. Parteitag ging als Parteitag der Sieger in die Geschichte der Partei ein. Zu den Berichten W. M. Molotows und W. W. Kujbyschews nahm der Parteitag eine Resolution an „über den zweiten Fünfjahrplan der Entwicklung der Volkswirtschaft der UdSSR (1933-1937)“, den Plan der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft; er bestätigte das grandiose Programm der Vollendung der technischen Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft, der noch schnelleren Hebung des materiellen und kulturellen Niveaus der Arbeiter und Bauern. Der Parteitag hob hervor, dass die politische Hauptaufgabe des zweiten Fünfjahrplans die endgültige Liquidierung der kapitalistischen Elemente, die Überwindung der Überreste des Kapitalismus im Wirtschaftsleben und im Bewusstsein der Menschen ist. Zum Bericht L. M. Kaganowitschs nahm der Parteitag Beschlüsse zu Organisationsfragen (Partei- und Sowjetaufbau) an. Der Parteitag wies darauf hin, dass die Hauptaufgaben des zweiten Fünfjahrplans in aller Schärfe die Frage der Verbesserung der Arbeit auf allen Gebieten und in erster Linie der Verbesserung der praktisch-organisatorischen Leitung stellen. Auf dem Parteitag wurde das neue Parteistatut angenommen. An Stelle der Zentralen Kontrollkommission - Arbeiter- und Bauerninspektion schuf der Parteitag die Kommission für Parteikontrolle beim ZK der KPdSU(B) und die Kommission für Sowjetkontrolle beim Rat der Volkskommissare der UdSSR. (Über den XVII. Parteitag der KPdSU(B) siehe „Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang“, S. 305-309 [deutsche Ausgabe, Berlin 1951, S.399-404]. Die Resolutionen und Beschlüsse des Parteitags siehe in „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil 11, 1941, S. 567-596, russ.)
- ↑ Im Jahre 1931 stürzten das Proletariat und die Bauernschaft Spaniens die 1923 errichtete faschistische Militärdiktatur des Generals Primo de Rivera und beseitigten die Monarchie. Am 14. April 1931 wurde in Spanien die Republik ausgerufen. Jedoch infolge der politischen Schwäche und der organisatorischen Zersplitterung des Proletariats, des Verrats der Führung der Sozialistischen Partei und der Anarchisten rissen die Bourgeoisie und die Gutsbesitzer die Macht an sich; es wurde eine Koalitionsregierung aus Vertretern der bürgerlichen Parteien und der Sozialisten gebildet. Ungeachtet der Versuche der Koalitionsregierung, die weitere Entwicklung der Revolution aufzuhalten, dauerten die revolutionären Massenkämpfe der Arbeiter und Bauern gegen die Gutsbesitzer und die Bourgeoisie an. Der Höhepunkt der revolutionären Bewegung dieser Periode war der Generalstreik und der bewaffnete Kampf der Bergarbeiter Asturiens im Oktober 1934.
- ↑ „Aktionskomitees“ - revolutionäre Organisationen der Arbeiter in England, Frankreich und anderen an der militärischen Intervention gegen die Sowjetrepublik in den Jahren 1918 bis 1920 beteiligten kapitalistischen Länder. Die „Aktionskomitees“ waren unter der Losung „Hände weg von Sowjetrußland!“ gebildet worden. Unter Führung der „Aktionskomitees“ veranstalteten die Arbeiter Streiks, Demonstrationen, verweigerten sie die Verladung von Kriegsmaterial, um die Intervention zum Scheitern zu bringen. Am weitesten verbreitet waren die „Aktionskomitees“ im Jahre 1920 in England.
- ↑ Der zweite Kongress der Kommunistischen Internationale fand vom 19. Juli bis zum 7. August 1920 statt. Der Kongress wurde in Petrograd eröffnet; die folgenden Sitzungen fanden in Moskau statt. Auf dem Kongress waren mehr als 200 Delegierte anwesend, die die Arbeiterorganisationen aus 37 Ländern vertraten. Die gesamte Vorbereitungsarbeit zur Einberufung des Kongresses wurde von W. I. Lenin geleitet. Auf dem Kongress hielt W. I. Lenin das Referat über die internationale Lage und die Hauptaufgaben der Kommunistischen Internationale sowie weitere Referate und Reden. W. I. Lenin und J. W. Stalin wurden von der Delegation der KPR(B) in das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale gewählt. Der zweite Kongress arbeitete die Grundlagen für das Programm, die Organisationsprinzipien sowie die Strategie und Taktik der Kommunistischen Internationale aus.
- ↑ Kleine Entente - politisches Bündnis zwischen der Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien, das von 1920 bis 1938 bestand. Die Kleine Entente stand unter dem Einfluss Frankreichs und trug fast bis zum Ende ihres Bestehens den Charakter eines antisowjetischen Blocks. Die herrschenden Bourgeois- und Gutsbesitzerkreise in den der Kleinen Entente angehörenden Ländern betrachteten sie als Mittel zur Sicherung der Gebiete, die sie auf Grund des Versailler Friedensvertrags erhalten hatten, sowie als Werkzeug des Kampfes gegen die Revolution in Zentraleuropa. Die Gefahr einer Aggression seitens des deutschen Faschismus und das Anwachsen der internationalen Autorität der UdSSR riefen eine Änderung in der Stellung der Länder der Kleinen Entente zur UdSSR hervor. Im Jahre 1933 unterzeichneten die Länder der Kleinen Entente neben anderen Ländern gemeinsam mit der UdSSR eine Konvention über die Definition der Aggression, der der von der Sowjetunion vorgeschlagene Entwurf zugrunde lag.
- ↑ Der XV. Parteitag der KPdSU(B) tagte in Moskau vom 2. bis zum 19. Dezember 1927. J. W. Stalin erstattete am 3. Dezember den politischen Rechenschaftsbericht des ZK der KPdSU(B) und hielt am 7. Dezember das Schlusswort. Der Parteitag billigte die politische und die organisatorische Linie des Zentralkomitees der Partei und erteilte dem ZK den Auftrag, auch weiterhin eine Politik des Friedens und der Festigung der Verteidigungskraft der UdSSR durchzuführen, die sozialistische Industrialisierung des Landes in ungeschwächtem Tempo fortzusetzen und die Kollektivierung der Landwirtschaft mit allen Mitteln zu entfalten, auf die Liquidierung der kapitalistischen Elemente in der Volkswirtschaft hinzusteuern. In seinen Beschlüssen über die Opposition konstatierte der Parteitag, dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Partei und der Opposition in programmatische Meinungsverschiedenheiten umgeschlagen sind, dass die trotzkistische Opposition den Weg des antisowjetischen Kampfes betreten hat, und erklärte die Zugehörigkeit zur trotzkistischen Opposition und die Propagierung ihrer Anschauungen für unvereinbar mit dem Verbleiben in den Reihen der bolschewistischen Partei. Der Parteitag billigte den Beschluss des ZK und der ZKK vom 14. November 1927 über den Ausschluss Trotzkis und Sinowjews aus der Partei und schloss alle aktiven Teilnehmer des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks und die ganze Gruppe des „demokratischen Zentralismus“ aus der Partei aus. (Über den XV. Parteitag siehe „Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang“, S. 275/276 [deutsche Ausgabe, Berlin 1951, S.359-361]. Die Resolutionen und Beschlüsse des Parteitags siehe in „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S. 222-262, russ.)
- ↑ Die XVII. Konferenz der KPdSU(B) tagte in Moskau vom 30. Januar bis zum 4. Februar 1932. Die Konferenz wurde von J. W. Stalin geleitet. Die Konferenz erörterte den Bericht G. K. Ordshonikidses über die Ergebnisse der Entwicklung der Industrie im Jahre 1931 und über die Aufgaben für das Jahr 1932 sowie die Berichte W. M. Molotows und W. W. Kujbyschews über die Direktiven für die Aufstellung des zweiten Fünfjahrplans der Entwicklung der Volkswirtschaft der UdSSR für die Jahre 1933-1937. Die Konferenz hob hervor, dass die Beschlüsse der Parteitage über die Errichtung und Vollendung des Fundaments der sozialistischen Wirtschaft und die Sicherung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der UdSSR mit großem Erfolg erfüllt worden sind. Die Konferenz billigte den Plan der Entwicklung der sozialistischen Industrie für das Jahr 1932, der die Erfüllung des ersten Fünfjahrplans in vier Jahren gewährleistete. In den Direktiven für die Aufstellung des zweiten Fünfjahrplans legte die Konferenz die politischen und wirtschaftlichen Hauptaufgaben des zweiten Fünfjahrplans fest und wies darauf hin, dass die grundlegende und entscheidende wirtschaftliche Aufgabe des zweiten Fünfjahrplans die Vollendung der Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft auf der modernsten technischen Basis ist. (Die Resolutionen der XVII. Konferenz der KPdSU(B) siehe in „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, 5.479-493, russ.)
- ↑ J. W. Stalin, „Über die politischen Aufgaben der Universität der Völker des Ostens“ (siehe „Werke“, Bd. 7).
- ↑ W.I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 27, S.291-319 (russ.).
- ↑ J. W. Stalin, „Zu Fragen der Agrarpolitik in der UdSSR“. Rede auf der Konferenz marxistischer Agrarwissenschaftler am 27. Dezember 1929 (siehe „Werke“, Bd. 12).
- ↑ J. W. Stalin, Politischer Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees an den XVI. Parteitag der KPdSU(B) (siehe „Werke“, Bd. 12).
- ↑ W. I. Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ (siehe „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 22, S. 173-290 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, BdI., S. 767-875]).
- ↑ J. W. Stalin, Politischer Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees an den XVI. Parteitag der KPdSU(B) (siehe „Werke“, Bd. 12).
- ↑ Siehe J. W. Stalin, „Werke“, Bd. 8, S. 287 [deutsche Ausgabe S.256].
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 85 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. 1, S. 746].
- ↑ Siehe W.1. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 87 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. 1, S. 748].
- ↑ Aus dem Poem N. A. Nekrassows „Wer lebt glücklich in Rußland?“. (Siehe N. A. Nekrassow, „Ausgewählte Werke“, 1947, S. 323, russ.)
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 22, S. 305, 304 (russ.).
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 5, S.345 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I, S. 197].
- ↑ W. I. Lenin, „Das Verhältnis der Sozialdemokratie zur Bauernbewegung“ (siehe „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 9, S. 213 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. 1, S. 541]).
- ↑ K. Marx, „Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons ‚Philosophie des Elends’, 1941 [deutsche Ausgabe, Berlin 1952].
- ↑ K. Marx und F. Engels, „Die deutsche Ideologie. Teil I. Kritik der neuesten deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten, Feuerbach, B. Bauer und Stirner“ (siehe „Werke“, Bd. IV, 1938, S.1-442 [deutsche Ausgabe, Berlin 1953].
- ↑ K. Marx und F. Engels, „Ausgewählte Schriften“ in zwei Bänden, Bd. II, 1948, S. 5-34 [deutsche Ausgabe S. 7-36].
- ↑ Siehe J. W. Stalin, „Werke“, Bd. 6, S. 358-401 [deutsche Ausgabe S.320 bis 358].
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 32, S. 413 (russ.).
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 25, S. 338 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 129/130].
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 483/484 (russ.).
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 33, S.388/389 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 972].
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 459 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S.1018/1019].
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 30, S. 127 (russ.).
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 465 (russ.).
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 30, S. 123 (russ.).
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 466 (russ.).
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 30, S.173/174 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I1, 5.629].
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 202/203 (russ.).
- ↑ W. I. Lenin, „Über die Naturalsteuer“ (siehe „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 32, 5.3091310 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 826]).
- ↑ W.I. Lenin, Bericht über die Arbeit im Dorf auf dem VIII. Parteitag der KPR(B) am 23. März 1919 (siehe „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 29, S. 190 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 540]).
- ↑ Siehe K. Marx und F. Engels, „Ausgewählte Schriften“ in zwei Bänden, Bd. 1, 1948, S. 36 [deutsche Ausgabe S. 50].
- ↑ Siehe F. Engels, „Anti-Dühring“, 1950, S. 101 [deutsche Ausgabe, Berlin 1954, S. 129].
- ↑ Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 29, S. 329 (russ.).